Test: Das beste Adventure

Monkey Island 2 S.E. Test

Die Special Edition des ersten Monkey Island hat im letzten Jahr eine Traumwertung nach der anderen abgestaubt und mit der Adventure-Konkurrenz den Boden aufgewischt – trotz seines beträchtlichen Alters. Schafft es auch die Neuauflage des zweiten Teils, ein fast zwanzig Jahre altes Spiel auf den Adventure-Thron zu hieven?
Philipp Spilker 10. Juli 2010 - 10:12 — vor 9 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3 iOS
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iPhone- und andere Versionen
Monkey Island 2 SE gibt es für PC, Mac, PS3, Xbox 360 und iPhone. Nur 5,99 Euro zahlt ihr im App Store, und erhaltet dafür ebenfalls Sprachausgabe. Die Grafik wirkt im kleineren Maßstab immer noch schön, ihr dürft ebenfalls zwischen dem neuen und dem Classic-Look wechseln (durch Wischen mit zwei Fingern). Ersterer bietet eine stark verbesserte Touchscreen-Bedienung.
Ins Menü gelangt ihr durch Senkrechtstellung des iPhone, die drei Tippsstufen ruft ihr durch Schütteln auf. Eine bessere Umsetzung als bei Monkey Island 1, auch wenn jeder Taskwechsel zum Ende der App führt.

siehe unseren Test von Monkey Island 1 S.E.

The Secret of Monkey Island
initiierte anno 1990 die wahrscheinlich bis heute beliebteste Adventure-Reihe. Mit einem einfach zu erlernendem Spielprinzip, fairen Rätseln, toller Musik und schrägen Charakteren heimste es diverse Auszeichnungen ein und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, nicht zuletzt dank der letztjährigen Special Edition, die dem Spiel neben HD-Grafik auch eine sehr gute (leider nur englische) Sprachausgabe verpasste.

Der zweite Teil, LeChuck´s Revenge, übertraf im Jahr 1991 den Vorgänger in praktisch allen Belangen. Das Erfolgsrezept, damals wie heute, war denkbar einfach: mehr von allem. Mehr Rätsel, mehr Musik, mehr Charaktere, mehr Schauplätze. Für viele Adventure-Veteranen gilt Monkey Island 2 als eines der besten Adventures aller Zeiten. Ob die plattformübergreifende Special Edition (siehe Kasten rechts) von Monkey Island 2 ebenfalls die erste Neuauflage toppen kann, lest ihr im GamersGlobal-Test.

Das „Mehr von allem"-Rezept schließt auch mehrere Inseln ein, zwischen denen ihr hin- und herfahren müsst.


Ich bin Guybrush Threepwood...


Guybrush sucht ein neues Abenteuer. Er macht sich auf die Suche nach dem legendären Schatz Big Whoop.
Im Gegensatz zum ersten Teil, in dem Guybrush auszog, ein mächtiger Pirat (TM) zu werden, verkörpert ihr in LeChuck´s Revenge bereits einen mehr oder weniger glaubwürdigen Vertreter dieser Art. Leider sind die anderen Piraten Guybrushs Erzählungen, wie er den Geisterpiraten LeChuck besiegte, längst überdrüssig oder glauben dem Helden kein Wort. Also muss eine neue Geschichte her. Eine bessere. Und so machen wir uns gemeinsam mit Guybrush auf die Suche nach dem legendären Piratenschatz Big Whoop.

Unsere Reise beginnt auf der Insel Scabb Island. Hier erfahrt ihr im Laufe der ersten Spielstunden erste Details über das ausgerufene Ziel. Eine Crew von vier Seefahrern hat Big Whoop angeblich auf der wenig bekannten Insel Dinky Island ausgehoben. Der Schatz allerdings war zu gewaltig – oder zu schrecklich –, als dass er jemals wieder gefunden werden sollte. Die erfolgreichen Schatzsucher haben folgerichtig ihre Karte zu Big Whoop geviertelt, um anschließend ihrer Wege zu gehen. Nun liegt es an euch, die einzelnen Kartenstücke zu finden. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn die Einzelteile sind auf auf mehreren Inseln verteilt. Und um die Angelegenheit noch zu erschweren, hat ein neuer Bösewicht, der kleinwüchsige Raufbold Largo LaGrande, ein striktes Embargo verhängt: Niemand darf mehr ohne seine Erlaubnis die Insel verlassen. Und Largo solltet ihr nicht unterschätzen, handelt es sich doch um die ehemalige rechte Hand von LeChuck. Letzterer ist natürlich auch nicht so tot wie gedacht und sinnt, wie es der Name des Spiels verrät, nach Rache.

Mit dem neuen Bösewicht Largo LaGrande (links) ist nicht gut Kirschen essen. Mit den anderen Herren auch nicht.

Knifflig-witzige Rätselketten


Gleich zu Beginn steht fest, dass Guybrush keine Chance gegen Largo hat. Die restlichen Bewohner Scabb Islands sind auch keine große Hilfe, da sie allesamt viel zu verängstigt sind. Hilfe bekommen wir wie gewohnt von der geheimnisvollen Voodoo-Lady. Die hat auch schon einen Plan ausgearbeitet, um Largo loszuwerden, und zwar mit Hilfe einer Voodoo-Puppe. Um diese anzufertigen, benötigt die Dame aber einige persönliche Gegenstände von Largo, die ihr in bester Adventure-Manier erspielen müsst. Die Rätsel, um dieses Problem (und alle anderen im Spiel) zu lösen, sind so konzipiert, dass sie stets logisch und fair sind. Ein wenig Fantasie und „Um-die-Ecke-Denken“ solltet ihr aber schon mitbringen. Und hütet euch, zu früh (oder überhaupt) auf das dreistufige Hinweissystem zurückzugreifen:  Ein Druck auf die H-Taste, schon gibt euch das Spiel einen allgemeinen Hinweis. Sollte dieser nicht ausreichen, bekommt ihr bei einem weiteren Drücken einen genaueren Tipp. In der letzten Stufe erhaltet ihr oft des Rätsels Lösung; im Idealfall zeigt euch ein Pfeil den genauen Ort an, den ihr aufsuchen müsst. Allerdings wurde die Hilfe im Vergleich zur Special Edition von Monkey Island 1 ein wenig entschärft und gibt nicht mehr immer die direkte Lösung an. Auf der Suche nach den Zutaten für Largos Voodoo-Puppe etwa sagt euch die Hilfe nicht, wo sich die Gegenstände befinden und wie ihr sie bekommt. Aber: Der ultimative Spaß (und die ursprünglich geplante Spielzeit) bei Monkey Island 2 kann nur dann entstehen, wenn ihr auch mal festhängt und erst nach einer Stunde Dran-verzweifeln doch noch auf des Rätsels Lösung kommt.

Ein Beispiel für die Rätselketten: Auf Booty Island findet ihr einen der vier Kartenteile zu Big Whoop in einem Antiquitätenladen. Der Händler will für das Stück aber horrende 6.000.000 Goldstücke – oder die berühmte Gallionsfigur der Mad Monkey. Letztere liegt zu unserem Unglück schon seit langer Zeit irgendwo verschollen auf dem Meeresboden. So oder so benötigen wir für die Bergung ein geeignetes Schiff, das uns von der koketten Kate zur Verfügung gestellt wird. Gegen Bezahlung versteht sich. Um die nötigen 6.000 Goldstücke aufzutreiben, treten wir beim lokalen Spuckwettbewerb an. Haben wir erst einmal das Geld und ein Schiff, müssen wir nur noch die Koordinaten der verschollenen Mad Monkey besorgen. Wie ihr all das anstellt, müsst ihr aber selbst herausfinden. Solche Rätselketten finden sich überall im Spiel und sind auch heute noch erstklassig. Neben Kombinationsrätseln müsst ihr auch euer Geschick in den fantastischen Dialogen beweisen und allerlei abwechslungsreiche Rätsel lösen, etwa beim Glücksspiel gewinnen, einen Toten wieder zum Leben erwecken oder aus einem Gefängnis entkommen.

Hilfe bekommen wir wieder mal von der Voodoo-Lady, die dieses Mal in einer Hütte mitten im Sumpf haust.
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