Dracula gegen Satan

Castlevania - Lords of Shadow 2 Test

Gabriel ist zurück, hunderte Jahre nachdem er sich in den Vampirfürsten Dracula verwandelt hat. Diesmal muss er sich dem Satan höchst persönlich entgegenstellen und seinen fiesen Schergen aus der Hölle. Vor allem die ideenreichen Bosskämpfe haben uns gefallen, allerdings sollten geübte Spieler gleich auf "Schwer" loslegen.
Benjamin Braun 26. Februar 2014 - 16:42 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Bela Lugosi würde sich im Grab umdrehen, wenn er diesen Dracula sehen würde: Er hat lange Haare, trägt einen Henriquatre-Bart und statt eines schwarzen Umhangs einen roten Mantel, der nicht mal seine fahle Brust bedeckt. Spitze Eckzähne hat er, das muss man ihm lassen. Dass dieser Dracula nicht sprechen kann, dürfte Lugosi jedoch den Rest geben! Aber was interessiert uns eigentlich die Meinung eines Schauspielers, der auch in Ed Wood-Filmen wie Plan 9 aus dem Weltall mitwirkte? Hier geht es schließlich um Castlevania - Lords of Shadow 2, in dem Monsterjäger Gabriel aus dem ersten Teil mittlerweile zum Fürsten der Nacht aufgestiegen ist. Er ist ein Dracula, wie er in unsere Zeit passt: Kein klappriger alter Mann, dem man bereits einen Strohhalm reichen muss, damit er vernünftig Blutsaugen kann, sondern ein pfeilschneller, gut ausehender Kraftprotz. Einer, mit dem wir blutige Kämpfe ausfechten, Rätsel lösen und wie ein Trapezkünstler über Balken balancieren oder an Häuserfassaden klettern.

Eine Stadt, ein Schloss, ein Blutsauger
Gabriel begegnet seinem Sohn, dessen Existenz ihm bislang unbekannt war, trifft aber auch einige alte Bekannte wieder.
Lords of Shadow 2 führt die Handlung des ersten Teils fort, mit dem Konami der bereits in den 80er Jahren gestarteten Reihe im Jahr 2010 einen Neustart spendierte. Gabriel Belmont, der im Vorgänger noch als Vampirjäger unterwegs war, ist bekanntlich nun selbst Dracula, der hunderte Jahre später in einer modernen Großstadt erwacht. Welche das ist, erfahren wir nicht. Praktischerweise wurde die Metropole allerdings auf Draculas Schloss errichtet, weshalb jeder relevante Ort im Spiel selbst für Fußkranke mühelos erreichbar wäre. So richtig gut ist Gabriel nach seinem langen Schläfchen nämlich nicht, sondern wirkt im wahrsten Sinne des Wortes ausgelaugt und vegetiert nur so vor sich hin. Sein alter Bekannter Zobek taucht jedoch auf und macht ihm klar, dass er schnell wieder zu Kräften kommen muss, um Satan und dessen Schergen die Stirn bieten zu können. Obwohl Dracula seinem Ratgeber argwöhnisch gegenübersteht, willigt er ein, nachdem Zobek ihm verspricht, ihn von der Last der Unsterblichkeit zu befreien. Aber es gibt noch mehr, was Gabriel belastet, denn schon früh erfährt er, dass seine große Liebe Marie ihm die Geburt eines gemeinsamen Sohnes verschwiegen hat...

Im folgenden Abenteuer wechselt ihr regelmäßig zwischen Draculas riesigem Schloss und der Erdoberfläche hin und her. Das Schloss liegt natürlich nicht wirklich unter der Erde, sondern ist viel mehr ein mystischer Ort, die Stadt im Gegensatz dazu die "wahre Welt". Anders wäre es auch kaum zu erklären, dass es auch im Schloss Außengebiete gibt, in denen ein riesiger Vollmond am Himmel unseren inneren Wolf am liebsten laut jaulen lassen würde. In dieser zweigeteilten Welt erwarten euch nicht bloß kalte Gemäuer, sondern auch schneebedeckte Gebiete oder regelrechte Höllenpfuhle, in denen sich menschliche Knochen bis zur Decke stapeln und Magma durch die Risse in der Erde aufsteigen. Die Abschnitte in der Stadt sind ähnlich wie das Schloss im Gothic-Stil gehalten, weshalb die Umgebungen hier und dort auch ein wenig an Warners Batman-Serie erinnern.

Komplexes Kampfsystem In Castlevania - Lords of Shadow 2 sind Feindbegegnungen jedweder Art erwartungsgemäß der zentrale Bestandteil des Spiels, wenngleich nicht der einzige. Meistens bekommt ihr es in Arena-ähnlichen Umgebungen mit einer Vielzahl unterschiedlichster Gegnertypen zu tun. Darunter fallen Faustkämpfer genauso wie Mechs oder Feinde mit Schusswaffen, Schwertern und anderem Gerät. Sie alle zeigen ein sehr individuelles Kampfverhalten und spezielle Stärken und Schwächen, auf die ihr euch einstellen müsst. Attacken am Boden sind gegen Harpyien logischerweise kaum zu gebrauchen, kleinere schwächere Gegner, die in Horden angreifen, sind mit Flächenschlägen besser in Schach zu halten. Größere attackiert ihr besser mit den stärkeren Schlägen, die mehr Schaden anrichten, jedoch auch langsamer sind und nur begrenzt gegen mehrere Angreifer auf einmal gerichtet werden können.

Gabriels Hauptwaffe ist die Schattenpeitsche, die er unbegrenzt in den Kämpfen einsetzt. Mit einem aufgeladenen Schlag könnt ihr Blocks durchbrechen und dann ein paar schnelle Schläge hinten dranhängen. Feinde eurer Größe dürft ihr zudem meist in die Luft schleudern, wodurch sie wehrlos und empfänglich für Folgeangriffe sind. Gabriel verfügt darüber hinaus über die Chaosmacht und das Leere Schwert, die ihr ähnlich wie die Schattenpeitsche aufwerten könnt. Das geschieht mit Erfahrungspunkten, die ihr durch Drüberlaufen einsammelt. Damit schaltet ihr für alle drei Waffen gut zwei Dutzend Angriffsvarianten frei.

Um sie einzusetzen, braucht ihr selten mehr als zwei Tasten, die Eingabe erfordert jedoch bei den wirkungsvolleren Angriffen gutes Timing. Chaosklauen und Leeres Schwert könnt ihr nur begrenzt verwenden, da dies magische Energie erfordert. Mit den Chaosklauen bearbeitet ihr im Nahkampf Gegner, die sich mit Schilden oder Rüstungen schützen – andernfalls seid ihr von vorne quasi nicht in der Lage, überhaupt einen Angriff ins Ziel zu bringen. Mit dem Leeren Schwert wiederum verursacht ihr nicht bloß Schaden, sondern erhaltet bei jedem Treffer einen Teil eurer Lebensenergie zurück. Beide magischen Ausrüstungsgegenstände verfügen auch über einen Fernangriff, der bei manchen Gegnern zwingend erforderlich ist. Ihr könnt den Eiszauber des Schwerts aber prinzipiell bei jedem Feind einsetzen, um ihn kurzzeitig einzufrieren. Auch bei manchen der Bosse ist das möglich.

Skill wird belohntWenn ihr im Kampf die magische Energie aufgebraucht habt und gerade keine der stationären "Aufladestationen" in der Nähe ist, müsst ihr nicht verzagen: Mit jedem Schlag, den ihr setzt, erhöht sich euer Kampffokus, solange ihr nicht zwischendurch getroffen werdet. Ist die Leiste gefüllt, erscheinen Magieorbs in der Umgebung, die ihr so ähnlich wie in der Fable-Reihe per Stick-Click einsammelt. Da die Orbs nur wenige Sekunden da bleiben und ihr sie nur innerhalb eines begrenzten Radius einsaugen könnt, müsst ihr die Magieaufladung  mitten im Kampfgeschehen vornehmen. Ihr sammelt die Orbs mit dem linken und rechten Stick jeweils separat, um die Leere Macht oder die Chaosmacht aufzufrischen. Wer besonders gut spielt, wird von Lords of Shadow 2 also belohnt. Ebenfalls belohnt werden eure Fähigkeiten bei den Beherrschungslevels der drei Waffen. Je häufiger ihr einen Angriff einsetzt, umso besser wird er. Das geschieht allerdings nur in S
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chüben, wenn ihr nach einer bestimmte Anzahl von Anwendungen den jeweiligen Fähigkeitenlevel auf die Waffe übertragen könnt.

Wer Probleme hat, auf diese Weise an neue magische Energie zu kommen, kann auch andere Hilfsmittel einsetzen. Manchmal findet ihr bei getöteten Gegnern Kugeln, in denen ein gefangener Dämon steckt. Setzt ihr dieses Item im Kampf ein, habt ihr für einige Sekunden unbegrenzt magische Energie. Andere Objekte dieser Art sind zum Beispiel die Heiligentränen, mit denen ihr eure Lebensenergie vollständig regeneriert. Stolas Uhr wiederum verlangsamt für 25 Sekunden die Zeit, wodurch sich eure Gegner deutlich gemächlicher bewegen. Ihr habt also einen etwas größeren Spielraum, um etwa ihren unblockbaren Angriffen zu entgehen. Auch bei den Ausweichmanövern ist Skill gefragt, da die allermeisten gut getimt erfolgen müssen. Das gilt gleichsam für einen Sprung zur Seite oder auch einen über eine vom Feind geworfene, rotierende Klinge hinweg. Die meisten anderen Angriffe könnt ihr allerdings blocken. Aktiviert ihr euren Block genau zur richtigen Zeit, verlangsamt sich kurz das Geschehen, was euch Gelegenheit zu einem Konterangriff gibt.
Mit den Chaoskrallen kann Dracula Panzerungen von Feinden wie diesem Roboter zerstören, um ihn anfälliger für andere Angriffe zu machen. Die Krallen dürft ihr wie auch das Leere Schwert nur einsetzen, wenn ihr magische Energie habt.
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