Pepsi oder Cola, TL2 oder D3?

Torchlight 2 Test

Tim Gross 20. September 2012 - 15:15 — vor 7 Jahren aktualisiert
Diablo 2 grüßt: Wir haben stets um die 30 Heiltränke bei uns, die wir in den actionreichen Kämpfen dringend brauchen.
Anzeige

Heiltrank-intensive KämpfeEin gutes Hack-and-Slay besteht aus drei grundlegenden Säulen: Kämpfe, Charaktersystem und Beute. Optional kommt dann noch eine gute Story hinzu, die aber nach dem ersten Durchspielen rapide an Bedeutung verliert. Behandeln wir zunächst die Kämpfe. Ein Linksklick löst eine normale Attacke mit eurer Waffe aus, während ein Rechtsklick die ausgewählte Fähigkeit einsetzt. Für die Rechtsklick-Aktion könnt ihr jeweils zwei aktive Zauber bestimmen, zwischen denen ihr mit der Tabulator-Taste wechselt. Lediglich zwei aktive Talente wären natürlich arg wenig, darum dürft ihr die übrigen Fertigkeiten auf die Tasten 1 bis 0 verteilen. Standardmäßig legt Torchlight 2 Heil- und Manatränke auf die Tasten 1 und 2, was auch eine gute Idee ist: In den schier endlosen Gefechten sind sie überaus wichtig, ihr solltet immer zwei oder drei Dutzend dabei haben. Die komfortablen Heilsphären aus Diablo 3, die zufällig beim Ableben von Gegnern entstehen können, kennt Torchlight 2 nicht. Dadurch fühlt es sich ein wenig altbacken an, zumal es nicht einmal eine automatische Regeneration von Lebenspunkten kennt. Gut hingegen: Ihr dürft in Torchlight 2 zwei Waffensets vorbereiten, zwischen denen ihr per W-Taste wechselt. Es kann schließlich immer mal passieren, dass euer Nahkämpfer nicht an einen auf einer anderen Ebene befindlichen Gegner herankommt und ihr schnell zu einer Pistole wechseln wollt...

Wenn ihr durch die Welt von Torchlight 2 lauft und unermüdlich auf eure Widersacher eindrescht und -klickt, wird euch ein aufpoppender Balken am unteren Bildschirmrand auffallen. Dabei handelt es sich um den sogenannten Charge-Balken, den jede der vier Charakterklassen besitzt. Habt ihr die Leiste durch eine Folge von Attacken gefüllt, dürft ihr euch für einen bestimmten Zeitraum über verbesserte Kampfwerte und eine deutlich höhere Geschwindigkeit freuen. Übrigens kann euch auch die Umgebung gefährlich werden. Freut euch nicht zu früh, wenn ihr etwa eine einladend aussehende Truhe angeht, denn es kann vorkommen, dass diese buchstäblich Zähne zeigt. Vorsicht ist auch bei Höhleneingängen oder Zelten geboten: Wer ihnen zu nah kommt, läuft Gefahr, die Bewohner zu alarmieren und aus ihrer Behausung zu locken. Wie in der wirklichen Welt mag es nämlich auch in Torchlight 2 niemand, uneingeladene Gäste vor seiner Tür zu finden. Zu diesem Ungemach gesellen sich klassische Fallen mit Stacheln und Klingen, wie sie schon Prince of Persia anno 1989 kannte, oder auch fiese Bärenfallen, die auf dem Boden verstreut liegen.
Neben fiesen Monstern gibt es auch ebenfalls fiese Fallen. Nicht immer sind diese so offensichtlich wie auf unserem Bild.

Schnetzeln mit leichter TaktikIn Torchlight 2 bekommt ihr es mit abwechslungsreichem Gesocks zu tun, von kleinen Fledermäusen über normalgroße Goblins bis hin zu riesigen Ogern. Dazwischen quetschen sich Geister, Wölfe, Skelette, Würmer, eklige Insektenviecher, mobile Geschütztürme, Zombies, Spinnen, Mumien, Kröter-ähnliches Getier (Harry Potter-Fans wissen, was gemeint ist) und noch so einiges mehr. Nur Ratten konnten wir keine erspähen. Seltsam, das.

Nicht alle Bosskämpfe sind gelungen; dieser aber (aus einer Nebenquest) wird uns in Erinnerung bleiben.
Trotz der Dauerbeanspruchung eures Nervus Medianus gibt es auch eine gewisse Taktik-Komponente – die aber nicht aufgrund einer ausgefeilten KI der Feinde entsteht, sondern von deren Eigenschaften herrührt. Das sind im späteren Spielverlauf und auf den höheren Schwierigkeitsgraden hauptsächlich Resistenzen gegen bestimmte Angriffsarten. Gegen einen feuerresistenten Zombie den guten, alten Feuerball einzusetzen, ist wenig sinnvoll. Aber auch im normalen Spielverlauf und von Beginn an gibt es Antagonisten, die eigene Kampftaktiken an den Tag legen. Da wären beispielsweise Monster, die sich mit einem Schild zur Wehr setzen. Diesen müsst ihr zunächst zertrümmern, wenn ihr mit Nah- oder Fernkampfwaffen für Aua-Erlebnisse sorgen wollt. Alternativ tut es aber auch ein Flächenzauber oder natürlich ein Angriff von hinten, gegen den jeder Schild machtlos ist. Dann gibt es natürlich auch Feinde, die immer neue Gegner heraufbeschwören. Kaum erwähnenswert, dass ihr die für Nachschub sorgenden Kerlchen zuerst ausschalten solltet.

So weit, so vergleichsweise wenig taktisch. Schwieriger wird es, wenn ihr es mit besonderen Gegnern zu tun bekommt. Das sind zumeist Champions, also besonders harte Varianten der Standardgegner, die über besondere Attacken verfügen. Vielleicht bewerfen sie euch mit Feuerbällen, vielleicht belegen sie euch aber auch mit einem Fluch. Wieder andere lassen Säulen aus der Erde steigen, stoßen euch per Schlag zurück oder teleportieren sich weg von euren Angriffen. Am meisten heben sie sich von dem normalen Gesocks jedoch durch ihre kaum versiegenden Lebenspunkte ab. Das gilt insbesondere für größere Zwischengegner. Das Motto lautet also nicht: "Bei schweren Gegnern stirbt man schneller", sondern "Schwere Gegner sterben langsamer" – ein feiner, aber spielspaßsenkender Unterschied.

Zwar gibt es einige schön inszenierte Kämpfe mit imposanten Wesen, beispielsweise auf der Spitze eines Turms gegen
einen feuerspeienden Drachen. Insgesamt sind uns jedoch nur wenige der großen Bossfights im Gedächtnis geblieben. Bleibt noch zu erwähnen, wenn sich eure Lebenspunkte auf null befinden. Dann könnt ihr (ohne einen Obolus) in der Stadt auferstehen und sofort wieder in die Schlacht ziehen, was unter Umständen jedoch einen großen Umweg bedeutet. Alternativ wählt ihr die Option, am Anfang des derzeitigen Gebiets wiederbelebt zu werden, was euch eine überschaubare Menge an Gold kostet. Dritte Möglichkeit: Wer wenig Zeit, aber viel Gold hat, springt an Ort und Stelle sofort erneut in die Schlacht.
Wo war noch mal mein Held? Gegen größere Monstergruppen wird es oft ziemlich unübersichtlich auf dem Bildschirm.
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 139 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.