Free2play auf Fifa-10-Niveau

FIFA Online Preview

Mit FIFA Online spendiert EA nach Battlefield Heroes der nächsten, starken Marke einen kostenlosen Ableger, der sich durch Mikrotransaktionen finanzieren soll. Wir haben uns die vor kurzem gestartete Open Beta angeschaut und sagen euch, ob FIFA Online auf dem Rasen genau so bezaubern kann wie das DFB-Team bei der WM.
Carsten 21. Juli 2010 - 23:52 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC
von Carsten Friedrich


Das Free-to-Play-Geschäftsmodell ist nicht neu. Seine Wurzeln hat es im asiatischen Raum, wo Spieler schon lange vor allem für Online-Rollenspiele keinen Kaufpreis zahlen müssen. Diese Projekte finanzieren sich fast immer über sogenannte Item-Shops, in denen man sich mit allerhand attributestärkenden Tränken und nützlichen Gegenständen eindecken kann. Die zugrunde liegende Formel ist meistens gleich: Wer schnell ans Ziel kommen will und keine Zeit hat, immer und immer wieder dasselbe Monster zu töten, der zückt die Brieftasche. MMOs wie Silkroad Online oder Cabal Online haben mit der Zeit zwar auch in unseren Gefilden ihre Fans gewonnen, doch erst Runes of Magic konnte das Free-to-Play-Konzept endgültig auch in Deutschland etablieren.
 
Electronic Art ist davon überzeugt, dass sich in diesem Geschäftsfeld jede Menge Geld verdienen lässt. Daher hat sich der Publisher dazu entschlossen, seine stärksten Marken ins Rennen um die Gunst der mikrotransaktionswilligen Spieler zu schicken. Den Anfang machte vor einiger Zeit Battlefield Heroes, das im Gegensatz zum großen Bruder einen humorvolleren und vor allem weniger taktischen Ansatz pflegt. Vor kurzem ist mit FIFA Online auch die erste EA-Sports-Marke in die Open Beta gestartet. Bringt sich das Free-to-Play-FIFA mustergültig vor dem Tor in Position, oder steht es im Abseits?

Im Hauptbildschirm legen wir die Aufstellung fest, wechseln zum Multiplayer oder treten besonderen Events (WM!) bei.

FIFA 10 light

Alles, was ihr braucht, um FIFA Online spielen zu können, ist eine Internetverbindung und ein bestehender EA-Account, den ihr auf der FIFA-Online-Website erstellen oder erweitern könnt. Außerdem legt ihr dort auch euer Managerprofil an. Wer jetzt vermutet, dass es ähnlich wie in FIFA 10 auch einen Management-Modus gibt, der tippt richtig. FIFA Online erlaubt es euch, aus den größten Ligen der Welt (darunter auch die 1. und 2. Bundesliga) eure Lieblingsmannschaft auszuwählen und mit ihr um die Meisterschaft zu kämpfen. Wie alle Fußball-Spiele aus dem Hause EA greift auch dieses auf die Lizenzen der FIFA zurück, sodass wir uns über die Original-Spieler- und Vereinsnamen freuen können.
 
Mit jeder absolvierten Partie sammeln unsere Spieler Erfahrung -- ganz wie in einem Rollenspiel.
Im Vergleich zum großen Bruder FIFA 10 gestaltet sich der Management-Part im Free-to-Play-Ableger etwas anders. Die Stärke eines Spielers richtet sich zum Beispiel lediglich nach fünf Eigenschaften wie Angriffsstärke oder Defensivverhalten, und nicht nach unzähligen Spielereigenschaften. Mit jedem Match, das eure Kicker absolvieren, gewinnen sie Erfahrung, ganz ähnlich wie in einem Rollenspiel. Und dementsprechend können wir nach jedem Level-Aufstieg Punkte auf die unterschiedlichen Spielerwerte verteilen. Auf Wunsch übernimmt die Punktevergabe auch das Spiel.

Möchtet ihr hingegen neue Stars für euer Team kaufen, geschieht das nicht auf einem Transfermarkt wie im Fussball Manager 10. Stattdessen wählt ihr nach jedem Match im schönsten Quartett-Stil eine von drei verdeckten Spieler-Karten. Ob ihr dabei einen Superstar Marke Messi erwischt oder einen 08/15-Stürmer, hängt vom Zufall und eurer allgemeinen Team-Bewertung ab. Falls euch die Auswahl gefällt, könnt ihr den Spieler schließlich für einen seinen Fähigkeiten entsprechenden Geldbetrag unter Vertrag nehmen -- sonst lasst ihr ihn links liegen. Leider erlaubt es dieses System nicht, gezielt die Schwächen des eigenen Teams auszumerzen, da es einfach zu unberechenbar ist. Wenn ihr also Pech habt, bleibt ihr lange Zeit auf eurem Chancentod im Sturm sitzen.

Die Grafik erweist sich in den Wiederholungen als ziemlich detailliert und hübsch -- beinahe FIFA-10-Niveau (PC).
 
Sobald es auf den Platz geht, ist FIFA Online von der 10er-Version auf dem PC kaum zu unterscheiden: Auch in FIFA Online kommt die im Vergleich zu den Konsolen-Versionen schwächere PC-Grafik-Engine von FIFA 10 zum Einsatz, inklusive hässlichem Pixel-Publikum und platter Rasentextur. Was jedoch beim Vollpreistitel noch ein großer Kritikpunkt war, geht für einen kostenlosen Titel absolut in Ordnung. Dem Online-Ableger fehlt aber wie schon geschrieben die 360-Grad-Steuerung, sodass wir etwa mit Arjen Robben eher im Zick-Zack Richtung Tor stürmen. Das Spielgefühl gleicht deshalb eher FIFA 09.
 
Wie von der Serie gewohnt, gelingen schnell die ersten Ballstafetten und schönen Spielzüge, ebenso die ersten Tore. Erfreulicherweise unterstützt FIFA Online schon im Open-Beta-Stadium den Xbox-360-Controller und außerdem auch die in FIFA 09 eingeführte Maus-Steuerung. Natürlich könnt ihr eure Elf auch mit der Tastatur über den Platz jagen, doch mit Gamepad geht die Jagd nach Toren eindeutig leichter von der Hand.

Was uns weniger erfreut hat, ist die automatische Anpassung der Gegner-KI. Grundsätzlich ist das zwar ein schönes Feature, allerdings hapert es bei der Berechnung. Denn die KI-Kicker werden nicht etwa umso schlauer, je besser ihr spielt. FIFA Online setzt euch nach einer gewissen Anzahl von Spielen einfach schwierigere Gegner vor, egal wie gut oder schlecht ihr die Matches zuvor absolviert habt. Für Einsteiger kann das schnell frustrierend werden, denn unverständlicherweise lässt sich diese Funktion weder deaktivieren noch manuell anpassen. Ihr müsst gegebenenfalls schlicht damit leben, gegen eine übermächtige KI zu spielen.

Für einen Free-to-play-Titel gehen die platten Rasen-Texturen und detailarmen Spielermodelle der Draufsicht in Ordnung.
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