Test: Angriff der Kollektoren

Mass Effect 2 Test

Mass Effect wurde besonders für seine Geschichte, seine Charaktere und die gelungene Atmosphäre gelobt. Spielerische Mängel wie eintönige Nebenmissionen fielen da nicht großartig ins Gewicht. Für Teil 2 versprach Bioware die Beseitigung der Kritikpunkte und den Ausbau der bekannten Stärken. Wir haben das Universum erneut gerettet.
Christoph Licht 26. Januar 2010 - 1:03 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Das Leben eines Helden ist kein einfaches. Entweder er stirbt bei einer seiner Heldentaten und geht ein in die Geschichtsbücher. Oder er überlebt und muss mit ansehen, wie er bereits nach kurzer Zeit in Vergessenheit gerät. Dieses Schicksal trifft Commander Shepard. Da hat er den Angriff der Sovereign auf das Zentrum der galaktischen Zivilisationen, die Citadel, vereitelt, den Turianer Saren besiegt und das gesamte Universum vor den Reapern gerettet – und ist nun dazu verdammt, das abgelegene Terminus-System nach Anzeichen der Borg-ähnlichen Geth zu durchpflügen. Und das, obwohl die Bedrohung durch die Reaper weiterhin besteht. Der Galaktische Rat, durch die Ereignisse in Teil 1 von den Menschen kontrolliert, will davon jedoch nichts wissen. So kommt es, wie es kommen muss: Ein neuer Feind betritt unvermittelt die Bühne, entführt Hunderttausende von Menschen aus mehreren Kolonien und vernichtet im Vorbeifliegen Shepards Schiff, die Normandy. Das Verschwinden der Kolonisten wird vom Rat kurzerhand den Geth in die Schuhe geschoben und Shepard für tot erklärt. Das Ende der Geschichte?
 
Wir vergleichen im kommentierten Video Xbox- und PC-Version direkt (und meist synchron) miteinander. Außerdem hört ihr auf dem linken Audiokanal die deutsche Synchronisation und auf dem rechten das englische Original.
 
Was bei vielen Spielen für ein spannendes Ende sorgen würde, ist bei Mass Effect 2 gerade mal der Anfang, bevor ihr richtig zu spielen beginnt. Den Angriff des Feindschiffs, die Zerstörung eures Vorzeige-Kreuzers, euer eigenes Ende im All, all das erlebt ihr (teilweise spielbar) in den ersten 10 Intro-Minuten mit. Doch ausgerechnet das rechte Terrornetzwerk Cerberus, in Mass Effect 1 noch Ziel einiger eurer Missionen, investiert Unsummen, um Shepard wieder zurück ins Leben zu holen. Denn nur dieser, so glaubt Cerberus-Boss „Der Unbekannte“ („The Illusive Man“ im Original), kann das Geheimnis um die verschwundenen Kolonisten lösen, den wahren Feind finden und vernichten und so das Überleben der Menschheit garantieren. 
 
Der Mann, der im Hintergrund die Fäden zieht, sieht frappierend wie Martin Sheen aus, raucht aber wesentlich mehr.
 
Für ME1-Veteranen und Neueinsteiger
 
Doch Shepard kann die Aufgabe nicht allein bewältigen. In klassischer "Das dreckige Dutzend"-Manier (oder, etwas neuzeitlicher, wie bei Ocean's 11/12/13) müsst ihr erstmal euer Team zusammenstellen, für das euch Cerberus konkrete Vorgaben macht. Eure alten Teamkollegen spielen nur noch teilweise eine Rolle – eine etwas irritierende Designentscheidung, die vermutlich mit den Freiheiten zu tun hat, die euch Bioware in Teil 1 gelassen hat: Nicht jeder der dort auftretenden Teamkameraden hat unter Umständen das Finale erlebt. Und wieso Dialoge für einen NPC aufnehmen, der bei 50 Prozent der Spieler womöglich gestorben ist? Auch sonst gibt es ein gutes Dutzend größerer Entscheidungen aus Teil 1 (und viele kleine), die spürbare Auswirkungen auf Teil 2 haben. Eine großartige Sache, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat im Rollenspielsektor – früher war es maximal üblich, Charaktere von einem Teil in den nächsten zu transferieren.
Was aber, wenn ihr Mass Effect 1 gar nicht gespielt habt? Kein Problem. Dann nimmt das Spiel einfach eine bestimmte Vergangenheit als gegeben an – durch die Vorgeschichte des zweiten Teils fangt ihr eh danach an, eure Klasse und euer Aussehen neu zu bestimmen. Und zwar auch dann, wenn ihr einen Spielstand importiert habt. Die Rahmenhandlung von Teil 1 wird euch in wenigen Textzeilen gleich zu Beginn zusammengefasst, und durch Unterhaltungen und vor allem Kodexeinträge im spielinternen Lexikon könnt ihr euer Wissen auffrischen. Ihr trefft zwar ab und zu auf Charaktere, die euch kennen, und natürlich werden diese Begegnungen nicht denselben Effekt auf euch als Spieler haben, als wenn ihr sie wirklich schon kennen würdet. Aber ihr bekommt durch die Dialoge schnell mit, dass es alte Bekannte sind, und könnt die Geschichte dennoch genießen. Anders als in vielen Romanserien habt ihr definitiv nicht das Gefühl, ständig nicht durchzublicken, weil ihr den Vorgänger nicht kennt. Trotzdem ist das Spielvergnügen für Leute, die Mass Effect 1 gespielt haben, eine Idee größer.
Ob als Mass-Effect-Veteran oder als Neu-Einsteiger: Ihr werdet den Großteil der rund 30 Stunden Spielzeit damit verbringen, ein neues Team zusammenzustellen. Erst im letzten Spielviertel kommt die Rahmenhandlung richtig in Fahrt und liefert euch sehr spannende Stunden – aber leider nur ein mäßiges Finale, zumindest im direkten Vergleich zum Showdown in Teil 1.
Ein kleine Tour der Normandy SR-2
Die neue Normandy ist groß und bietet viele Stationen auf vier Decks. Einige der wichtigsten: 1 Das Cockpit ist die Heimat von Joker und der Künstlichen Intelligenz EDI. Sie sind nicht gerade Freunde. 2 Im Ladebildschirm sehen wir, wie wir den Aufzug in der Normandy hoch und runter fahren. 3 Euer Reich: die Kapitänskajüte. Mit der Zeit wird sie sich mit Souvenirs füllen – wenn ihr die dazu nötigen Credits investiert. 4 Der Aufenthaltsraum des Schiffs. Der Durchgang im Hintergrund beherbergt die Rettungskapseln. 5 Auf der Krankenstation erwartet euch eine alte Bekannte. 6 Wir posieren vor dem Computerkern der Normandy SR-2.

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