Test: Sündenfall oder Neubeginn?

Castlevania - Lords of Shadow Test

Konami hat sich entschlossen, die Castlevania-Serie komplett neu zu starten. Vorbei die Zeiten des peitschenknallenden, von der Seite gezeigten Vampirjägers -- von nun an schwingt der Untotenfeind eine Art Ketten-Kreuz und wird in schönstem 3D gezeigt. Doch ist Lords of Shadow mehr als ein billiger God-of-War-Abklatsch?
Jörg Langer 11. Oktober 2010 - 0:15 — vor 9 Jahren aktualisiert
360 PS3
Castlevania - Lords of Shadow ab 16,70 € bei Amazon.de kaufen.
Seht euch auch unser Testvideo zu Castlevania Lords of Shadow an.

Auf der E3 2009 verkündete Konami, dass sich ein neuer Teil der Castlevania-Serie in Entwicklung befände und dieser von der spanischen Spielschmiede Mercury Steam (Clive Barker's Jericho) entwickelt werde. Ein Castlevania, das nicht in Japan entstand? Und was sollte es bedeuten, dass der Titel unter der Aufsicht von Kojima Productions (Metal Gear Solid) stehen würde?
 
Ganz klar: Ein Neustart war zu erwarten. Doch als wir das Spiel dann auf der E3 2010 erstmals ausführlich in Bewegung sahen, staunten wir nicht schlecht: Ein God of War-Klon präsentierte sich uns da, der nur noch im Grafikdesign ein wenig an die früheren Castlevania-Titel erinnerte. Würde uns das bekannte Button-Mashing-Kloppen erwarten, das Auslösen von Kombos -- statt der geliebten Hatz durch die Stockwerke nebst gut getimeten Attacken mit der Peitsche? Noch unser Angetestet-Artikel vor einigen Monaten ließ genau das erwarten. Nun ist das Spiel um Vampire und Kreuze erschienen, und wir haben ihm auf den Zahn gefühlt...

Die Geschichte wird über wunderschöne Cutscenes erzählt sowie über Texte während der Ladepausen.
Krieg den Dunklen!
 
Castlevania - Lords of Shadow spielt um das Jahr 1000 A.D. in Südeuropa. Es herrscht erbitterter Krieg zwischen der Menschheit und einer dunklen Armee, die von den Fürsten des Schattens befehligt werden. Jene sind auch dafür verantwortlich, dass Untote im Land umherwandeln, als wäre dies ihr Reich, und normale Menschen zu Werwölfen mutieren. Die letzte Hoffnung der Menschheit ist die Bruderschaft des Lichts und ihren heiligen Kriegern.
 
Einer davon ist Gabriel Belmont – dessen Rolle ihr übernehmt. Serienkennern ist sein Nachname natürlich sofort bekannt -- der Belmont-Clan stellte schon viele Helden der langlebigen Serie. Gabriel wird vom Hass auf die dunklen Kreaturen getrieben, seit seine Frau von den besagten Kreaturen ermordet wurde. Noch schlimmer: Ihre unsterbliche Seele haben die Schattengeschöpfe gefangen genommen, sodass sie keine Ruhe findet.  Doch siehe da: Ein Relikt könnte seine Frau zu neuem Leben erwecken und nebenbei das Land von der Dunkelheit befreien. Und wie es sich für ein Videospiel gehört, ist dieses Relikt von den drei Schattenfürsten in drei Teile gespalten worden, und jeder hat sich eines unter den dämonischen Nagel gerissen. Damit ist klar, dass sich Lords of Shadow in drei Hauptteile gliedert, an deren Ende jeweils ein Großkampf gegen einen der Schattenobermotze steht.
 
Diese Geschichte, die frappierend an das Setting von Dante's Inferno erinnert (Kreuzritters Dantes Frau tot, sieben Kreise der Hölle, et cetera), wird während des Ladens jedes neuen Levels weitererzählt. Und zwar von einem Sprecher aus dem Off, der uns irgendwie an den Erzähler aus Diablo 2 erinnert hat. Er folgt dem Helden und wird später sogar mit ihm gegen das Böse kämpfen. Cutscenes gibt es natürlich auch (in der Spielgrafik), sie sind Mercury Steam sehr gut gelungen. Die Story bietet einige Wendungen, die aber oft vorhersehbar sind.
 
Bis zu 20 Stunden Spielzeit plus Nebenquests
  
Die Story ist in mehrere Kapitel aufgeteilt, die unterschiedlich lang ausfallen. Im Verlauf der Handlung erkundet ihr typische Castlevania-Kulissen, darunter Wald-, Sumpf-, Gebirgs- und auch Schneelandschaften. Des Weiteren gibt es einige düstere Burgen und Katakomben zu durchqueren. Wenn ihr ausschließlich der zentralen Handlung folgt, werdet ihr mindestens 15 bis 20 Stunden mit dem Spiel beschäftigt sein. Das ist für heutige Verhältnisse schon sehr ansehnlich, zumal bei einem Actionspiel (der aktuelle Konkurrent Enslaved kommt auf etwa 15 Stunden). 
Das ist aber noch nicht alles: Abseits der Haupthandlung gibt es zahlreiche Nebenmissionen, die ihr erfüllen könnt, aber nicht zwangsweise müsst. Ihr solltet es aber wirklich in Betracht ziehen, denn zum einen habt ihr so mehr vom Spiel, zum anderen schenkt euch das zusätzliche Erfahrungspunkte, die ihr anschließend zum Verbessern eurer Kampffähigkeiten verwenden könnt. Und ihr werdet dadurch nochmals einige Stunden länger beschäftigt sein.

Mehr als nur Schnetzeln
 
Die teils idyllischen, teils furchteinflößenden Schauplätze fordern euch nicht nur Button-Mashing (oder wahlweise den präzisen Einsatz von Schlagkombis) ab, sondern auch Sprung- und Kletterleistungen. Ab und an müsst ihr auch kleinere Rätsel lösen, die aus physikalischen Puzzeln oder sonstigen Denkaufgaben bestehen. Keine Angst, ihr müsst weder ein Physik-Studium noch eine Ausbildung zum Kriminologen vorweisen können, um erfolgreich zu sein -- die Aufgaben bestehen beispielsweise darin, einen Grabstein mit Hilfe eurer Eisenkette umzuwerfen, damit ein Ghule-generierendes Erdloch verschlossen wird. In einem anderen Level müsset ihr einen Lichtstrahl mit Hilfe von Statuen, an denen Spiegel befestigt sind, so lenken, dass er einen bestimmten Punkt trifft. In machen Levels sollt ihr Mechanismen in Gang setzen, die noch einen Hebel benötigen, in den meisten Fällen eine Holzstange, der irgendwo im Level herumliegt. Man könnte diese Aufgaben also auch unter der Überschrift "Stöckchen apportieren" zusammenfassen. Oder magische Artefakte dienen als Schlüsselersatz, sie müssen mit der richtigen (dunkel oder hell) Magieform aktiviert werden.
 
Auch wenn die Aufgaben nicht euren letzten Hirnschmalz erfordern werden, sind sie doch eine nette und häufige Abwechslung zum Gegnerhorden-Vertrimmen, das ansonsten viel Zeit einnimmt. Und es gibt noch mehr Varianz: In einigen Levels reitet ihr auf einem Pferd oder sonstigen Untersatz, und müsst mit beherzten Aktionen feindliche Reiter besiegen. Viel mehr als ausweichen und mit eurer Eisenkette zuschlagen könnt ihr nicht tun, und mal absteigen und ein Päuschen einlegen ist auch nicht: Es handelt sich um typische Railshooter-Szenen.

Wir haben diese Riesenspinne gebändigt und mit ihrer Hilfe eine Brücke aus ihrer Spinnenseide erschaffen.
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 52 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.