Test: Der Herrscher Albions

Fable 3 Test

Eine Revolution anzetteln, eine emotionale Bindung zu den Bewohnern Albions aufbauen und schließlich als Herrscher einflussreiche Entscheidungen treffen – das und noch viel mehr hat Peter Molyneux im Vorfeld für Fable 3 verkündet. GamersGlobal fühlt dem alten Versprechungsweltmeister und dem neuesten Lionhead-Werk auf den Zahn.
Christoph Licht 28. Oktober 2010 - 21:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Hach, ist das Leben nicht traumhaft? Ein hübsches Schloss voller Diener, die uns jeden Wunsch von den Lippen lesen. Untertanen, die uns zu Füßen liegen. Da können wir uns zurücklehnen und den Luxus genießen! Zumindest dachten wir das. In Wirklichkeit drückt uns einer der Diener nach dem Aufstehen gleich den heutigen Terminplan in die Hand, dann warten im Thronsaal wichtige Entscheidungen, die Staatskasse ist ständig leer und die Bewohner unseres Reiches haben immer etwas zu meckern. Zu allem Überfluss gibt es auch noch die drohende Gefahr aus dem Süden. Eine Invasion steht bevor! Da fragen wir uns mitunter, warum wir überhaupt die Anstrengungen in den ersten 80 Prozent des Spiels auf uns genommen haben, auf den Thron zu gelangen...

Mit Fable 3 erfindet der Entwickler Lionhead Studios die Serie zwar nicht grundlegend neu, hat neben dem Feinschliff und teilweise auch Rausschmiss vieler bekannter Spielelemente aber dennoch die ein oder andere sinnvolle Neuerung eingebaut – darunter eben auch zum Herrscher Albions aufzusteigen. Das Endergebnis ist mehr Action-Adventure als Rollenspiel und mehr Evolution als Revolution, aber immer noch ein sehr gutes Spiel.

Ging der Grafik-Abteilung das Budget aus, oder was sollen diese als Pappmännchen dargestellten Questgeber?

Das Spiel im Spiel

Gerade noch befanden wir uns in einer industriellen Fabrikhalle, schon treten wir hinaus in eine riesige Höhle. Auf einem Podest vor uns ruht das legendäre Kondom der Götter +5, das laut Beschreibung "zu unserem Vergnügen in den Feuern der Hölle selbst geschmiedet" wurde. Weiter vorne warten die nächsten Gegner auf uns: fürchterliche Dämonenhühner. Schon aus der Ferne nutzen wir unsere Fernwaffe mit dem einfallsreichen Namen "Mein Gewehr", um sie aufs Korn zu nehmen. Ein paar Schüsse schaffen wir abzufeuern, bevor die gemeingefährlichen Eierproduzenten in die Reichweite unseres Flächenzaubers gelangen. Nachdem wir die kombinierte Macht aus Feuerbrunst und Kältesturm entladen haben, bleibt nur wenig Federvieh übrig. Den Rest räumen wir mit unserem Schwert aus dem Weg.

Wir haben das legendäre Kondom der Götter +5 gefunden.
Zurück im Tageslicht sehen wir drei riesige Magier in roten Mänteln emporragen. Und wir meinen riesig. Im Vergleich zu ihnen wirken wir wie eine Zinnfigur. Doch wir haben drängendere Probleme: Am Ende des lichten Tals wartet der böse Baron und die entführte Prinzessin auf uns. Nur ein paar Hobbs trennen uns noch vom finalen Showdown, der in die Geschichte Albions eingehen und von den Barden noch Jahrhunderte nach unserem Tod besungen wird. Mit dem Baronschlächter-Krummsäbel +3 in der Hand näher wir uns dem Baron. Auf das Schlimmste vorbereitet schwingen wir unsere Waffe und töten ihn zu unserer Überraschung mit nur einem Schlag – zum Unmut der riesigen Magier, die wie wir etwas mehr erwartet hatten.

Sekunden später sind wir plötzlich so groß wie die Magier und stellen fest: Wir waren Teil eines Tabletop-Rollenspiels, das die drei anscheinend regelmäßig veranstalten. Die ganze Aktion war in Wirklichkeit nur Teil einer der vielen einfallsreichen und abwechslungsreichen Nebenquests im Spiel. Mit einem neuen magischen Artefakt in der Tasche und um ein gutes Dutzend Gildensiegel reicher, lassen wir die fragwürdigen Gestalten hinter uns und fahren mit unserer Reise durch das echte Albion fort.

Ein Tyrann als Bruder

Vor 50 Jahren wurde Albion von der größten Bedrohung in seiner Geschichte heimgesucht. Der wahnsinnige Lucien wollte die Welt vernichten und danach nach seinen eigenen Vorstellungen wieder aufbauen. Doch dank des Helden von Fable 2 wurde daraus nichts, vielmehr blühte Albion unter seiner weisen Herrschaft auf. Frieden, Wohlstand und eine schnelle technologische Entwicklung waren die Folge und katapultierten das Land schlagartig ins Industriezeitalter. Zwei Kinder zeugte der ehemalige Held: Euch und euren älteren Bruder Logan. Letzterer erbte die Krone, entpuppte sich aber schnell als gnadenloser Tyrann. Kein Wunder, dass der Ruf nach Revolution immer lauter wird.

In Fable 3 schlüpft ihr nun wahlweise in die Haut eines Prinzen oder einer Prinzessin. Anders als in den meisten Rollenspielen müsst ihr mit der vorgegebenen Statur leben. Nur Kleidung, Schminke oder Frisur lassen sich im späteren Spielverlauf verändern. Den Großteil von Fable 3 werdet ihr damit verbringen, die Revolution zu starten und Logan vom Thron zu stoßen. Die restlichen etwa zwei bis drei Spielstunden dürft ihr dann selbst als König agieren - und müsst gleichzeitig das Reich vor einer dunklen Bedrohung beschützen. Erwartet hier aber keine allzu großen Freiheiten: Es gilt schlicht, auf die Staatskasse zu achten und wie im restlichen Spiel simple Gut- oder Böse-Entscheidungen zu treffen: Geben wir der historischen Gesellschaft von Albion kein Geld zum Bau einer Brücke, wird sie eben nicht gebaut, und wir erfahren nie, was auf der anderen Seite für Schätze auf uns warten. Das Grau eines Bioware-Rollenspiels gibt es in der Welt von Fable aber weiterhin nicht.

Entsprechend ist die Hintergrundgeschichte weder besonders überraschend noch tiefgründig. Erst gegen Ende, wenn die echte Gefahr für die Welt deutlicher und die Geschichte bedrohlicher wird, nimmt sie etwas an Fahrt auf und wird interessanter. Doch auch mit diesem Schub bleibt die Hauptmotivation der Geschichte zu folgen, das Ziel, endlich selbst auf den Thron zu steigen.

Kleider machen Leute

Die Heldin von heute gibt sich schon lange nicht mehr mit nur einem einzigen Abenteueranzug zufrieden, wie Lara Croft schon vor Jahren zeigte. Ob die weite Tundra, die heiße Wüste oder der dichte Wald: Für jeden Anlass müsst ihr richtig gekleidet sein: 1 Als Prinzessin tragt ihr dieses schlichte, aber modische Kleid in den Räumen des Palasts. 2 Im kalten Gebirge muss es hingegen schon etwas Rustikaleres sein. Ein offenes Dekolleté und etwas Haut gehören aber trotz der eisigen Temperaturen dazu. 3 Auch das Hühnerkostüm darf in keiner Sammlung fehlen. 4 Als emanzipierte Frau ist man sich auch nicht zu fein, Hosen zu tragen und in die Rolle eines Söldners zu schlüpfen. 5 Für den netten Abend beim Maskenball brezeln wir uns richtig auf.  6 Highlight jeder Garderobe ist die imposante Rüstung der Königin.

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