Benjamin Braun 31. Januar 2014 - 15:30 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Dracula, Draculas Sohn, Draculas Tochter, Draculas Schloss. Das klingt für Cineasten zunächst vielleicht nach der Auflistung einiger von Universals Gruselfilm-Klassikern aus den 30er und 40er Jahren. Es sind aber auch alles Dinge, die in Castlevania - Lords of Shadow 2 eine Rolle spielen. Im Action-Adventure spielt ihr nämlich den Fürsten der Dunkelheit höchstpersönlich. Mit ihm absolviert ihr Kletterpassagen, löst kleinere Rätsel und prügelt euch mit jeder Menge Monstern. Also alles wie bisher? Nicht ganz: Unter anderem lässt Lords of Shadow 2 euch die Kamera jederzeit frei drehen und gewährt euch mehr Freiräume beim Erkunden der Spielwelt.

Nomen meum vobis notum estLords of Shadow 2 legt zwar viel Wert auf Elemente wie das Kampfsystem mit seinen vielen Upgrades, verteilt seine Schwerpunkte aber recht gleichmäßig auf verschiedene Bereiche. Darunter fällt neben kleineren Rätseln sowie Kletter- und Geschicklichkeitspassagen auch die Inszenierung der Geschichte. Gabriel Belmont, die Hauptfigur aus dem Vorgänger, lebt bekanntlich nicht mehr. Er ist nun Graf Dracula, der hunderte Jahre nach den vorangegangen Ereignissen in einer Großstadt der Gegenwart erwacht. Ausgemergelt ist gar kein Ausdruck für sein Erscheinungsbild. Sein Leib ist regelrecht vertrocknet, er ist kraftlos und bewegt sich nur mühsamen Schrittes. Er folgt einer unbekannten Gestalt in eine Hintergasse, wo ein zähnefletschendes Monster ihn erwartet, das einiges von einem Ziegenbock hat. Gegen die geifernde Kreatur hat der geschwächte Graf keine Chance. Doch da eilt ihm sein alter Bekannter Zobek zur Hilfe. Der verspricht ihm, ihn von der Bürde seiner Unsterblichkeit zu befreien, aber natürlich nur, wenn Dracula ihm hilft. Wie gut, dass die Stadt auf den Gemäuern von Draculas Schloss errichtet wurde. Da ist es bis zum Feind nicht mehr weit! Aber auch zu Draculas Nachkommen, die sein Schicksal der Untersterblichkeit teilen und auf ihn alles andere als gut zu sprechen sind.

Ausgemergelt und mit Blutdurst erwacht Dracula nach hunderten Jahren Schlaf in einer modernen Stadt.
Entwickler Mercury Steam bemüht sich sehr darum, eine vergleichsweise komplexe Geschichte um Dracula zu spinnen und den Spieler im Positiven wie im Negativen mit Dracula in Berührung kommen zu lassen. Man merkt Dracula seine Betroffenheit an, wenn es um die Ereignisse der Vergangenheit geht. Umgekehrt wird der Spieler auch direkt in Draculas "Wiedergeburt" eingebunden und kommt nicht umhin, einer Frau vor den Augen ihres Kindes das Blut auszusaugen. Passenderweise wechselt Lords of Shadow 2 hier ausnahmsweise in die Ego-Perspektive, wodurch Spieler und Spielfigur trotz der möglichen Abscheu besser miteinander verschmelzen können.

Allein in den ersten Spielstunden gibt es wie schon im Vorgänger unzählige kleinere und größere Cutscenes oder Selbstlaufsequenzen in Spielgrafik, die mit aufwendigen Kamerafahrten für ein cineastisches Flair sorgen. Bei der Zwischensequenz, in der die Hintergrundgeschichte erörtert wird, übertreiben es die Entwickler aber ein wenig. Minutenlang werden Dracula, seine Nachkommen und was mit ihnen zuvor geschehen ist beleuchtet. Die Szenen kann man als episch erleben – aber auch als sterbenslangweilig. Oder man überspringt sie einfach.

Kombiniere, kombiniereDracula hat mehr zu bieten als nur seine spitzen Zähne. Er weiß auch, wie man austeilt und wenig einsteckt. Dafür stehen dem Grafen, dessen Gesichtszüge uns ein wenig an "Hercules" Kevin Sorbo erinnern, verschiedene Waffen und magische Objekte zur Verfügung. Seine so genannte Schattenpeitsche ist sein Hauptwerkzeug, mit dem ihr anfangs nur einfache Schläge und Flächenangriffe starten könnt. Mit der Zeit lernt ihr aber dazu, wobei ihr manuell in relativ engen Grenzen neue Kombos kauft. Schlägen ausweichen oder selbige abblocken könnt ihr von Beginn an. In Lords of Shadow 2 gelingt das allerdings oft nur dann, wenn ihr die Aktion richtig timt. Das gilt insbesondere für die diversen nicht blockbaren Attacken von Feinden. Falls ihr hier zu früh oder zu spät zum Ausweichspurt ansetzt, werdet ihr unweigerlich getroffen.

Ihr habt allerdings gute Chancen, eure durch solche Treffer verlorene Lebensenergie rasch wiederherzustellen. Zum einen darf Dracula im Kampf betäubten Feinden per QTE Blut aussaugen oder Heilkapseln schlucken, die eure Gesundheit zwischenzeitlich sogar über das Maximum heben können. Zum anderen hilft euch das Schwert "Leere Macht".
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Damit fügt ihr den Feinden mit jedem Treffer Schaden zu und absorbiert diese Energie. Da das nur funktioniert, so lange ihr auch magische Energie habt, macht Leere Macht das Spiel zwar nicht automatisch leichter. Richtig eingesetzt wirken die Kämpfe damit in den ersten Spielstunden allerdings zu leicht auf uns. Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich das später noch ändert. Was für Einsteiger jedenfalls ein mächtiger Rettungsanker sein könnte, könnte sich für Serienkenner später auch als Element erweisen, das die Spielbalance zerlegt.

Die dritte Waffe Draculas sind die Chaosklingen beziehungsweise die Chaosmacht. Mit ihr können etwa Panzerungen überwunden oder auch bestimmte Hindernisse eingerissen werden. Auch hier müsst ihr zunächst Energie sammeln, um die Chaos-Fähigkeit einsetzen zu dürfen. Darüber hinaus stehen Dracula Wurfdolche und noch ein paar andere Gimmicks zur Verfügung. Das alles zusammen macht das Kampfsystem sehr vielseitig und komplex. Ganz so flüssig wie etwa in DmC - Devil May Cry (GG-Test: 8.5) fühlten sich die Kämpfe bislang aber noch nicht an, trotz starker Animationen.
Mit dem Schwert "Leere Macht" kann Dracula Gegnern im Kampf Lebensenergie stehlen. Ihr dürft es nur mit ausreichend Magie einsetzen. Dieses Element könnte die Spielbalance in Lords of Shadow 2 auf Dauer in Schwierigkeiten bringen.
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