Spitzenspiel mit Spitzennote!

Assassin's Creed 2 Test

Per Schiff (Hintergrund) reist ihr strenggenommen nur einmal, per Pferd wesentlich öfter...


Reiter, Gondolieri, Testpilot

In Venedig könnt jederzeit mit einer Gondel fahren.
Nach den ersten paar Spielstunden seid ihr soweit, Florenz verlassen zu können. Euer Weg führt euch zu einer alten Villa in einem kleinen Dorf, die und das zu eurer Basis werden. In der Villa sammelt ihr die Kodex-Seiten, könnt auf alle gekauften Waffen und Rüstungen zugreife. Wobei es keinen Sinn macht, sich wieder "downzugraden" -- aber ihr könntet entwaffnet werden und vergessen, die Waffe wieder aufzuheben. Dann findet das teure Stück hier wieder.

Zudem führt eure Schwester Buch über die Einnahmen der Villa: Durch (teils happige) Geldzahlungen verbessert ihr den Wert des ganzen Ortes, was euch alle 20 Minuten automatisch Einnahmen bringt. Der Clou: Alle 80 Minuten solltet ihr wieder zurückkehren und in die Schatulle greifen, denn alles, was darüber hinaus geht, verfällt. Da euch die Verbesserungen des Dorfs (also etwa die Renovierung der Kirche) teils auch handfeste Vorteile bringt -- nämlich Rabatte bei den Händlern --, ist das ein nettes Spielelement, das euch manches Mal zu einem Abstecher zur Villa verleiten wird. Allerdings: Ist diese erstmal voll ausgebaut, fließen alle 20 Minuten Beträge im fünfstelligen Bereich in die Schatulle -- spätestens von da an werdet ihr nie wieder Geldsorgen haben.

Eure Heimatbasis wirft alle 20 Minuten Gewinne ab. Wer will, kann das ausnutzen und über Nacht oder in Spielpausen reicher werden. Das bringt aber nicht die Balance durcheinander.

Zwischen Florenz und der Villa gibt es zwar ein wenig Umland, und auch die Toskana (der dritte Schauplatz) besteht größtenteils aus Feldern und Gehöften, neben einer kleineren Stadt. Doch diese Gebiete, zu denen noch einige weitere kommen, liegen nicht wirklich in einer offenen Welt, vielmehr lauft oder reitet (Pferde sind kostenlos) ihr zu einem Exit-Bereich, und werdet gefragt, ob ihr zum nächsten Ort reisen wollt. Die Fortbewegung hoch zu Ross ist anfangs faszinierend, zumal ihr Gegner niederreiten oder vom Pferderücken aus bekämpfen könnt. Nach einer Weile verliert es etwas von seinem Reiz, dann freut ihr euch über die Schnellreisestationen, die euch für wenig Geld zum Beispiel von Venedig zurück nach Florenz teleportieren. Aber nicht nur per Pferd seid ihr unterwegs: Ihr stakst euch auf Gondeln stehend durch den Canale Grande, schwimmt, und dürft in zwei Missionen auch eine neuartige Maschine von da Vinci ausprobieren. Ihr wisst schon, welche. Übrigens zeigt sich Leonardo im Spiel keinesfalls sonderlich erpicht darauf, das Höllengerät selbst auszuprobieren..

Diese Maschine wird schon Stunden, bevor ihr euch ihrer erinnert, in die Story eingeführt.

Ausgefeilte Missionen

Der Nikolaus-Verschnitt ist ein böser, böser Mann.
Viele kleine Nickeligkeiten des Vorgängers hat Assassin's Creed 2 beseitigt, vor allem ist es wesentlich abwechslungsreicher geworden. Ihr fühlt euch nicht mehr wie in einer Endlosschleife, wo jeder Auftragsmord gleich abläuft, und zwar in den Phasen "Auftraggeber labert", "Wir kundschaften das Ziel aus" und "Wir schlagen zu". Viele Missionen haben auch gar nichts mit einem Attentat zu tun. Laut dem Creative Director Patrice Desilet gibt es 16 Missionstypen, die miteinander gemischt werden. Ersteres haben wir nicht nachgezählt, es kommt aber hin, letzteres können wir nur bestätigen. So eskortiert ihr jemanden, der verwundet wird, müsst diesen Jemand dann tragen und in Kämpfen beschützen, bevor er in eine Gondel gelegt wird und in Sicherheit gebracht wird. Doch der Weg durch den Kanal wird von vielen Gegnern gesäumt, die ihr schnellstens ausschalten müsst, damit der Jemand sein Ziel lebend erreicht. Dann wieder schleicht ihr mehrere Minuten lang nur hinter einer Gruppe von Verschwörern hinterher, und müsst unerkannt bleiben. Andere Einsätze sind Massenkämpfe, wieder andere Hit-and-run-Einsätze. Die Vielfalt der Aufgabenist lobenswert, noch mehr jedoch ihre Verpackung in die Story: Nie hatten wir das Gefühl, eine Mission aus dem Quest-Generator vorgesetzt zu bekommen, vielmehr spielen wir ganz klar die Geschichte weiter.

Auch abseits der Storymissionen gibt es viel zu tun, darunter (dann allerdings generische) Miniquests wie Botengänge oder ein Wettrennen. Ähnlich wie bei GTA macht es einfach Spaß, eine Weile durch die Stadt zu laufen, nach Schatztruhen oder versteckten Statuen zu forschen, in bewachte Räume einzudringen und eine weitere Kodex-Seite zu klauen, sich beim Schmied oder Textilhändler eures Vertrauens besser auszurüsten (die zu erwerbenden Waren variieren jedoch nur bei den Waffen zwischen den Städten). Zwar fehlt aus naheliegenden Gründen das Element "Autoradio", doch das gleicht Assassin's Creed 2 mit einer Vielzahl von Bekanntmachungen, Wortfetzen und Gesprächen aus, die ihr im Vorrübergehen mitbekommt. Haben wir schon die fantastische deutsche Version gelobt, bei der jeder Sprecher perfekt passt, mit großer Begeisterung bei der Sache ist -- und keine müllig übersetzten Texte vorlesen muss, wie das bei anderen (auch Top-) Titeln oft der Fall ist? Ganz großes Lob an die Verantwortlichen, es gibt keinerlei Grund, nicht die deutsche Sprachversion zu nutzen.

Altaïrs Rüstung seht ihr früh im Spiel -- doch bis die sechs Siegel geöffnet sind, seid ihr dem Ende nahe.

In ihrem Formalismus an Zelda erinnernd ist die Suche nach sechs Assassinen-Siegeln: Jedes davon erreicht ihr nur, wenn ihr einen speziellen "Kletter-Puzzle-Level" besteht. In einer selbst bei perfekter Ausführung mehrminütigen Kletter-, Schwing- und Spring-Orgie (die aber auch mal eine halbe oder ganze Stunde dauern kann) arbeitet ihr euch immer weiter nach oben. Also sechsmal dasselbe -- aber eben auch nicht: Mal trefft ihr auf Gegner, mal nicht, mal seid ihr in einer Kathedrale unterwegs, dann wieder in einer Festung oder einem Kerker -- und das Erfolgserlebnis nach Bestehen der teils happigen Geschicklichkeits- und Umsichtsprüfungen ist groß. Habt ihr alle sechs Siegel gesammelt, könnt ihr in eurer Villa die sagenumwobene Rüstung von Altaïr erhalten -- die den besten Schutz im ganzen Spiel bietet. Das ist übrigens nicht die einzige Reminiszenz an den Vorgänger, aber mehr zu verraten, hieße, in die Hölle der Spoiler zu kommen...

Das perfekte Spiel gibt es nicht, und selbst ein Spiel mit einer "10.0" als Note hätte sicherlich noch einige suboptimale Details. Assassin's Creed 2 ist da keine Ausnahme. Das Formalistische, das dem Spiel bei aller gestiegenen Abwechslung innewohnt, ist für uns in seiner überarbeiteten Fassung ausdrücklich kein Negativpunkt -- es orientiert sich in dieser Hinsicht an einem Zelda Twilight Princess, ohne aber in die Routine des eigenen Vorgängers abzurutschen. Auf der nächsten Seite beschäftigen wir uns ausführlich mit den Widrigkeiten von Assassin's Creed 2.

Dieses kommentierte Video stellt euch eine typische Attentatsmission vor -- vorher wird geklettert...
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