Test: Besser als Fifa 10?

PES 2010 Test

Pepsi oder Coke, McDonalds oder Burger King, FIFA oder PES: So heißen einige der ewigen Zweikämpfe um die Gunst der Kunden. FIFA 10 legt mit Top-Wertungen, Bestplatzierungen in den Verkaufscharts und Top-Gameplay vor. Konami qualifiziert sich fürs Finale, aber reichen unzählige Taktik-Menüs und die grandiose Ballphysik für den Titel?
Jörg Langer 22. Oktober 2009 - 0:00 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Die Japaner müssen kämpfen. Gegen einen schier übermächtigen Gegner. Wir reden nicht von der bemühten japanischen Nationalmannschaft. Und der Gegner heißt auch nicht Deutschland, sondern FIFA 10, ein Fußballspiel, das in dieser Generation endlich einmal wieder fast alles richtig macht. Dabei ist es nur wenige Jahre her, da war Konamis Pro-Evolution-Soccer-Serie die unangefochtene Nummer 1. PES 6 gilt noch heute als Referenz in Sachen Spielgefühl. Doch das letzte Jahr haben die Kicker aus dem Land des Lächelns verschlafen und müssen nun voll in den Sprint gehen. Gelingt mit Pro Evolution Soccer 2010 die Rückkehr an die Spitze?
 

Wenn schussstarke Spieler wie Van Persie abziehen, spürt man förmlich die Kraft, die sie in den Schuss legen.

Jedes Match ist anders

Faszinierend finden wir, wie sich bei PES 10 wirklich jedes Match anders anfühlt. Das liegt vor allem daran, dass sich das Spiel jetzt einfacher auflösen, öffnen und strecken lässt. Generell gelingt es uns deutlich öfter als früher, über weite Pässe oder flotte Seitenwechsel das umkämpfe Mittelfeld zu überbrücken. Als sehr gelungen beurteilen wir das Laufverhalten der Mitspieler, die sich spürbar am ballführenden Kicker orientieren.  Wenn der Mittelfeldregisseur das Leder Richtung gegnerische Hälfte treibt, dann bieten sich die Außen aktiv an und laufen sich frei. Durch diese Faktoren spielt sich PES 2010 deutlich offensiver als der lahme Vorgänger, bei dem wir uns permanent mit nervigen Mittelfeldgeplänkel rumärgern mussten. Der Schlüssel zum Erfolg ist nach wie vor der clevere Spielaufbau – mit schnellen Flankenwechseln oder Steilpässen lassen sich selbst Top-Teams wie Barcelona aushebeln. Nur, warum zur Hölle brauchen die Jungs so lange um den Ball anzunehmen? Jeder der mal Fußball gespielt hat, weiß dass man die Kugel aus der Drehung mitnehmen kann. Aber egal ob ein Iniesta, Ronaldo oder Rooney – sie lassen sich zu viel Zeit. Zwischen Ballannahme und Pass vergehen wertvolle Sekunden, so kann der moderne One-Touch-Fußball nicht funktionieren. Selbst ein unbedrängter Mittelfeldspieler gibt den Ball viel zu spät ab, ihr müsst euch quasi dazu zwingen, langsamer zu taktieren als normal.

Etwas träge geht’s zur Sache

Anstoß Manchester United, den Reds steht das italienische Spitzenteam Juventus Turin gegenüber.
Wir spielen die flinken Italiener, die KI übernimmt ManU und legt gleich richtig los: Sie lupft uns den Ball ab, spielt einen Doppelpass mit dem Mittelfeldregisseur, der verteilt die Kugel an die Außen. Die stürmen los, wagen einen Flankenlauf – der Ball zischt über die Köpfe unserer Armen Juve-Abwehr hinweg, genau auf den Fuß von Wayne Rooney. Der englische Superstar schießt – doch Fabio Cannavaro kann auf der Linie klären, kontrolliert den Ball. Jetzt heißt es umschalten, mit hohen Bällen das ausgedünnte ManU-Mittelfeld überbrücken, einen Konter erlaufen. Aber warum fühlt sich das so träge an? Ein Druck auf die B-Taste sollte eigentlich eine schnelle Flanke auslösen, dann fix zum Stürmer wechseln, Ball annehmen, und ab geht die Post! Zwar spielt sich die PES-Serie schon immer etwas langsamer als die FIFA-Reihe, doch in der 10er-Ausgabe übertreiben es die Entwickler ein wenig. Konter sollten schwer sein, weil der Gegner kluges Stellungspiel betreibt -- und nicht, weil die eigenen Mannen zuviel gefuttert zu haben scheinen. Darauf kontern Befürworter der neuen, alten Langsamkeit gerne, so bliebe eben mehr Zeit, um das Spiel von hinten aufzubauen.

Olè, olè – die Deutsche Elf ist mit dabei. Hitzlsberger zieht hier volley aus riesiger Entfernung ab – Tor!

Verdammt nah an der Realität

Es ist beeindruckend, wieviel Wert die Japaner auf Realismus legen: Torraumszenen sind kaum  berechenbar. Eine absolute Taktik, die immer zum Ziel führt, gibt es nicht. Ob das Runde im Eckigen landet, hat weniger mit Glück und aggressivem Zweikampfverhalten zu tun, sondern mehr mit Taktik und der optimalen Position zur Pille. Nur wer beim Kopfball den perfekten Winkel zwischen Ball und Birne erwischt, macht das Ding rein. Flankenwechsel sind schwierig, Schussintensität und Moment der Ballannahme müssen passen, sonst rutscht die Kugel über den Schlappen. Genau wie im richtigen Fußball heißt es also üben, abwägen und das perfekte Timing trainieren. Ein echter Hingucker sind die Animationen: Fernando Torres nimmt einen Flankenball elegant mit der Brust an, lässt ihn abtropfen und spielt ihn direkt volley weiter. Egal ob Pressbälle, scharfe Flanken oder schicke Schlenzer – alles wirkt wie aus dem Fernsehen geklaut.

Interessanterweise haben beide Lager erstmals eine "360-Grad-Steuerung" eingebaut: Wir können unsere Kicker nicht mehr nur in die acht Richtungen des Digipads respektive Sticks bewegen, sondern sind völlig frei. Zudem dürfen wir den Ball zwischen den Beinen hin und herspringen lassen. Sinnvoll ist das vor allem mit der ebenfalls neuen Trick-Stick-Steuerung: Wer die Schultertasten in Kombination mit dem rechten Stick drückt, aktiviert spezielle Tricks, lässt den Gegner beispielsweise mit einer angetäuschten Drehung aussteigen. Wie das in Bewegung aussieht, zeigen wir euch im untenstehenden Video. Direkt im Anschluss daran dürft ihr ein Tunneltor bewundern. Dabei ist auch zu sehen, dass Konami bei der Ballpyhsik immer noch führend ist. Das gilt nicht nur für das Sprungverhalten eines Balls, der sich wie im Video zwischen Bein und Arm des Torwarts hindurchmogelt: Auch wenn Steven Gerrard für Liverpool aus 30 Metern abzieht, spürt man förmlich die Kraft, die er in den Schuss steckt. Wer den Ball hingegen anschneidet, erlebt, wie dieser realistisch aus seiner normalen Flugbahn ausbricht und Stück für Stück abdriftet, bis er fast einen Halbkreis gezogen hat.

Ím Video lässt erst Trochowski mittels Trick-Stick-Steuerung einen Österreicher aussteigen. Danach trifft Hitzlsberger.

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