Benjamin Braun 19. Mai 2011 - 23:23 — vor 8 Jahren aktualisiert
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von Benjamin Braun

Alle Screenshots in diesem Artikel wurden von uns selbst erstellt.

Gewissheit herrschte bis vor einigen Monaten nicht, ob auch PC-Spieler irgendwann als König oder Königin über das Fantasy-Reich Albion in Fable 3 würden herrschen dürfen. Auf den Vorgänger warten sie schließlich bis heute vergeblich, während es von Teil 1 eine verspätete Umsetzung gab. Mehr als ein halbes Jahr nach dem Xbox-Release macht Publisher Microsoft seine Ankündigung allerdings wahr und stellt das vor kreativen Ideen strotzende Werk von Design-Ikone Peter Molyneux für Windows-PC in den Handel. Wer mehr über die Stärken und Schwächen des "Lite-Rollenspiels" erfahren möchte, dem empfehlen wir zunächst die Lektüre unseres ausführlichen Testberichts der Konsolenversion (GG-Note: 8.5). In diesem Test beschäftigen wir uns speziell mit der PC-Fassung.

Gute Helden, schlechte Helden
Was tut ein Held, wenn der eigene Bruder ein tyrannischer Monarch ist, der seine Bevölkerung ausbeutet und nicht einmal vor der Hinrichtung Unschuldiger zurückschreckt? Peter Molyneux und sein Entwicklerstudio Lionhead geben in Fable 3 eine Antwort auf diese Frage, während sie den Spieler 50 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers ins Dampf-und-Magie-Königreich Albion schicken, um dort eine Revolution anzuzetteln. Als Nachfahre des Helden aus Teil 2 gilt es zunächst, in dessen Fußstapfen zu treten und Mitstreiter zu finden, die ihn auf dem Weg zum Thron unterstützen. Doch der Pfad dorthin ist lang: In den grünen Tälern, auf den schneebedeckten Bergen oder in der brütend heißen Wüste Albions lauern weit größere Gefahren als ein paar fiese Banditen und untote Krieger. Und ist der Thron erst mal erklommen, ist das Spiel längst noch nicht vorbei: Ein mächtiger Feind will die gesamte Bevölkerung des Königreichs auslöschen. Nur: Welchen Weg soll der Held wählen, um dieses Schicksal zu vereiteln? Macht er es wie sein Bruder und beutet seine Untertanen aus, um genügend Geld für eine wehrhafte Armee zu haben, oder will er vom Volk geliebt werden und opfert sein Privatvermögen? Fable 3 überlässt diese und viele andere Entscheidungen dem Spieler und präsentiert sich dabei märchenhaft und humorvoll wie die Vorgänger.

Technisch eine Klasse besser
In der Xbox-Version konnte man das Gras wachsen (aufploppen) sehen, bei der PC-Version nicht. Gut so!
Aufpoppende Objekte, Clippingfehler, instabile Framerate – Spieler des Xbox-Originals von Fable 3 können ein Lied von diesen und anderen technischen Schwachstellen singen. Auch wenn die wahre Stärke von Fable 3 im liebevollen Design von Spielwelt, Monstern und NPCs liegt, Spielraum für Verbesserungen hatte Lionhead mehr als genug. Und tatsächlich: Die Charaktere der PC-Version überzeugen durchweg mit deutlich schärferen Texturen und wesentlich besseren  Schatteneffekten als im 360-Pendant. Auch bei den verschiedenen Locations ist ein deutlicher Qualitätssprung zu verzeichnen, der allerdings oft erst beim direkten Vergleich deutlich wird. Wasser- oder Magieeffekte sehen zum Beispiel einen Tick besser aus. Unschärfe- und Partikeleffekte tragen mehr zum stimmungsvollen Ambiente der abwechslungsreichen Spielwelt bei, anstatt vor allem die technische Limitierung der Xbox zu kaschieren. Die Umgebungstexturen geben sich zudem seltener so matschig wie in der Konsolenvorlage, was vor allem in den Stadtgebieten zum Tragen kommt. Gerade die Dungeons sind aber weiterhin blass und wenig detailliert. Der Qualitätsunterschied zwischen NPCs und Umgebungen fällt deshalb in der PC-Fassung an diesen Stellen oft sogar noch deutlicher aus, was nicht immer durch die etwas sattere Farbgebung ausgeglichen werden kann.

Wer etwas genauer hinsieht, stellt zudem fest, dass Lionhead an der Sichtweitenschraube gedreht hat. Ganz
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so schnell verschwinden weit entfernte Objekte nicht im Nebelschleier, Bäume poppen nicht einfach plötzlich im Hintergrund auf und die Grasbüschel beginnen nicht erst zu wachsen, wenn sich die Spielerfigur in unmittelbarer Nähe befindet. Clippingfehler, Framerate-Einbrüche und kleinere Grafikfehler sind außerdem deutlich seltener zu beobachten, gänzlich weggefallen sind sie in der PC-Umsetzung jedoch nicht. Im Vergleich mit der installierten Xbox-Version fallen die Ladezeiten, die auch hier bei jedem Schauplatzwechsel anfallen, nur geringfügig kürzer aus. Dafür halten sich die Nachladeruckler beim Schauplatzwechsel stärker in Grenzen, spät nachgeladene Texturen konnten wir nicht ausmachen.

Beim Sound hat sich kaum etwas getan. Auch in der PC-Version kommt es hin und wieder zu Überlagerungen von Dialogen und Kommentaren, vereinzelte Dialogzeilen werden nicht vollständig abgespielt. Insgesamt hat die sehr gute deutsche Tonspur etwas zu wenig Volumen. Wie schon in der Konsolenversion ist die englische Sprachausgabe nicht fester Bestandteil des Spiels. Ob sie ähnlich wie bei der Xbox-Version kostenlos nachgeliefert wird, steht noch nicht fest.

before
after
Rechts die Xbox-Fassung. Dieselbe Szene wirkt gröber, aber nicht wirklich deutlich unansehnlicher. Die Teppichfarbe ist blau, weil unser Held "gut" ist.
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