Test: Pulp Fiction

No More Heroes 2 Test

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Nach einmaligem Durchspielen schaltet No More Heroes 2 den Deathmatch-Modus frei, in dem ihr beständig versuchen könnt, euren bisherigen Zeit-Highscore im Kampf gegen die 15 Bossgegner zu knacken.

Die große Stärke des Spiels

Die Unberechenbarkeit und Anarchie von No More Heroes 2 ist aber eben nicht nur die große Schwäche, sondern auch die ganz große Stärke des Spiels. Wenn wir zwischen den Missionen in unserem Apartment chillen, können wir uns vor den Fernseher setzen und dort ein ausgewachsenes Shoot 'em Up zur imaginären Animeserie Bizarre Jelly spielen. Mit mehreren Charakteren und mehreren Schwierigkeitsgraden. Das ist nicht nur außerordentlich spaßig und herausfordernd, sondern wir schalten damit auch hochgradig abgefahrene Videos zu Bizarre Jelly frei, die eine einzige Parodie auf das Manga-Genre darstellen.

Dann wäre da noch unsere fette Katze Jeane, die wir mit Jojo-Übungen, ausgiebigem Kraulen und Stretch-Sessions zum Abnehmen bringen sollen. Und wenn wir das kontinuierlich tun, belohnt uns das Spiel mit einer Überraschung.

Wenn wir uns dazu entschließen, zwischen all dem Blutvergießen in das Fitnesstudio mit seinem schwulen Inhaber zu gehen, können wir dort unsere Ausdauer und Muskelkraft gegen Geld erhöhen -- müssen dazu aber erst ein Training in 8-Bit-Grafik bestehen, dass mit zunehmender Stufe zu einer echten Geduldsprobe wird.

Die ständigen popkulturellen Anspielungen, mit denen No More Heroes 2 randvoll gepackt ist, sind außerdem aller Ehren wert und haben uns kontinuierlich mindestens zum ausgiebigen Schmunzeln gebracht. Und wir geben es ja zu: Über die restlos überzogenenen Zweideutigkeiten und Finisher haben wir summa summarum öfter gegrinst, als dass sie uns zum Schimpfen über moralischen Verfall verleitet hätten.

Fazit: Hassliebe

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass No More Heroes 2 weit unter seinen technischen, aber auch spielerischen Möglichkeiten bleibt. Die misslungene Kameraführung kann sich einem Platz im Olymp der schlechten Kameraregie sicher sein und zerstört jegliche Motivation, das Spiel auf einem höheren Schwierigkeitsgrad erneut anzugehen.

Leveldesign ist zudem ein zu großes Wort für das, was uns die Levelschläuche von Santa Destroy zu bieten haben. Die Vielfalt der Standardgegner kommt dem Einfallsreichtum, der in die zahlreichen Bosse geflossen ist, nicht mal ansatzweise gleich. Und ganz ehrlich: Muss denn Travis Touchdown, in dessen Haut wir über den Großteil der Spielzeit stecken, so ein Unsympath sein? Ginge das nicht auch anders?

Wären wir mit No More Heroes 2 auf Facebook liiert, dann stünde unter dem Punkt "Beziehungsstatus" unter Garantie: "Es ist kompliziert." Wir hatten unseren Spaß damit, könnten noch jetzt immer wieder über einige der sehr gelungenen Gags lachen. Außerdem haben wir es selten einem Spiel so gern vergeben, dass es uns mit seinem Gameplay und seiner Story am laufenden Band hinters Licht führt und wir nie so recht wissen, was uns erwartet. Wenn sich Grasshopper Manufacture in einem dritten Teil also ähnlich konsequent der jetzigen Schwächen annehmen sollten, wie sie im zweiten Teil die Open-World-Fehler des Erstlings korrigiert haben, dann könnte uns ein nicht nur völlig wahnwitziges, sondern auch endlich gut spielbares Spiel erwarten. Aber das ist Zukunftsmusik. Zu No More Heroes 2 können wir nur sagen: Wir lieben es. Wir hassen es. Wir empfehlen es. Wir empfehlen es doch nicht. Ach: Die Musik ist uneingeschränkt toll.

Autor: Philipp Spilker (GamersGlobal)


Einstieg/Bedienung Tutorial-Kampf Nimmt sich schon zu Beginn nicht selbst ernst Bedienung wahlweise mit Remote + Nunchuk oder mit Classic Controller  Einige Tasten sind sehr ungünstig belegt 
Spieltiefe/Balance Bossgegner erfordern taktisches Vorgehen Shoppingmöglichkeit (Kleidung, Waffen) Spiel im Spiel: Bizarre Jelly  Leichter Schwierigkeitsgrad ist mittelschwer, der schwere nahezu unschaffbar
Grafik/Technik Detaillierte Charaktermodelle Undetaillierte Levelschläuche
Absolut katastrophale Kameraführung Wirklich, glaubt es uns: Die Kamera ist katastrophal schlecht
Sound/Sprache Sehr gute englische Sprachausgabe Gute deutsche Untertitel Uneingeschränkt guter und abwechslungsreicher Soundtrack 
Singleplayer 15 Bossgegner Protagonisten durchbrechen konstant die "vierte Wand" und sprechen den Spieler direkt an Gewollt banale Story 8 Nebenmissionen im 8-Bit-Stil...  ... die bald langweilig werden  Öde Levelschläuche Gegner aus dem Klonlabor
Wiederspielwert nahe Null Äußerst repetitive Missionsstruktur
Multiplayer Nicht vorhanden
Philipp Spilker 7. Juni 2010 - 22:06 — vor 13 Jahren aktualisiert
Alanar 14 Komm-Experte - 1982 - 7. Juni 2010 - 22:43 #

Sehr schöner und durchweg gelungener Testbericht! Erfasst auch schön die zahlreichen Mängel des Spiels, die es immer wieder auf's neue schwer machen, Titel aus dem Hause Grasshopper Manufacture zu lieben.

Wobei, was mache ich mir da vor. Mir persönlich hat "No More Heroes 2" hervorragend gefallen und es zählt trotz seiner Probleme schon mal definitiv zu meinen persönlichen Spielen des Jahres 2010. Charlie MacDonald allein ist die Erfahrung wert. Die ganzen anderen Bosse sind noch das Sahnehäubchen, der durchgedrehte Humor die Kirsche auf der Torte.

Was den Schwierigkeitsgrad und das Katana-Laden betrifft: Damit hatte ich selbst eigentlich nicht so große Schwierigkeiten. Süß empfand ich als viel zu anspruchslos (vor allem die Bosskämpfe) und in einen Batterienotstand bin ich dank häufigem Darkside-Einsatz (wo als Bonus stets die Batterie voll aufgeladen wird) bis auf ein einziges Mal nie gekommen. Also auf Süß und Mild. Bitter muss ich mir demnächst noch mal antun. Dann wiederum ist das auch nur mein Empfinden und ich bin eigentlich kein wirklich guter Maßstab für sowas.^^"

*nitpick mode on* Aber noch ein kleiner, eigentlich alles andere als bedeutender Detailfehler, die mir beim Lesen aufgefallen ist: Die Dame auf dem untersten Screenshot auf Seite 3 heißt Shinobu Jacobs, nicht Shinobi - wobei man das durchaus schon mal verwechseln kann. *nitpick mode off*

Philipp Spilker 21 AAA-Gamer - P - 25137 - 7. Juni 2010 - 22:57 #

Shinobu IST aber auch ein komischer Name. Danke für den Hinweis. Und freut mich, dass dir der Testbericht so zusagt. Charlie MacDonald wird auch im Testvideo noch eine große Rolle spielen - wie sollte es anders sein, er ist ja wirklich ein Paradebeispiel.

Zum Schwierigkeitsgrad: Natürlich ist "Mild" machbar. Und es geht völlig gegen meine Angewohnheit, in Spielen den leichtesten Schwierigkeitsgrad zu wählen. Normalerweise gehe ich inzwischen alle Spiele auf "Schwer" an. Aber bei so ziemlich jedem meiner Tode auf "Mild" hatte ich das Gefühl, dass das jetzt nicht wirklich mein Fehler war, sondern Fehler des Spiels. Und bevor ich mich damit weiter rumärgere, wähle ich doch lieber "Süß" und mache mir das Spiel nicht zusätzlich zu den eh vorhandenen Aufregern selbst zur Hölle.

Aber Junge, glaub mir: "Bitter?" Das willst du einfach nicht. Wirklich nicht. ;)

Anonymous2.0 (unregistriert) 7. Juni 2010 - 22:51 #

Super, danke, dass ihr noch nen Test nachgeschoben habt:) Eure Kritik kann ich voll nachvollziehen auch wenn das Spiel, trotz schlechter Kamera etwas an Charm verliert, rangiert es doch unter meinen absoluten Favoriten. Leider muss ich aber sagen, dass der erste Teil, trotz schlechterer Grafik und Open World besser war. Das liegt vorallem an der Story und daran dass es irgendwie noch anarchistischer war. (Wort passt jetzt nicht so ganz, wisst aber was ich meine) Trozdem auch Teil 2 ist super und ich kann jedem empfehlen ihn zumindest einmal anzuspielen, wenn nicht sogar zu kaufen. Wenn ihr den ersten noch nicht kennt nehmt ihn gleich für 17€ dazu und lasst euch nicht von der Grafik bzw den Minigames abschrecken. Suda 51 ist und bleibt einfach der Tarantino der Spielebranche, ich freu mich schon auf sein nächstes Projekt!

Faerwynn 20 Gold-Gamer - P - 20316 - 7. Juni 2010 - 23:45 #

"Ihr werdet es abgrundtief hassen, aber zwischendrin auch immer mal wieder lieben."

Das ist es, was ich an Tests nicht mag, dass sie den Anspruch erheben den Geschmack eines jeden zu treffen. ;) Ich habe schon mit vielen Spielen, die nicht so gut bewertet wurden mehr Spaß gehabt als mit manchen super bewerteten "Hits". Momentan mit Lost Planet 2, was hier auch nicht gut bewertet wurde, aber mich länger fesselt als Assassin's Creed oder Anno... Spiele sind halt Geschmackssache. Und ich finde NMH 2 einfach durch seine Abgefahrenheit millionenmal toller als das x. Call of Duty.

Philipp Spilker 21 AAA-Gamer - P - 25137 - 8. Juni 2010 - 11:52 #

Wir versuchen mit diesem Test, den Geschmack eines jeden zu treffen? Nö, da muss ich widersprechen. Aber wir wollen eine gute Kaufberatung bieten. Und da ist es dann nun einmal so, dass wir die großen Macken nicht unter den Tisch kehren können. Außerdem: Haben wir denn NMH2 und LP2 wirklich schlecht bewertet? I don't think so. 7.0 ist schließlich immer noch das obere Drittel einer nach unten hin noch weit offenen Wertungsskala. Nur hat sich in den letzten Jahren irgendwie die Meinung verbreitet, dass unter 8.0 Spiele schon nichts mehr taugen. Was ein großer Trugschluß ist, wie du ja auch selber sagst.

Eins meiner absoluten Lieblingsadventures ist Syberia. Das wurde nach Erscheinen von den meisten Magazinen ziemlich abgestraft, aber für mich gehört es dennoch zu den All-Time-Greats. Das ging sicher jedem schon mal so - aber nochmals: Was das damit zu tun haben soll, dass wir es allen recht machen wollen, musst du mir mal erklären. :)

General_Kolenga 15 Kenner - 2869 - 8. Juni 2010 - 0:03 #

Schöner Test, muss man sich eine Anschaffung wohl mal überlegen, aber zuerst kommt auf jeden Fall Red Steel 2!

PS: "Sämtliche Reisen finden nur noch anhand dner Weltkarte statt"
Da hat sich wohl ein 'n' eingeschlichen ;)

Ganon 27 Spiele-Experte - - 84074 - 8. Juni 2010 - 11:38 #

Der Test liest sich sehr gut. NMH2 hab ich noch nicht gespielt, aber die Erfahrungen mit Teil 1 waren ähnlich wie das hier Beschriebene. Der Open-World-Teil mit den spaßfreien Nebenjobs war wirklich die große Schwäöche des ersten Teils, die Bosskämpfe das Highlight. Obwohl die teilweise auch ziemlich frustrierend waren. Trotzdem cool, dass es diesmal mehr Endgegner gibt. Kritik an den Zwischensequenzen erübrigt sich eh. Wäre NMH nicht so abgefahren, übertrieben schräg und völlig sinnlos, wäre es ein ganz anderes (und schlechteres) Spiel. Und wenn Travis' Charakter es verlangt, ständig primäre Merkmale des weiblichen Körpers zu fokussieren, dann muss das eben so sein. :D

GonFreaks1988 (unregistriert) 8. Juni 2010 - 13:41 #

Ich hab es gerade erst Teil 1 durchgespielt und muss sagen, dass ich Teil 2 auf jeden Fall spielen werde. Ich finde Teil 1 war einfach cool, auch wenn ich mich manchmal zwingen musste weiterzuspielen, weil mich die Nebenmissionen und Minispielchen gestört haben. Aber die Bosse waren richtig gut.
Aber das Spiel hat sich auch nicht so ernst genommen. Zum Beispiel beim letzten Endgegner als das Spiel eine Videosequenz "vorspult", da das, was die Gegnerin sagt, die "Altersbeschränkung höher setzen würde". Einfach nur geil , da musste ich richtig doll lachen.
Wenn NMH 2 genau den gleichen Humor hat und die Bosskämpfe immer noch so cool ist, werde ich das auf jeden Fall spielen.
Bei den Minispielen interessiere ich mich vor allem für das Manga- Mädchen- Spiel.
Ich werde es mir bald zulegen. Genauso wie Killer 7 auch noch gekauft wird.

Sven 18 Doppel-Voter - 9221 - 8. Juni 2010 - 14:48 #

"No More Heroes 2 ist nicht planbar, nicht durchschaubar und wir wissen auch nach dem Durchspielen noch nicht wirklich, was das alles soll."

Der Test und auch das Video ist eine ziemlich akkurate Beschreibung dessen, was auf dem Bildschirm zu sehen ist - dafür ein großes Lob!

Schade aber, dass gerade der kulturelle Aspekt des Spiels nicht zum Tragen kommt: No More Heroes 2 bestreitet einen ganz schmalen Grad zwischen Verballhornung und Hommage der Otaku-Szene. Ganz grob: Ein Otaku ist ein japanischer Nerd, vorrangig interessiert in Manga, Anime und natürlich Videospiele. Im Gegensatz zum europäischen Pendant lebt die Szene allerdings von ihren teils völlig überdrehten Mitgliedern - eben solchen, die wie Travis überproportionierte Frauen auf dem T-Shirt tragen und dir das Ohr mit ihren imaginären, stets spektakulären Heldentaten blutig quatschen. So erfüllt auch die Gewalt im Spiel keinen Selbstzweck, sondern dient eher dazu, die Story so abstrakt wirken zu lassen, wie es die Erzählungen der Okatu sind. Haut mal Gerjet an - der dürfte dazu sicherlich noch mehr wissen. :-)

Die eigentliche Ironie an der Sache ist aber, dass das Spiel (zumindest noch) nicht in Japan selbst erschienen ist.

Philipp Spilker 21 AAA-Gamer - P - 25137 - 8. Juni 2010 - 15:04 #

So verwunderlich ist das gar nicht, wenn man bedenkt, wie schlecht sich der erste Teil damals in Japan verkauft hat. Was den kulturellen Aspekt Otaku-Szene angeht: ich habe ihn ganz bewusst aus dem Test herausgelassen. Aufgabe des Artikels sollte es ja schließlich nicht sein, die japanische Nerd-Kultur zu beschreiben. Aber du hast völlig recht: No More Heroes 2 parodiert da schon äußerst gezielt und vor allem von Anfang an "volles Brett".

Freut mich, dass dir Test und Video zusagen. Und schönen Dank auch für die Otaku-Erläuterungen - für einige Mitleser ist das Thema ja vielleicht noch ganz neu.

Henke 15 Kenner - 3636 - 22. Juli 2010 - 0:27 #

Vielen Dank, lieber Philipp,

ich fand Deinen Test sehr gut geschrieben und äußerst informativ, sowohl Pro als auch Contra Travis wurden mehr als großzügig behandelt und auch dem Fazit am Schluß bleibt nichts mehr hinzuzufügen.

Bisher war die Wii von Nintendo ja eher als kinderfreundlich verschrien und Spiele für Erwachsene dann doch eher Mangelware! Das und der Umstand, nur bei zugezogenen Gardinen vor einem (immer zu kleinem) Fernseher den Hampelmann zu geben, haben mich bisher davon abgehalten, mein sauer Erspartes für eine Wii auszugeben... No more Heroes 2 wird daran wohl auch (noch) nichts ändern, doch es erscheint mir wie ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, nämlich die Wii auch interessant zu machen für ältere Semester.

Sollten also ein paar Spiele mehr herauskommen, die eine ähnliche Richtung einschlagen, so werde ich mir Nintendos Verkaufsschlager wohl doch noch in die Stube stellen...

Philipp Spilker 21 AAA-Gamer - P - 25137 - 22. Juli 2010 - 13:12 #

Henke, was die Entwicklung in Sachen "Erwachsenenmarkt" angeht, hat sich aber auch schon vor No More Heroes Einiges getan. So ist beispielsweise Dead Space: Extraction ein schlicht großartiges Spiel, dass den Brüdern auf der großen Konsole in nichts nachsteht. Und es hat nicht so viele Macken wie dies leider bei NMH2 der Fall ist. Und das ist nur ein Beispiel.