Test: Der Igel lernt Schwimmen

Sonic Colours Test

Nach einer fast zehn Jahren währenden Durststrecke erscheint endlich ein richtig tolles Sonic in 3D. Die MadWorld-Crew hat das mit einem sich selbst nicht ernst nehmenden, rasanten Plattformer geschafft, den wir quasi in einem Rutsch durchspielen mussten. Farbenreich und pfeilschnell ist die Jagd auf Dr. Eggman.
Gerjet Betker 12. November 2010 - 0:19 — vor 8 Jahren aktualisiert
Wii
Sonic Colours ab 24,49 € bei Amazon.de kaufen.
von Gerjet Betker

Willkommen in Eggmans interstellaren Vergnügungspark! Nach unzähligen Missetaten hat sich der Wissenschaftler dazu entschlossen, Reue zu zeigen und zur Wiedergutmachung den besten Freizeitpark der Geschichte im Orbit des Planeten Möbius zu errichten. Sonic, der seinem alten Lieblingsfeind nicht so recht trauen will, macht sich zusammen mit Tails auf, um Eggmans wahre Absichten aufzudecken. Schon kurz nach ihrer Ankunft im Kernstück des Parks entdeckt Sonic, dass Eggman die kleinen, wehrlosen Wisps für seine finsteren Zwecke einfängt. Nun liegt es am Spieler in Gestalt des blauen Igels, nicht nur diese Außerirdischen, sondern nebenbei die Bevölkerung von Möbius vor dem Eggman Empire zu beschützen. Gurt anlegen, Disk einlegen, Sonic Colours kann beginnen.

Schnell, bunt, spaßig
Wenn Sonic zum Sprint ansetzt, verzerrt sich nicht nur das Bild, sondern auch die Musik.

Was braucht es, um ein gutes Sonic-Spiel zu machen? Erstens: eine Steuerung, die auch bei hoher Geschwindigkeit nicht versagt. Zweitens: übersichtliche Levels mit wenigen bremsenden Abschnitten. Drittens: möglichst wenige unnütze Storyelemente und Helferlein. All das beherzigt  Sonic Colours, bei dem sich Sonic ganz allein durch 60 Levels kämpfen muss, während er sich Eggmans Roboter erwehrt. Na gut, ein wenig Hilfe bekommt der hibbelige Igel durch die bereits erwähnten Wisps -- allerdings sind sie zum Abschluss des Levels in den meisten Fällen nicht notwendig, sondern eröffnen meist zusätzliche Passagen und dadurch Geheimnisse.

Gerade diese zusätzlichen Passagen zu erkunden, ist für einen abwechslungsreichen Multiplayer-Modus unabdingbar. Anfangs sind nur sieben Akte im Sonic-Simulator zu zweit spielbar -- und die erinnern nicht nur zufällig an Abschnitte der Game-Gear- und Mega-Drive-Klassiker mit Sonic im Namen. Alle anderen werden ab 50 roten Ringen in Zehnerschritten freigeschaltet. Neben einem interessanten "1,5 Spieler"-Erlebnis (wir meinen damit den fliegenden Wechsel zwischen den Spielern in einem Level) sowie dem Koop-Abenteuer motiviert dabei auch das Einsammeln der berühmten Chaos Emeralds.


Welcher Igelkenner fühlt sich bei dieser Sonic-Simulator-Stage nicht an die gute, alte Marble Zone 1 erinnert?

It‘s a Mad Wisps World

Kommen wir zurück zu den Wisps. Diese quietschbunten Tentakel-Aliens verwandeln Sonic in die unterschiedlichsten Formen, wodurch ihr die Geheimnisse der einzelnen Stages aufdecken könnt. Zu Beginn von Sonic Colours sind die Wisp-Kapseln noch transparent und werden erst im Laufe des Spieles mit Leben gefüllt. Auf der Übersichtskarte schweben neue Wisp-Typen über dem Weltabschnitt, in dem ihr sie befreit. Diese Levels sind speziell auf den Wisp ausgelegt und unterscheiden sich stark vom Schema F der restlichen Welt.

"Wir sind knuffig und haben Spezialfähigkeiten": die Wisps.
Wichtig werden die Wisps dann bei jedem Bosskampf. Zugegeben: Es ist auch hier wieder möglich, den Kampf solo zu bestreiten, aber ihr werdet dadurch niemals einen S-Rang bekommen. Übrigens werden alle Bosse durch liebevoll gestaltete Zwischensequenzen eingeführt, die vor angenehmer Selbstironie sprühen. Neben einer Referenz auf das Knochenlied aus Monkey Island 2 gehört dazu die geradezu göttliche Szene vor dem finalen Kampf: Sonic unterbricht Eggmans Ansprache und fasst in einem Satz (den wir euch natürlich nicht verraten) alle Schurkenansprachen der Videospiel-Geschichte zusammen. Auch durch die anderen 28 Filmchen schwebt der Geist der Ironie. Eigentlich hatte Sega die Absicht, mit Sonic Colours ein jüngeres Publikum anzusprechen. Aber durch die Neuinterpretation der MadWorld-Macher und Roger Craig Smith hat insbesondere die 16-Bit-Generation ihren Spaß mit dem neuen, alten Igel und den ganzen Rückbezügen.

Selbst vor dem Genius Dr. Ivo Robotnik alias Dr. Eggman macht der Sarkasmus der Autoren nicht halt.
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 17 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.