Test: Mehr Waffen, Mehr Zombies

Left 4 Dead 2 Test

Dank eines ausgereiften Koop-Modus und Horden von Zombies wurde Left 4 Dead vergangenes Jahr ein voller Erfolg. Nun bringt Valve Nachschub für angehende und erfahrene Zombiejäger. Aber ist Left 4 Dead 2 wirklich ein vollwertiger Nachfolger geworden, oder doch nur Abzocke, wie die Fans gleich nach der frühen Ankündigung befürchteten?
Christoph Licht 20. November 2009 - 9:02 — vor 9 Jahren aktualisiert
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Die Lichter gehen an, das Playback startet und vier Gestalten tummeln sich auf der Bühne: Das Open-Air-Konzert der Midnight Riders kann beginnen. Nur die Fans fehlen noch. Lange warten müssen die Rockstars nicht, schon kommen sie aus den Einlasstoren auf die Bühne zugerannt. Doch Moment – sie kennen kein Halten und stürmen direkt auf die Bühne. Wir setzen uns mit der Gitarre in der Hand dem Ansturm zur Wehr. Unsere Begleiter lassen hingegen einen Kugelregen aus ihren automatischen Waffen auf die wogende Masse los. Minutenlang kämpfen wir ums Überleben. Die Leichen stapeln sich bereits kniehoch, bis plötzlich der rettende Hubschrauber in der Nähe landet und wir unter Dauerfeuer einsteigen können. Nun ersetzt "Rockstars" durch "Überlebende" und "Fans" durch "Infizierte" -- schon sind wir im gar nicht so neuartigen Left 4 Dead 2 (Left for Dead, "Als tot zurückgelassen"), den zweiten Teil der letztjährigen Zombiehatz.

Bereits im ersten Teil waren die Kämpfe am Schluss jeder Kampagne die intensivsten. Daran hat sich auch in Left 4 Dead 2 nichts geändert. Die Minuten zwischen dem Hilferuf und dem Eintreffen des Helikopters sind so spannend und anspruchsvoll wie eh und je und ganz klar wieder das Highlight der neuen Kampagnen. Aber auch am restlichen Spielprinzip hat sich nichts geändert. Immer noch seid ihr einer von vier Überlebenden und müsst euch in von Schutzraum zu Schutzraum arbeiten, um am Ende den Evakuierungspunkt zu erreichen. Dazwischen: unzählige Horden von Zombies. Und wiederum ist das Ganze auch solo gut spielbar, dank starker Kameraden-KI, entfaltet seine eigentliche Faszination aber ausschließlich im Multiplayer-Modus.

Die Midnight Riders sind zwar heute abend nicht hier, trotzdem wird hier gleich die Post abgehen.

Bei Sonnenschein und Regen

Fünf neue Kampagnen erwarten euch, unterteilt in jeweils vier bis fünf Abschnitte. Lose miteinander verknüpft, findet die Geschichte eine Woche nach dem ersten Teil statt (und damit, für Triviafacts-Fetischisten, drei Wochen nach der ersten Infektion). Ihr helft dieses Mal aber nicht Zoey, Francis, Louis und Bill aus dem Schlamassel. Stattdessen schlüpft ihr in bester Shooter-Manier in die Rolle des Football-Trainers Coach, der TV-Moderatorin Rochelle, des Schwindlers Nick oder des Mechanikers Ellis. Wen ihr steuert, hat keine Auswirkungen auf den Spielablauf oder eure Fähigkeiten.

Alle vier hatten das Pech, einige Minuten zu spät am Evakuierungspunkt aufzutauchen, und konnten nur noch hilflos mit ansehen, wie der letzte Armee-Helikopter in der Ferne verschwand. Nun müssen sie sich durch das von einer Seuche an den Abgrund gedrückte Amerika kämpfen (genauer gesagt, seinen südöstlichen Teil), um doch noch Rettung zu finden. Euer Weg könnte dabei nicht abwechslungsreicher sein. Es erwarten euch nicht nur ein Kaufhaus und ein Rummelplatz inklusive "Tunnel der Liebe" und besagtem Rockkonzert. Ihr müsst auch einen Abstecher durch einen Sumpf sowie eine kleine Siedlung einlegen, bevor ihr euch im großen Finale durch eine Stadt und über eine Brücke kämpft. Aufgelockert wird die Reise durch kleinere Aufgaben am Wegesrand. Drückt ihr beispielsweise den Schalter für den Aufzug, kommt die Horde aus allen Richtungen auf euch zugestürmt. Aber auch das Betanken eines Autos gehört zu euren Aufgaben.

Es regnet - und das nicht zu knapp.

Wart ihr in Left 4 Dead noch ausschließlich nachts unterwegs, kämpft ihr euch nun zu allen möglichen Tageszeiten durch Zombiehorden. Auch das Wetter ändert sich – teils skriptgesteuert, teils zufällig. Ist die Kleinstadt beim ersten Besuch noch recht idyllisch und scheint die Sonne angenehm durch die Baumwipfel, erwartet euch auf dem Rückweg ein regelrechtes Jahrhundertunwetter, in dem ihr die Hand nicht vor Augen seht. Damit diese Neuerungen auch entsprechend zur Geltung kommen, haltet ihr euch fast ausschließlich unter freiem Himmel auf.

Einstieg: Vorbildlich

Selbst Neueinsteiger werden sich in  Left 4 Dead 2 schnell zurechtfinden. Das Hilfesystem des ersten Teils wurde noch einmal weiter ausgebaut: Auf Wunsch zeigt euch das Spiel direkt alle aufnehmbaren oder benutzbaren Objekte zusätzlich zur schimmernden Umrandung an. Auch die Begleiter werden abseits des Realismus-Modus eingerahmt, sodass ihr sie selbst durch Wände hindurch seht. Und solltet ihr euch tatsächlich einmal in den Levels verlaufen oder nicht mehr weiterwissen, dann helfen euch eure Begleiter mit entsprechenden Tipps auf die Sprünge. Das Interface ist hingegen schön schlank gehalten und die Steuerung entspricht dem Shooter-Standard. Im Test kam uns jedoch die Steuerung mit der Maus etwas schwammig und träge vor – selbst als wir die Empfindlichkeit fast bis auf Anschlag hochgedreht hatten. Die uns ebenfalls vorliegende Xbox-360-Version hat dieses Problem nicht und lässt sich – wie schon in Teil 1 – sehr gut steuern.

Die ursprüngliche Hand (links) wurde auch für den US-Markt entschärft (Mitte). Die deutsche Fassung seht ihr rechts – aber: Auf der Rückseite des Wendecovers ist der Daumen ebenfalls abgebissen.

Wie schon der Vorgänger, ist auch der Left 4 Dead 2 in der deutschen Version stark geschnitten. Dies fängt bereits beim Cover an, auf dem ein Finger fehlt. Auch das Intro wurde stark beschnitten bzw. die Kameraeinstellungen so verändert, dass nichts mehr zu sehen ist. Im Spiel hingegen lassen sich keine Körperteile mehr abtrennen und getötete Zombies lösen sich nach ihrem Tod sofort auf. Letzteres hat den positiven Nebeneffekt, dass die Performance nicht unter zig physikalisch korrekt animierten Leichen leidet. Spielerisch entscheidend: Zombies brennen nicht mehr sichtbar. Ihr bekommt keinerlei sofortige Rückmeldung darüber wie effektiv euer Molotov Cocktail oder die Brandmunition ist.  Das Blut fließt hingegen immer noch reichlich und rot. Left 4 Dead 2 nutzt als Kopierschutz Steam und benötigt nach der Installation entsprechend keine DVD mehr im Laufwerk. Um genau zu sein, ihr benötigt nicht einmal die beiliegende  DVD zum Installieren, sondern könnt auch einfach den eingeklebten Code direkt in euren Steam-Client eintippen, woraufhin das Spiel herunterlädt.

Neuer, alter KI Direktor

Woher, wie viele? Der KI Director trifft die Wahl.
Das wichtigste Element, um den Wiederspielwert zu erhöhen, ist der KI-Direktor. Das ist kein dicklicher bärtiger Mann mit einem Megafon in der Hand, sondern eine Programmroutine. Zwar könnt ihr zu Beginn einer Kampagne aus fünf Schwierigkeitsstufen wählen, das ist jedoch nicht mehr als ein Orientierungswert für den KI-Direktor. Er achtet fortan darauf, wie er euch tatsächlich auf der aktuellen Karte schlagt. Wie im ersten Teil bestimmt der Director beispielsweise, wann euch wo wie viele Zombies belästigen oder welche Waffen wo zu finden sind. Neu ist, dass die KI nun auch das Wetter und die Tageszeit bestimmen darf und selbst entscheidet, welche Türen für euch verschlossen oder offen sind. So wird jeder Neustart einer Mission trotz der starken Linearität der Levels zu einem neuen Erlebnis. Damit passt sich das Spiel an die Leistung eures Trupps an und hat – theoretisch – immer die richtige Herausforderung parat, wird also weder zu einfach noch zu schwer. Der  KI-Direktor erledigt seine Aufgabe insgesamt vorbildlich und gönnt euch auch mal eine Verschnaufpause

Die KI der eigenen Kameraden lässt da schon eher zu wünschen übrig. Nicht nur müsst ihr die Mini-Aufgaben in den Levels komplett selbst erledigen – sie fallen auch gerne zurück. Wenn ihr nicht aufpasst, steht ihr ganz schnell alleine da, was dem sicheren Tod gleichkommt. Auch bei anderen Gelegenheiten sind die KI-Begleiter für so manches Versagen verantwortlich, wenn sie sich beispielsweise mal wieder weigern, auf Zombies zu schießen, die euch umzingelt haben. Gleichzeitig zeigten unsere Erlebnisse auf den öffentlichen Servern aber auch, dass sich so mancher menschlicher Kollege noch dämlicher verhalten kann. Doch dazu später mehr. Zum Kennenlernen der Karten reicht der Einzelspielermodus zumindest aus – er ist aber zu Recht nicht der Kern des Spiels. Nach 5 bis 6 Stunden Spielzeit (rund 45 bis 60 Minuten pro Kampagne) habt ihr auch bereits alles gesehen.

Egal ob nachts in der U-Bahn oder tagsüber im Park: Zombieschnetzeln macht immer Spaß.

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