Homeworld 3

Homeworld 3 Test

Auf den Spuren eines Strategie-Urahnen

Rüdiger Steidle / 10. Juni 2024 - 14:51 — vor 1 Woche aktualisiert

Teaser

Nach über 20 Jahren Pause wird die Homeworld-Saga fortgesetzt. Die versucht mit eigenen Ideen an vergangene Stärken anzuknüpfen. Doch funktionieren die antiquierten Echtzeit-Schlachten im Weltraum heute noch?
Dieser Inhalt wäre ohne die Premium-User nicht finanzierbar. Doch wir brauchen dringend mehr Unterstützer: Hilf auch du mit!
Ich geb’s zu: Homeworld 2 ist so lange her, dass ich mich nur noch dunkel an die Spieleserie erinnere. Selbst das Remaster vom ersten und zweiten Teil sowie der planetare Ableger Deserts of Kharak sind beinahe zehn Jahre alt. Wie gut, dass der jüngste Teil der Reihe auf Wunsch die Ereignisse der Vorgänger in einem minutenlangen Rückblick zusammenfasst. Und dann breche ich auch schon mit Homeworld 3 zu meiner nächsten Weltraumreise im Homeworld-Universum auf – wiederum in einer epischen Introsequenz, welche Erinnerungen an die Einleitung des Originals weckt.

Abermals mache ich mich mit einem gigantischen Mutterschiff der Hiigarianer auf zu den Sternen. Zwei Ziele treiben das humanoide Alien-Volk und Protagonistin Imogen um: Zum einen gilt es eine unbekannte Bedrohung aufzuhalten, die nach und nach die Lichter in der Galaxis löscht, zum anderen den Verbleib von Imogens legendären Großmutter Karan S'jet zu ermitteln, die doch die Hiigarianer ursprünglich in ihre neue Heimat geführt hatte.

Auch wenn die Story in der Kampagne mal wieder eine große Rolle einnimmt, steht aber natürlich das Echtzeitstrategie-Gameplay im Fokus. Ihr baut Ressourcen ab, lasst fleißig allerlei Raumschifftypen im Mutterschiff vom Fließband rollen und führt die Flottenverbände dann in ansehnliche Gefechte auf dreidimensionalen Karten. Das macht Spaß, hat aber auch eindeutige Schwächen.
Die Story ist bestenfalls mäßig spannend und die vorgerenderten Zwischensequenzen sind technisch nicht gut gemacht. Aber: Die Story hat mich bei der Stange gehalten.
 

Langatmige Story

So atmosphärisch die Einleitung auch ist, verursachen die zahlreichen und ausufernden Zwischensequenzen bei mir bald Stirnrunzeln und später entnervtes Augenrollen. Die mystische Hintergrundgeschichte von Homeworld 3 ist kein Aushängeschild für das Spiel, erreicht sie doch erzählerisch nicht die Qualität der Vorgänger und wird stellenweise schlicht unansehnlich präsentiert – zumindest in den vorgerenderten Abschnitten, in denen die wenigen Helden und Antagonisten auftreten.

Die Engine-Videos, welche die Kampfschiffe und Ereignisse in den Missionen in Szene setzen, wissen dagegen zu gefallen, denn die In-Game-Grafik auf Basis der Unreal-Engine ist richtig, richtig gut. Nicht nur aus technischer Sicht: Die Leveldesigner haben sich auch alle Mühe gegeben, beeindruckende und abwechslungsreiche Schlachtfelder zu gestalten. Fast keiner der Einsätze spielt irgendwo in der finsteren Leere des Alls. Vielmehr ficht meine Weltraumarmada in tödlichen Asteroidenfeldern, vor bunten Gasnebeln oder über gigantischen Eisbänken.

Dazu kommen die schön gestalteten Einheiten (die ich teilweise von früher kenne), die man freilich nur selten in ihrer ganzen Detailfülle aus nächster Nähe betrachtet, und die spektakulären Spezialeffekte, welche den Krieg der Sterne angemessen episch aussehen lassen. Wenn Flotten aus Dutzenden Jägern, Korvetten, Fregatten und Großkampfschiffen aufeinanderprallen, durchzucken hunderte Laserstrahlen die Schwärze, zerreißen Ionenstrahlen das All, verglühen kritisch getroffene Zerstörer in blauen Kugelblitzen. Es ist einfach eine Freude, den Streitkräften bei ihrem tödlichen Treiben zuzuschauen! Zumal die Hardwareanforderungen von Homeworld 3 erfreulich moderat ausfallen. Ein Mittelkasse-PC reicht problemlos aus, um das Spiel in 1440p mit vollen Details zu genießen.
 

Erbärmliche Einheiten-KI

Allzu lang solltet ihr euch an der Weltraum-Action freilich nicht sattsehen, denn ihr müsst eure Einheiten ständig bemuttern, damit sie keinen Unfug treiben. Die Einheiten-KI, die alte Nemesis der Echtzeit-Strategie, ist auch in Homeworld 3 zum Haareraufen dämlich. Es ist schon irgendwie ironisch: Da schwadronieren Hasardeure wie OpenAI von der goldenen Zukunft neuromorpher Netze, während meine hiigarianische Torpedofregatte es nicht mal schafft, den kürzesten Weg zwischen ihrer aktuellen Position und ihrem Bewegungsziel zu finden.

Gut, das ist etwas übertrieben, aber tatsächlich ist die KI ein echter Schwachpunkt von Homeworld 3. Von den drei Verhaltensweisen – neutral, passiv und aggressiv – ist nur die erste wirklich brauchbar, weil sich meine Schützlinge ansonsten unweigerlich eigenhändig ins Verderben stürzen. Und selbst im neutralen Modus, also wenn ich meinen Geschwadern wirklich jede Bewegung diktiere, bauen meine Piloten regelmäßig Mist oder vergessen zwischendurch ihren Auftrag. Eine Homeworld-Flotte zu kommandieren, ist noch anstrengender, als einen Sack Flöhe zu hüten.
Anzeige
Mit Dutzenden Jägern, Bombern, Aufklärern und Großkampfschiffen wie Trägern und Zerstörern fühlen sich die Weltraumschlachten wirklich episch an.
Hagen Gehritz Redakteur - P - 182195 - 10. Juni 2024 - 14:43 #

Viel Spaß mit dem Test von Rüdiger!

Kinukawa 21 AAA-Gamer - P - 26049 - 10. Juni 2024 - 15:12 #

Bin mit Homeworld und seiner Steuerung nie richtig klar gekommen. Dagegen hat mich Sins of a Solar Empire eingefangen.

Hannes Herrmann Community-Moderator - P - 43282 - 10. Juni 2024 - 16:29 #

Danke für den Test, sollte mich das Echtzeitfieber nochmal treffen denke ich an das Spiel.

Deepstar 16 Übertalent - 4956 - 10. Juni 2024 - 18:22 #

Was mich bei Homeworld immer gestört hat, dass es zwischen den Missionen ein Levelscaling gab. Das Spiel einen dafür bestraft hat extra viel Zeit in den Missionen zu verbringen. Das war in Homeworld 2 so schlimm, dass bereits die zweite oder dritte Mission unlösbar schwer wurde. Nahm dann auch noch von Mission zu Mission zu. Homeworld 2 war am besten, wenn man wenig Zeit in den Missionen verbracht hat und seine ganze Flotte zum Ende von diesen selbst zerstört hat.

Das war bei Homeworld 1 noch besser gelöst. Es gab zwar Levelscaling, aber man konnte die KI überwältigen und das Spiel war auch eher darauf ausgelegt eine immer größere Flotte aufzubauen, weil gegen Ende der Kampagne ohnehin die Ressourcen fehlten um noch groß was zu bauen.

Bei Cataclysm gab es zwar schon das strikte Levelscaling wie später bei Teil 2, war aber dort immerhin noch sinnvoll in der Story eingebaut, weil man einen Antagonist hatte, der einfach Schiffe assimiliert.

Lange Rede kurzer Sinn, es scheint, dass man diesen Müll jetzt mit unabhängigen Missionen endlich über Bord geworfen hat. Eine gute Entscheidung.
Auch wenn die missionsübergreifende Kampagne sicherlich eigentlich eines der Merkmale der Serie war.
War aber aus meiner Sicht nie gut umgesetzt.

Epic Fail X 18 Doppel-Voter - P - 10508 - 11. Juni 2024 - 7:43 #

Ich kenne Homeworld nur in der Remastered und an die von dir aufgeführten Phänomene kann ich beim besten Willen nicht erinnern. Ich fand das Spiel nach hinten raus zu leicht, was vielleicht gerade am fehlenden Levelscaling liegt.

Vampiro Freier Redakteur - - 126228 - 11. Juni 2024 - 0:42 #

Danke für den Teat. Puh, bestätigt meine rudimentären Eindrücke und Befürchtungen, also unterirdische KI und fqde Story. Glaube, dafür habe ich erstmal keine Zeit. 12 Stunden finde ich aber verheißungsvoll.

Flooraimer 16 Übertalent - P - 4260 - 11. Juni 2024 - 11:42 #

Danke für den Test, Rüdiger.

Harry67 20 Gold-Gamer - - 24628 - 11. Juni 2024 - 14:46 #

Schöner Test, anscheinend viel verschenktes Potenzial.

de_vipp 15 Kenner - P - 3408 - 12. Juni 2024 - 7:32 #

Mhmm guter Test! Ich denke ich warte erstmal und schaue, was da an Inhalten nachkommt.

Zille 21 AAA-Gamer - - 26516 - 13. Juni 2024 - 8:21 #

Danke für den Test! Ich werde wohl auch diesmal passen - Homeworld erschien mir mit den drei Dimensionen immer als zu kompliziert für spaßige Gefecht. Flöhe hüten in 3d hört sich trotz der anderen beschriebenen Stärken nicht nach Spaß an. Wobei ich den Rest schon interessant finde.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 84273 - 14. Juni 2024 - 10:42 #

Ich fand bei Homeworld 1 damals die Story und Atmosphäre so spannend - leider habe ich bei zwei Versuchen (Original und Remaster) nie das Ende der Kampagne gesehen. Dieses Missionsdesign! :-( Irgendwann hatte ich immer das Problem, dass ich zu wenige Schiffe aus der vorherigen Mission mitgenommen hatte und direkt zu Anfang der nächsten überrannt wurde.
Teil 3 bietet ja offenbar wieder superschicke Weltraumschlachten, aber schwächelt ansonsten sehr - das wird wohl kein Kauf von mir.