Spitzenspiel mit Spitzennote!

Assassin's Creed 2 Test

Wenn Ezio gegen mehrere Gegner kämpft, muss er ständig den Fokus wechseln, um nicht im Rücken erwischt zu werden -- und auf den einen oder anderen Fatal Kill seinerseits hoffen.

Massenkämpfe Mann gegen Mann

Im Vergleich zu Assassin's Creed 1 wurde das Kampfsystem sinnvoll vereinfacht: Im Prinzip gibt es nur noch zwei Angriffsarten sowie einen Konter, doch abhängig von der Position und Bewaffnung von euch und eurem Gegner löst ihr andere Attacken aus. Unter anderem könnt ihr mit gutem Timing mächtige Kombos entfachen. Am effektivsten ist es oft, mit dem Schwert zu kontern. Das führt dann nämlich relativ häufig zu sehenswerten Instant-Kills, was viel schneller ist, als die Hitpoints des sich heftig wehrenden, oft gut parierenden Gegners langsam auf Null zu bringen. Insbesondere dann, wenn ihr es gleich mit einer ganzen Horde von Wachen oder Banditen zu tun bekommt.

Andere Gegner übertöpelt ihr durch schnelle Seitwärtsschritte oder Zurckweichen. Und die mächtigen "Brutes" (meist Ritter in Plattenpanzern) solltet ihr erstmal entwaffnen. Die Waffe dürft ihr dann übrigens aufnehmen und selbst benutzen -- so kommt ihr unter anderem an Speere. Diese haben als Spezialangriff einen mächtigen Rundumschlag, der zwar keinen Schaden verursacht, aber mehrere Gegner auf einmal von den Füßen holt -- mindestens einen davon könnt ihr danach in aller Ruhe aufspießen. So hat jede Waffengattung ihre Spezialfähigkeit -- manche müsst ihr euch erst beibringen lassen. Dazu dient ein Kampflehrer, der viel Wissenswertes zu Gegnertypen, Kampftechniken und so weiter weiß, und euch das auch in einer kleinen Arena ausprobieren lässt.

Idealerweise heuert ihr für die Kämpfe Söldner an; diese stehen relativ häufig herum. Neben den zusätzlichen Schwertern ist der Vorteil dieser Hilfskräfte, dass sie eure Gegner meist binden. Wenn ihr selbst keinen aktiven Gegner habt, könnt ihr schnurstracks in den Rücken eines Feindes laufen und einen Instant Kill herbeiführen. Dumm wird's hingegen in der umgekehrten Situation: Zwar attackiert euch immer nur ein Feind in derselben Sekunde, doch wenn ihr von mehreren Gegnern eingekreist seid, die abwechselnd zuschlagen, kommt ihr oft nicht mehr zur Gegenwehr. Dann ist es meist besser, die Flucht nach oben oder hinten anzutreten. Zwar folgen euch die meisten Gegnertypen auch auf Dächer, doch kommen sie dort aufgrund der Enge vieler Stellen meist einzeln zu euch, wodurch sie leichter bewältigbar werden. Außerdem hilft es oft, einen Adversarius einfach vom Dach zu stoßen...

Insgesamt ist Ubisoft Montreal ein ebenso spielbares wie spannendes Kampfsystem geglückt -- es wird zwar manchmal leicht unübersichtlich, doch ihr habt immer das Gefühl, halbwegs zu wissen, was ihr tut. Und mit etwas Übung könnt ihr "halbwegs" weitgehend streichen. Vor allem ist das Kampfsystem kurzweilig und lädt euch zum Herumexperimentieren mit den Waffen und ihren Spezialattacken ein: Mit dem Schwert pariert es sich gut, waffenlos könnt ihr eurem Gegner Sand in die Augen spritzen, die Wurfmesser dürft ihr auf bis zu drei Gegner gleichzeitig werfen, und so weiter. Zu guter letzt wirken die Kämpfe fantastisch choreographiert, die Bewegungen sind geschmeidig, Ezio holt seine Feinde auf die unterschiedlichsten Arten von den Füßen, sticht hier zu, säbelt dort -- ihr habt jederzeit das Gefühl, ganz krätftig auszuteilen. So soll das sein!

Wer muss sterben? Die Attentate werden durch einen Kunstgriff erträglich: In einer Halbwelt (siehe unseren Einklinker linksoben) haltet ihr ein kurzes Zwiegespräch mit euren Opfern und wünscht ihnen Frieden.


Technik der Moderne, Waffen des Mittelalters

Da ihr in Wahrheit ja gar kein Anfangszwanziger (oder End-Teenager?) im spätmittelalterlichen Italien seid, sondern ein Mensch der Moderne, unterstützt euch der Animus sowie eure Heimatcrew mit allerhand Extras. Da wäre etwa die Karte, die in mehreren Stufen von einzelnen Straßenzügen bis hin zu einem stark schematisierten Italien herauszoomt. Die Datenbank, die sich im Laufe des Spiels mit immer mehr Personen und Orten füllt, zu denen es jeweils einen (durchaus lehrreichen!) Infotext gibt, und manchmal auch ein Infovideo. Die Verschwörer-Übersicht, die euch zeigt, welche Personen ihr in dieser "Erinnerung" (= Kapitel) noch finden und töten müsst. Auch Hinweise auf Glyphen findet ihr hier, oder wieviele der diversen, meist optionalen Sammelserien ihr schon komplettitiert habt (Adlerfedern, Statuen, Gemälde und mehr).

Das Inventar zeigt hingegen Ezios mittelalterliche Ausrüstung. Ihr habt mehrere Waffenslots, etwa euer verstecktes Faustmesser, einen Dolch, ein Schwert und so weiter, die ihr in Missionen, meist aber mit gutem Geld beim nächsten Schmied durch bessere Varianten ersetzen dürft. Ferner gibt es Rauchbomben (quasi die Flash Bangs des Mittelalters), Heilmittel, Wurfmesser, für die ihr jewels Beutel in zwei oder drei Größen kaufen könnt. Ein Reiz des Spiels ist es, für die jeweilige Situation die richtige Bewaffnung zu wählen. Dabei seid ihr nicht mehr so eingeschränkt wie in Teil 1: Dort konntet ihr zwar mit dem Dolch Meuchelangriffe starten, nicht aber mit dem Schwert. Außerdem musstet ihr direkt hinter eurem Opfer stehen. All das ist viel offener geworden: Ihr könnt auch mit dem Schwert ein Attentat verüben, euch von oben herab auf einen Gegner stürzen, ihn von unten über die Brüstung in sein Verderben ziehen, und vieles andere mehr. Im einzelnen kämpft ihr mit: Schwert oder Streitkolben (ferner könnt ihr Zweihandwaffen wie Äxte und Speere im Kampf einsammeln), Wurfmesser, Giftmesser, Dolch (oder eine andere Kleinwaffe), euer verstecktes Faustmesser, eure Fäuste oder, später im Spiel, einer Pistole (die Teil eurer Faustwaffe ist).

Durch Druck auf die RB-Taste erscheint das Waffenauswahlmenü. Hier könnt ihr auch "Geld werfen" oder eine Rauchbombe wählen.
Kunstvoll in die Ausrüstungsbeschaffung eingewoben ist Leonardo da Vinci: Ihm bringt ihr immer wieder Kodex-Seiten vorbei, die er dann meist für Verbesserungen eurer versteckten Faustklinge benutzt. Das ist die einzige Waffe im Spiel, die ihr nicht kaufen könnt. Wenn dann Leonardo -- aus historischen und Spielspaß-Gründen -- von Florenz nach Venedig umzieht, wird das auch nicht einfach nur so erzählt, sondern ihr erlebt die höchst spannende Reise selbst mit. Und zwar in einer waghalsigen Kutschenfahrt, die einen Riesenspaß macht. Die Kodexseiten haben aber noch einen zweiten Zweck: In eurer Basis, einer Landvilla, erscheinen diese als verschieb- und drehbare Puzzlestücke an einer großen Wand. Mit eurem Adlerblick, der euch sonst Gegner rot, Hilfreiches blau und Zielpersonen golden anzeigt, seht ihr hinter die Oberfläche der einzelnen Stücke und könnt irgendwann das große Puzzle lösen.

Auch sonst gibt es einiges zu rätseln. Da wäre besonders die immer wieder neue Frage: "Wie komme ich da rauf?" -- die insbesondere in den sechs Siegel-Klettermissionen zelebriert wird. Doch trefft ihr auch auf grafische Rätsel, die meist mit zeitgenössischen Gemälden zu tun haben. Sie sind allesamt relativ einfach zu lösen, machen aber Freude und tun ihr übriges, euch in die damalige Zeit zu versetzen. Ihr werdet euch zudem dabei ertappen, immer wieder in der Datenbank nachzulesen, wen ihr da gerade umbringen sollt, und was die Geschichte eines Gebäudes ist. Zumal ihr in der Datenbank Hinweise auf die 20 im Spiel versteckten Glyphen erhaltet, die wiederum Videostücke freischalten, die zusammen "die Wahrheit" ergeben (über das Paradies).

Eines der grafischen Puzzles, die ihr zum Freischalten der Glyphen-Videos lösen müsst.
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