Test: Sehr guter Diablo-Jünger

Torchlight Test

Diablo-Klon: Das Wort hat einen faden Beigeschmack. Denn viele Spiele, die sich eben das auf die Fahnen schreiben lassen müssen, erweisen sich als ideenlos und uninspiriert. Nicht so bei Torchlight, dem Erstlingswerk von Runic Games: Das ist zwar eindeutig und vielfach Diablo-inspiriert -- aber auch ein rundum gelungenes Spiel.
Philipp Spilker 1. November 2009 - 17:35 — vor 10 Jahren aktualisiert
PC
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Viele haben es schon versucht -- und sind kläglich gescheitert. Gescheitert am erfolgreichen Klonen eines Spiels, das im Jahr 1996 ein ganzes Genre definierte und dessen Spielgefühl seitdem nur von den wenigsten Konkurrenten erreicht werden konnte: Diablo. Runic Games, aus mehreren Diablo-Veteranen und Ex-Mitarbeitern der an Hellgate: London gescheiterten Flagship Studios zusammengesetzt, versuchen nun mit Torchlight kurzerhand selbst das Klonen und treiben es dabei auf eine ganz neue Ebene. Torchlight nämlich ist nicht nur ein Diablo-Klon, sondern auch gleichzeitig ein Klon des eher unbekannten Action-RPGs Fate und des nie erschienenen Mythos, beide ihrerseits Diablo-Nacheiferer. Torchlight also ist genau genommen der Klon eines Klons eines Klons von Diablo. Noch mehr kopieren geht schon kaum mehr. Doch während beim Fotokopieren jeder Schritt mit einem Qualitätsabzug einher geht, sind die Farben von Torchlight strahlend, der Druck satt und das haptische Gefühl beim Anfassen des Papiers ein edles.
 
Begleitet uns im kommentierten Testvideo 16 Minuten lang durch die stimmige, itemreiche Welt von Torchlight.

Déja vu am laufenden Band

Als wir gerade zwei Stunden in der Welt von Torchlight verbracht haben, bemerken wir zwei Dinge. Erstens: Es waren gar nicht zwei, sondern bereits sechs Stunden. Die genretypische Suchtspriale greift also sehr effektiv und lässt uns jegliches Zeitgefühl verlieren. Und zweitens überkommt uns nach einem Blick in unser prall gefülltes Heldeninventar ein wohliges Gefühl von Nostalgie: Manatränke gruppieren sich neben Stadtportalen, eine ganze Armada von Identifizierungsrollen stapelt sich im Fach ganz rechts. Und in unserer linken Hand halten wir fest den Griff eines einzigartigen Schwerts, das nicht nur unsere Gesundheit um 103 Punkte steigert, sondern uns vor Giften schützt und zudem 8 Extrapunkte Feuerschaden beim Gegner verursacht. An einigen Ecken des Inventars sehen wir es außerdem glitzern: Wir haben magische Edelsteine eingesammelt, mit denen wir sockelbare Waffen durch Boni stärken können. Kurzum: Vieles erinnert an Diablo.

An unsere Füße schmiegt sich derweil unser Haustier. Das ist von Anfang an bei unserem Abenteuer dabei, kann Zauber lernen, durch Amulette gestärkt werden und hat ein eigenes Inventar. Dorthin lagern wir von uns nicht benötige Gegenstände aus und schicken das Tier dann mit einem einzigen Knopfdruck in die Stadt, wo es die Gegenstände treuhänderisch für uns verkauft. Als Belohnung für solche Treue angeln wir ihm bei jeder Gelegenheit an speziell dafür vorgesehenen Stellen einen Fisch, der es für 120 Sekunden verwandelt: plötzlich steht neben uns nicht mehr ein zottliger Hund, sondern beispielsweise ein kampfstarkes Eis-Elementar. Kurzum: Das kennen wir aus Fate.

Wir schließen das Inventar und ziehen weiter durch die sehr stimmige Cartoon-Grafik, die besonders in den Kämpfen an knalligen, schön anzusehenden Effekten nicht arm ist, allerdings die von vielen geliebte Düsterheit der ersten beiden Diablos vermissen lässt. Kurzum: Genau so wie in Mythos. Aber wie gesagt: Torchlight kombiniert diese Elemente zu einem motivierenden Spiel, insoweit ist das alles in Ordnung.

Die drei Helden nebst Hund, von links: Destroyer (Krieger), Vanquisher (Jäger), Alchemist (Magier).

Item-, Umgebungs- und Gegnervielfalt
 
Wir sind entweder als Destroyer, Vanquisher oder Alchemist (lies: Krieger, Jäger oder Magier) unterwegs und jagen nicht nur den besten Gegenständen, sondern genretypisch auch immer dem nächsten Levelaufstieg hinterher. Dann nämlich können wir unsere Kampf-, Geschicklichkeits-, Magie- und Verteidigungswerte steigern und außerdem einen Talentpunkt für Fertigkeiten ausgeben. Talentpunkte erlangen wir zusätzlich auch dann, wenn wir Quests beenden oder möglichst viele Gegner beseitigen -- das erhöht nämlich unseren Ruhmlevel. An Gegnern mangelt es nicht. Auf jeder der insgesamt 35 Ebenen des Hauptdungeons erwarten uns neue Feinde. Wir kämpfen gegen Riesenspinnen, elektrisch geladene Irrlichter, Goblinzauberer, harpyienähnliche Flugwesen, Skelette, korrumpierte Baumwesen, Zombies und und und. Zusätzlich dazu erwarten uns auf jeder Ebene besonders mächtige Zwischengegner, von Massen an Fußvolk umgeben. Etwa alle drei Stockwerke bekommen wir es zu allem Überfluss noch mit einem extradicken Boss zu tun.

Bei Händlern erworbene Schriftrollen schicken uns außerdem in schwere Extra-Dungeons, aus denen man nicht mit Hilfe von Stadtportalen in Sicherheit flüchten darf und die daher nur mit einem großen Vorrat an Gesundheitstränken erkundet werden sollten. Wir können uns außerdem in den Dienst eines NPCs stellen, der uns auf regelmäßige Schatzsuche in ebenfalls separate Dungeons schickt: 20 Stunden Spielzeit könnt ihr locker einplanen, bevor ihr das Solospiel durch habt, und wer dann noch weiterschnetzeln will, erkundet einen Endlosdungeon, der sich nach Beenden der Hauptquest öffnet.
 
Wir haben uns sehr amüsiert, als uns ein NPC seine Verwunderung darüber mitteilte, wieso der Berg, den wir während des Spiels erkunden, aufgrund der zahlreichen und in ihm verborgenen Katakomben noch nicht längst eingestürzt sei. Denn wirklich: Ein innen derart seltsamer Berg lässt sich kaum begreifen! Nachdem wir zu Beginn in einer Mine starten, gelangen wir schon kurz darauf in eine sehr ausladende Gruft, erkunden später eine unterirdische Gartenanlage und landen schließlich sogar in einer riesigen Festung. Doch solange die Umgebungen so schön aussehen wie in Torchlight, ist uns die tiefere Logik herzlich egal.

Die Umgebungsgrafik ist auf allen Ebenen des Dungeons ähnlich stimmig wie in dieser Unterwasserhöhle.
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Hack and Slay
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Runic Games
Perfect World
27.10.2009 (PC) • 12.05.2010 (MacOS) • 09.03.2011 (Xbox 360) • 19.09.2012 (Linux) • 12.11.2015 (Xbox One (Xbox 360 Backward Compatibility))
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