Test: Multiplayer & Solo

Homefront Test

Glaubt man den Entwicklern von Homefront, dann sieht es für die USA im Jahre 2027 gar nicht gut aus: Ein vereintes Korea überrennt erst China und dann die ehemalige Supermacht und besetzt den Kontinent. Wir haben uns dem Widerstand angeschlossen und stellen uns gegen die Invasoren – ob das Spaß macht, verrät euch unser Test.
GG-Redaktion 15. März 2011 - 1:07 — vor 3 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.

First15: Die ersten 15 Spielminuten von Homefront könnt ihr euch in unserem First15-Video anschauen.

"Was wäre, wenn…?" Diese Frage haben sich offensichtlich auch die Entwickler der Kaos Studios gestellt und für den Shooter Homefront ein wirklich unverbrauchtes Szenario entworfen: Anders als in Shooter-Größen wie Call of Duty - Modern Warfare 2, Medal of Honor oder auch ArmA 2: Operation Arrowhead muss diesmal kein realitätsnaher Nahost-Konflikt als Inspirationsgrundlage herhalten. Auch der schon so oft gesehene Zweite Weltkrieg ist als Thema tabu. Stattdessen prophezeien die Entwickler den USA eine wenig rosige Zukunft: Im Jahre 2027 werden, nach einer Kette von Unglücksfällen und gezielten Attacken auf ihre Kommunikationssysteme, die Vereinigten Staaten von einer neuen Supermacht überrannt: dem inzwischen zwangsweise vereinten und zur Großmacht avancierten Korea. Wie einige Levels in beispielsweise Modern Warfare 2 findet Homefront -- aber eben das gesamte Spiel über -- nicht nur vor der Haustür der heutigen Supermacht statt, sondern im Inneren, im Garten, auf den Straßen.

Ein, selbstverständlich nur im Kontext eines harmlosen Spiels, reizvoller Kniff, mit dem THQ auch offensiv Werbung machte: Während der kürzlich in San Francisco veranstalteten Game Developers Conference waren zahlreiche Bushaltestellen mit Homefront-Plakaten bestückt ("Home is where War is"), eine Werbeaktion mit Hunderten roter Luftballons in der San Francisco Bay sorgte für lokales Kopfschütteln. San Francisco ist zufälligerweise auch der Ort, an dem Homefront sein Finale zelebriert...

Wir stellen euch in diesem Test zuerst die Solo-Kampagne ausführlich vor, danach widmen wir uns dem Multiplayer-Modus samt seinen Vehikeln und der Neuerung "Battle-Commander".

In Lagern zusammengepfercht und in dünnen Wellblechhütten untergebracht: die amerikanische Bevölkerung 2027.

Amerikas Untergang



Homefront setzt die Installation und Benutzung von Valves Online-Vertriebsplattform Steam voraus. Die Seriennummer des Spiels wird mit eurem Steam-Konto verknüpft, ein Weiterverkauf des Programms ist daher nicht möglich.
Wir schreiben das Jahr 2027. Es ist ein weiterer trostloser Morgen in einem trostlosen Land. Wir schauen aus unserem Fester hinaus auf die Straße, doch Menschen sind draußen nicht zu sehen. Stattdessen erblicken wir Autowracks, zerbombte Häuser und Krater in der Straße -- Amerika liegt in Trümmern, ein apokalyptisches Szenario.

Wie es dazu gekommen ist, erfahren wir im sehr stimmungsvollen Intro von Homefront, das uns in seiner Machart ein wenig an eine Mischung aus den Einleitungen von Call of Duty - Modern Warfare 2 und Operation Flashpoint - Dragon Rising erinnert: Nordkorea erobert in einem blutigen Kampf unter dem Diktator Kim Jong-un Südkorea und weite Teile des asiatischen Raumes. Derart geeint und mit Atomwaffen ausgestattet, kennen die fiesen Asiaten nur ein logisches Ziel auf ihrem Weg zur Weltherrschaft: Amerika. Trotz seiner technologischen Vorherrschaft sind die USA den Truppenmassen unter Kim Jong-un nicht gewachsen, da die deren Kommunikationsmittel mit satellitengestützten EMP-Bomben ausgeschaltet haben. Die einst so übermächtigen US-Streitkräfte müssen, nach einem langen und erbarmungslosen Kampf, schließlich kapitulieren.

Zu Beginn des Spiels werden wir deportiert. Während unserer Fahrt können wir beobachten, wie am Straßenrand weitere Zivilisten zum Abtransport versammelt werden.

Drastische Gewaltdarstellung: Ein Spiel für Erwachsene

Als wir an jenem Morgen im Jahre 2027 erwachen, klopft es energisch an unserer Tür. Gerade als wir sie öffnen wollen, wird sie auch schon eingetreten: Ein wenig freundlicher Trupp koreanischer Soldaten packt uns und zerrt uns raus auf die Straße. Wir werden in einen Bus verfrachtet und abtransportiert -- wohin, das wissen wir nicht sicher, aber Gerüchten zufolge werden Amerikaner in Ghettos deportiert, wo sie unter koreanischer "Obhut" leben. Auf unserer Fahrt ins Ungewisse müssen wir mitansehen, was mit denen passiert, die zu schwach waren, um abtransportiert zu werden: Da stehen Zivilisten am Straßenrand, bekommen Tüten über den Kopf gestülpt und werden erschossen. Manche wehren sich noch einmal gegen die Besatzer, jedoch erfolglos.

Homefront schreckt nicht vor fragwürdiger Gewaltdarstellung zurück. Als besonders grenzwertig empfinden wir eine Szene, in der koreanische Soldaten eine Familie mit Kind an eine Mauer drängen: Die Eltern werden gleich darauf erschlossen, das Kind hingegen bleibt verschont. Wir können dann beobachten, wie sich der Sprössling weinend über die toten Körper seiner Eltern beugt und die Soldaten unbekümmert weggehen. Ob es derartiger Szenen wirklich bedarf, um eine Chaos- und Weltuntergangsstimmung zu transportieren, möchten wir bezweifeln. Stattdessen steht zu befürchten, dass solche Gewaltexzesse in Computerspielen womöglich ihre Auftritte in einschlägigen Medienberichten haben werden und dort sicherlich nicht als Positivbeispiel für gelungene Unterhaltung wegkommen werden.

Eltern tot, Kind weint. Homefront geizt nicht mit fragwürdigen und in unseren Augen unnötig brutalen Szenen.
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