Die Zahl regiert das Universum

Die Zahl regiert das Universum Meinung
Teil der Exklusiv-Serie Die Hengst-Chroniken

Die Hengst-Chroniken #33

Michael Hengst / 17. November 2021 - 19:00 — vor 2 Wochen aktualisiert

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Der Titel dieser Kolumne mag zu meinem heutigen Thema passen. Aber sicherlich hatte der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras knapp 500 Jahre vor Christus keine Computerspiele im Sinn, als er seinen berühmten Satz sprach. Vielmehr dachte er wohl an die eigenen Formeln ("a² plus b² gleich c²"), mit denen noch ein paar Tausend Jahre später Schüler getrietzt werden.

Aber für Spieler und die Industrie scheint eine Zahl wirklich das Universum zu regieren: die Wertung. Wohl kaum eine Nummer wird so geliebt, gehasst, umstritten und seit über 40 Jahren so kontrovers diskutiert. Zugegeben, die Fibonacci-Zahlenfolge wird schon länger untersucht, aber immerhin gelten hier mathematische Grundregeln. Die Voraussetzungen für Computerspiele-Wertungen sind deutlich flexibler. Doch nicht nur die Benotung an sich spaltet die Spielerschaft, auch das eigentliche Wertungsschema sorgt regelmäßig für hitzige Diskussionen. Prozente, 10er-System, das 5-Sterne-Prinzip, der Streit darüber, welche Methode die beste ist, kann auch langjährige Freundschaften erschüttern. Die Reibungspunkte sind offensichtlich. Was ist der Unterschied zwischen 67 und 68 Prozent? Sind 10er-Schritte nicht zu grob? Bringen dann Halbnoten die nötige Feinabstimmung oder reicht das noch immer nicht? Gar nicht reden will ich über das 12er-Ranking. Sozusagen das Imperiale System der Wertungswelt.
Wichtig ist auch die Frage danach, wie und was konkret bewertet wird. Steht unter dem Gesamtkunstwerk eine finale Zahl oder sollten neben dem eigentlichen Spiel Grafik und/oder Musik separat bewertet werden? Spielt der bisherige wirtschaftliche Erfolg einer Serie bei der Bewertung eine Rolle? Sind unsere Noten nicht ohnehin immer subjektiv und spiegeln die Vorlieben des Redakteurs wider? Eine hier auf GamersGlobal gerne geführte Diskussion ist auch, ob persönliche Wertungen der Weisheit letzter Schluss sind. Ist es nicht viel sinnvoller, die allgemeingültigen, knallhart mit dem Chefredakteur verhandelten "objektiven" Noten zu vergeben?

Wenn nein, gilt es allerdings, ein Regelwerk zu schaffen. An welchen beleg- und messbaren Eckpfeilern macht ein Redakteur die Wertung fest? Etliche Magazine sind sogar gänzlich von Zahlen im Fazit abgekommen und verlassen sich auf den Verstand der Leser und Zuseher, das Fazit auf ihre eigenen Vorlieben umzumünzen. Viele Publisher sind aber immer noch anderer Meinung, denn oft werden Royalty-Zahlungen mit den Ergebnissen der Metacritic-Website verknüpft. In aller Regel werden hier nur die Kritikerwertungen als Maßstab genommen – die sich teilweise erheblich von der Kundenmeinung unterscheiden.

Nehmen wir nur mal als Beispiel das aktuelle Call of Duty - Vanguard: die durchschnittliche Kritikerwertung der PS5-Fassung liegt bei 75 Punkten (basierend auf 49 Wertungen), was für einen so großen Shooter fast schon desaströs ist. Die Spieler strafen das neue Baller-Flagschiff mit einem Userscore von nur 4.8 (basierend auf satten 455 Wertungen) noch deutlicher ab und führen damit die Experten am Nasenring durch die Wertungsarena. Und trotzdem verkauft sich die Weltkriegs-Ballerbude wie geschnitten Brot und führt die Verkaufscharts an. Der Branchendienst NPD orakelt sogar, dass Vanguard das meistverkaufte Spiel im Jahr 2021 werden könnte.

Und das bei einem Userscore, der knapp über dem Durchschnitt pendelt! Ich bin in diesem Fall übrigens auf der Seite der User. Call of Duty Vanguard würde es bei mir mit Ach und Krach gerade mal über die 60 Prozent-Wertungshürde schaffen.
Die Aussagekraft einer Wertung wurde immer weiter ausgehebelt und ad absurdum geführt.


Aber genau das ist der Punkt: Das ist meine persönliche Meinung. Und trotzdem gehöre ich zu der Masse an Spielern, die sich Vanguard gekauft haben. Obwohl ich die Wertungen vorher auf Metacritic gesehen habe. Für mich ist das neue Call of Duty eines der technisch eindrucksvollsten Spiele der letzten Monate und bietet ein optisches und haptisches Feuerwerk der Superlative. Zum Angeben ideal! Spielerisch und narrativ steckt hinter der hübschen Hülle allerdings nicht viel. Außen hui, innen pfui.

Aber ich bin ja auch ein alter Sack und durch eine harte Wertungsschule gegangen, wo die private Begeisterung noch durch kritische Kollegen gedämpft wurde. Sozusagen der objektive Einfluss zur subjektiven Meinung. Zu meiner Zeit galt auch noch die goldene Regel: 50 (oder meinetwegen auch 5) Punkte ist die Mitte – alles was darüber geht, ist schon eine manierliche Wertung. Alles über 70 Prozent ist gut. Rutscht die Nadel auf die magische 80, ist das Spiel sehr gut. Über 85 exzellent und 90 plus ist strikt für herausragende Titel, ja für wahre Meilensteine, reserviert. Heute ist die 7 die neue 5. Das liegt meiner Meinung nach an der deutlichen Wertungsinflation der letzten Jahrzehnte. Die Aussagekraft einer Wertung wurde immer weiter ausgehebelt und ad absurdum geführt.

Von mir wird es nie und nimmer 100 Punkte für ein Spiel geben. Das ist in meinen Augen ein Ding der Unmöglichkeit, denn einen perfekten Titel gibt es einfach nicht. Wie werte ich denn bitte schön Breath of the Wild 2, wenn der Erstling die volle Punktzahl bekommen hätte und es objektiv besser wird? Gebe ich dann 110 Punkte? Oder ist das neue Zelda dann der Note nach nur genauso gut wie der Vorgänger, wie stelle ich in so einem Fall eine echte Steigerung dar? Im Grunde geht das gar nicht mehr. Die höchstmögliche Punktzahl wurde bereits vergeben. Es geht nicht mehr besser. Das für mich beste Spiel aller Zeiten hat sich übrigens seit 40 Jahren nicht geändert – Tetris, das ich mit 96 Prozentpunkten benoten würde.

Die meisten redaktionellen Wertungen sind für mich in der heutigen Magazin-Landschaft eine lose Richtungsweisung und weniger eine echte Kaufempfehlung. Der persönliche Eindruck des Redakteurs ist mir viel wichtiger, beziehungsweise die Mischung aus Meinung und Wertung. Bei selbstgeschriebenen Tests greift bei mir noch immer die bewährte Lenhardtsche Lehre aus den 90er Jahren – was mir oft den Vorwurf einbringt, ein alter Grantler zu sein, zu kritisch und zu streng. Ich schütze mich damit aber auch vor groben Wertungswuchereien. Sonst würden Spiele wie Wizardry – Labyrinth of Lost Souls die Ratingskala zwar nicht anführen, aber sie mit hoher Punktzahl verfälschen. Dieses mechanisch in den späten 80ern stecken gebliebene Remake ist eine schwer verdauliche Hommage an die originalen Dungeoncrawler, hat mich mittlerweile 60 Stunden an den Schirm gefesselt und sehr gut unterhalten.
CoD Vanguard kommt gerade mal auf fünf Stunden lauwarmen Spielspaß. Nur was wäre, wenn das neue Call of Duty in der kurzen Zeit herausragenden Spielspaß bieten würde? Ist herausragend viel, aber zeitlich kurzer Spaß besser oder schlechter als "Spaß über 60 Stunden"?

Und dann hätte ich noch gar nicht über den theoretisch unendlich spielbaren Multiplayer-Part von Vanguard gesprochen. Ebenfalls ein Faktor, der in eine Wertung einfließen müsste – wie bewerte ich Spiele, die den Fokus auf ihre Online-Modi legen? Gilt als Testkriterium dann die Anzahl der Frags oder doch Menge und Aufbau der Maps? Ich muss aber auch darauf achten, wie viele Spielmodi es gibt, ob die Server immer gefüllt sind und wie sich die Mitspieler verhalten. Ist die Wertung dann nicht nur eine Momentaufnahme?

Kurzum: Heutzutage sind mir subjektive und persönlich geprägte Wertungen, im Zusammenhang mit der Redakteursmeinung, deutlich wichtiger als eine schnöde und nackte Endziffer. Auch wenn ich mit dem 100er-System praktisch aufgewachsen bin, es sich gut anfühlt und begründbar ist, kann ich mit einer 10er-Skala leben. Aber nur mit Zwischenschritten, sonst wäre mir das nicht granular genug. Bei eigenen Tests versuche ich den Spagat zwischen privater Euphorie und gelernter und bewährter Einteilung. Um Online-Spiele versuche ich hingegen einen großen Bogen zu machen.

Aber wie ist eure Meinung zu dem Thema? Sind Wertungen zu hart oder zu schmusig? Richtet ihr euch eher nach eigenen Genre-Vorlieben oder hilft die Kombination mit der Redakteursmeinung bei einer Kaufentscheidung? Das sind Fragen, die mich aus professioneller Sicht wirklich stark interessieren.
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Michael Hengst 17. November 2021 - 19:00 — vor 2 Wochen aktualisiert
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Jörg Langer Chefredakteur - P - 433174 - 17. November 2021 - 15:07 #

Lieber Michael, ich möchte gleich mal drei Aussagen von dir aufgreifen:

„Von mir wird es nie und nimmer 100 Punkte für ein Spiel geben. Das ist in meinen Augen ein Ding der Unmöglichkeit, denn einen perfekten Titel gibt es einfach nicht.“

Bei GamersGlobal bedeuten 10.0 nicht „Perfektion“, sondern „maximaler subjektiver Spaß“ – das Spiel kann dabei so imperfekt sein, wie es will. Dass es bei der 10.0 nicht um Perfektion geht, steht in unseren Testrichtlinien.

„Wie bewerte ich denn bitteschön Breath of the Wild 2, wenn der Erstling die volle Punktzahl bekommen hätte und es objektiv besser wird?"

Bei GamersGlobal ist das sehr einfach: Falls dir Teil 2 wiederum maximalen Spaß macht, gibst du wieder 10.0. Macht dir Teil 2 aber weniger Spaß, gibst du weniger. Mehr als maximalen Spaß kann ein Spiel jedenfalls nicht machen, auch wenn es sich objektiv verbessert hat.

"Gebe ich dann 110 Punkte?“

Diese „Luft nach oben“-Argumentation lässt sich eigentlich nur dogmatisch ("Es darf keine 100 geben") begründen, nicht faktisch. Denn wenn diese Luft genutzt werden soll, um merkliche Verbesserungen zu dokumentieren, werden von Anfang an sehr gute, langlebige Serien wie Assassin's Creed oder Fifa unweigerlich die Reserve aufbrauchen und die 100 überschreiten. Du plädierst damit in Wahrheit für eine nach oben offene Skala.

Claus 30 Pro-Gamer - - 318865 - 17. November 2021 - 20:36 #

Perfekter Spielspaß ist aber auch so eine Sache.
Was machst man dann bei drei Titeln, die alle perfekten Spielspaß bieten, bei denen zwei aber dennoch wahrnehmbar besser als das dritte sind, wobei aber das dritte dennoch ebenfalls perfekten Spielspaß bietet?
Den Punkt einfach ignorieren, und alle drei gleich bewerten?
Wäre eine andere Lösung nicht, mit der Note auch einen Zeitstempel zu erteilen? Also eine Art Lorbeer-Kranz, in dessen Mitte die Note, und an dassen Boden die Jahreszahl prangt? Dann wäre die Note visuell auf das Jahr fixiert. Und ein Zelda 777 würde dann die Note 10 des Jahre 2731 erhalten, womit klar wäre, dass die Note von Zelda 123 aus dem Jahr 2199 auch wenn es die 10 war nichts mit der Note 10 aus 2731 zu tun hat. Als es würde klar beim Betrachten der Note selber.
Letztlich gehört die Note ja zu sagen wir mal Epoche, als es erschien, nicht zu der zukünftigen, nicht zu der vergangenen.
Aber ach, ja, es ist halt schwer.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 17. November 2021 - 21:05 #

Ich bin ja der Meinung, dass wir Leser durchaus in der Lage sind eine Spielebewertung im zeitlichen Kontext zu begreifen ;)

Claus 30 Pro-Gamer - - 318865 - 18. November 2021 - 0:05 #

Ich sage nichts abweichendes, sondern weise nur darauf hin, dass eine Jahreszahl einordnet. Wie eine Wertung. ;)

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 18. November 2021 - 8:44 #

Man könnte auch stets gleich auf den Steckbrief verlinken, dann wäre die Einordnung perfekt ;)

Q-Bert 22 AAA-Gamer - - 32396 - 17. November 2021 - 23:29 #

Man könnte Spiele-Wertungen einfach wie den Impfschutz behandeln... CP77 hat 10 Punkte beim Start. Nach 6 Monaten lässt die Wirkung nach, da sind es dann nur noch 9 Punkte, nach ein paar Jahren endet selbst das beste Spiel auf der 0.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 17. November 2021 - 23:39 #

Und Remakes heißen in Zukunft Booster :)

Q-Bert 22 AAA-Gamer - - 32396 - 17. November 2021 - 23:42 #

Oder DLCs :)

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 17. November 2021 - 23:55 #

Alles und bloß keinen Spielbewertungsdurchbruch! Sonst gibt es gleich nen Lockdown am PC!

Noodles 24 Trolljäger - P - 66830 - 18. November 2021 - 1:42 #

Nach einem ähnlichen Prinzip hat es ja mal die Gamestar gemacht, da wurden Spiele jährlich abgewertet, wenn sie sich in gewissen Punkten gegenüber dem aktuellen Standard verschlechtert haben. Gab darum natürlich meistens Abwertungen im technischen Bereich.

euph 28 Endgamer - - 109771 - 18. November 2021 - 6:54 #

Auch wenn es prinzipiell schon nicht verkehrt wäre, ist das doch kaum umsetzbar. Und selbst das älteste Spiel, das zu seiner Zeit eine 8,9 oder 10 war, wird nie so schlecht, dass es eine 0 wird. Zudem ist ein Spiel nach 6 Monaten vielleicht sogar besser geworden (Stichwort Patch) und in der heutigen Zeit ist ein Spiel, das vor 2-3 Jahren rausgekommen ist, an sich nicjht wirklich schlechter. Da musste man viel deutlicher differenzieren.

Bantadur 17 Shapeshifter - - 6843 - 23. November 2021 - 8:18 #

Das hatte doch die GameStar in ihren Top 10-Listen praktiziert. Nach einem Jahr wurde wie Wertung um 5 Punkte abgesenkt (oder so ähnlich). Weiß bestimmt Jörg noch genauer.
Ich fand das aber grässlich, in so kurzer Zeit hat in meinen Augen kein Spielsystem solche Alterserscheinungen.
Außerdem speichere ich in meiner Erinnerung ein Spiel mit seinem Testurteil (Text+Wertung) ab. Ein interessanter Titel bleibt so in meiner imaginären Wunschliste hängen. Später schaue ich inzwischen kaum noch auf Wertungen, schaue mir bei Unsicherheit eher nochmal kurz ein Video an.

Moriarty1779 17 Shapeshifter - - 7424 - 17. November 2021 - 21:51 #

Wenn mein subjektiver Spaß am Spielen sich in Zahlen ausdrücken müsste, dann müsste ich seit meiner Kindheit kontinuierlich niedrigere "Wertungen" geben. Denn mir hat nie wieder in den Folgejahren etwas so viel Freude bereitet wie als Jüngling mit dem besten Schulfreund im selbstgebauten Hochbett-Cockpit hinter dem Amiga zu versinken und Turrican zu zocken.
Ich hatte übrigens auch nie wieder so ein cooles Auto wie meine erste alte Karre und von der ersten großen Liebe fange ich erst gar nicht an.
Jetzt bin ich traurig...

Das kann also nicht die Lösung sein. Die Zahl bei der Wertung ist ja auch nicht währungsgleiche Werteinheit zu sehen, sondern als Visualisierung der Verortung auf einer Skala zwischen "gut" und "schlecht". Die Skala könnte auch "Neumond = schlecht / Vollmond = gut" heißen und ein Bildchen der Mondsichel stellt dann die Wertung dar. Oder Pik=schlecht, Karo=mittel, Kreuz=gut.

Warum sollte es da nicht 1996 schon mal ein Spiel gegeben haben, bei dem der Tester den maximalen Spaß verspürte und den Vollmond (oder die 10) zückte - und warum sollte er das dann 2014 nicht noch mal getan haben, bei einem völlig anderen Spiel?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 433174 - 17. November 2021 - 22:26 #

Bist du sicher, dass du auf meinen Comment antwortest? Ich bin nämlich absolut okay damit, wenn ein Tester 1996 seine 10.0 gezückt hätte und 2014 noch mal. Ebenso okay fände ich es, wenn du zuletzt in deiner Kindheit ne 10.0 gegeben hättest und heute bestenfalls bei einer 7.0 rauskämst – dann macht dir halt nichts mehr so richtig Spaß, schade, ist aber dann halt so (nur bitte nicht mit nostalgischer Verklärung verwechseln...).

Moriarty1779 17 Shapeshifter - - 7424 - 18. November 2021 - 19:16 #

Hm, so beim zweiten lesen - da magst du recht haben, im Grunde schreibst Du das gleiche. Muss wohl quer und hin und hergelesen haben :-)
Naja, dann sieh es als Bestätigung deines Posts!

Green Yoshi 22 AAA-Gamer - - 31658 - 17. November 2021 - 19:15 #

Wenn ich auf einen bestimmten Titel hinfiebere, dann dienen die Wertungen nur noch als letzte Bestätigung dafür, dass es die Entwickler nicht vermasselt haben. Ob da jetzt eine 8.0, 82% oder 8 von 10 stehen, spielt dann keine große Rolle mehr.

Anders ist es bei Spielen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Die M!Games testet pro Ausgabe so um die 40-50 Titel im Monat. Wenn dann der Screenshot und die Wertung nicht gerade herausstechen, überflieg ich den Test nur. Wenn die Wertung hingegen hoch ausfällt und mir auch das Genre gefällt, dann les ich mir den gesamten Test durch und schaue im Internet nach weiteren Meinungen und bewegten Bildern. Schon alleine aus Gründen der Bequemlichkeit würde ich also nur sehr ungerne auf die Wertung verzichten wollen.

Für Spiele wie FIFA, Call of Duty und GTA spielt der Metacritic-Score glaube ich keine große Rolle. Die werden von den Fans so oder so gekauft und nur die wenigsten dürften ihre Kaufentscheidung vom Metacritic-Score abhängig machen. Im Grunde weiß man ja schon vorher, was man bekommt.

kdoubleu 15 Kenner - - 2919 - 17. November 2021 - 19:29 #

Da stimme ich Michael zu. Ich hacke immer wieder meine Konsolen, installiere dutzende Spiele um dann am Ende Tetris zu spielen.

Maestro84 19 Megatalent - - 14671 - 17. November 2021 - 19:32 #

Ich bin da nicht nostalgisch, denn im Kern interessierten mich doch ehrlicherweise bereits 1998 nicht die Wertungen bei einer Gamestar, sondern, welcher Redi diese gebracht hat (z.B. Jörg und Martin bei Strategiespielen, Mick bei Simulationen oder Michael G. bei Rennspielen). Von daher hat sich nicht viel geändert in all den Jahren, nur bin ich heute ehrlicher und akzeptiere es auch, wenn Spiele, genau wie Filme, auch mal 100% bzw. 10/10 Punkten bekommen, da dies ja nicht ein Allmachtsanspruch für alle Zeiten darstellt. Den Quark mit zeitbedingten Abwertungen gab es ja auch bei Gamestar einige Jahre lang. Viel zu verkopft, was uns da Heini und Boris vor über dreißig Jahren einbrockt haben.

funrox 15 Kenner - P - 3131 - 17. November 2021 - 19:36 #

Bei Neuerscheinungen, bei denen ich eigentlich schon weiß, dass ich sie kaufen möchte, schaue ich mir zuerst die Wertung als Bestätigung an, ob ich mit meinem Wunsch nicht zu sehr daneben liege. Den Test selbst lese ich dann, nachdem ich das Spiel selbst gespielt habe (so zumindest bei der "Life is Strange"-Reihe).

Ansonsten ergibt der Test mit Wertung ein Gesamtbild. Die Wertungszahl ist ein erster Indikator, wichtiger ist mir allerdings die Meinung des Testers / der Testerin.
Da fühle ich mich bei Gamers Global gut aufgehoben. Ich muss da immer an den PC-Player-Test von Jörg zu "Shannara" denken. Nur aufgrund dieses Tests habe ich mir damals mit meinem kleinen Taschengeld das Spiel gekauft und war begeistert. Danach habe ich die PC Player dann auch abonniert.

Allerdings sehe ich eine "5" nicht unbedingt als goldene Mitte. Wenn ich von einer Sprache nur die Hälfte verstehe, kann ich mich ja auch nicht gut verständigen.

BruderSamedi 18 Doppel-Voter - P - 9571 - 17. November 2021 - 19:45 #

Gibt es denn wirklich eine Wertungsinflation oder ist es nicht eher eine Spieleinflation? Anders gefragt: würde GG jedes neu erscheinende Spiel testen, läge der Durchschnitt nicht ein gutes Stück niedriger?

Könnt ihr Presse-Veteranen sagen, wie das Verhältnis eingetroffene Testmuster : Tests damals war und wie es heute ist?

Q-Bert 22 AAA-Gamer - - 32396 - 17. November 2021 - 23:35 #

War auch mein Gedanke... zu Zeiten von Happy Computer wurden fast alle professionellen Spiele getestet, die auf den Markt kamen - da war dann auch viel Schrott dabei.

Heute schaffen es die allermeisten schlechten Spiele gar nicht durch den "Vorfilter", denn warum sollte eine Redaktion Zeit + Geld verschwenden, um ein Spiel zu bewerten, was so mies ist, dass es eh niemand spielen wird. Ausnahmen sind Fortsetzungen bekannter Franchises, wo auch mal Ausrutscher unter 5.0 passieren.

Wenn der ganze Game-Spam im Filter hängern bleibt, dann ist 7 eben die neue 5. Wobei auf GamersGlobal eine 7 für ein Rundenstrategietitel fast schon ein Adelstitel ist und eine 7 für ein Shooter/Action-Adventure/Jump'n'Run schon eine echte Strafe.

Danywilde 24 Trolljäger - - 117165 - 17. November 2021 - 20:08 #

Ich glaube einfach, dass heutzutage das Durchschnittsspiel einfach besser ist, als in den 80ziger oder 90ziger Jahre und dementsprechend die Wertungen allgemein höher sind.

Für mich persönlich sind die Meinungen der Tester auch wichtiger als die Note und dienen für mich als Einschätzung, ob es das Spiel wert ist, dass ich persönlich damit beschäftige. Ob und wieviel Spaß ich dann mit dem Spiel habe, hat dann nichts mit der Testnote oder dem Preis des Spiels zu tun.

Und heute wird es einem durch Videos einfacher gemacht, ein gutes Bild vom Spiel zu bekommen. Früher gab es da in den Magazinen u.U. nur ein kleines Bild und eine 1/4 Seite als Test.

Elfant 24 Trolljäger - P - 62403 - 17. November 2021 - 20:22 #

Die Kolumne ist diese mal derart dogmatisch, daß es schon polemisch wird. Objektivität gibt es nur in Anführungsstrichen, es gibt eine Wertungsinflation und keine gehobenen Qualitativstandards um getestet zu werden. Über die "perfekte" 100 - er Wertung hat sich Jörg schon ausgelassen.

Wo ich Michael zustimme, ist beim Lesen des Testberichtes.

ZahrlAn 10 Kommunikator - P - 532 - 17. November 2021 - 20:25 #

Ich persönlich mag subjektive Wertungen auch lieber. Meistens kenne ich bald die Redakteure die auf der gleichen Wellenlänge sind und da sind mir dann die Wertungen wichtig.

LRod 18 Doppel-Voter - P - 12141 - 17. November 2021 - 20:30 #

Ich stimme insofern zu, als dass der Meinungskasten für mich der wichtigste Teil eines Tests hier ist.

Dazu gehört natürlich ein Stammpersonal, das man einschätzen kann. Die GS lagert mir persönlich im Testbereich schon viel zu viel an externe aus, die ich als Gelegenheitsleser überhaupt nicht kenne.

Jamison Wolf 18 Doppel-Voter - P - 12372 - 17. November 2021 - 20:32 #

In so einer Wertung steckt ja auch immer der jeweilige Zeitgeist und was machbar ist. Wenn ein Titel ne 10/10 mitnimmt und der Nachfolger hat 2 Millionen mehr Farben und macht genauso Spass, ist auch das evtl. auch eine 10/10 - es sei den andere Titel haben mittlerweile gezeigt was man sonst auch noch besser machen könnte, dann könnte es auch nur ne 8/10 werden. Sehe da keinen Problem und auch keinen Widerspruch. Wir lernen ja stettig dazu was geht und was Spass macht.

Ich seh da kein Problem drin.

Ansonsten ist meine Meinung zu Wertungen bei Software: Alle Wertung ist Subjektiv. Nur weil sich evtl. 5 Köpfe einen Kopf machen, wird es nicht Objektiv. Das ist dann eher ein Kompromiss, machts aber auch nicht Objektiver.

Wer den Tester/die Testmethode nicht kennt, kann mit einer Zahl sowieso nix anfangen.

Theoretisch könnte so ein Metacritic-Wert, wo alles in einen Topf kommt, ab ner bestimmten Menge schon was aussagen, aber da es einfach zuviel gibt die nicht Ehrlich darauf Antworten sondern gerne einfach ihren Gefühlen freien lauf lassen ist man am Ende genauso schlau wie vorher.

TL;DR: Kenne deine Tester, dann traue der Note.

Ach und: Tetris hätte von mir nicht mal 6/10 bekommen. :)

Claus 30 Pro-Gamer - - 318865 - 17. November 2021 - 20:42 #

Subjektive Note sind so ein Sache. Begeister bin ich davon nicht, da ich mir einbilde (und dazu keinen Faktencheck gemacht habe geschweige denn vorlegen kann) dass die zu immer höheren Noten führen.
Objektivierte Noten empfinde ich aber auch als Mist, insbesondere wenn dann Noten in eine Bewertungslage gebracht haben, die nichts miteinander zu tun haben sollten (Egoshooter vs. Strategiespiel, Musikspiel vs. Sportsimulation).
Wenn ein Spiel das beste in seinem Genre ist, muss es auch eine sehr gute Note bekommen, auch wenn es dies oder das nicht beherrscht, dass in anderen Genre grade State of the Art sind.
Gut fand ich damals bei den Happy Computer Spiele Sonderheften und danach bei der Power Play, dass es neben der Wertung in Prozent noch die Bewertungen der Tester gab(Naja vs. Gut). Das hat ein besseres Gesamtbild gegeben.
Auch die "Edel-Prädikate" wie Platin-Player oder ähnliches fand ich hilfreich.
Aber es ist halt schwer. Ich denke, dass es kein finales "so ist es und nicht anders" geben kann. Und das ist irgendwie auch tröstlich.

Jac 19 Megatalent - P - 14137 - 17. November 2021 - 22:01 #

Bei mir ist es so, dass ich Zahlen bzw. Noten immer im Kontext der Begründung sehen will. Wenn diese schlüssig ist und kein erkennbarer Ausrutscher, dann ist es für mich auch nachvollziehbar.
Letztlich spielen Wertungen für mich aber nur eine untergeordnete Rolle, sie machen mich ggf. auf ein Spiel aufmerksam oder auch nicht.
Technisch oder in Sachen Spielmechanik Desaströses meine ich hier nicht, aber wenn der Spielspaß für mich passt verzeihe ich da auch gerne einige Problemchen.
Wovon ich ehrlicherweise wenig halte sind Userwertungen. Da wird oftmals zu extrem gewertet. Beispielsweise beim Start neuer MMOs wie New World kommt es gerne zu langen Warteschlangen, wenn es ein erfolgreicher Start ist. Das war meistens so und ob es sich wirklich immer vorab richtig einschätzen ließe sei mal dahingestellt. Wie viele Leute aber das gesamte Spiel dann niedrigst bewerten ohne überhaupt gespielt zu haben, das verfälscht jede Sachaussage aus meiner Sicht. Da gibt es zu viele Frust- oder alternativ Fanboy-Wertungen, das hilft mir persönlich am wenigsten.
Für meine endgültige Einschätzung habe ich am liebsten Demos, da merke ich nach zwei bis drei Stunden eigentlich immer, ob der Titel zu mir passt.

bUd 12 Trollwächter - P - 1158 - 17. November 2021 - 22:25 #

"Fans greifen zu, alle anderen spielen Probe..."

Ich finde das System der Famitsu ganz nett, hauptsächlich weil man garantiert mehrere (4) Meinungen bekommt.
Aber wo Fibonacci erwähnt wurde: könnte ich mir (modifiziert) auch vorstellen als interessante Wertungsskala. Ist der Titel nun eine 1, 2, 3, 5, 8, 13, 20, 40, 100? Macht die Diskussionen in der Redaktion sicherlich einfacher. Ob es eher eine 40 oder 100 ist sollte keine Frage mehr sein. :-)

rammmses 21 Motivator - - 27146 - 17. November 2021 - 22:37 #

"Alles über 70 Prozent ist gut. Rutscht die Nadel auf die magische 80, ist das Spiel sehr gut. Über 85 exzellent und 90 plus ist strikt für herausragende Titel, ja für wahre Meilensteine, reserviert. Heute ist die 7 die neue 5. Das liegt meiner Meinung nach an der deutlichen Wertungsinflation der letzten Jahrzehnte. Die Aussagekraft einer Wertung wurde immer weiter ausgehebelt und ad absurdum geführt"
Genau so sehe ich das auch und würde mir wünschen, wieder die Maßstäbe von "früher" anzusetzen und sehr sparsam mit 8 oder gar 9er Wertungen umzugehen. Auch das "subjektiv" Argument lasse ich nicht so wirklich gelten, ich finde es einfach unglaubwürdig, dass ein heutiger Tester jede noch so generische Fortsetzung tatsächlich als subjektives Meilerwerk der Spitzenklasse empfindet. Abgesehen davon schafft sich die Spielepresse selbst ab, wenn sie ihrer Aufgabe der Kuratierung nicht nachkommt.

Elefantenjongleur 14 Komm-Experte - P - 2056 - 17. November 2021 - 23:02 #

Als Lehrer, der ständig menschengemachte Leistungen mit Zahlen bewerten muss, schmunzel ich immer über die Diskussion über objektive oder subjektive Bewertung von Computerspielen. Natürlich sind Bewertungen immer subjektiv. Ob Kriterien vorgegeben sind oder ob der Bewertende eigene Maßstäbe anlegt ist egal, transparent und nachvollziehbar müssen die Maßstäbe halt sein, damit sich der Leser eine eigene Meinung bilden kann. Vergleichen kann man die vergebenen Spielenoten schon allein deswegen nicht, weil den Spieleherstellern ja keine Kriterien vorgegeben werden (können). Die beiden Extreme, maximaler Spielspaß bzw. maximaler Gewinn, wurden ja beide schon disqualifiziert. Zum einen, weil beide Begriffe kein definierbares Maximum haben und zum anderen, weil es die Bewertung extrem beschneiden würde. Mit Dark Souls - dem besten Spiel welches ich je gespielt habe - hatte ich in meinen 80 Spielstunden keine Minute Spaß. Aber holla waren da Emotionen im Spiel!

sneaker23 17 Shapeshifter - - 7095 - 17. November 2021 - 23:16 #

Seit ich die PC Gamer (UK) in meine Finger bekommen habe (ca. 2005, regelmäßig seit 2007) bin ich ein Anhänger des "New Games Journalism", also im Endeffekt einer subjektiven Berichterstattung und auch Wertung der Spiele. Wesentlich unterhaltsamer zu lesen und auch, in meiner Wahrnehmung, die "richtigere" Herangehensweise. Ich habe eigentlich nie verstanden, wie man etwas, das Spaß machen und bringen soll, objektiv bewerten will. Das gilt ebenso für Musik oder Filme oder alles andere, was unterhalten will.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 17. November 2021 - 23:37 #

Ich bin da ganz bei dir. Ich würde noch hinzufügen, dass auch die Reviews inklusive Note vorrangig unterhalten, am liebsten auf hohem Niveau.

Viktor Lustig 17 Shapeshifter - - 8489 - 23. November 2021 - 13:17 #

Ich halte nichts von diesem "New Games Journalism", wobei dieser, anders als es von Kieron Gillen dargestellt wird (Gillen gilt soviel ich weiß als derjenige, der diese Bezeichnung geprägt hat), gar nicht mal so neu ist, sondern durchaus der anglo(amerikanischen) Art entspricht, mehr subjektive Elemente in journalistische (Fach)Artikeln einfliessen zu lassen als es beispielsweise in Deutschland, aber auch in Frankreich, üblich ist. Dadurch sollen Artikel unterhaltsamer für den Leser sein, Gillen spricht hier von "Reiseberichten", doch dadurch geht es gerade bei einer Vorstellung eines Werkes (Roman, Musikalbum, PC-Spiel) mehr um den Text über das Werk als um das Werk selbst.

Dieselbe Art mit einer Berichterstattung umzugehen bemerke ich nicht nur bei Journalisten, sondern auch bei Streamern, Youtubern und auch Game-Bloggern. Nach dem Konsum solcher Bereichte weiß ich dann meist viel über den Autor, seinen Interessen, seinen sozialen Netzwerken und seinem favoriosierten Gin Bescheid, aber praktisch nichts über das Objekt der Berichterstattung. Aber genau dafür lese ich Tests, um mich über ein Spiel zu informieren, und nicht darüber das der Autor seine erste Freundin beim Pongautomaten kennengelernt hat. Geschwätz, selbst höchst unterhaltsames Geschwätz, hat in meinen Augen nichts in einem Fachpresseartikel, und dazu zähle ich die Vorstellung von Videogames, verloren, zumindest nicht als Schwerpunkt des gesamten Artikels. Gerne als Kolumne, gerne als Kommentar, aber nicht als Test.

Q-Bert 22 AAA-Gamer - - 32396 - 17. November 2021 - 23:40 #

Woher hat Michael denn die Zahlen zu CoD:Vanguard?

MetaCritics zeigt bei mir:
74/100 based on 23 Critic Reviews
4.1/10 based on 381 Ratings
https://www.metacritic.com/game/pc/call-of-duty-vanguard

Kann ja sein, dass die Noten mit der Zeit sinken, wenn mehr Tests/Stimmen dazu kommen, aber die Anzahl der Kritiken/Userratings sind viel niedriger als in Michaels Text. Wurden da etwa Stimmen wegzensiert? oO

rammmses 21 Motivator - - 27146 - 18. November 2021 - 7:19 #

Hast wahrscheinlich eine andere Version gewählt, jede Plattform taucht einzeln da auf

v3to 17 Shapeshifter - P - 6609 - 18. November 2021 - 7:02 #

Meine Einstellungen gegenüber subjektigen und objektivierten Reviews hatte sich über die 90er Jahre massiv geändert, so in den letzten 10 Jahren auch, was Vergleichbarkeit angeht.

In den 80ern hatte ich Tests für mich so angenommen, wie sie waren. Bzw damals hatte ich sich auch alle Magazine als objektiv wahrgenommen und je nach Genre halt mal mehr der Happy Computer bzw Power Play oder halt der ASM vertraut. Wenn man merkt, dass bestimmte Redakteure bestimmte Genres nicht mögen, konnte ich damit als interessierter Käufer nichts anfangen - galt aber aber auch umgekehrt.

Und genau damit hatte ich dann irgendwann ein Problem. Das ging mit Hardware-Generationswechsel los, wenn bei einigen Tests die Bewertungen nicht so recht zu den technischen Eigenschaften des jeweiligen Systems passen wollten. Erinnert sich noch jemand an die Wing-Commander-Kontroverse in der PowerPlay, wo High-End-PC auf der einen Seite stand und die Redaktion sich weigerte, beim Amiga technisch vergleichbare Setups mit Turbokarte gegenüberzustellen?

Es sind solche Momente, weshalb ich objektivierte Tests zu einem gewissen Maße als Verzerrung des persönlichen Eindrucks begreife (ich sage bewusst Eindruck und nicht Meinung). Wo es halt richtig hakt, wenn dazwischen eine ehrlich gemeinter Test auftaucht, der offensichtlich nicht durch eine Redaktionssitzung glattgebügelt wurde.

Ein historisches Beispiel ist zb der Ursprungsreview zu Another World auf dem Amiga von Michael in der Power Play. Er mochte das Spiel nicht und passend zum Text gab es eine unterdurchschnittliche Note. Die später getesteten Konsolenversionen bekamen 20 Punkte mehr, von Michael mit dem Vermerk versehen, dass andere Kollegen von dem Spiel begeistert waren. Wenn die Kompromisswertung schon bei 68% lag, wie weit gingen da die Meinungen in der Redaktion auseinander?

Wenn ein vermeintlich ausgeklügeltes Wertungssystem bereits bei derartig überschaubaren Spielkonzepten an die Grenzen kommt und jede Vergleichbarkeit in den Wind schießt, wie will man dann solche Prinzipien in der heutigen Spielelandschaft anwenden? Das geht hinten und vorne nicht auf.

Kurz gesagt: Ich bin ein Freund subjektiver Wertungen. Da ordnet die Zahl unter dem Text die Meinung des Testers ein. Wenn man sich nicht nur mit einzelnen Reviews begnügt, hat man übergreifend ein differenzierteres Bild aus unterschiedlichen Blickwinkeln zum Spiel.

Vampiro 26 Spiele-Kenner - - 69145 - 18. November 2021 - 1:14 #

Ich halte Wertungen mittlerweile für sinnfrei. Es gibt einen schnellen Blick, der im besten Fall einen für einen selbst passenden Eindruck vermittelt (weiß man vorher nicht) oder aber grottenfalsch (für einen selbst) ist.

Tests finde ich wichtig. Wie ist die Mechanik? Packt einen irgendwas emotional? Wie ist xy und wie findet ordnet der Tester es ein (ich mache dann einfach meine eigene Einordnung!)? Dann kann gerne noch sowas drunter wie ein subjektives Daumen hoch/runter, damit ich die "Meinung des Redakteurs in a nutshell" habe. Sozusagen wie in der SDK. In der Freizeit spielen? Ja, nein, vielleicht. Reicht.

Outriders (schon subjektiv) finde ich bei GG z.B. (für mich) viel zu niedrig bewertet. So ein Murks wie Resident Evil Village zu hoch. Breath of the Wild (noch "möglichst objektiv" bewertet) finde ich (subjektiv und pseudo objektiv) mit 10.0 viel zu hoch bewertet. Eine "möglichst objektive" 10 (die man natürlich vergeben können muss, sonst bräuchte man die Note 10 nicht) suggeriert dann auch noch sowas wie "muss jeder spielen". Ist natürlich Quatsch.

Fazit: Wertungen abschaffen, gute Tests schreiben / aufnehmen, den Leser informieren und einen Eindruck vermitteln warum man was wie findet. Daumen hoch/runter fürs private Weiterspielen. Fertig.

Claus 30 Pro-Gamer - - 318865 - 18. November 2021 - 1:57 #

Mhm.
Ich lese praktisch keine Tests mehr, weil ich den Text in der überwiegenden Mehrzahl nicht brauche, er mich sogar regelrecht langweilt. Harald Fränkel, Jörg Langer und Veteranen-Test bilden dabei die Ausnahme von der Regel. Allen anderen tue ich unrecht, oder vielleicht auch mal nicht. ;)
Was ich lese ist die Meinung. Und die Note, die schaue ich mir sehr genau an.
Und bilde mir dazu als auch zum Notenvergeber meine Meinung.
Ein Test ohne Wertung ist für mich relativ wertlos. Aber das habe ich im Check-Umfeld ja schon oft genug vor mich hingebrabbel. :)

Q-Bert 22 AAA-Gamer - - 32396 - 18. November 2021 - 2:15 #

So mache ich es auch. Meinungskasten, Note, vielleicht ins Video, um ein paar bewegte Bilder zu sehen - alternativ tun es auch ein paar aussagekräftige Screenshots (an der Stelle: Lob an Rüdiger). Den ganzen Rest (Story, Mechanik, yadayada) will ich gar nicht wissen.

Harald Fränkel Freier Redakteur - P - 13174 - 18. November 2021 - 9:35 #

♥Komm an meine Brust, Claus!♥

rexcel 11 Forenversteher - - 801 - 18. November 2021 - 11:11 #

Gerade für den schnellen Blick, oder die Sortierung ob ich mal einen Blick darauf werfe, ist eine Wertung doch praktisch.

Steht da 9+ lese ich den Test bzw. gucke das Video, auch wenn ich von dem Titel noch nie gehört habe. Mal kurz informieren und auf dieser Basis merke ich ob es was für mich wäre oder nicht.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 433174 - 18. November 2021 - 11:56 #

Genau so ist sie auch großteils gemeint. Der andere Aspekt ist die Innenwirkung: Da bei uns Note und Test zusammenpassen sollen, hilft sie dem Autoren, seine Gedanken und Aussagen zu präzisieren.

Vampiro 26 Spiele-Kenner - - 69145 - 18. November 2021 - 16:04 #

Mich hat eine hohe Note noch nie in einen Test gelockt. Zum kurz informieren lese ich lieber den Meinungskasten. Je nach Tester lese ich auch gar nicht, wenn mich das Spiel 0 anspricht, da hilft dann auch die Note nicht (z.B. Resident Evil: Village).

Noodles 24 Trolljäger - P - 66830 - 18. November 2021 - 1:38 #

Mich interessieren Wertungen schon lange nicht mehr, sie sind für mich kein Thema, über das ich mich aufrege, wenn ich ein Spiel anders bewerten würde und ich nutze Wertungen auch nicht zur Kaufentscheidung. Wenn mich etwas interessiert, dann kauf ich es in der Regel. Außer im Test werden Kritikpunkte genannt, die mich wieder komplett abschrecken. Was aber eben völlig unabhängig von der Wertung ist.

Und ich kauf mir auch kein Spiel, das mich erst nicht interessiert hat, nur weil es ne hohe Wertung bekommen hat. Sondern auch nur dann, wenn es mich durch das, was im Test über das Spiel erzählt wird, anspricht.

Ne besonders hohe oder niedrige Wertung kann nur mal dazu führen, dass ich auf den Test zu nem Spiel aufmerksam werde, das ich noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Kommt aber extrem selten vor.

Fazit: Wertungen sind unwichtig, der Inhalt des Tests ist wichtig. ;)

ds1979 16 Übertalent - - 4108 - 18. November 2021 - 7:33 #

Ich habe seit ca. 20 Jahren keine Kaufentscheidung mehr von einem Test abhängig gemacht. Ich kenne meine Vorlieben und spiele dann das Produkt. Wenn ich nach 2 Stunden keinen Spass daran habe, fliegt das Teil weg. Die zwei Stunden sind meine magische Grenze, wenn ein Spiel mich danach nicht abholt, dann tschüss. Einen Test\Video lese ich nur noch, wenn er unterhaltsam geschrieben ist, oder ich eine Verbindung zum Autor habe. Wertungen sind schon ok., wir Menschen müssen halt ständig alles und jeden bewerten. Sieht man daran das es zu allen Dingen oder Personen die Top-Rankings gibt, wenn man weiß, das die immer subjektiv sind. Das einzige was mich immer mehr stört, ist dass wenn jemand eine andere Meinung als der Tester(oder man selber) vertritt es gleich in einen persönlichen Angriff ausartet. Hat für micht langsam etwas von religöser Verklärung. Bei aller Liebe zum Hobby, es sind halt nur Spiele.

Phoncible 21 Motivator - - 27360 - 18. November 2021 - 10:00 #

Wertungen sind für mich sehr wichtig, denn sie richten meine Aufmerksamkeit auf Spiele, die ich sonst wahrscheinlich ignorieren würde oder warnen vor solchen, die ich sonst eventuell blind gekauft hätte. Beispiel aus der letzten Zeit: Ich bin kein Fan von Ego Shootern und hätte Deathloop als solchen einsortiert und komplett links liegen lassen. Die 8.5 Wertung hat mich allerdings neugierig gemacht und der Test inkl. Meinung dann im Endeffekt zum Kauf bewegt … und siehe da, das Spiel macht auch mir Spaß (und ist auch kein reiner Ego Shooter - schon klar :-)). Genauso schaue ich auch gerne in Wertungslisten, wenn ich mal auf der Suche nach einem Spiel in einem bestimmten Genre bin (nach dem Motto: Ich bin demnächst viel unterwegs - welches RPG auf der Switch hat hohe Wertungen bekommen)

In diesem Kontext mag ich die subjektiven Wertungen nicht. Ja, im Endeffekt ist jede Meinung subjektiv und doch fand dich die etwas relativierten, “objektiven” Redaktionsmeinungen zusammen mit den individuelle Meinungskästen aussagekräftiger: Der Meinungskasten hat die subjektive Meinung des Testers gut wiedergegeben (die ich dann mit der Zeit auch einordnen konnte) und die Wertung einen Überblick gegeben, was eine größere Gruppe von ebenbürtigen Experten, die sich aufgrund Ihrer Erfahrung und persönlichen Vorlieben mit dem Spiel auseinandergesetzt und sich zu einer gemeinsamen Wertungen zusammengerauft hat. Das System fand ich schon Power Play Zeiten klasse (objektivere Wertung plus Redaktionsgesichter “Super”, “Gut”, etc.) und ist auch heute definitiv meine Präferenz. Bei einzelnen Testern Meinungen reißt mir die Note zu leicht nach oben oder unten aus (eben basierend auf der persönlichen Meinung eines Testers - egal, wie er oder sie heißt) und ich erwische mich mehr und mehr dabei, die GG Wertung noch “manuell” mit anderen Tests auf anderen Seiten oder gar Metacritic abzugleichen. Das habe ich vorher eher selten getan.

ReD_AvEnGeR 16 Übertalent - - 4095 - 18. November 2021 - 9:35 #

ka seitdem gg die Wertung umgestellt hat, hab ich kein Spiel mehr gekauft. cyberpunk was top sein soll ist eine Bug Hölle und der Rest hat <80 Prozent was seitdem raus gekommen ist. subjektiv ist alles schlecht und ich habe bis jetzt echt keinen Maßstab für mich finden können.

Player One 16 Übertalent - P - 4030 - 19. November 2021 - 12:09 #

Mich begeistert auch kaum noch ein Spiel aber nachdem ich nun seit fast 40 Jahren zocke, schiebe ich das auf damit einhergehende Abnutzungserscheinungen. Auch bei meinem Zweithobby, dem Lesen, finde ich kaum noch guten Stoff und kann bei vielen Büchern nach kurzer Zeit schon vorhersagen wie es weiter geht.

Jamison Wolf 18 Doppel-Voter - P - 12372 - 19. November 2021 - 18:46 #

Hmmm, also ich hab immer noch das Problem das es viel mehr Spiele gibt die ich spielen will als ich Zeit hätte.

Aus Jux, weil MS ja nun die Java Minecraft Version in den Pass geschoben hab, hab ich das mal wieder installiert (nach Jaaahren). Zack schon wieder 20h wech. Eigentlich wollte ich Gloomhaven, Guardians und Outriders weitermachen. Und dann ist da noch ONI, DD, Kampagne #36 von XC2-WotC, DD:DA, Doom, BB, Ratchet & Clank, Village usw usf auf "Pause zur Zeit" - und das ist immer noch die Spitze des Eisbergs, die Liste könnte ich beliebig forsetzen.

Und ja, bin auch so nen "Oldy".

48h pro Tag, das wär was... ;)

AlexCartman 19 Megatalent - P - 18183 - 20. November 2021 - 13:24 #

Selbst die würden nicht reichen.

direx 20 Gold-Gamer - - 31672 - 18. November 2021 - 9:38 #

Man darf nicht vergessen, dass der "Spieltest" aus einer Zeit stammt, als es dem Spieler quasi unmöglich war im Vorfeld Szenen aus dem Spiel zu sehen. Das Internet war noch Zukunft und für Spiel wurde außerhalb der üblichen Publikationen keine Werbung gemacht.
Als Spieler hatte man also gar keine Option, als dem Test der Zeitschrift XYZ zu vertrauen.

Heutzutage ist das anders. Wir haben Lets Plays, umfangreiche Vorberichte und Gameplaydemos. Hier auf GG gibt es noch die SdK. Das sind alles Dinge, die mittlerweile meine Kaufentscheidung im Wesentlichen beeinflussen. Spieletests sind da eher zweitrangig ...

Brunt 11 Forenversteher - P - 553 - 18. November 2021 - 9:59 #

Was spricht dagegen das einfachste und fairste zu machen, 2 Wertungen?
Sollten sich diese Unterscheiden erkennt man das "warum" beim lesen des Tests.

Zum Beispiel:

Cyberpunk:

Spielspaß: 9
Gesamteindruck:7

Natürlich kann diese Wertung auch umgekehrt sein falls man ein Spiel hat
welches man z.b. gerne ein-zweimal in der Woche kurz zwischendurch spielt, weil es dann langweilig wird, aber das Spiel in einem Perfekten Zustand ohne Bugs mit tollen Sound und Grafik ist und vielleicht sogar neue Ideen aufgreift.

Für mich persöhnlich sind diese Wertungen auf alle Fälle wichtig.
Denn wenn mich jetzt ein Spiel bzw. Genre eigentlich nicht so interessiert schaue ich zuerst auf die Wertung.
Sollte diese dann sehr gut sein lese ich danach den Test und entscheide mich vielleicht dem Spiel eine Chance zu geben.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 433174 - 18. November 2021 - 10:39 #

In deinem Beispiel hast du dann halt zwei subjektive Noten statt einer, wie schon deren Name verrät: SPASS und EINDRUCK.

Solange sich Spiele nicht von Schimpansen benchmarken lassen, wirst du da keine messbare Note ermitteln können, außer, du wählst die Kritierien ähnlich sinnbefreit wie einst die ComputerBild Spiele. Das ginge natürlich, also Levels zählen, Einstelloptionen zählen, überhaupt alles zählen. Bis hin zu den Erbsen im Spiel.

Aber schon bei der Bug-Freiheit (ich vermute, das spielt in deine Vorstellung von Gesamteindruck hinein) bist du nicht mehr im objektiven Bereich, weil a) 10000000 Konfigurationen und b) was dem einen ein schlimmer Glitch, fällt dem anderen gar nicht auf. Man kann feststellen: "Cyberpunk läuft auf zahlreichen Systemen nicht rund", aber auch erst, wenn es veröffentlich ist. Aber das hat für das Testsystem X keinerlei Aussagekraft. Oder nimm die Grafik: Ob man ein Dark Souls 3 als stilistisch total gelungen oder als technisch hoffnungslos veraltet empfindet, ist eben dies: eine Empfindung. Das lässt sich nicht objektivieren. Mit einer "nutzt sämtliche Features der neuen Unreal-Engine"-Bewertung bist du wieder beim sinnlosen Erbsenzählen, das hat null Aussagekraft.

Der interessante Punkt deiner Idee ist, "subjektiv" vom "eigentlich wäre es..." zu trennen. Aber das ist gar nicht nötig: In der Subjektivität ist bereits enthalten, dass man weg vom "eigentlich wäre das eine X" geht. Siehe Metroid Dread: Ich habe eine 6.0 vergeben, obwohl ich wusste, dass es für Metroid-Fans super sein dürfte oder zumindest sehr gut, ja sogar obwohl ich wusste und sagte, dass ich ohne die berühmte Bodenplatte selbst höher gewertet hätte. Aber dieses "eigentlich" habe ich schlicht ignoriert. Ich habe bei Cyberpunk die 10.0 gezückt, obwohl ich schrieb, dass es auch einige Schwächen hat. Und solche Beispiele findest du viele auf GamersGlobal.

Hannes Herrmann Community-Moderator - P - 27784 - 18. November 2021 - 10:48 #

"dass es für Metroid-Fans super sein dürfte oder zumindest sehr gut"

Nur bedingt. Ich habe es relativ günstig kaufen können und bin wirklich ein großer Metroid(vania)-Fan. Das Ding bekommt maximal ne 7.0 von mir.

Zu unkomfortabel, wenig Spaß am Experimentieren, zu vorhersehbar (ganz grob). Von daher war das für mich nochmal ein Beweis, das auch bei subjektiven Tests die Argumente dennoch sehr gute Auskunft über das Spiel und Hilfe zur Selbsteinschätzung geben können. Ganz ohne Dogma, dass die große Zahl am Ende bei manchen auslöst.

Faerwynn 19 Megatalent - P - 15768 - 18. November 2021 - 23:29 #

Und ich bin Metroid-Fan und finde es super. So ist es halt und deswegen bringen mir Wertungen auch kaum noch etwas.

rexcel 11 Forenversteher - - 801 - 18. November 2021 - 11:06 #

Wenn es nach mir geht, kann man einfach die aktuelle Skala verwenden und sich dabei verpflichten, dass 9 (oder 90) nur unter Spielen steht die der absolute Kracher sind.

Mit anderen Worten: auch ein Action-Gamer der nur alle paar Jahre mal Lust auf ein Civilization hat, darf bei einer 9er Wertung davon ausgehen, dass ein für diese Kategorie super gutes Spiel kauf.

Die 9.5 oder 10 erlaubt den Hype für ein Game das in der Kategorie ein Überflieger ist.
So wie GTA 5. Also durchaus streitbar, trotzdem nicht für jeden was, aber in der Gesamtsumme "State of the Art"... in seiner Kategorie von Game ist es das beste, und zwar mit Abstand und setzt eine Marke für voraussichtlich mehrere Jahre.

Ist jetzt nicht genau so bei Gamers Global. Aber ich interpretiere die Wertungen ungefähr so. Funktioniert.

Faerwynn 19 Megatalent - P - 15768 - 18. November 2021 - 11:38 #

Wertungen sind aus vielen Gründen (die meisten von Michael im Artikel angeführt) für mich weitgehend sinnfrei, ich benutze sie eigentlich nur für Eines: unerwartet schlimme Ausreißer mitbekommen. Im AAA-Bereich gibt es das kaum noch, aber solche Spiele wie Agony, die im Vorfeld gut klangen, dann aber unspielbar sind, muss ich nicht kaufen. Dafür braucht es aber eigentlich keine Wertung, solche Ausreißer lassen sich in jedem Test erkennen.

Anders herum formuliert: ich kaufe kein Spiel wegen einer Höhe. Wertung und ich kaufe kaum eines wegen einer mittelmäßigen Wertung nicht. Ich habe schon Wochen an Spaß mit 6.5 Spielen gehabt während manches 9.0 Spiel nie fertig gespielt wurde.

Von einem Test erwarte ich, dass er mir das Besondere, das Spielenswerte an einem Spiel vermittelt. Das kann ein Text, aber keine Zahl.

Wotan der Greise 11 Forenversteher - P - 741 - 18. November 2021 - 12:31 #

Ich denke, wo sich mittlerweile (fast) alle treffen könnnen, ist die Feststellung, dass der Versuch einer objektiven Benotung von Unterhaltung praktisch zum Scheitern verurteilt ist. Und selbst wenn er gelänge, hätte er für den Einzelnen nicht die gewünschte Aussagekraft, da eine objektive Bewertung - Achtung: Binsenweisheitsalarm - zwangsläufig alle subjektiven Faktoren außer Acht lassen muss.

In diesem Sinne erscheint mir die heutzutage herrschende Flut von Wertungen eigentlich ganz sinnvoll. Bei Dingen, mit denen ich micht nicht wirklich auskenne, sind Meta-Wertungen eine hilfreiche Leitplanke. Und da wo ich mich auskenne, sind mir Wertungen zwar weitgehend egal, Einschätzungen von 'vertrauten' Kritikern aber trotzdem gern willkommen.

Worauf ich persönlich gut verzichten könnte sind User-Wertungen aller Art. Viel zu viel Arbeit, da die Grütze von Durchdachtem zu trennen. Das ist allzu oft schlicht Schwachsinn der Machart 'Ich gebe null Punkte, weil der Postbote nicht geklingelt hat'. Noch dazu regelmäßig verfälscht durch irgendwelche gerade aktuellen Internet-Hysterien. Immer wieder erschreckend, wie viele Menschen offenkundig bloß nachplappern, was gerade en vogue ist. Sinnlos im Quadrat.

ds1979 16 Übertalent - - 4108 - 18. November 2021 - 13:05 #

Unterhaltung ja, das Problem ist halt, das Spiele von immer mehr "Kritikern" als "Kunst" gesehen werden. Und da fängt es dann an, wenn Leute dir erklären warum etwas in ihrern Augen "Kunst" ist. Dann fängt es wie in Büchern an, das in immer mehr Dinge etwas reingelesen wird, frei nach der Devise, ist mir egal was die Macher machen wollten, ich sehe da eine Metaebene. Das heißt nicht, das es nicht einen geringen Anteil von Spielen gibt, die man als "Kunst" bezeichnen könnte, doch der wesentlich größere Teil ist eben Unterhaltung um Kohle zu verdienen, wie auch bei Filmen und Büchern.
Auch User-Meinung kann hilfreich sein, wenn ich halt mehr über den User weiß, als seinen Nickname.

Wotan der Greise 11 Forenversteher - P - 741 - 18. November 2021 - 14:37 #

Na ja, Spielekritiken sind aller Regel doch eher wenig feuilletonistisch geprägt. Da würde ich im Großen un Ganzen, Ausnahmen bestätigen die Regel, eher zum gegenteiligen Befund kommen. Aber wenn so etwas für dich ein Ausschlusskriterium ist, dann ignorierst du es halt einfach. Unterstreicht ja nur die De-facto-Unmöglichkeit objektiver Betrachtung.

Und natürlich gibt es auch jede Menge kompetenter User-Meinungen. Wenn du jemanden besser kennst, ist das ja kein anonymer Internet-Post mehr, sondern etwas, das du einschätzen kannst. Mir ist bloß der Aufwand zu groß, da Schwachsinn und nachgeplapperte Nicht-Meinungen auszufiltern.

CBR 21 Motivator - P - 25037 - 18. November 2021 - 13:27 #

Mir ist eine ausführliche Argumentation wichtig, um die etwaige Note einordnen zu können. Dann schlage ich entsprechend drauf, wenn mir etwas nicht sauer aufstößt, oder ziehe ab, wenn ich einen Pluspunkt nicht teilen kann. Damit fahre ich bisher sehr gut.

Necromanus 19 Megatalent - - 14689 - 18. November 2021 - 16:32 #

Ich muss sagen dass mir die Noten inzwischen Egal sind. Ich höre mir die Beschreibungen an (oder lese sie) und kann dann bei den Redakteuren hier einschätzen ob das was für mich ist. Ich habe mit vielen hoch bewerteten Spielen keinen Spaß und kann auch nicht erkennen warum die so bewertet sind. Wenn Jörg dafür einem Cyberpunk die 10 gibt, dann bin ich da voll dabei. Ich mag das Spiel und anhand seiner Beschreibung wusste ich das auch genau.

Brunt 11 Forenversteher - P - 553 - 18. November 2021 - 17:31 #

Da ja viele der Meinung sind diese Wertungen sind unnötig, interessieren sie nicht oder ähnliches, hätte ich einen Vorschlag:

Wie wäre es einmal für die nächsten 5 Tests einfach die Wertung wegzulassen und einmal zu schauen was die User davon halten?
Würde ich sehr interessant finden.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 18. November 2021 - 17:52 #

Wie wäre es denn, wenn die 9 oder 10 Leute, die der Ansicht sind auf Wertungszahlen verzichten zu können, nicht so ein Riesengewese ums Thema machen und dann bitte einfach die Wertung ignorieren?

Jeder kann in den Einstellungen anklicken, ob er eine Wertung angezeigt bekommen möchte. Ist das denn so schwierig?

Ich denke mal, die allermeisten kommen hier mit dem bestehenden System schon ganz gut klar

Q-Bert 22 AAA-Gamer - - 32396 - 18. November 2021 - 18:09 #

Richtig. Wer es noch nicht kennt:

==> Userprofil aufrufen > Einstellungen > Wertung anzeigen:
( ) Anzeigen
( ) Nur auf Klick
( ) Nicht anzeigen

Da sollte für jeden Geschmack das Passende dabei sein.

Faerwynn 19 Megatalent - P - 15768 - 18. November 2021 - 23:31 #

Es ist schon ein dicker Unterschied, ob ein Artikel geschrieben wurde, mit dem Ziel ohne Wertung zu informieren, oder ob man dann nicht auf die Wertung schaut. Das so als "lasst uns in Ruhe, könnt ihr ja ausblenden" hinzuwerfen geht völlig am Kern der Diskussion vorbei.

Harald Fränkel Freier Redakteur - P - 13174 - 19. November 2021 - 6:55 #

Öhm?

Also will nicht für Kollegen sprechen, aber ich würde eine Rezi nicht anders schreiben, wenn es eine ohne Wertung wäre. Unterschiede gäbe es nur, wenn ein Auftraggeber z.B. inhaltlich eine andere Herangehensweise wünscht.

Claus 30 Pro-Gamer - - 318865 - 19. November 2021 - 19:50 #

♥Komm an mein Herz, Harald!♥

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 19. November 2021 - 9:07 #

Das halte ich für ein äußerst schmales Brett. Den "dicken Unterschied" kannst du gerne mal plausibilisieren.

malkovic 15 Kenner - P - 3097 - 19. November 2021 - 14:56 #

Schau dir Spiele-Artikel (z.B. bei SPON) an, die ohne Zahlenwertung geschrieben sind - das ändert in der Tat Struktur und Gewichtung.
Auch die kurz und knackig betexteten DU-Galerien kommen ohne Wertungen aus und lesen sich für mich schon anders ...

Hannes Herrmann Community-Moderator - P - 27784 - 19. November 2021 - 15:01 #

Das sind aber textkategorisch eher Rezensionen (so wie Haralds Wolfenstein-Artikel) als GG-typische Spieletests (die dies auch ohne Note sein würden).

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 19. November 2021 - 16:56 #

Na ok. Zum einen was Hannes schreibt, zum anderen wäre mir das auch nicht informativ genug. Ich will ja wissen, was da im einzelnen wie bewertet wird. Gamedesign, Grafik, technische Umsetzung usw.

Und genau betrachtet kommt ja selbst ein DU Beitrag nicht ohne Bewertungen aus. Die sind halt in der Kürze sehr selektiv: Der eine Bewertet den Spielpaß, der andere die strategische Tiefe usw.

malkovic 15 Kenner - P - 3097 - 19. November 2021 - 19:25 #

Klar, um Vorlieben geht es hier aber auch gar nicht. Du sagtest oben, man könne die Note einfach ausblenden. Dem habe ich entgegen gesetzt, dass sich schon bisschen mehr an einem Artikel ändert, wenn man nicht auf einen Zahlenwert hin schreibt ... wobei genau wolltest du mir widersprechen?

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 19. November 2021 - 20:59 #

Sobald du einen Text hast, der erzählt worum es in einem Spiel geht und dann in diversen Kategorien nach welchen Kriterien auch immer das Ergebnis bewertet bist du genau da wo wir jetzt sind. Halt ohne Endnote.

Ein Beispiel waren ja die DU Beiträge, die machen ja meist das gleiche bloß eben selektiv und nicht umfassend.

Und um es von meiner Vorliebe etwas wegzubewegen: Wenn es informativ auf das Spiel bezogen sein soll, kommst du aus der Struktur 'Zusammenfassung und Bewertung einzelner Aspekte' gar nicht raus.

AlexCartman 19 Megatalent - P - 18183 - 18. November 2021 - 19:28 #

Wertungen interessieren mich nicht mehr. Ich versuche dem Test zu entnehmen, ob mir das Spiel Spaß machen wird. Mehr muss ein Test für mich nicht leisten.

Gorkon 19 Megatalent - P - 14131 - 18. November 2021 - 22:02 #

Also ich mag keine Wertungen, denn letztendlich kommt es immer auf den persönlichen Geschmack an. Ich Frage mich da ja immer, wie man Kunst, wenn es denn welche ist, objektiv bewerten kann. Sicher, es gibt Kriterien, die sich jemand ausgedacht hat und danach wird dann bewertet. Muss das meinen Geschmack treffen? Nein. Ich habe schon soviel Spass mit durchschnittlichen Spielen gehabet und war schon so oft von hochgelobten "Perlen" entäuscht, das ich schon lange aufgehört habe, mich für eine Wertung zu interessieren. Für mich sind echte Spielszenen viel wichtiger, weil so kann ich abschätzen, ob mich das Spiel interessiet. Dann lese ich meist den/die Test/s und wenn mich das überzeugt, greife ich zu.

ds1979 16 Übertalent - - 4108 - 19. November 2021 - 7:37 #

Um mal einen berühmten Bayern zu zitieren:Kunst kommt von Können, käme sie von Wollen, hieße sie Wulst. Bezogen auf die Spielebranche gibt es halt dor viele "Wulstler". Ist Tetris Kunst? Ist Moorhuhnjagd Kunst? Ist Doom Kunst? Die Frage hat sich mir bei dem Medium Spiele nie gestellt, sondern nur, wie bei dir, habe ich Spaß beim "spielen". Allles andere ist mir egal. Bei Brettspielen fragt doch auch keiner ob die Kunst sind, sondern die werden als Spiele erlebt. Also die Kunst kann mir im Bereich der Spiele gestohlen bleiben, solange die Spiele Spielspaß liefern.

Sven Gellersen 23 Langzeituser - - 40709 - 19. November 2021 - 10:42 #

Wertungen sind für sich betrachtet für mich vollkommen irrelevant. Viel wichtiger ist für mich der eigentliche Test. Da schaue ich, was dem Tester gefällt und was nicht und vergleiche das mit meinen eigenen Vorlieben. Der Tester stört sich an repetitivem Gameplay und wertet deswegen niedriger? Na und, ich komm damit klar und erhöhe seine Wertung für mich entsprechend.
Die Wertung des Testers ist damit nur die Basis, aufgrund derer ich zusammen mit dem eigentlichen Test zu meiner eigenen Wertung komme.

Und inzwischen erreichen Videospiele ein Level, wo ich mich mit dem Begriff Spiel-„Spaß“ zunehmend schwer tue. Ein Spiel muss mir keinen Spaß bringen, es sollte mich alternativ einfach emotional fesseln können.
Hat mir TLoU2 am Ende „Spaß“ gemacht? Nee, ganz sicher nicht. Aber es hat mich emotional an den richtigen Stellen getriggert und den gesamten letzten Abschnitt in der neuen Location fand ich auch nicht überflüssig.
Oder Death Stranding: Es hat mir definitiv keinen Spaß gemacht, zum Ende hin durch unwegsames Gebirgsgelände mit massiven Schneestürmen zu stapfen, immer darauf bedacht, meine Fracht nicht zu verlieren und keinem GD zu begegnen. Stattdessen war das ein außergewöhnliches Spielerlebnis, welches ich nicht missen möchte.

TheRaffer 22 AAA-Gamer - P - 32112 - 19. November 2021 - 14:10 #

Eine Note verrät mir nicht, ob ich mit dem Spiel Spaß haben würde. Das tun Text und begleitendes (Bewegt-)Bildmaterial. Und selbst dann kann das noch ein Griff in die Tonne sein.
Hatte oft hochgelobte Spiele in der Hand, die qualitativ weit hinter ihren Vorgängern lagen...

amenon 17 Shapeshifter - P - 7243 - 19. November 2021 - 18:19 #

Ich war (und bin) von Boris Schneiders fünf Sternen überzeugt. Die Note ist nicht mehr als eine grobe Einschätzung. Als ob ein Tester für mich als Individuum entscheiden kann, ob ich den einen Titel (86) oder den anderen Titel (84) besser finde. Zum Überfliegen reicht mir deshalb völlig, ob das Spiel in den Augen des Testers totaler Mist, so lala oder super ist. Für ein differenzierteres Bild schaue ich das Video und/oder lese den Text. Dafür ist es dann zusätzlich wichtig, den Tester einschätzen zu können.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 19. November 2021 - 18:33 #

Das gälte ja genauso für eine Note. Ob man da nun 5 Sternchen, 8 Bienchen oder 1-10 nimmt, ist reine Geschmackssache.

Amundis 15 Kenner - - 2788 - 26. November 2021 - 14:05 #

UUUhh.. Bienchen wären cool.... Jörg?

BruderSamedi 18 Doppel-Voter - P - 9571 - 26. November 2021 - 14:08 #

Wird ja vielleicht dann pünktlich mit Beginn des zweiten Quartals im neuen Jahr umgesetzt :)

Harry67 20 Gold-Gamer - - 20556 - 26. November 2021 - 23:43 #

Genau! Denn die Vorschul- und Kita-User von heute sind die Abonnenten von morgen!

Sokar 19 Megatalent - - 18757 - 20. November 2021 - 11:21 #

Ich bin mittlerweile auch nicht mehr so von Testwertungen überzeugt. Eigentlich nutze ich sie nur, um Totalausfälle schnell auszufiltern. Alles andere lässt sich nicht in einer einzelnen Zahl vernünftig darstellen. Da nutze ich hier auf GG die Pro/Kontra-Liste, die bringen mir weit mehr.
Ich finde ja die Geschichte interessant, was es alles schon für Systeme gab. Reine Bauchwertungen bis zu so höchst durchorchestrierten Systemen wie das 10x10-Punkte System der GameStar. Das abgefahrenste war wohl das der PC Extreme, das Heinrich Lehnart entwickelt hat, das mit dem Modifikatoren, dass sich jeder seinen eigene Wertung auf Basis seiner Prioritäten errechnen kann. Wahnsinn was da für ein Aufwand betrieben wurde, nur damit man am Ende das Spiel auf eine einzige Zahl runterbrechen kann.

minsche 17 Shapeshifter - - 6020 - 21. November 2021 - 10:40 #

Ich mag Wertungen.

GamingLord80 19 Megatalent - P - 16388 - 22. November 2021 - 19:48 #

Wertungen sind für mich total über. Denke es würde der Branche auch gut tun, wenn man diesen alten Zopf endlich abschneidet. Man beschwert sich immer das die Texte nicht gelesen oder nicht wichtig genug genommen werden, ändert aber auch nichts daran.

Warum nicht dem Leser im Text sagen was los ist und dann soll er selbst entscheiden ob es sich für ihn lohnt.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 433174 - 24. November 2021 - 9:57 #

Hast du bei uns die Wertung ausgeblendet? Die Funktion gibt es ja, und die meisten Tests nennen die Note ansonsten nicht.

nepumax 11 Forenversteher - P - 568 - 23. November 2021 - 19:39 #

Ich wünschte diesen Text gäbe es als Podcast. Dann könnte ich mir bei langen Autofahrten den "Hengst-Rage" reinziehen.

Timberwolf76 17 Shapeshifter - P - 6734 - 26. November 2021 - 21:32 #

Ich bin hin- und hergerissen. Ich verstehe Michaels Argument mit der 100 als unerreichbares Ideal, ganz einfach weil es so bei der Power Play praktiziert wurde. Aber das ist eben nicht die Philosophie von Gamersglobal. Und, wie es Jörg auch schon geschrieben hat, gibt es mitunter Spiele bei denen man sich zum Zeitpunkt des Erscheinens beim besten Willen nicht vorstellen kann dass es jemals etwas geben kann das noch mehr Spaß macht. Bei mir waren das z.B GTA3, GTA 5, Mass Effect 2, Zelda:BOTW und auch das neueste God of War. Alle hätten von mir ne 10 bekommen. Und natürlich auch das Gameboy-Tetris. Weil besser konnte ich es mir nicht vorstellen. Was mich tatsächlich auch stört ist der Wertungsklüngel über der 7.5. Ich glaube im Gegensatz zu Jörg nicht dass es nur die Auswahl der Spiele ist, auch wenn das generelle Niveau natürlich höher ist als 1990. Aber die Mitte von 0 bis 10 ist nun mal tatsächlich die 5. Insofern sollte ein durchschnittlich Spaß erzeugendes Spiel auch dort landen und eben nicht bei 7.5.

Nachtrag: Die aktuell frischen (und niedrigen) Wertungen zeigen ein schon, dass Jörg mit seiner Vermutung vielleicht doch näher an der Wahrheit ist als ich.

euph 28 Endgamer - - 109771 - 27. November 2021 - 10:40 #

Ich sehe da sogar einen Unterschied. Bei der feineren 100-Skala würde ich auch sagen, dass die 100 kaum zu erreichen ist. Bei der 10-Skala sehe ich das schon wieder anders, da sie gröber ist. Und bei sowas wie 5 Sterne geht es erst recht, dass man da die Höchstnote vergeben kann.

v3to 17 Shapeshifter - P - 6609 - 27. November 2021 - 14:02 #

Die 5 als Maß für ein mittelprächtiges Spielerlebnis würde meines Erachtens heute wunderbar funktionieren, wenn man es für genau das hernimmt. Allerdings genauso, wie eine 7. Btw letzteres gab es bereits in den 80ern. In GB hatte man bis auf Ausnahmen wie bei der Amiga Format diesen Maßstab eher bei 70% gesetzt. Nimm mal die Zzap64 mit den inflationär hohen Wertungen. Den Szizzler-Award gab es erst bei 92% gegenüber einer Power Play, die ein "Besonders Empfehlenswert" bei 85% zuckte. Den Gold-Award gab es bei der Zzap erst bei 96%, also kurz vor Ende der Skala. Dennoch wurde dort nie eine 100 vergeben.

Das Ding ist mMn mehr eine Frage der Philosophie. Wenn man anfängt, die Eigenschaften eines Spiels abzuwägen, landen da auch schnell Dinge mit in der Waagschale, welche nicht universell mit dem Spielspaß zu tun haben oder die sich qualitativ unterschiedlich interpretieren lassen. So typische Beispiele sind: zu leicht, zu schwer, zu kurz, zu lang, zu wenig Rätsel, zu bunt, zu blass, zu wenig innovativ, zu komplex, zu wenig anspruchsvoll
(und der Super-Klassiker: Ich bilde mir ein, die Hardware kann mehr
- oder auch: das mag woanders gut sein, in diesem Einzelfall will ich das nicht sehen).

Unter der Prämisse macht mMn eine 70% als Spielspaß-Äquator
durchaus Sinn, weil streitbare oder auch persönlich geprägte Punkte an Relevanz verlieren.