Test: Rückkehr zu alter Stärke?

Fifa 10 Test

Mancher schimpft über die Fifa-Serie, sie bekäme Jahr für Jahr nur lieblose Updates. Zumindest in diesem Jahr ist das völlig falsch: In Fifa 10 warten eine fast schon revolutionäre 360-Grad-Steuerung, lebendige Zweikämpfe, eine überarbeitete KI, abspeicherbare Standardsituationen und mehr auf euch!
Jörg Langer 25. September 2009 - 20:19 — vor 10 Jahren aktualisiert
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Heute ist es wieder soweit: Am Samstag, den 26.9.09 steht die nächste Schlacht an: Borussia Dortmund gegen FC Schalke 04. Zwei Armeen schicken je 11 Soldaten aufs Schlachtfeld – hier geht es nicht um drei Punkte, es geht um Ruhm oder Untergang. Vor allem für Dortmund, die diese Saison noch gar nicht gepunktet haben. Für Electronic Arts geht es um nicht viel weniger: Die Fifa-Serie ist ein Garant für Top-Verkaufszahlen, da darf kein Serienteil patzen.  Um das Wichtigste vorweg zu nehmen: Auf Konsole ist Fifa 10 ein Hammerspiel geworden. Auf PC enttäuscht es in vielen Punkten und bekommt eine volle Note weniger von uns. Über was für Noten wir sprechen, verraten wir allerdings erst später...

Der Grafikstil wirkt leicht überzogen, hier werden zu starke Farbfilter verwendet. Die Spieler erkennt ihr trotzdem.

Herzlich willkommen zur virtuellen Live-Schaltung: Dortmund macht von Anfang an Druck, die müssen schließlich drei Punkte holen heute. Doppelpass Kehl-Tinga, der Schalker Höwedes geht dazwischen. Holla, sieht das gut aus, wirkt das lebendig: Die Kicker lehnen sich auf, drücken sich gegenseitig weg, schubsen, stoßen, setzen ihren ganzen Körper ein. Wir drücken mit dem rechten Stick leicht gegen Höwedes und streicheln dabei  die Pass-Taste. Doch der Blaumann geht hart rein, fährt die Stollen aus und sägt den kleinen Tinga von den Beinen. Freistoß! Bis der Schiri den freigibt, hier kurz ein Info für PC-Spieler: Wir haben FIFA 10 nicht nur auf der Xbox 360 sondern auch dem PC mit Gamepad getestet. Zwar funktioniert auch die Steuerung via Maus und Tastatur, ist aber deutlich schwergängiger als mit dem Xbox 360-Gamepad. Das lässt sich  via USB-Kabel einfach an den Rechner anschließen und wird von Windows Vista und Windows 7 sofort erkannt. XP-User müssen hingegen noch einen Patch ziehen.

Der Schiri schaut schon auf seine Uhr. Ja, ja, wir führen den Freistoß schon aus. Hätten wir gerade nicht die Gamepad-Geschichte erklären wollen, wir hätten durch zweimaliges schnelles Drücken der Pass-Taste auch einen direkten Freistoß ausführen können. Dann schnappt sich beispielsweise Tinga den Ball, legt ihn nur kurz hin, wartet den Pfiff vorschriftsgemäß ab, und spielt sofort weiter. Das ist neu und bietet sich an, um gerade bei Kontern sein Überzahlspiel auszunutzen.

360 Grad oder: Wie trickse ich die Abwehr aus?

Klose täuscht links an, geht rechts vorbei und schießt:  Die 360-Grad-Steuerung birgt viel Raum für taktische Manöver -- und wird hier mit einem Achievement belohnt.
Tinga zirkelt den Ball auf Kehl, der  ist mittlerweile links über außen gelaufen und nimmt den Ball gekonnt an. Es sieht einfach großartig aus, wie der Dortmunder den Ball von der Birne abtropfen lässt und dann sofort unter Kontrolle bringt. Kehl erspäht Valdez, doch der wird hartnäckig von Westermann gedeckt.  Wie sollen wir durch den blau-weißen Verteidigungswall, auch genannt Vierer-Abwehrkette, brechen? Mit einem Trick, den EA geheimnisschwanger mit "360-Grad-Steuerung" umschreibt. In Fifa 09 konnte man seinen Spieler im Grunde nur in acht Richtungen auf dem Digi-Pad respektive den Sticks dirigieren. Da wollte man einen Gegenspieler elegant umkurven, doch der eigene Recke legte sich das Leder ziemlich weit vor und pendelte rechts mit einigem Abstand um den Gegner. In Fifa 10 aber könnt ihr euch in jede beliebige Richtung drehen und wenden, sprich den Gegenspieler ganz eng ausspielen.

Das ist besonders wichtig vor und im feindlichen Strafraum, nur wer hier die volle Kontrolle hat, hebelt mit Kurzpassspiel die gegnerische Abwehr aus. Und wir haben noch einen Vorteil entdeckt, der ähnlich viel bringt: Antäuschen. In Fußballdeutsch nennt man das Antizipieren, aber nicht mal alle Bundesliga-Spieler beherrschen das ("das" bezieht sich hier sowohl auf den Begriff als auch die Aktion...). Gehen wir zurück in unser Beispiel: Kehl will die Schalker-Abwehr austricksen, er muss an Westermann und Bordon vorbei. Die beiden machen die Räume dicht, lassen kaum ein Schlupfloch. Also sprintet Kehl auf Westermann zu, kurz vor dem Zweikampfduell drücken wir den Stick nach links. Kehl dreht seine Schulter nach rechts, täuscht an, wir reißen den Stick nach rechts und schon umrundet der schwarz-gelbe Flügelflitzer den verdutzen Schalker. Gleiches Spiel mit Bordon und theoretisch funktioniert das mit dem Torwart auch – links anttäuschen, rechts vorbeiziehen, 1: 0.

Das alles fühlt sich sehr realistisch und durchdacht an. Klar ist aber auch, dass die KI in einer solchen Situation nicht optimal reagiert. Die KI-Gegenspieler packen im Notfall lieber die Sense aus – aber glücklicherweise nur, wenn sie nicht der letzte Mann sind: Die KI-Verteidiger wägen ab zwischen sinnvollem taktischen Foul und Rot-Gefahr. Auch sonst agiert die Defensiv-KI deutlich wachsamer und reaktiver als im Vorgänger. Ihr werdet nun spektakuläre Rettungen in letzter Sekunde erleben, etwa wenn einer eurer KI-Kameraden gerade noch die tödliche Flanke wegschlagen kann. Oder wenn ein Torwart doch noch zurückhechtet, um einen Lupfer zu erreichen. Solche Aktionen erhöhen die Dramatik auf dem virtuellen Platz um mindestens eine Spielfeldbreite.
 

Verliebte Blicke sehen anders aus -- wir beachten aber  die erfreuliche Lebensechtheit der lizenzierten Fußballer.
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