Test: Gears of War auf Speed

Vanquish Test

Der indirekte Nachfolger von Bayonetta ist da, das jüngste Baby von Resident-Evil-Schöpfer Shinji Mikami: Vanquish! Dieser Shooter ist zeitweise so schnell, dass er sogar auf deutschen Autobahnen den Führerschein abgeben müsste, würde er einen Blitzer passieren. Ob die Gleichung rasant = genial aufgeht, erfahrt ihr im Test.
Harald Fränkel 25. Oktober 2010 - 22:03 — vor 9 Jahren aktualisiert
360 PS3
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Anmerkung: Aus technischen Gründen verwenden wir in diesem Artikel -- entgegen unserer Gewohnheit -- keine selbstgemachten, sondern Hersteller-Screenshots.

Manchmal sagt ein Wort mehr als 1.000 Bilder: Vanquish heißt besiegen, bezwingen, überwinden – und kaum ein anderer Begriff könnte die Essenz dieses Shooters besser beschreiben. V-a-n-q-u-i-s-h ist ein Spieletitel, der präziser als ein Scharfschützengewehr des Pudels Kern trifft. Ihr werdet vernichten, niederringen, kaltstellen, zerstören, abservieren. Feind um Feind um Feind, schnell, schneller und immer schneller. Denn Vanquish rückt Feuergefechte in den Mittelpunkt, in denen es Ästhetik und Rasanz paart, als würde man klassisches Ballett mit Gitarrensoli der Power-Metal-Band Dragonforce befeuern. Dabei bitten ganze Heerscharen von schießwütigen Robotern zum Tanz. Vorhang auf also zum ersten Akt!

Sam Gideon hat die Düsen an seinen Stiefeln gezündet und schlittert auf den Knien einem größeren Roboter entgegen, der im späteren Verlauf des Spiels zu den Standardgegnern zählt. 

David und Goliath

Unsere Reise hat erst vor Minuten begonnen, und schon erhebt sich ein haushoher Koloss aus Metall vor Sam Gideon, dem wir über die Schulter blicken. Kurz vorher ist unser Held sehr knapp den Myriaden von Projektilen entronnen, von denen jedes einzelne einen Schweif aus feinem Rauch hinter sich her zog. Die Stahlmantelgeschosse hatten ein faszinierendes, beinahe gefährlich hypnotisches Muster in die Luft skizziert und sich hungrigen Hornissen gleich auf den Soldaten und seine Kameraden gestürzt. Nun steht unser David direkt vor Goliath, das Spiel startet eine automatisch laufende Sequenz, der linke Arm des Riesen kracht herunter.

Auf diesem Bild verpassen wir dem Feind einen satten Sprungkick. Es gibt unterschiedliche Nahkampfanimationen – je nachdem, welche Waffe ihr gerade aktiviert habt. 


Mit einem seitlichen Hechtsprung entgeht unser armseliger Wurm dem Hieb, um sofort den Gegenangriff zu starten: Er sprintet behände an dem Ungetüm nach oben und gelangt auf dessen Schulter. Wir erkennen nicht, ob unser Schützling, der eine futuristische Rüstung trägt, vom Nacken des Giganten springt oder einfach hochgeschleudert wird, jedenfalls fällt er ihm Sekundenbruchteile später aus großer Höhe kopfunter entgegen. Ein mannsgroßes Geschoss entschlüpft dem Feuer speienden Kanonenarm des Monstrums, willens, den lästigen Floh zu zerquetschen.

Der plötzlich eingeblendete Analogstick fordert unsere Reaktion, schnell beschreibt der rechte Daumen Kreisbewegungen, und das Alter Ego windet sich im Fallen entsprechend um das Projektil herum. Das geschieht ein zweites Mal, beim dritten Geschoss packt unser Krieger zu, umklammert die Rakete wie ein liebestoller Frosch und bringt sie so zum Kippen. Mit einem letzten Ruck stopft er sie umgedreht in die Öffnung zurück, aus der sie gekommen war. Es folgt eine Explosion, der mächtige Arm des „KNRW0“ ist Vergangenheit. Doch der Kampf gegen diesen Titanen ist längst noch nicht beendet... 

Tödliche Mikrowelle

Ihr wünscht euch spielerischen Variationsreichtum, eine originelle Hintergrundgeschichte, glaubwürdige Charaktere und offene, optisch abwechslungsreiche Levels? Gut, dann sucht euch einen anderen Shooter! Vanquish ist in erster Linie bäm, bäm bäm – das aber auf ungemein fetzige Art. In unserem Angetestet hatten wir vor rund acht Wochen noch das  Besondere gesucht, fast schon verzweifelt nach dem Außergewöhnlichen geforscht. Jetzt, nach allen fünf Akten zelebrierter Zerstörung, haben wir es gefunden! Doch spulen wir erst mal zurück auf Anfang, zum Prolog. Um was geht es denn überhaupt?           

Einmal mehr muss jemand die Welt retten, klar. Vanquish versetzt euch in die Zukunft und wärmt die Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auf. Oberfiesling Victor Zaitsev vom Orden des Russischen Sterns hat mit einem Mikrowellenstrahl die Metropole San Francisco samt Einwohner gebrutzelt und droht, selbiges mit New York zu tun. Der Spieler ist eine Ein-Mann-Armee im Iron Man-Superhelden-Gedächtnisanzug, zieht aber freundlicherweise an der Seite gewöhnlicher Infanteristen in den Krieg. Mit einem Schiff düsen die Jungs zur Raumstation des Bösewichts, um dessen Plan zu vereiteln. Dort werden dann Hunderte schlecht gelaunter Maschinen zu Klump geballert. Mehr muss man von der Story zunächst nicht wissen. Ach ja, irgendwer faselt was von einem achtstündigen Ultimatum. Wer davon auf die Spielzeit schließen will, darf dies tun. Er sollte dann aber sehr, sehr gemütlich vorgehen. Mehr dazu später.

Beim ersten größeren Boss-Duell stürzt sich unser Protagonist in einer selbst ablaufenden Sequenz kopfunter auf ein Stahlungetüm. Die Aktion mündet in einem Quick-Time-Reaktionstest.

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