Sparta vs. Reich vs. Rote

Metro - Last Light Test

Vor knapp drei Jahren zogen wir in Metro 2033 erstmals durch das vom Atomkrieg zerstörte Moskau, genauer gesagt durch dessen U-Bahn-Schächte. Nun kehren wir mit Artjom zurück in die Postapokalypse, um dem Geheimnis der sogenannten „Schwarzen“ auf den Grund zu gehen – und einen Krieg zwischen Kommunisten und Faschisten zu vereiteln.
Benjamin Braun 13. Mai 2013 - 17:00 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Wir setzen vorsichtig einen Schritt nach dem anderen. Um uns herum ist es stockdunkel, nur hier und da werfen Gaslampen einen kümmerlichen Lichtschein auf die Umgebung. Zu hören ist nichts außer dem Sickerwasser, das mit seinem beunruhigenden Plätschern die Stille ein ums andere Mal zerreißt. Wir folgen weiter den Gleisen der U-Bahn. Plötzlich hallen Rufe durch das Tunnelsystem. Es sind Angehörige des Reichs, der Faschistenfraktion, die sich wie alle anderen Überlebenden des Atomkriegs in die Moskauer Metrostationen zurückgezogen haben. Verstecken wir uns einfach hinter einer Kiste neben den Gleisen und lassen die drei Soldaten an uns vorüberziehen? Oder machen wir gleich kurzen Prozess mit ihnen? Metro - Last Light überlässt euch in Szenen wie dieser selbst die Entscheidung und lässt euch auch sonst stärker als die meisten anderen First-Person-Shooter Einfluss aufs Geschehen nehmen.

Wir sind für euch mit Protagonist Artjom nach Moskau zurückgekehrt, haben das Geheimnis der geheimnisvollen schwarzen Wesen und unsere eigenen Vergangenheit aufgedeckt und ganz nebenbei im Machtgefüge zwischen Kommunisten und Faschisten für Unruhe gesorgt. Ob uns die Kombination aus Shooter, Stealth-Action und Survival-Abenteuer so gut wie oder noch besser gefallen hat als der beliebte Vorgänger, verraten wir euch auf den folgenden Seiten.

Die Suche nach der WahrheitArtjom schläft nicht mehr gut, seitdem er die ominösen Schwarzen mit einigen Atomraketen  vernichtet hat. Ihn plagen aber nicht nur Schuldgefühle, womöglich das Falsche getan zu haben, sondern auch grausame Alptraumvisionen, in denen er Menschen abschlachtet, die er irrtümlich für Mutanten hält. In der Polis, der Station der Sparta-Ranger, halten Artjom viele für einen Helden, der das Überleben der Menschheit in den Moskauer Metro-Stationen mit seiner Tat gesichert hat. Doch es kursiert das Gerücht, dass einer der Schwarzen überlebte und unbedingt zur Strecke gebracht werden muss. Artjoms alter Weggefährte Khan allerdings sieht das anders und ist sich sicher, dass Artjom versuchen muss, mit dem Schwarzen zu reden. Was, wenn alles nur ein Missverständnis war, und die Schwarzen die Menschen nicht besessen machen oder quälen wollten, sondern nur mit ihnen kommunizieren? Unsere Mission, die mit der Suche nach dem überlebenden Schwarzen beginnt, mausert sich zunehmend zu einer Reise zur Wahrheit. Denn dieser Überlebende könnte Artjom die Antworten geben, nach denen er schon lange sucht – auch über seine eigene Vergangenheit.

Vor allem in den Lagern könnt ihr in Szenen wie dieser längeren Dialogen folgen und so mehr über die Spielwelt und ihre Bewohner erfahren.
Die Suche nach dem Schwarzen ist aber nicht das einzige, was die Menschen in der Metro bewegt. Ein rätselhaftes Virus ist im Umlauf, das Menschen in grässliche Kreaturen verwandelt. Deshalb vermessen etwa die Reich-Faschisten regelmäßig die Schädel ihrer „Schutzbefohlenen“ (oder auch Gefangenen) – und wer nicht die Norm erfüllt, wird auf der Stelle erschossen. Zudem hat Artjoms Vernichtungsschlag die verschiedenen Interessengruppen nicht etwa zusammengeschweißt. Stattdessen versuchen sowohl die Kommunisten als auch die Faschisten die volle Kontrolle über die Metro-Stationen zu erlangen und somit ihre Machtposition auszubauen. Auch Sparta (unser eigener Verein) und die Hanse verfolgen ihre Ziele. Wer sind hier eigentlich die wahren Monster?

Kein gewöhnlicher Shooter
Metro – Last Light mag auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Shooter aussehen, hinter der First-Person-Fassade verbirgt sich allerdings weit mehr als das. Artjoms linearer Weg durch die Moskauer Metro wird nicht zuletzt auch von zahlreichen intensiven Begegnungen mit anderen Menschen geprägt. Insbesondere die Stationen, die zumindest teilweise den Ruhepol-Charakter des Vorgängers konservieren, machen euch zahlreiche Angebote, euer Spielerlebnis zu vertiefen. Im Unterschlupf der Kommunisten unterrichtet zum Beispiel ein Mann einige Kinder und zeigt ihnen verschiedene Tierarten als Schattenspiel an einer Leinwand. Andere Bewohner der Station klagen ihr Leid und berichten davon, was sie von den jüngsten Ereignissen halten. Oder sie philosophieren über das Leben in der Metro, während Händler wortreich ihre Waren anpreisen. Bei all diesen für die eigentliche Story irrelevanten Inhalten steht es euch frei, stehenzubleiben oder einfach von dannen zu ziehen.

Wer es ernst meint mit dem Spielerlebnis, nimmt diese ganzen Eindrücke natürlich in sich auf, statt
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wie ein Speedrunner nur von einem Schusswechsel zum nächsten zu hasten. Highlight ist die zehnminütige Bühnenshow in der Station unter dem ehemaligen Theater. Auch die Dialoge mit den wechselnden Begleitern Artjoms sind häufig sehr aufschlussreich. Wir wollen allerdings nicht verschweigen, dass nicht alle optionalen Inhalte mehr Spieltiefe bringen. An einigen Stellen blieben wir extra stehen, um uns einen etwa fünf Minuten langen Dialog zwischen einigen Flüchtlingen anzuhören, die von der roten Linie (also den Kommunisten) entkommen wollten. Wirklich Spannendes hatten sie letztlich aber nicht zu erzählen. Meistens aber wurden wir belohnt für unsere Immersionsbereitschaft. So konnten wir zum Beispiel den Striptease einer Tänzerin anschauen oder sogar für einen Lapdance bezahlen. Die Entscheidung, einfach zu gehen oder das Angebot anzunehmen, erzeugt Nähe zur eigenen Spielfigur, die mit der Waffe in der Hand kaum möglich wäre. Ebenfalls gelungen fanden wir einen Scharfschützenwettbewerb, bei dem wir uns neben Ruhm und Ehre auch einen schönen Batzen Militärpatronen (der Währung im Spiel, die sich gleichzeitig als Munition einsetzen lässt) verdienen können.
before
after
... die Xbox-360-Fassung rechts schon im Vordergrund weniger scharf wirkt, etwa bei den Tellern links im Bild. Auch die höhere Texturqualität wird sichtbar, was vor allem an der Kleidung des Charakters in der Bildmitte deutlich wird.

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