Test: Rückkehr zu alten Stärken

Die Siedler 7 Test

Siedler, bleib bei deinem Leisten: Weder der Ausflug der Serie in die RTS-Welt mit "Erbe der Könige" noch der Anno-Klon "Aufstieg eines Königreichs" kamen bei den Fans gut an. Mit Siedler 7 kehren die Knubbelnasen nun zurück zu ihren Aufbaustrategie-Wurzeln und bringen dennoch eine Menge Neuerungen aus dem Blue-Byte-Hauptquartier mit.
Christoph Licht 23. März 2010 - 18:28 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Der Gegner führt mit einem Siegpunkt und besitzt eine beachtliche Armee. Doch so leicht geben wir nicht auf! Was unser fieser Widersacher an Soldaten besitzt, wiegen wir durch unsere Wirtschaftskraft locker wieder auf. Unsere Vorratskammern sind bis oben hin gefüllt und unsere Händlergilde nach langer Bauzeit fertigstellt. Wir schicken sogleich einen unserer Hausierer mit einer Ladung Würste los, um eine Aufgabe des neutralen Questgebers auf der Karte zu erfüllen. Das gibt einen Siegpunkt und wir gleichen aus.

Unsere Goldmünzenproduktion läuft auf Hochtouren (links) während die Eisenproduktion schläft (rechts oben).

Doch wir haben noch nicht gewonnen. Unser Gegner setzt seine Streitmacht auf den neutralen, aber gut verteidigten Stadtsektor in der Kartenmitte an. Dessen Eroberung bringt auch einen Siegpunkt. Wir schrauben derweil die Münzenproduktion in die Höhe. Sieben Stück befinden sich bereits in unserer Vorratskammer, 25 benötigen wir für den finalen Siegpunkt. Wie gut, dass wir den Trostpreis aufgespart haben, den wir für unseren langen Rückstand bekamen. Ein Klick, und es fehlen nur noch acht Münzen zum Sieg. Wir bauen eine zweite Münzprägerei, kitzeln das letzte aus unseren Gold- und Kohlebergwerken heraus und stellen gleichzeitig jedwede andere Produktionsschiene vollständig ein. Unser Gegner erleidet derweil im Kampf um den Stadtsektor herbe Verluste. Unser Glück: Er hat nun weniger als 25 Soldaten und verliert einen Siegpunkt. Obwohl der Sektor ihm gehört, bleibt es bei einem Unentschieden.

Eine Handvoll trinkfreudige Mönche kann in Siedler 7 mächtiger sein als eine große kampflustige Streitmacht.
Jetzt geht es um die Wurst bzw. um den finalen Siegpunkt – schaffen wir es die restlichen Goldmünzen zu produzieren, bevor er seinen Soldatenvorrat wieder aufgefüllt hat? Ja, wir schaffen es! Der letzte Siegpunkt ist unser. Wir haben die Partie gegen einen uns persönlich bekannten Chefredakteur gewonnen, ohne je einen einzigen Soldaten produziert zu haben.

Altbewährtes Spielprinzip

Schon das einleitende Beispiel zeigt: Blue Byte hat Die Siedler 7 konsequent auf Multiplayer und kompetitives Spiel ausgelegt, selbst wenn ihr gegen den Computer oder in der Kampagne spielt. Und dennoch: Wir fühlen uns von der ersten Minute an wie zuhause, denn bei allen Neuerungen erinnert Siedler 7 sehr an den erfolgreichen zweiten Teil der Serie.

Am Anfang des Siedlerlebens steht immer der Aufbau der eigenen Kleinstadt im Startsektor. Neben unserer Burg, der ersten Bauhütte und einem Lagerhaus begrüßt uns nur die Taverne. Dort können wir Waren tauschen oder gegen viel Gold Soldaten und Generäle anwerben. Also öffnen wir – einfach durch Linksklick auf irgendeine leere Stelle des Spielfelds – das übersichtliche Baumenü und beginnen mit dem Aufbau unserer Wirtschaft. Der Ablauf ist Siedler-Veteranen gut bekannt: Zuerst sorgen wir mit Steinmetz, Holzfäller und Sägemühle für Baumaterialien, dann errichten wir Getreidehöfe, Mühlen und Bäckereien für die ersten Nahrungsmittel. Oder auch Fischer- und Jägerhütten. Später kommen Bergwerke, Schmelzen, Schmieden dazu und erweitern langsam aber stetig unsere Stadt. Der anfängliche Ablauf ist dabei immer der gleiche – einzig der Kartenaufbau zwingt uns zu leichten Variationen. Statt jedoch jedes Produktionsgebäude einzeln zu platzieren, setzt Die Siedler 7 auf eine kompaktere Bauweise: Ihr setzt immer ein Hauptgebäude (davon gibt es sechs), und könnt dann je nach Platz bis zu drei Produktionsgebäude anschließen.

Für eine Bäckerei brauchen wir beispielsweise erst ein normales Wohnhaus und docken daran dann die Bäckerei an. Wichtig: Die Hauptgebäude benötigen einen Anschluss zu eurem Wegesystem – ohne diese Verbindungen passiert in der Welt der Siedler gar nichts. Wer nun an fleißige Siedler denkt, die Waren von einer Fahne zur nächsten transportieren, liegt jedoch falsch. Vielmehr läuft der Meister selbst, und zwar von seinem Arbeitsplatz bis zum nächsten Lagerhaus. Ist letzteres zu weit entfernt, muss beispielsweise ein Bäcker lange Strecken zurücklegen, um sich die Rohstoffe zu holen und später dann das fertige Brot wiederum dort abzuliefern. Das führt bei Einsteigern zu vielen paradoxen Situationen: Ihr könnt zwar beispielsweise platzsparend Holzfäller und Sägewerk ans selbe Hauptgebäude andocken – doch der Holzfäller läuft dennoch immer mit seinem Baumstamm in das nächste Lagerhaus, statt es direkt beim Sägewerk auf der anderen Seite des Hauptgebäudes abzuliefern…

Wer das aber erst mal kapiert hat, setzt einfach zu jedem größeren Gebäude-Cluster auch ein Lagerhaus, schon reduzieren sich die Laufwege beträchtlich. Zwischen den Lagerhäusen werden die Waren übrigens je nach Bedarf automatisch von Trägern transportiert.

Kleine Gebäudekunde
Satte 43 Gebäude könnt ihr in Die Siedler 7 bauen. Wir stellen euch sechs vor: 1 Die Bäckerei wandelt Mehl in Schwarzbrot um, das in die Kategorie "einfache Verpflegung" fällt. 2 Die Münzprägerei, wie der Name schon andeutet, macht aus Goldbarren Münzen, mit denen ihr unter anderem Soldaten rekrutieren könnt. 3 Die Schweinezucht ist ein Lieferant für die Metzgerei.  4 Ohne Bier aus der Brauerei könnt ihr keine Geistlichen anheuern. 5 In der Weberei wird Schafsfell in Stoff verwandelt. 6 In der Metzgerei entstehen Würste, die als "bessere Verpflegung" gelten.

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