Test: Virtuose Fledermaus-Action

Batman - Arkham Asylum Test

Seit 70 Jahren rettet der dunkle Rächer Gotham City und beschert uns nun eines der besten Lizenzspiele, das je eine Xbox 360 oder eine Playstation 3 gesehen hat. PC-Jünger müssen sich leider noch bis zum 18. September gedulden, dürften die Wartezeit aber nicht bereuen.
Jörg Langer 28. August 2009 - 16:28 — vor 10 Jahren aktualisiert
360 PS3
Batman - Arkham Asylum ab 10,99 € bei Amazon.de kaufen.
Stille liegt über Gotham City, ein sanfter Nebelschleier umhüllt die Hochhäuser, die düstere Stadt scheint zu schlafen. Nur einer ist wie immer hellwach: Batman, er rast mit irrwitziger Geschwindigkeit einen Hang hinunter. Hinter ihm sitzt sein Erzfeind, der Joker, den er gefasst hat und nun einbuchten will. Sie halten vor einem gewaltigen Tor, draußen stehen zwölf schwer bewaffnete Sicherheitsbeamte Spalier. Es ist das Arkham Asylum (Irrenanstalt), die Endstation für die schlimmsten Verbrecher, Mörder und Mutanten der an Bösewichtern reichen Metropole. Die Kamera zoomt vom Batmobil heraus, umschließt die gewaltigen Gemäuer dieses Hochsicherheitsgefängnisses. Dann steigt Batman aus, zerrt den Joker aus seinem Wagen. Der wird von Kopf bis Fuß mit Ketten eingeschnürt und steht grinsend da: Blauer Smoking, grün-gestreifte Fliege, weiße Schminke – er scheint sich zu richtiggehend zu freuen, einmal  mehr ins Arkham Asylum eingeliefert werden. Breit grinst er über beide Ohren. Ein offenkundig gemeingefährlicher Irrer. Ganz anders Batman: Wenn die Kamera nah an seinen breiten Rücken heranfährt, dann hat das etwas Erhabenes. Jede einzelne Muskelfaser scheint vor Kraft zu bersten; lederne Schlaufen verbinden Batmans Fäuste und Kampfhandschuhe zu einer Einheit; Manschetten aus Metall verschmelzen Batmans athletischen Körper mit seiner Ausrüstung.

Hier seht ihr die ersten 9 Minuten des Spiels, und wie es von der bloßen Introsequenz zum interaktiven Intro wird.

Wer das Intro genossen hat, der wird den Übergang von Zwischensequenz zu Spielgrafik kaum bemerken. Hier gibt die Unreal Engine 3 mehr, als ihr vermutlich selbst ihre Schöpfer bei Epic zutrauen würden. Ein optischer Leckerbissen! Von der Ankunft an dürfen wir uns frei bewegen, die Architektur genießen, Details erhaschen. Das Intro geht weiter, nur dass wir uns selbst fortbewegen: Immer weiter geht es in das Irrenhaus hinein, immer klarer wird, dass der Joker etwas im Schilde führt.

Nach ein paar Metern taucht die Silhouette eines riesigen Mutanten auf – sieht aus wie Godzilla. Ah, das ist Killer-Croc, er will sich losreißen, doch die meterdicken Eisenketten verhindern Schlimmers. Noch, denkt sich der Spieler, noch. Die Spezialeinheiten geleiten den Joker quer durch den Untersuchungstrakt, vollgestopft mit Kameras und elektronischen Sicherheitsschleusen. Was führt der Kerl im Schilde, was wird passieren? Fast schon ungeduldig, fahren wir mit der Kamera jeden Winkel ab, erwarten einen Angriff. Dann wird es dunkel, ein Sprengsatz explodiert. Es ist passiert!

Wenn Batman seine Gegner vertrimmt, tut das vom Hinsehen schon ein bisschen weh – da werden Füße in Bäuche gerammt und Schergen an die Wand, Blut spritzt aber keins

Der will doch nur spielen!

„Willkommen im Irrenhaus, Batman! Ich stelle eine Falle auf und du bist herrlich reingetappt“. Mit diesen Worten begrüßt der Joker uns. Schon in der ersten Viertelstunde wird klar, dass das hier kein normales Actiongame ist. Kein Spiel, das Dialoge nutzt, um den Bogen zur nächsten Mission zu spannen. Der Joker wirkt dank Durchsagen, Monitoren und persönlichem Erscheinen allgegenwärtig, er ist Batman immer einen Schritt voraus. Sein Lachen schallt durch die Gefängnistrakte, während seine Handlanger die Wachleute und Ärzte foltern. Der Bösewicht hat dafür gesorgt, dass kurz vor ihm Hunderte seiner Schläger nach Arkham Asylum eingeliefert wurden, und bringt dann nach und nach die ganze Anstalt unter seine Kontrolle. Doch er will mehr, viel mehr. Er will eine Armee erschaffen und damit Gotham überrennen. Wie es weitergeht, werdet ihr nur erfahren, wenn ihr Batman: Arkham Asylum kauft.

Nicht nur in Cutscenes könnt ihr Batman von vorn betrachten.
Ihr seht Batman normalerweise in der seit Gears of War gerne verwendeten "versetzten Schulterperspektive". Sprich: Der dunkle Rächer befindet sich am linken Bildrand und läuft auf die Mitte des Bildes zu, so könnt ihr seine stählernen Muskeln bewundern und seht gleichzeitig, was vor auch passiert. Die Kamera dürft ihr allerdings jederzeit drehen und zoomen, um auch mal eine Frontalansicht des Flattermanns samt seiner markanten Gesichtszüge zu erhaschen. Naja, zumindest jene, die nicht von der schwarzen Fledermausmaske bedeckt sind. Der Einstieg geht ganz langsam: Zunächst lauft ihr durch das Gefängnis und bekommt so die Vorgeschichte mit. Dann der erste Kampf, für den ihr eine einzige Taste benötigt. Wenn ihr sie halbwegs gut getimet drückt, legt eure Spielfigur bereits ansehnliche Kombiattacken hin. Dann lernt ihr das Kontern, dann das Ausschalten eines zu Boden gegangenen Gegners, und so weiter, dabei werden noch lange nach der Erwähnung die richtigen Tasten hilfreicherweise eingeblendet. Vorbildlich!

Und wie spielt sich Batman Arkham Asylum jetzt? Zu Beginn wie ein klassisches Action-Game: Eine stahlharte Rechte gehört zum Überlebenskampf genau so dazu wie akrobatische Fähigkeiten. Mit seiner Faust rammt Batman die bösen Buben reihenweise in den Boden. Im Duell reicht der fingerfertige Einsatz der X- und Kreistaste im Prinzip schon aus. Es geht hier nicht darum, Dutzende Schlagkombinationen wie bei einem Prügelspiel auswändig zu lernen, sondern um Timing. Blitzschnell ausweichen, den Gegner analysieren, seine Schwächen nutzen, Kombos durchdacht anwenden: Wir rammen dem Gegner die Ferse in die Brust, leiten den Ausweichflug ein und, platzieren uns elegant im Rücken des Feindes und hauen ihm dann das ausgestreckte Bein in den Rektalbereich. Und obwohl die meisten Angriffe choreografiert sind, also in schneller Abfolge über den Monitor wedeln, immer wieder in Zeitlupe gezeigt, fühlen wir uns frei in der Kampfwahl. Es geht eben nicht um plumpes Hau-drauf, sondern um eine taktische Klopperei: Wer sich einen Gegner aus der Gruppe rauspackt, im Einzelkampf schwächt und gegen die nächste Wand schmettert, der macht sich das Leben deutlich leichter. Generell sind die Kämpfe sehr offen angelegt, wer will, kann seinen Gegner beim nächsten Treppengeländer "entsorgen".


Durch clevere Tritte und Kombos kommt Batman auch gegen mehrere starke Gegner an.

Sanfter Rächer

Batman ist kein Schlächter, der mordend durch die Gänge des Arkham Asylum tigert. Rocksteady, die eigentlich niemand kennt und die bislang mit Urban Chaos 2006 gerade mal ein einziges mittelmäßiges Spiel auf den Markt gebracht haben, gilt größtes Lob: Die Briten zeigen viel Respekt für das Batman-Universum. Comic-Fans merken, das Eidos, Rocksteady, Warner. Bros und DC Comic Hand in Hand gearbeitet haben, die Charakterzeichnung ist phänomenal: Batman wird als Kämpfer für das Licht porträtiert, als Idealist, der in jedem Menschen etwas Gutes wähnt, seine Gegner am Leben lässt wann immer er kann. Wenn er in einer Zwischensequenz einen Gegner ausknockt, dieser über ein Gerüst fliegt und Batman ihn via Baterang einfängt und an die Metallstangen hängt, erinnert das unweigerlich an The Dark Knight. An jene Szene, in der sich ein rundlicher Fan ins Fledermaus-Kostüm zwängt und mit einer Schrotflinte Dealer tötet. Batman nimmt ihm die Waffe ab, verbiegt den Lauf und  schlägt die Mafiosi lediglich KO. Er ist kein Mörder, sondern ein Kämpfer mit großem Herz. Und ein Mensch, den Selbstzweifel plagen. Das fühlen wir immer wieder, mit jedem Wachmann, jeder Krankenschwester, die in Arkham Asylum stirbt, wachsen Batmans Zweifel daran, dass er der Richtige für den Job ist.

In solchen Situationen wirkt die muskelgestählte Kampfmaschine menschlich. Die exzellente englische Synchronisation unterstreicht das, Kevin Conroy spricht Batman mal mit harter, rauer Stimme, wenn er gegen den Joker ankommen muss. Und in emotionalen Momenten mit dunkler, aber gebrechlicher, verzweifelter Zunge. Die deutschen Sprecher - allen voran David Nathan, der Synchronsprecher von Christian Bale - machen zwar auch einen guten Job, der Joker wirkt  aber etwas zu harmlos. Während er in der englischen Fassung wie ein wildes Tier wirkt, gehetzt und am Leiden unschuldiger labend, wirkt er in der deutschen Fassung zu gütig. Das ist allerdings jammern auf sehr hohem Niveau, Cineasten sollten zur englischen Sprache greifen, alle anderen erfreuen sich endlich mal wieder an einer richtig guten deutschen Sprachausgabe.

Auf der Karte sind alle Ziele vermerkt, Waynetech beschreibt ferner das Rollenspielartige Upgradesystem währed Riddler’s Herausforderung Menschenleben gegen Erfolge/Trophäen (Konsole) rettet.

Oracle, bitte kommen

Im Übrigen ist der Fledermausheld nicht allein, Commisioner Gordons Tochter Barbara, alias Oracle steht ihm via Funk bei Seite. Sie dient als Führungsoffizier, lotst den Dunklen Ritter von Mission zu Mission. Zunächst muss Batman Officer Boles jagen. Er ist der Chef der Wacheinheiten, hat die Bombe ins Arkham Asylum gebracht und des Jokers Schergen eingelassen. Boles spült seine Schuld mit Alkohol hinunter und ab hier entfalten sich die Dinge, der Detektivmodus kommt erstmals zum Einsatz: Über die L1-Taste auf dem PS3-Controller respektive LB-Schultertaste, wird der sogenannte X-Ray-Mode aktiviert, im Deutschen Detektivmodus genannt. Dann verwischt das Bild, wichtige Objekte werden scharf gezeichnet, Zusatzinformationen eingeblendet. Der Detektivmodus verfügt auch über eine Scannerfunktion, die Spuren von Ethanol in der Luft als blinkende weiße Tupfer kennzeichnet. So ist es ein leichtes den besoffenen Security-Chef Boles ausfindig zu machen. Zu leicht, ein bisschen mehr Detektivarbeit hätte man uns hier schon abverlangen können. Die Ethanolfahne zieht sich derart penetrant durchs Bild, dass einem der kurze Rätselspaß vergeht. Generell sind die Rätsel ein bisschen zu leicht, doch das restliche Spielgeschehen ist an Schnelligkeit und Dramatik kaum zu übertreffen. Die Missionen pendeln immer wieder zwischen Schleichpassagen, Puzzles, Klettereinlagen, Kampf- und Fluchtszenen hin und her, Langeweile kommt praktisch nie auf.

In diesem Video seht ihr einige Standardkämpfe und einen Bosskampf, den Batman knapp gewinnt.

Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 43 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.