Gelungenes Remake

Metro Redux Test

Nicht ein Director's Cut, sondern gleich zwei in einem: Metro Redux vereint Metro 2033 und Nachfolger Last Light, bohrt beide grafisch kräftig auf, führt zwei Spielstile ein und auch sonst eine Menge Änderungen, vor allem am ersten Teil. Ob die postatomare Atmosphäre dennoch Abnutzungserscheinungen zeigt? Wir verraten es euch im Test.
Nico Carvalho 19. August 2014 - 20:07 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Als Metro 2033 (GG-Test: 8.5) 2010 erschien, galt es als Geheimtipp unter Shooter-Kennern, die sich für mehr als bloßes Geballer interessierten. Eine detailverliebte Dystopie in der russischen Hauptstadt (oder besser: unter ihr), in dem der Spieler auch häufig gewaltlos durch die Levels kommt. Metro Last Light (GG-Test: 8.5) brachte die Reihe rund um die Bahnschächte 2013 in den Fokus der breiten Spielerschaft, der wie seinerzeit sein Vorgänger mit großartiger Grafik auftrat.

Ein Jahr nach Last Light spendiert Koch Media mit Metro Redux beiden Titeln ein Remake für den PC, die Xbox One und die PS4. Ihr könnt sie entweder einzeln oder im Doppelpack kaufen, für 20 beziehungsweise 40 Euro. Wer die Steam-Fassung eines der beiden Titel bereits hat, bekommt die Redux-Fassung für nur 10 Euro -- wer also beide schon besitzt, zahlt für Metro Redux effektiv nur 20 Euro, wer eine besitzt, 30 Euro. In Metro Redux sind sowohl für PC als auch Konsole sämtliche Last Light DLCs enthalten, was allein einen Wert von etwa 25 Euro darstellt. Metro 2033 gab es bislang nur für PC und Xbox 360, Last Light auch für PS3 und Xbox 360. Uns interessiert in diesem Test vor allem, was sich bei den Versionen getan hat, und ob beziehungsweise in welchen Szenarien sich der Neukauf lohnen könnte. Wir verraten euch aber auch noch mal das Wichtigste zu Story und Spielgefühl.

Faszination in der Metro
Metro ist nicht der gewöhnliche 08/15-Shooter, stattdessen nimmt er sich immer wieder Zeit, uns das Elend der Menschen in solchen Stationen vor Augen zu führen. (2033)
Im ersten Metro-Teil schickt euch 4A Games, frei nach den Romanen von Dmitry Glukhovsky, ins Jahr 2033. Ein Atomkrieg und die daraus resultierende Radioaktivität hat die Bewohner Moskaus unter die Erdoberfläche gezwungen. Ihr schlüpft in die Haut des jungen Artjom, der eine Station der Moskauer Metro sein Zuhause nennt. Nach einem Angriff auf diese macht er sich auf den Weg zu einer entfernten Untergrund-Siedlung, um Hilfe zu suchen. Auf seiner Reise durch das verschachtelte U-Bahnnetz der russischen Metropole begegnet er immer wieder den “Schwarzen“, telepathisch begabte Mutanten, mit denen er scheinbar eine mentale Verbindung hat; anders als seine Mitmenschen ist er gegen die psychischen Attacken immun.

Während Metro 2033 die Geschichte des gleichnamigen Buchs aufgreift, spinnt Last Light die Spielhandlung weiter, vom "schlechten Ende" ausgehend, bei dem Artjom eine Rakete einsetzt, mehr wollen wir nicht spoilern. An der Story der beiden Spiele ändert das Metro-Redux-Doppelpack nichts, euch erwarten also nach wie vor die eine oder andere Wendung, interessante Charaktere und moralische Abgründe. Auch am Spielgeschehen schraubten die Entwickler nicht: Noch immer nehmen wir aus der Ego-Perspektive allerhand Mutanten und menschliche Gegner aufs Korn, erkunden ausgiebig die düster-authentischen Metro-Stationen und lauschen den Dialogen der Bewohner, die uns das Leben in der vom Atomkrieg geprägten Welt gekonnt näherbringen. Da beispielsweise alle Kinder nie die Vorkriegswelt kannten, erkennen sie beim Schattenspiel eines Erwachsenen nicht etwa den Vogel, den seine Hände formen, sondern einen geflügelten Mutanten.

Wir haben häufig die Option, Feinde lautlos im Nahkampf zu erledigen oder gewaltlos zu umgehen. Wer sich lieber ballernd durch die U-Bahnschächte kämpfen möchte, sollte dies sehr treffsicher bewerkstelligen: In beiden Metro-Titeln herrscht Knappheit an Ressourcen. Munition, Medipacks oder Filter für eure Gasmaske, die ihr für eure kurzen Ausflüge an die Oberfläche benötigt, lassen sich bei Händlern gegen Militärmunition (sowohl effektive Munition als auch Währung im Spiel) kaufen oder einfach finden. 

Auf der Erdoberfläche tragen wir nicht nur eine Gasmaske, sondern kämpfen auch gegen angriffslustige Mutanten. (2033)
Aus 1 und 2 mach 1 + 2Metro Last Light spielte sich insgesamt actionreicher als der Vorgänger. Netterweise dürft ihr euch nun bei beiden Redux-Spielen aussuchen, ob sie sich eher wie der klassische erste oder der klassische zweite Teil anfühlen sollen. Bei "Überlebender" (an 2033 orientiert) sind die Ressourcen knapper, was Rumgeballere einschränkt, gleichzeitig ist das Schleichen anspruchsvoller -- wer also eher im Verborgenen agiert und sich jeden Schritt zweimal überlegt, ist in diesem Modus gut aufgehoben. Bei "Spartaner" (orientiert an Last Light) stehen hingegen actionreichere Gefechte im Mittelpunkt. Beide Stile lassen sich natürlich nach wie vor über die Schwierigkeitsgrade näher konfigurieren, die vor allem die Ressourcen, die Hitpoints der Gegner sowie den Schaden, den diese anrichten, verändern.

Solltet ihr mitten im Spiel nicht mehr wissen, welchen Stil ihr eingestellt habt (mittendrin ändern lässt sich das übrigens nicht mehr), schaut einfach auf eure Uhr. Nein, nicht den schweren Titanklunker an eurem realen Handgelenk, sondern die Anzeige eurer verbliebenen Gasmasken-Minuten im Spiel: Bei "Überlebender" sehen wir die Analog-Anzeige aus Metro 2033, bei "Spartaner" die digitale Version aus Last Light. 

Metro 2033: Engine- und Grafikänderungen (PC)Für die Redux-Fassung habe 4A Games laut eigenen Aussagen Metro 2033 völlig neu auf Basis ihrer überarbeiteten Engine aufgebaut. Das bedeutet nicht nur optische Verbesserungen, sondern auch mehr "Körperlichkeit" eures Alter Egos: Ventile beispielsweise dreht unser Protagonist nun mit den Händen selbst, anstatt dass sie sich nach eurem Knopfdruck wie von Zauberhand selbst bewegen. Auch sonst seht ihr Artjoms Gliedmaße öfter in der Egosicht auftauchen, etwa wenn er sich aus einem Fluss hochzieht.

4A Games hat Metro 2033 beim Waffen-Inventar an den Nachfolger angepasst: Artjom führt wie dort nur noch drei Waffen mit sich, statt auch noch eine eigene Nahkampfwaffe. In brenzligen Situationen löst ihr aber nun auch in Metro 2033 per Knopfdruck einen Hieb mit eurem Messer aus. Auch inhaltliche Veränderungen haben wir bemerkt: Wenn wir uns etwa vor der Bibliothek befinden, nach etwa fünf Stunden im Spiel, müssen wir anders als gewohnt auf Verstärkung warten und einige Feindwellen abwehre
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n, bevor wir sie betreten können. In solchen inhaltlichen Abwandlungen sehen wir jedoch keine große Veränderung am ursprünglichen Spiel.

Nun jedoch zum mit Sicherheit wichtigsten Punkt des Remakes: der Grafik. Obwohl sich die Originalversion von 2010 auf PC noch immer nicht verstecken muss, stellt die Redux-Fassung mit ihrer deutlich harmonischeren Beleuchtung und den detaillierten Charaktermodellen einen großen Sprung nach vorne dar. Vor allem die feineren Schattenläufe haben es uns angetan. Durch die bessere Lichtstimmung und die elaboriertere Tesselation wirken zahlreiche Texturen plastischer und heben den Titel auf dasselbe Top-Niveau, das Last Light mit seiner Redux-Version erreicht. Weitere Anpassungen betreffen das Design der Charaktere. In eurer Heimatstation ist der erste Waffenhändler zum Beispiel kein witzelnder Jungspund mit Brille mehr, sondern der ältere, kampferprobte Mann aus Last Light. Diese Änderungen steigern zwar einerseits die Glaubwürdigkeit, doch dieser Effekt wird ins Gegenteil verkehrt, wenn dann in der deutschen Version ab und zu Stimme und (neues) Gesicht nicht mehr zueinander passen. Insgesamt eine Verschlimmbesserung!
before
after
Rechts Metro 2033 Redux auf PC: Die Lichter wirken harmonischer, die Schatten detaillierter und die Texturen hinten an der Wand plastischer. Der Rauch des Feuers wird dargestellt. Der Detailgrad der Texturen bleibt auf dem gleichen Niveau, das Design der Charaktere wurde angepasst. Die erhöhte Position der Lichtquelle leuchtet den Raum schöner aus.

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