Alone in the Dark

Alone in the Dark Preview

GC22: Klassisch-moderner Neustart

Benjamin Braun / 28. August 2022 - 16:47 — vor 14 Wochen aktualisiert
Steckbrief
PCPS5Xbox X
Survival-Horror
Pieces Interactive
THQ Nordic
2023
Link
GMG (€): 9,99 (STEAM), 6,99 (STEAM), 14,99 (STEAM)

Teaser

Alte Spielemarken zu neuem Leben zu erwecken, ging in der Vergangenheit oft schief. 30 Jahre nach dem ersten Teil von Alone in the Dark will THQ es mit ihrem „Liebesbrief ans Original“ besser machen.
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Wenn ein Spiel so gar nichts Außergewöhnliches zu bieten hat, kann man es auch kurzerhand zum Teil einer großen Spielereihe machen. So geschehen etwa im Jahr 2012, als Konami mit Book of Memories einen Dungeon Crawler entwickeln und ihn irgendwie mit dem Silent Hill-Universum verschmelzen ließ. Oder das schrottige Escape Dead Island, bei dem der inzwischen in Plaion umfirmierte Publisher Koch Media vom zugkräftigen Namen des Open-World-Zombie-Shooters profitieren wollte.

Beim neuen Alone in the Dark des schwedischen Entwicklers Pieces Interactive ist ein solcher Missbrauch von Markennamen anscheinend nicht zu befürchten. Denn wie die Präsentation der Entwickler und der Playable Teaser auf der Gamescom 2022 deutlich machen, erwartet uns ein zwar modernes, aber gleichsam auf klassischen Elementen aufbauendes Horror-Abenteuer.


Zurück ins Derceto Manor

Die Entwickler von Alone in the Dark sprechen wohl ganz bewusst nicht von einem Remake, sondern von einem Liebesbrief an den 1992 veröffentlichten ersten Teil der Reihe. Denn Parallelen gibt es etwa in Form des Schauplatz, dem Derceto Manor im US-Bundesstaat Louisiana, der nun als Nervenheilanstalt für Reiche dient, so einige. Ebenfalls sehr ähnlich ist die Wahlmöglichkeit, die Geschichte entweder als Emily Hartwood oder Privatdetektiv Edward Carnby zu erleben. Ja selbst das Klavier, in dem recht früh im Original ein Hinweis wartet, taucht auf. Allerdings befindet es sich eben nicht mehr auf dem Dachboden, sondern ist von dort aus durch die Decke gebrochen und liegt zerschmettert auf dem Boden eines herrschaftlichen Gesellschaftsraums.

Ihr werdet bei Alone in the Dark aber nicht einfach noch mal exakt dasselbe erleben, mit besserer Grafik und angereichert mit modernisierten Spielmechaniken. Die Story, die erzählerisch teils den Filmen von David Lynch ähneln soll, ist prinzipiell komplett neu und dreht sich nicht zuletzt um den sogenannten „dunklen Mann“, der in irgendeiner Verbindung zu Emilys Onkel Jeremy steht, auf dessen vermeintlichen Selbstmord die Handlung des Originals aufbaut.
 
Im neuen Alone in the Dark geht es unter anderem ins Derceto Manor, das nun eine Nervenheilanstalt für Reiche ist.

Die Entwickler legen aber Wert darauf, dass das Erlebnis stark an das des Originals angelehnt ist, also in modernen Spielen sonst gerne gemiedene Gameplay-Elemente eine zentrale Rolle spielen. Hier soll es also auch „herausfordernde Puzzles“ geben und allgemein eine ausgewogene Mischung aus cineastisch inszenierter Story, lohnenswerter Erkundung, aber auch intensiven, oder wie der Producer sie nennt, „verzweifelten“ Kämpfen gegen grässliche Kreaturen.

Alone in the Dark soll sich nicht wie ein gewöhnlicher Third-Person-Shooter anfühlen und auch in diesem Bereich nie in Richtung Terror-Horror abdriften. Ziel sei, dass die Spieler Angst um das Leben ihres Helden haben und nicht einfach alles mit ihrer Pistole wegrotzen und dann weitermachen, als wenn nichts gewesen wäre. Inwieweit man Kämpfe umgehen kann oder gar muss, um überhaupt eine reelle Chance aufs Überleben zu haben –  ein bedeutender Aspekt des Originals –, ist mir aber noch nicht klar geworden. Die ersten Kampfszenen-Schnipsel wirken auf mich aber noch nicht sonderlich anziehend ab(seits des coolen Monsterdesigns). Die Ballersequenzen“ erinnern mich aktuell noch eher an The Sinking City, und das ist nicht unbedingt ein Gütesiegel. Aber abwarten: erst seit Ende 2019 soll das Spiel in Entwicklung sein und gerade den Alpha-Status erreicht haben. Bis zum noch nicht einmal grob auf ein Jahr terminierten Release-Termin bleibt wahrscheinlich noch einige Zeit, bei den Kämpfen noch nachzusteuern.


Stimmungsvoll in linearer Welt

Was mir an Alone in the Dark in jedem Fall schon mal gut gefällt, sind der Grafikstil und die allgemeine Atmosphäre, die deutlich düsterer zu werden scheint als im Original. So einige Elemente sind dabei naheliegenderweise von H.P. Lovecraft inspiriert, aber auch den (ebenfalls in Louisiana spielenden) Kinofilm Angel Heart nennen die Macher als Inspirationsquelle. Wirklich viel zur eigentlich Story kann ich zwar nicht sagen, aber Mikael Hedberg, der zuvor eine sehr ähnliche Rolle bei Frictional Games' Grusel-Abenteuern Amnesia - The Dark Descent und Soma (im Test: Note 7.0) einnahm, als Storyautor und Design Director anzuwerben, klingt für mich nach einem perfekten Match. Ähnliches könnte für den niederländischen Musiker Jason Köhnen gelten, dessen Dark-Jazz-Klänge die in den 1920er Jahren angesiedelte Story akustisch untermalen werden.

Obgleich das Anwesen selbst und das Umland deutlich größer geworden sind und entsprechend einigen Freiraum beim Exploring bieten soll, wird es wohl keine Open-World-Tendenzen und auch einen eher linearen Verlauf geben. Später freiwillig noch mal in bereits besuchte Gebietsteile zurückzukehren, soll wohl möglich sein. Dem im Genre sonst recht weit verbreiteten Backtracking erteilen die Entwickler aber offiziell eine Absage.

Auch die Story selbst wird im Kern wohl recht linear verlaufen und allenfalls in Bezug aufs Ende einen auf Quantic Dream machen. Wer jedoch die gesamte Handlung erleben und alle Geheimnisse entdecken möchte, wird Alone in the Dark wohl mindestens zweimal durchspielen müssen. Denn neben anderen Dialogen und Cutscenes wird es zwischen den Storyvarianten mit Edward und Emily einige deutliche Unterschiede geben, beispielsweise auch NPCs, die nur in einem der beiden Pfade auftauchen. Ob es Schnittstellen geben wird, wo sich die beiden dann im Laufe der Geschichte direkt begegnen, darauf möchten die Entwickler keine klare Antwort geben.
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Dieses Klavier kennen Spieler des Originals von 1992 bereits. Dort stand es zu Beginn allerdings noch auf dem Dachboden.
Jörg Langer Chefredakteur - 449587 - 28. August 2022 - 17:28 #

Viel Spaß beim Lesen!

Gedracon 19 Megatalent - - 14816 - 28. August 2022 - 17:34 #

Ich hab die original Spiele geliebt, auch wenn die Tank-Steuerung und die suboptimale Kamera oftmals für das frühzeitige Ableben gesorgt haben.
Ist für mich eine der positiven Überraschungen der Messe und steht ganz oben auf der Spieleliste. Das hätte ich gerne angespielt.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 230680 - 28. August 2022 - 22:43 #

Der erste Teil des Originals war für mich damals auch was ganz Besonderes, aber auch was krasses, weil es in dieser Form sowas noch nicht gegeben hat. Eigentlich wurde mit dem Spiel ein gänzlich neues Genre geschaffen.

Danywilde 30 Pro-Gamer - - 138731 - 29. August 2022 - 7:10 #

Der hat mir damals auch sehr gut gefallen, leider waren die Nachfolger für mich dann nicht mehr so gut.

Den 2008 Teil habe ich nur kurz gespielt, die Steuerung (Augen blinzeln) fand ich grausam.

Aladan 25 Platin-Gamer - P - 56220 - 28. August 2022 - 21:01 #

Wäre ja schön, wenn es ein gutes Spiel wird. Die Vorschau liest sich zumindest schon mal so.

rammmses 21 AAA-Gamer - P - 30558 - 29. August 2022 - 6:16 #

Klingt ja eher nach Mid-Budget-Kost. Mal abwarten, die Messlatte in dem Genre ist durch die letzten Resident Evil Teile ja sehr hoch.

Audhumbla 19 Megatalent - - 13052 - 29. August 2022 - 7:57 #

Das letzte habe ich im Schrank stehen, aber nie eingelegt. Muss ich meine 360 mal abstauben. Ansonsten liebe ich wie alle alten Säcke hier die ersten drei Originale. Ich bin sehr gespannt.

euph 29 Meinungsführer - P - 117932 - 29. August 2022 - 13:14 #

Die Demo auf der GC fand ich auch sehr schlecht gewählt. Habe sie im Publikumsbereich gespielt und dort gab es keine vorherigen Erklärungen. Für sich alleine fand ich sie einfach langweilig, da man wirklich kaum etwas machen konnte und eigentlich nicht wirklich etwas passiert ist. Optisch war das ganz schön.

Moe90 17 Shapeshifter - - 6455 - 30. August 2022 - 14:24 #

Da bin ich mal gespannt. Alone in the Dark nie gespielt zuvor. Aber insbesondere Resident Evil spiele ich alle gerne (außer 5 und 6); und Silent Hill 2 ist natürlich auch extrem gut. Also mal schauen was eine der weiteren großen Serien so drauf hat in dieser Neuauflage.

Maverick 33 AAA-Veteran - - 932040 - 31. August 2022 - 15:19 #

Ein ambitioniertes Vorhaben, ich bin gespannt auf den Titel. ;)