Starker Waffenprügler

Soul Calibur 5 Test

Vor fast vier Jahren trafen die Klingen von Soul Calibur und Soul Edge das letzte Mal aufeinander. In Soul Calibur 5 tauchen die beiden legendären Waffen wieder auf und entflammen erneut den Kampf zwischen Gut und Böse. Herausgekommen ist ein optischer Leckerbissen mit einem gewohnt vielfältigen Kampfsystem.
Benjamin Braun 31. Januar 2012 - 1:00 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots im Artikel stammen von uns.

Der Kampf zwischen Gut und Böse ist so alt wie die Menschheit selbst und auch immer wieder ein zentrales Thema in Spielen. Manchmal verpackt in ein komplexes Rollenspielszenario wie in Mass Effect, oft aber auch in seiner simpelsten Form, etwa in diversen Kampfspielserien. Letztere Variante findet sich auch in Namco Bandais Beat’em-Up-Reihe Soul Calibur wieder, die bald vier Jahre nach dem Debüt auf der aktuellen Konsolengeneration in Soul Calibur 5 ihr zweites Stelldichein auf Xbox 360 und Playstation 3 gibt. Darin geht es mal wieder um das böse Schwert Soul Edge und das gute Schwert Soul Calibur. Bevor die mächtigen Klingen aber erneut aneinanderrasseln, muss unser Held Patroklos die Macht des Artefakts wiederherstellen. Aber auch schon auf dem Weg zu diesem Zwischenziel liefern sich die Kämpfer zahlreiche bunt und effektreich in Szene gesetzte Gefechte mit Schild und Schwert, Axt oder Kampfstab. Heraus gekommen ist ein waffenbetontes Prügelspiel, das für Einsteiger gleichermaßen geeignet ist wie für Profis.

Kontrolliertes KampfverhaltenSoul Calibur war schon immer dafür bekannt, eine gute Mischung aus Einsteigerfreundlichkeit und Profianspruch zu bieten. Daran hat sich auch mit dem fünften Teil der Serie nichts Wesentliches verändert. Denn egal, welchen der insgesamt 28 Kämpfer ihr zu Beginn wählt, die KI zwingt euch erst mit der Zeit dazu, euch in das Kampfsystem reinzufuchsen und dessen volle Bandbreite zu nutzen. Jeder der Fighter, von denen ihr einen Teil erst freispielen müsst, verfügt über einen individuellen Kampfstil und eine einzigartige Waffe. Samurai-Krieger Yoshimitsu, der ursprünglich aus der Tekken-Reihe stammt, zieht beispielsweise mit zwei Katana-Schwertern in die Schlacht. Die vergleichsweise leichten Waffen mit mittlerer Reichweite ermöglichen ihm einen besonders schnellen Kampfstil. Das ist aber nicht nur die Basis für flink geführte Angriffe, sondern auch für deren Verkettung zu längeren Kombos. Noch effektiver verketten lassen sich die Aktionen von Tira, die ein kreisrundes Schlaginstrument bei sich trägt, das sie lockerleicht durch die Luft wirbelt – und die Gegner gleich mit. Es räumt ihr gleichzeitig auch gute Chancen auf Paraden und Konter ein, da diese Waffe zwar relativ groß, aber nicht übermäßig schwer ist. Diese Gegenangriffe und aktiven Blocks sind in Soul Calibur, anders als in vielen anderen Beat’em-Ups, von deutlich größerer Bedeutung.

Während nämlich bei anderen Genrevertretern die Verteidigung vor allem von passiven Aktionen geprägt ist und oft nicht mehr als einen simplen Block bietet, sind die Abwehrmechanismen in Namco Bandais Prügler vielfältiger. Ihre Effizienz ist zudem stärker von der Bewaffnung und dem Kampfstil eurer Gegner abhängig. Generell könnt ihr Standard-Angriffe auch in Soul Calibur einfach blocken oder auch in der dreidimensionalen Umgebung per Seitwärtsschritt oder nach hinten ausweichen. Das bewahrt euch allerdings nur vor größerem Schaden. Viel besser ist es, die Angriffe per Konterangriff abzuwehren, so könnt ihr euren Gegner ins offene Messer laufen lassen. Wenn ihr die richtige Wahl getroffen habt, wird eurer Gegner nämlich kurz betäubt und ist empfindlich gegenüber Folgeangriffen.

Entscheidend sind dabei auch immer das Timing, eure Position und die Richtung, in die ihr eure Angriffe führt. Denn wenngleich es lediglich drei grundlegende Angriffsarten gibt in Soul Calibur 5 (außerdem verschiedene Griffe und eben die Blockfunktion) ergibt sich in Kombination mit den Richtungstasten eine Vielzahl unterschiedlichster Attacken. Die Position und die in eine bestimmte Richtung geführten Aktionen ermöglich euch neben speziellen Attacken und Gegenangriffen außerdem einige längere Kombos. Dabei verlagert ihr das Kampfgeschehen auch gerne mal in die Vertikale, wenn ihr beispielsweise als Ex-Oberbösewicht Nightmare euren Gegner mit einem mächtigen Aufwärtshaken in die Luft schleudert und ihm danach noch aus einer Drehung heraus einen Schlag oder Tritt verpasst. Diese Kombos füllen darüber hinaus eure Spezialleiste auf. Darüber erhaltet ihr Zugriff auf besonders starke und teilweise vom Gegner nicht blockbare Angriffe, aber auch auf extrastarke Abwehraktionen. Jede dieser Aktionen kostet einen Teil der Leiste. Allzu lange aufsparen solltet ihr den Vorrat nicht, denn wenn euer Kontrahent euch mit Spezialangriffen trifft, schrumpft die Spezialleiste auch wieder.
Damit Cervantes wie hier seine Muskete abfeuern kann, muss er zunächst seine Spezialleiste auffüllen.

Offensive und Defensive ausgeglichen?Wie stark das Spiel auf die Ausgeglichenheit von Offensive und Defensive setzt, erkennt ihr auch an den zahlreichen Varianten, bei denen ihr Ausweichen und Angreifen direkt miteinander verbindet. Wenn ihr dem Schwertstreich eures Opponenten etwa seitwärts ausweicht und entsprechend seitlich von ihm platziert seid, ergeben sich ganz andere Kampfmanöver als im direkten Vis-a-Vis. Das klingt nicht einsteigerfreundlich? Stimmt - aber auch nur auf den ersten Blick. Denn das Spiel nötigt euch die Beherrschung solcher Feinheiten nicht von Beginn an ab. Zumindest gegen die stufenweise regelbare KI kommen selbst Button-Masher zu Erfolgen oder auch solche Spieler, die sich einseitig auf die Offensive konzentrieren.

Die Ausgeglichenheit zwischen Defensive und Offensive (oder teils deren Fehlen) kommt erst mit der Zeit zum Tragen, wenn ihr im Arcade-Modus auf stärker werdende KI-Gegner trefft oder gegen erfahrene Spieler im Online-Match antretet. Aber schon gegen die KI machen sich mit der Zeit ein paar Schwächen im Balancing bemerkbar. Generell spielt sich
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jeder Kämpfer anders, worauf wir uns entsprechend einstellen müssen. Ein schneller Charakter mit begrenzter Reichweite muss zudem ganz andere Elemente seines Potenzials verwenden, wenn er gegen einen zwar vielleicht langsamen, dafür aber größeren Gegner mit höherer Reichweite antritt. Und genauso müsst ihr euch umstellen, wenn ihr es mit einem etwa gleichschnellen Gegner zu tun bekommt.

Ist dieses Balancing gelungen? Weitgehend ja. Doch manche der Spielfiguren sind bei aller Vielfalt und den speziellen Ansprüchen der Spieler gegenüber anderen hoffnungslos unterlegen. Mit Werwolf Z.W.E.I. gegen einen großen Charakter mit Riesenschneide wie Siegfried anzutreten, kann zur ermüdenden Geduldsprobe werden. Kurios in dem Zusammenhang finden wir, dass uns die KI-Widersacher manchmal an die Wildschweine aus Gothic 3 erinnerten. Nicht optisch, natürlich, aber an deren gefürchteten Kettenangriffe. Denn in seltenen Fällen verketteten sie ihre Angriffe zu nur extrem schwer block- beziehungsweise konterbaren Angriffen und leerten unseren komplett gefüllten Gesundheitsbalken innerhalb von nicht mal fünf Sekunden. Stand hier Piranha Bytes Pate?
Siegfried, der Held des letzten Teils, spielt auch in Soul Calibur 5 mit. In der Story spielt er aber nur eine kleine Rolle.

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