Pepsi oder Cola, TL2 oder D3?

Torchlight 2 Test

Torchlight gilt als einer der besten Diablo-Klone, seit es, nun ja, Diablo gibt. Nachdem Blizzard im Mai Diablo 3 veröffentlichte, müssten doch nun alle Action-RPGler gesättigt sein! Doch Runic traut sich zu, die bessere Alternative anzubieten. Ob Fackel-David eine Chance gegen Teufels-Goliath hat, haben wir für euch herausgeklickt.
Tim Gross 20. September 2012 - 14:15 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Zwölf Jahre. So viel Zeit zog zwischen der Veröffentlichung von Diablo 2 und seinem kürzlich erschienenen Nachfolger ins Land. Dass Diablo 3 als eines der am heißesten erwarteten Spiele der letzten Dekade heiß diskutiert wird und zu "Alles Mist, und das Auktionshaus ist noch mistiger!"-Profilierungen einlädt, geschenkt. Die spannende Frage aber ist für uns: Hat der nur vier Monate später folgende Außenseiter-Konkurrent Torchlight 2 nicht eine reelle Chance, das Konzern-Ungetüm zu überwinden? Zur Erinnerung: Vor drei Jahren, im Oktober 2009, machte der Budget-Titel Torchlight mehr von sich reden als die üblichen Diablo-Klons. Das war kein Zufall, schließlich stand dahinter die junge Firma Runic Games von Max und Erich Schaefer, die beide zu den Mitgründern von Blizzard North gehört hatten. Dass diese Beiden wussten, wie man auch ohne großes Geld Hack-and-Slay packend inszeniert, war keine Überraschung.

Auch hinter Torchlight 2 steckt sicher kein Entwicklungsbudget, das auch nur entfernt vergleichbar wäre mit dem von Diablo 3. Das muss es aber auch gar nicht. Torchlight 2 macht viele Dinge anders als der Platzhirsch: Es setzt auf Offenheit statt Online-Zwang, dazu auf klassische Talentbäume wie vor zwölf Jahren. Und es lässt sogar Fan-Modifikationen zu.

Unkaputtbares Spielprinzip Wie für Action-RPGs gewohnt erkundet ihr aus der Schräg-Obendrauf-Sicht Dungeons, trefft während eurer Reise auf unzählige miesgelaunte Gegner, die mal mehr, mal weniger eklig aussehen, aber dank der cartoonartigen Grafik nie wirklich "schlimm". Bei alledem schnetzelt und zaubert ihr, was das Zeug hält, und steigt immer weiter im Rang auf. Für jeden besiegten Feind, jede erfüllte Quest, jeden zerdepperten Topf erhaltet ihr Erfahrungspunkte – und natürlich jede Menge Gegenstände. Man mag es vermutlich kaum noch lesen, aber irgendwo im Testartikel eines Hack-and-Slays müssen die folgenden Worte einfach auftauchen, also bringen wir es schnell hinter uns: "... ihr wollt immer noch einen Level aufsteigen, eine Quest erledigen, den gerade neu gefundenen Gegenstand ausprobieren, die nächste Fähigkeit freischalten und so weiter und so fort. Dabei entsteht eine unendliche Suchtspirale, die vom sehr hohen Spieltempo in Torchlight 2 nur noch weiter gefördert wird."

Um die unzähligen Gegenstände in Torchlight 2 miteinander zu vergleichen, helfen detaillierte Popup-Fenster.  
Wie im ersten Torchlight seid ihr nicht allein unterwegs, sondern freut euch über einen treuen Begleiter in Form eines Haustiers. Das kann ein gewöhnlicher Hund oder ein pelziges Frettchen sein, aber auch ein Adler, ein Paradiesvogel oder ein schuppiger Mini-Drache. Egal für welche Rasse ihr euch entscheidet, das Tierchen unterstützt euch nicht nur im Kampf, sondern erspart euch viele lästige Wege in die Stadt. Wird euer Inventar zu voll – was nicht lange dauert – schickt ihr euren treuen Begleiter mit dem überzähligen Tand mal kurz in die Stadt. Der verkauft dann das Zeug zu einem guten Preis und bringt neuerdings auf dem Rückweg sogar Heiltränke oder Identifizierungs-Scrolls mit, wenn ihr wollt. Keine Feature-Revolution, aber noch immer praktisch.

Abwechslung im Klick-AlltagNeu für die Torchlight-Marke ist die weitläufige Oberwelt; zuvor wart ihr quasi ausschließlich unter Tage unterwegs. Nun erwarten euch unterschiedliche Landschaftstypen, seien es saftige Grashügel, eisige Schneelandschaften, trockene Wüstenregionen oder feuchte Waldgebiete. Geblieben sind die zufallsgenerierten Dungeons, damit ihr bei jedem Spiel etwas Neues geboten bekommt. Mit der Oberwelt halten zudem weitere optische Änderungen Einzug, nämlich Tag- und Nachtwechsel sowie Wettereffekte. Auswirkungen auf eure Fähigkeiten oder die Kämpfe haben diese zwar nicht, aber immerhin findet ihr des Nachts einige schlafende Gegner vor. In der Welt befinden sich zudem alle paar Kilometer Wasserstellen, die zum Angeln einladen. In einem kleinen Geschicklichkeitsspiel könnt ihr hier Gegenstände und Fische fangen, eine Hommage an das eine oder andere J-RPG wie Nier.

Damit das viele Linksklicken auf Dauer nicht langweilig wird, haben die Entwickler auch einige Herausforderungen neben den Haupt- und Nebenquests eingebaut. So stoßt ihr häufig auf Truhen, die von einem geisterhaften Schein umgeben sind und sich partout nicht öffnen lassen. Beim Herantreten erscheinen jedoch transparente Schemen aus dem Nichts, im Volksmund Gespenster genannt. Haben wir die furchteinflößend-schrecklichen Gestalten besiegt, löst sich der Fluch auf der Truhe.

Das
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klingt eher schwach? Okay, besser machen es die geheimen Räume in den Dungeons, die logischerweise nicht auf der Karte eingezeichnet sind, schließlich sind sie ja geheim. Hier lassen sich in aller Regel besondere Truhen mit schicken Wertgegenständen auffinden. Am besten gefällt uns aber das Phase Beast, das Spielern des ersten Teils noch bekannt sein dürfte (falls nicht: Das Spiel erinnert an den mit Goldstücken um sich werfenden und vor euch flüchtenden Kobold aus Diablo 3, der wiederum dem Leprechaun im uralten Rogue nachempfunden ist). Ihr trefft das Phase Beast zufällig in der Oberwelt, und wenn ihr es tötet, öffnet sich ein Portal in ein spezielles Gebiet. Dort müsst ihr mal immer stärkere Gegnerwellen überstehen, mal einen Schlüssel finden und eine von drei Türen öffnen. Mit ein wenig Glück erwarten euch verzauberte oder gar rare Gegenstände, mit weniger Glück nur die nächste Gegnerschar. Oder ihr steht einer Vielzahl an Spinnennestern gegenüber, die ihr mit Gift verschließen müsst, wenn ihr nicht in der unendlichen Menge an Krabbeltieren untergehen wollt. Diese Phase-Beast-Gebiete sind spaßig und schön inszeniert.

In dieser Phase-Beast-Herausforderung müssen wir mit dem Giftbottich oben rechts die Spinnennester schließen, um der nie enden wollenden Krabbelschar Herr zu werden. Eine Belohnung gibt es dafür natürlich auch.
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