The Last of Us - Part 2 Test+

Über den Sinn von Rache und Gewalt

Jörg Langer / 12. Juni 2020 - 17:28 — vor 1 Woche aktualisiert

Teaser

Es ist größer und vielseitiger als Teil 1 – und gleicht diesem doch fast wie ein Ei dem anderen. Die Welt wird immer noch von Infizierten überrannt, und Gewalt ist immer die beste Lösung. Wirklich?
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Kein einziger Screenshot, aber der Großteil der Videoszenen, stammt von GamersGlobal.

Dieser Test wird ein seltsamer Test, da ich das lang erwartete Werk The Last of Us - Part 2 bereits seit Wochen komplett spielen konnte (zuletzt mit Patch 1.02) — euch heute, eine Woche vor Release, aber nur sehr eingeschränkt selbst gecapturte Szenen zeigen und Dinge verraten darf. Sony will damit Spoiler zur Story und den Charakteren vermeiden, und das verstehe ich. Gerade bei diesem Spiel. Doch wie also soll ein Test funktionieren, der diese wesentlichen Elemente und gut 90% des Spiels gar nicht zeigen kann?
 
Ich versuche es trotzdem: Ich stelle euch anhand der wenigen zu diesem Zeitpunkt zeigbaren Missionen, die ungefähr aus den ersten zehn Stunden des Spiels stammen, die wesentlichen Elemente vor. Ich verrate euch, dass The Last of Us 2 dann noch nicht vorbei ist, da es deutlich länger als der Vorgänger ist, der einen je nach Spielweise etwa zehn bis 14 Stunden beschäftigte. Und dann stelle ich einige Behauptungen zum Spiel und seiner Güte und seinen Problemen auf, die ihr mir dann glauben könnt oder nicht. Die meisten Szenen im zugehörigen Video sind selbst aufgenommen, bei einigen muss ich aus Embargo-Gründen auf vorgefertigtes Material zurückgreifen. Ihr erkennt sie an der englischen statt deutschen Sprachausgabe.
 

Ihr müsst mir glauben...

Was ihr mir glauben müsst, weil ich es aktuell nicht zeigen darf? Dass die sehr explizite Gewaltdarstellung, die ich keinesfalls als spielspaßsteigernd empfinde, ja stellenweise als abstoßend, im Gesamtkonzept des Spiels richtig ist. Nicht nur wegen des Themas Apokalypse: Naughty Dog gelingt es, mir ungefähr zur Mitte des Spiels die Augen zu öffnen und eine ganz neue Perspektive zu vermitteln. Wie, weshalb, warum — kann ich euch aktuell noch nicht verraten. Das könnt ihr mir aber glauben.
 
Was ich euch verraten kann: The Last of Us 2 setzt einige Jahre nach dem Ende von Teil 1 an. Wer auch den noch nicht gespielt hat, wird im nächsten Absatz gespoilert:

Also, Last of Us 1 in Kurzform: Nach einer pilzsporen-induzierten Zombiekatastrophe ging die Welt fast zugrunde. Der verbrämte Söldner Joel reist mit der vierzähnjährigen Ellie durchs halbe Land, um in einer Klinik der Firefly-Rebellen ein Heilmittel gegen die Pilz-Krankheit entwickeln zu lassen. Denn Ellie ist als einziger bekannter Mensch immun gegen die Sporen. So, bitte spätestens jetzt kurz weiterspringen als Noch-nicht-Teil-1-Kenner: Als Joel im Finale von Teil 1 mitkriegt, dass das Heilmittel nur durch den Tod Ellies gewonnen werden kann, bringt er das nicht übers Herz und flieht mit ihr. Spoiler-Ende.
 
Zu Beginn, in Wyoming, ist die Welt noch relativ heil. Mit ihrer Freundin Dina bricht Ellie gleich zur Patrouille auf.

Vier Jahre später, in Wyoming

The Last of Us 2 beginnt vier Jahre später. Aus dem Mädchen Ellie ist eine selbstbewusste junge Frau geworden, die als Teil der Miliz der freien Stadt Jackson, im Tal Jackson Hole, Wyoming, gelegen, Patrouillen-Dienst schiebt. Sie ist die neue Hauptfigur, nicht mehr Joel, den wir im Vorgänger überwiegend spielten. Dass Ellie tiefe, aber etwas unklare Gefühle für ihre Kampfgenossin Dina hegt, wird schnell klar. Doch ein Ereignis, das ihr euch selbst in den ersten etwa zwei Stunden erspielt, macht aus der mehr oder weniger zufriedenen Ellie einen Racheengel, der sich nach Seattle aufmacht, um Menschen zu töten. Ganz bestimmte Menschen, aber gerne auch jegliche andere Menschen, die ihr in die Quere kommen. Und natürlich alle Infizierten, die ihr begegnen. Ellie als Ein-Frau-Schlachthaus zu bezeichnen, klingt auf Englisch eine Spur netter, trifft aber auch im Deutschen vollumfänglich zu.

Wie im ersten Teil erleben wir nun ein — deutlich längeres und facettenreicheres — Abenteuer, das munter in der Zeit und auch mehrmals im Ort springt, teils durch spielbare Rückblenden, teils durch Cutscenes. So tauchen wir immer tiefer in die Story ein, erleben Überraschungen oder Altbekanntes aus neuem Blickwinkel. Auch wer Teil 1 nicht gespielt hat, kann der Handlung folgen. Auch wer Teil 1 gespielt hat, wird manches nicht sofort verstehen.
 
Naughty Dog nimmt sich Zeit, teilweise schon zu viel Zeit, um die Charaktere und ihre Beziehungen vorzustellen. Das geschieht meist über Gespräche, während wir irgendwo hin laufen oder reiten oder Schauplätze untersuchen.
 

Fast perfektes Pacing

Trotz dieser Minikritik gilt: Neben der Story ist das Pacing das große Highlight von The Last of Us 2: Intensive Kämpfe, ob gegen Infizierte oder menschliche Feinde (es gibt zwei feindliche Fraktionen im Spiel), wechseln sich mit ruhigeren Passagen ab. Ob es bedrohlich wird, verrät uns, von wenigen Jump Scares abgesehen, immer die Musik, und wenn eine Bedrohung beseitigt ist, macht unsere Heldin eine entsprechende Bemerkung. So gibt es einerseits packendes Schleichen, leises Töten, wildes Ballern, adrenalinpumpende Nahkämpfe oder halsbrecherische Fluchtsequenzen. Und andererseits lange Erkundungen oder Gesprächssequenzen oder auch Kletterpassagen.

So stumpfe ich nicht ab vor lauter Dauerbedrohung, und empfinde auch die nächste Infizierten-Begegnung oder die nächste Auseinandersetzung mit Wolfs oder Scars als spannend. Viel besser lässt sich Pacing in einem sehr langen Solo-Actionspiel nicht hinbekommen, zumal es bis kurz vor Spielende noch neue Elemente, etwa weitere freischaltbare Fertigkeiten oder neue Waffen, gibt.
 
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Nach etwa zwei Spielstunden kommt es zu einem Ereignis, dass Ellie zum blutdürstenden Racheengel macht.
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