Test: Siedeln Deluxe

Anno 1404 Test

Ein Kaiser, sein Vetter, ein Großwesir und ein Kardinal sitzen auf einer Insel. Sagt der eine zum anderen – Stopp! Hier beginnt kein Witz, sondern die Story der wohl beliebtesten Aufbauspiel-Serie der Welt. In unserem Angetestet-Artikel waren wir noch bei mehreren Punkten skeptisch, lest nun den Test der Verkaufsversion.
Tim Gross 23. Juni 2009 - 20:19 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Als Oberhaupt einer glorreichen Stadt sieht man den Untertanen beim Arbeiten zu, trinkt selbst (je nach Alter und Präferenz) ein Fläschchen Cola oder ein Gläschen Rotwein, entspannt sich, freut sich seines geruhsamen Lebens. Pustekuchen! In Wirklichkeit ist Ausruhen das Letzte, was sich ein Aufbaustratege leisten kann. Wir müssen uns um die Obdachlosen kümmern und unseren Bürgern Biernachschub liefern. Nebenan beschweren sich die Patrizier, wie unsicher unsere Insel sei, und unser Freund, Großwesir Al Zahir, wartet bereits mit einem neuen Auftrag. Ruhe ist nicht, es gibt viel zu tun – Willkommen bei Anno 1404!



Ein kleiner Rundflug über unsere noch ausbauwürdige Stadt.

Anno bleibt Anno

Anno 1404 konzentriert sich wie seine Vorgänger ganz auf den Aufbau blühender Siedlungen dank feinzisilierter Produktionsabläufe, obwohl es auch hier wieder einen kleinen Militärpart gibt. Ihr besiedelt eine Insel und gründet ein kleines Dörfchen, das ihr dann nach und nach zu einer Metropole ausbaut. Das geht natürlich nicht von jetzt auf gleich, euer Vorgehen sollte wohldurchdacht sein. Um eine Großstadt aus dem Boden zu stampfen, benötigt ihr natürlich Einwohner, die erstens gerne auf eurer Insel verweilen, und zweitens brav Steuern zahlen. Letztere könnt ihr in vier Stufen für jede soziale Klasse eurer Stadt anpassen, aber Achtung: Je höher die Steuern, desto unglücklicher sind natürlich die Zahlenden, und wenn sich eure Untertanen nicht wohl fühlen, ziehen sie kurzerhand wieder aus. Zu diesem ewigen Kreislauf aus gesellschaftlichem Aufstieg eurer Untertanen und blitzartig steigenden Bedürfnissen kommen wir gleich noch genauer.

Wenn Neulinge in eine Spieleserie einsteigen, die recht komplex ist, dann können sie normalerweise auf ein Tutorial zurückgreifen. Im Hauptmenü von Anno 1404 ist davon aber weit und breit nichts zu sehen. Was soll’s, irgendwo müssen wir ja anfangen, und so starten wir die Kampagne. Zwar lässt sich hier ein Schwierigkeitsgrad wählen, dieser verändert aber lediglich die Startbedingungen, sprich wie viele Waren und Gold ihr anfangs euer Eigen nennt. Die Hintergrundgeschichte wird in animierten Standbildern von einem guten Erzähler erläutert, im Spiel selbst gibt es aber auch Cutscenes in Spielgrafik. Jetzt geht es aber erstmal los, und siehe da, es gibt doch ein Tutorial. Je nach Betrachtungswinkel kann man sogar die komplette Kampagne (ausschließlich der letzten Mission) als sehr gut gemachte Einführung betrachten, denn hier werden alle spielrelevanten Dinge erklärt. Da wir noch ganz am Anfang unserer Karriere stehen, ist der Beginn zaghaft, und so bauen wir zunächst lediglich ein paar Wohnhäuser, eine Holzfällerhütte und eine Fischerhütte, damit unsere ersten Einwohner was zu Beißen haben.

Der Beginn der Kampagne sieht so aus: Als erstes bekommt ihr (oben links zu sehen) eine echte Metropole vor die Nase gehalten. Dann werdet ihr direkt auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wenn ihr beginnt, eure eigene kleine Stadt zu bauen (rechtsoben, linksunten). Aber auch ein Städtchen sieht in der Postkartenansicht (rechtsunten) wunderschön aus.

Unser Berater Richard Northburgh trägt uns auf, eine florierende Wirtschaft aufzubauen und uns um die Einwohner zu kümmern. Hauptsächlich geht es Herrn Northburgh aber um Rohstoffe wie Holz und Werkzeug, die er für seinen Dombau benötigt. Die Hauptmission, nämlich die Anhäufung der benötigten Ressourcen, wird aber ständig durch kleinere Nebenaufträge leicht ins Abseits gedrängt, was auch im späteren Spielverlauf immer wieder passiert. Und das ist auch gut so, denn neben dem üblichen Aufbauen einer Siedlung gibt es immer, wirklich immer etwas zu tun. So sollt ihr mal Waren verschiffen, Ritter rekrutieren (die ihr tatsächlich in eurer eigenen Stadt sucht und einfach anklickt), Riffe kartographieren, Kisten suchen, aber auch einen Gefangenen aus einer Assassinenfestug befreien. Zwar bedienen sich viele Nebenmissionen dem alten Schema, nämlich hin- und herfahren, sie sind aber mehr als pure Fleißarbeit. Dafür sind die Aufträge nämlich viel zu motivierend, schließlich gibt es immer eine Belohnung. Und so vergeht Stunde um Stunde, ohne dass ihr bemerkt, wie viel Zeit ihr bereits investiert habt.

Motivierende Story


Sollten die Missionen mal nicht genug sein, dann motiviert euch die Story zum Weiterspielen. Diese gewinnt zwar keinen Innovationspreis, hält aber durchgehend bei der Stange. Der Kaiser ist erkrankt und ihr sollt dem fiesen Kardinal Lucius bei den Vorbereitungen zu einem  Kreuzzug helfen. Aber schon bald deckt ihr eine Verschwörung auf, schlagt euch auf die Gegenseite und erlebt im Verlauf der Kampagne jede Menge Abenteuer. Neben dem Aufbauen von Städten gilt es dann auch Schiffskämpfe zu führen, eure Stadt zu verteidigen oder ein Heilmittel samt benötigter Zutaten zu finden.

Die Missionen sind anfangs noch sehr leicht, da die Kampagne gleichzeitig als Tutorial herhält, sie werden aber besonders im letzten Spielviertel deutlich schwerer. Und hier findet sich eines der wenigen Probleme von Anno 1404: Profis werden zu Beginn total unterfordert, während Neueinsteiger oder Genrefremde an den letzten Missionen scheitern könnten. Wir sagen „könnten“, weil es auch hier noch genug Hilfe und Hinweise gibt, was die Kampagne für jeden lösbar machen sollte. Der Wiederspielwert hält sich aufgrund der strengen Linearität in Grenzen. Ein Beispiel: Manche Missionen finden auf den gleichen Inseln statt, ihr dürft eure alte Siedlung aber nicht mit in das nächste Kapitel nehmen, sondern müsst auf eine vorgefertigte Stadt zurückgreifen.

Hier seht ihr das erste Erzählerintro von Anno 1404. Der gleiche Stil wird für alle Missionen als Einleitung genutzt.

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