Rückkehr nach Albion

Fable Anniversary Preview

HD-Neuauflagen versprechen grafisch oft das Blaue vom Himmel, sind aber öfters nur günstig produzierte und teuer verkaufte Hülsen mit "HD" im Namen. Wie gut, dass die Neuauflage von Peter Molyneux' Xbox-1-Klassikers statt HD 'Anniversary' heißt. Macht das Spiel um Held, Ruhm und Ehre noch genauso viel Spaß wie damals?
Benjamin Braun 21. Januar 2014 - 9:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Ob die Fable-Reihe die Bezeichnung "Rollenspiel light" verdient oder doch eher "Action-Adventure mit RPG-Elementen", daran scheiden sich seit 2004 die Geister. Und auch daran, ob der Eindruck einer vor Fantasie, Humor und kreativen Ideen nur so strotzenden Spielwelt über den vergleichsweise geringen spielerischen Anspruch hinwegtrösten kann. Doch der Erfolg gibt der unter Leitung von Peter Molyneux entstandenen Reihe Recht. Denn auf den ersten Teil, der im September 2004 für die erste Xbox erschien und gut ein Jahr später für PC umgesetzt wurde, folgten zwei große Fortsetzungen, eine weitere für Xbox One befindet sich bereits in der Entwicklung. Fast zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung bringt Microsoft den ersten Teil als Fable Anniversary für die Xbox 360 erneut in den Handel. Die Buchstaben HD trägt es zwar nicht im Namen, aber auch bei diesem Spiel handelt es sich um eine grafisch aufgehübschte Version.

Wir haben uns zu Preview-Zwecken (aber auch, weil es draußen gerade so garstig ist im Real-life) gerne in die idyllischen Landschaften von Albion begeben. Fable Anniversary wird separat sowie im Bundle mit Fable 2 und 3 am 7. Februar 2014 erscheinen.

Malerisches Märchen
Fable Anniversary ist hübsch, aber oft auch ziemlich leer.
Für die Neuauflage von Fable haben die Entwickler die Grafik ordentlich aufgemöbelt, Texturen ausgetauscht, Grafikeffekte überarbeitet und nicht zuletzt auch dafür gesorgt, dass Objekte wie Zäune nicht mehr so eckig wirken wie im Original. Insbesondere die Bodentexturen im Sumpf oder Steinplatten auf den Verbindungswegen zwischen der Stadt und den übrigen Schauplätzen sehen nun bedeutend plastischer und schärfer aus.

Auch im Effektbereich haben sich ein paar Dinge getan. Die Beleuchtung wirkt natürlicher, und eine Hütte geht, um ein Beispiel zu nennen, doch sichtbar realistischer in Flammen auf als vor zehn Jahren. Auch bei den Partikel- und sonstigen Grafikeffekten gibt es Änderungen, wenn auch selten in dem Ausmaß, dass man es dem Spiel auf den ersten Blick ansehen würde. Ein vom Helden geschleuderter Blitz sieht in jedem Fall feiner aus als die pixeligen blauen Stromschläge des Originalspiels. Auch bei den Charaktermodellen machen sich die Verbesserungen bemerkbar. Gerade bei den Haaren der Spielfiguren fallen sie ins Gewicht. Insgesamt hätte man gerade bei ihnen aber noch ein bisschen mehr tun können. Denn insbesondere die Kleidungsstücke sind teils merklich schlechter texturiert als die Umgebung, weshalb sich die NPCs nicht immer hundertprozentig sauber in sie einfügen.

Wenig verändert hat sich hingegen beim allgemeinen Detailgrad. Es laufen weder mehr NPCs in der Gegend herum, noch findet ihr mehr Kisten, dichteres Laubwerk oder Verbesserungen bei Feinheiten wie Gräsern. Zumindest im Vergleich mit der immerhin auch mehr als acht Jahre alten PC-Fassung ist kein erheblicher Mehrwert festzustellen, gegenüber der Xbox-Version ist der Qualitätsunterschied jedoch deutlich. Und da Fable ohnehin vor allem von seinem Stil, dem märchen-, ja manchmal bonbonhaften Look lebt, ist das Ganze gefällig anzusehen. Quasi unverändert sind die Animationen, die Schwerthiebe genauso flüssig aussehen lassen wie eine Ausweichrolle – also genauso flüssig wie damals. Weniger erfreulich als die ansonsten recht ordentliche Überarbeitung ist die technische Anpassung an die 360. Gewiss war Fable immer schon auf mehrere kleine Gebiete eingeteilt, zwischen denen man in recht langen Ladezeiten wechselte. Allerdings fallen die bei einem Spiel, das grafisch nicht mit Fable 3 mithalten kann, für unseren Geschmack dann doch zu lang aus. Unschön finden wir auch ein paar Texturnachlader beim Überspringen von Zwischensequenzen.

Engel oder Bengel?Inhaltlich ist im Wesentlichen alles beim Alten geblieben, wobei wie schon beim PC die Lost Chapters mit an Bord sind. Ihr übernehmt wie gehabt die Rolle eines Jungen, dessen Familie von Räubern ermordet wird. Eigentlich suchten sie nach euch, weil ihr offenbar zum Helden bestimmt seid. Zu eurem Glück nimmt euch die Heldengilde auf – ob ihr euch aber moralisch einwandfrei verhaltet, "gute" oder "böse" Entscheidungen trefft, bleibt an vielen Stellen euch überlassen. Euren Einfluss mehrt ihr wahlweise, indem ihr hohes Ansehen erlangt oder den Leuten so viel Angst macht, dass sie nicht mehr das Wort gegen euch richten. Ihr könnt den Räubern helfen oder einen Hof gegen sie verteidigen, lügen, was das Zeug hält, oder stets die Wahrheit sagen un
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d euch so viele Freunde machen. Die Story ist unterhaltsam und klammert Humorvolles nicht aus.

Gekämpft wird mit Nahkampfwaffen, Bögen und Magie, der so genannten Willenskraft, gegen Räuber, Rieseninsekten oder auch Gnome. Die Steuerung wirkt leicht überladen, was an den ganzen Ausdrucksformen (inklusive eher rustikaler Aktionen wie furzen oder Leute anrülpsen) liegt. Sie geht aber dennoch leicht von der Hand. Dank Autofokus werdet ihr keine Probleme haben, Gegner erfolgreich anzugreifen, während ihr selbst Angriffe abblockt oder per Ausweichrolle entfleucht. Wie in einem Rollenspiel könnt ihr euren Charakter auch aufwerten, Willenskraft, Lebensenergie oder Zähigkeit verbessern. In Fable Anniversary zu überleben, ist aber dennoch keine so hohe Kunst wie in RPGs der Marke The Witcher. Mit Nahrung und Heiltränken füllt ihr verlorene Lebensenergie auf – und wenn ihr mal nicht schnell genug seid, richten euch Wiederbelebungsphiolen wieder auf. Die sind auch in der Neuauflage nicht unbegrenzt, aber ihr werdet in Truhen oder in bei gefallenen Gegnern genug Nachschub finden. Notfalls stattet ihr zwischendrin einem Händler einen Besuch ab.
In Fable könnt ihr gut oder böse spielen. Hühner treten ist übrigens ein neutrales Verhalten...
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