Geniales Gangster-Epos

Mafia 2 Test

Es ist so weit: Am Freitag erscheint mit Mafia 2 einer der Titel, auf die Spieler weltweit wohl am ungeduldigsten warten. Das ist auch kein Wunder nach einem Vorgänger, der aus Illusion Softworks (heute 2K Czech) aus dem Stand eine der Top-Adressen der Branche machte. Weil er Spannung, Tiefe und tolle Präsentation miteinander verband.
Jörg Langer 23. August 2010 - 18:26 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC
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Bald ist es acht Jahre her, seit uns Mafia mit in eine Welt des Verbrechens und der Intrigen entführt hat. An der Seite von Tommy Angelo sind wir die Karriereleiter emporgestiegen, sind böse gestürzt und zurückgekehrt. Es wird wohl nur wenige geben, die das Ende von Mafia emotionslos ertragen konnten oder es heute vergessen haben. Eines ist klar: Der Titel war extrem stark auf der Story-Brust und fühlte sich wie ein einziger langer Mafia-Film an. Jetzt ist es endlich soweit: In wenigen Tagen erscheint Mafia 2. Nach all den Jahren, in denen der Titel gehypt wurde, fürchten viele Fans, dass sie enttäuscht werden könnten. Wir können euch Entwarnung geben: Mafia 2 ist sehr gut geworden; die Frage, die uns auf den folgenden Seiten beschäftigen wird, ist: Wie gut?

Vito der Kriegsheld

Das Szenario
Mafia 2 spielt zwischen 1943 und 1951. Eine Tutorialmission führt euch im Zweiten Weltkrieg nach Sizilien. Anfang 1945 kehrt Vito als Kriegsheld ins winterliche Empire Bay zurück, die eigentliche Handlung beginnt. Nach einigen Spielstunden gibt es eine Storyzäsur, sechs Jahre vergehen. Die Handlung knüpft dann im Jahre 1951 wieder an -- diesmal jedoch im schönsten Sonnenschein.
In Mafia 2 schlüpft ihr zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in die Rolle von Vito Scaletta, Sohn eines sizilianischen Einwanderers. Sein Vater schuftete seit der Immigration in die USA in Empire Bay als Hafenarbeiter für einen Hungerlohn, den er größtenteils in Alkohol steckte. Für seine Familie blieb nur Elend und Armut, ein Schicksal, dem Vito entfliehen will. Durch seinen Kumpel Joe scheint sich dazu die Gelegenheit zu bieten. Doch die Kleingaunereien gehen bald schief: Bei einem Einbruch werden die beiden auf frischer Tat ertappt, und während Joe mit Vitos Hilfe entkommt, wird letzterer geschnappt. Wie gut, dass er aus Sizilien stammt: Die Alliierten stehen 1943 vor der Invasion Siziliens, um von dort aus Italien von den Faschisten zu befreien. Vito darf sich entscheiden: Zweiter Weltkrieg oder Gefängnis...

Er wählt natürlich die Freiheit, und in einer recht spannenden, spielbaren Anfangssequenz erlebt ihr mit, wie Vito zum ersten Mal die Macht der Mafia zu spüren bekommt. Zwei Jahre später kehrt er in die Heimat zurück. Der Krieg ist zwar noch nicht vorbei -- es ist Februar im Jahre 1945 -- aber er hat Fronturlaub bekommen, nachdem er aufgrund einer Schussverletzung eine längere Zeit in einem Lazarett verbracht hat. Kaum ist er in Empire Bay angekommen, schließt ihn schon sein alter Freund Joe in die Arme. Der unterhält mittlerweile Kontakte zu "wichtigen Persönlichkeiten" und hat es zu einigem Geld gebracht. Er tätigt einen einzigen Anruf, und am nächsten Tag kann sich Vito seine (natürlich gefälschten) Entlassungspapiere abholen. Er muss also nicht in den Krieg zurück, über dessen Ausgang zwar zu diesem Zeitpunkt kein Zweifel mehr besteht, bis zu dessen Ende aber noch Hunderttausende von Soldaten ihr Leben verlieren werden.

Anstatt ins Gefängnis zu gehen, entscheidet sich Vito für den Krieg. Sein Einsatz beginnt in der alten Heimat: Sizilien.

Erste Schritte ins Gangsterleben

Kein Muss: Vito führt ein Gespräch mit einem Kioskbesitzer.
Die Liebe zum Detail, die 2K Czech in Mafia 2 gesteckt hat, zeigt sich bereits in diesen ersten Spiel-Viertelstunden. So begegnen uns auf unserem Weg nach Hause auf Schritt und Tritt alte Bekannte. Da ist etwa ein alter Ladenbesitzer, der sein Geschäft wegen dem Krieg aufgeben muss und uns sein Leid mitteilt. An einer anderen Stelle werden wir von einer jungen Frau aufgehalten, die mittlerweile verheiratet und Mutter zweier Kinder ist. Als wir die letzten Stufen zum Apartment unserer Mutter erklimmen, faucht uns eine Katze an. Kurz darauf springt sie aus dem Fenster und landet scheppernd auf einigen Mülltonnen. All diese Dinge geben uns das Gefühl, in einer lebendigen, atmenden Welt unterwegs zu sein. Als wir dann noch nach dem Abendessen mit Mutter und Schwester in unser altes Zimmer kommen, fühlt sich das wirklich so an, als kämen wir von einer langen Reise nach Hause. Als wir am nächsten Morgen aufstehen, ziehen wir uns an und knipsen das Licht im Raum aus -- abermals Details, die nicht sein müssten, die aber die Authentizität der Spielwelt unterstreichen.    

Als wir vor die Tür der Mietskaserne treten, wird unsere Schwester von einem Gangster bedroht. Unser erster Faustkampf, den wir natürlich gewinnen. Kurz darauf erfahren wir von ihr, dass sie 2.000 Dollar Schulden bei einem Kredithai hat. So viel Geld können wir mit ehrlicher Arbeit niemals verdienen. Vielleicht kann uns Joe helfen? Klar kann er das! Zuerst lässt er uns ein Auto stehlen, dann erledigen wir einen ersten Auftrag, den er uns vermittelt. Wir sollen ein Auto von einer Schwarzen-Gang, die sich selbst die Bombers nennen, klauen.

Zusammen mit Joe fahren wir durch die halbe Stadt, die uns auf diese Weise etwas näher gebracht wird. Als wir in der Nähe des Parkplatzes die Lage sondieren, erkennen wir zwei Wege zum Objekt der Begierde: Entweder klettern wir über den Zaun, oder wir betreten den Hinterhof über einen angrenzenden Diner. Solche Entscheidungsfreiheit im Kleinen gibt es immer wieder in Mafia, doch die Handlung selbst bleibt streng linear. Maximal läuft eine Mission etwas anders, und ihr seht eine andere Zwischensequenz. Außerdem gibt es Stellen, an denen euch das Spiel geradezu mit der Nase darauf stößt, dass ihr spielmechanisch erst noch B erfüllen müsst, obwohl es auch direkt von A nach C ginge.

Zurück zum ersten echten Auftrag: Nachdem wir das Auto in einem kurzen Minispiel geknackt haben, stürmen einige Gangmitglieder heran. Wir können sie erschießen, müssen es aber nicht, und werden auf jeden Fall von weiteren Bombern in ihren Autos verfolgt. Nachdem wir auch noch diese abgeschüttelt haben, liefern wir den Wagen beim Auftraggeber ab und kassieren unsere Belohnung. Und zwar, wie fast immer im Spiel, in einer ausführlichen, sehr gut orchestrierten Zwischensequenz. Gar nicht schlecht für unseren ersten Tag!

Beim Essen benutzen die Figuren tatsächlich Messer und Gabel. Das tut der Atmosphäre sehr gut.

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