Test: Spionage im 2. Weltkrieg

Velvet Assassin Test

Sam Fisher lässt weiter auf sich warten, Solid Snake ist offiziell noch im Heimaturlaub, Meisterdieb Garrett probt noch für sein viertes Abenteuer. Ein guter Zeitpunkt für den Auftritt der Spionin Violett Summer, die sich klammheimlich als Velvet Assassin in die Läden geschlichen hat.
Christoph Licht 12. Juni 2009 - 21:42 — vor 10 Jahren aktualisiert
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Zwei Publisherwechsel und mehrere Terminverschiebungen hat die britische Spionin Violett Summer gebraucht, um am Ende komatös in einem verlassenen französischen Krankenhaus zu landen. Unter der fragwürdigen Obhut zweier Angehöriger der Widerstandsgruppe hat sie dabei Fieberträume von ihren erfolgreichen Einsätzen in Frankreich, Polen und Deutschland. Die Figur der Violett Summer ist von der realen Spionin Violette Szabo inspiriert. Die sechs umfangreichen Missionen im Spiel sind jedoch, genauso wie ihr endgültiges Schicksal, reine Fiktion der Entwickler. Die echte britische Agentin konnte 1944 hingegen nur einen Auftrag erfolgreich beenden bevor sie von deutschen Soldaten gefangengenommen, gefoltert und am 05. Februar 1945 in Ravensbrück hingerichtet wurde. Auch zog sie, anders als Violett Summer, während ihrer Mission keine Spur aus Leichen hinter sich her. In Kinderhände gehört Velvet Assassin deshalb definitiv nicht. Zu einem hirnlosen Shooter verkommt der Titel aber genauso wenig.

Trotz Nebel ist der Vollmond zu stark und verdrängt die Dunkelheit. Ungünstig für uns, die wir darauf angewiesen sind.

Die Kunst des Mordens

Der Vollmond steht in einer nebligen Nacht hoch am Himmel. Zwei deutsche Soldaten patrouillieren an einer U-Boot-Anlegestelle. Kein Schatten weit und breit, um sich darin zu verstecken – nur Kisten, die auf ihre Verladung warten. Dahinter eine weibliche Gestalt in dunklen Lederklamotten -- unsere Heldin! Wir analysieren die Laufwege der beiden Soldaten und planen unsere Strategie. Wir bringen uns in Position und schlagen zu, als die beiden Wachen uns nicht sehen können. Ein schneller Stich von hinten in den Hals, schon sinkt die erste Wache zu Boden. Jetzt muss alles schnell gehen. Bevor die andere Wache auch nur reagieren kann, übertönt das rauschende Wasser einen Schuss aus unserer schallgedämpften Pistole. Dumpf schlägt die Wache auf den Pflasterstein. So ähnlich laufen viele eurer Konfrontationen mit Wehrmachtssoldaten in Velvet Assassin ab. Während ihr Violett auf den Rücken schaut, schleicht ihr euch in zwölf Missionen die meiste Zeit geduckt von Schatten zu Schatten und von Deckung zu Deckung. Nur, um genau den Moment abzupassen, in dem euch eine Wache den Rücken zukehrt! Belohnt wird die Mühe dann mit einer von über von 50 verschiedenen, aber allesamt äußerst brutalen Tötungsanimationen.

Türen – ein neuartiges Konzept

Dieser Offizier ist zu faul, die Tür zu öffnen.
War Violett doch einmal unachtsam und hat die Aufmerksamkeit der Wachen auf sich gezogen, bedeutet dies noch nicht gleich den Neustart: Neben einem Messer habt ihr auch sporadisch Zugriff auf verschiedene Arten von Pistolen, ein Scharfschützengewehr und gegen Ende sogar ein ausgewachsenes Sturmgewehr. Munition dafür ist rar gesät, der Mangel wirkt jedoch künstlich konstruiert. Gegner lassen nur selten etwas fallen, und deren Waffen aufnehmen darf Violett erst gar nicht. Aber auch ohne starke Bewaffnung könnt ihr immer noch den eigenen Tod ein wenig hinauszögern. Überall in den Levels verteilt findet Violett dazu Morphium-Spritzen. Diese zeigen Violett nicht nur leicht bekleidet in ihrem Krankenhaushemd und lassen die Sicht verschwimmen – sie erlauben es euch außerdem, Gegner im Frontalangriff mit einem Messerstich zur Strecke zu bringen. Nach der erfolgreichen Exekution läuft die Zeit dann normal weiter. Gegen mehrere Gegner gleichzeitig ist Violett damit also auch nicht geholfen. Doch für solche Situationen gibt es ein ungewolltes Hilfsmittel: Türen. Davon gibt es in Velvet Assassin zwei Arten. Die einen funktionieren ganz normal, schwingen also in den nächsten Raum auf und stellen einen nahtlosen Übergang zwischen einem Zimmer in das nächste dar. Die zweite Variante trennt hingegen physikalisch zwei Räume voneinander. Statt die Tür zu öffnen, wird der Bildschirm beim Benutzen kurz schwarz und ihr steht plötzlich auf der anderen Seite. Unschöner Vorteil dieser Türen: Gegnerische Soldaten können sie nicht benutzen! Wurdet ihr entdeckt und verschwindet durch solch eine Tür, dürft ihr seelenruhig von der anderen Seite durch das Schlüsselloch beobachten, wie sich die Gegner vor ihr sammeln und nach kurzer Zeit die Suche aufgeben. Das ist quasi ein eingebauter Cheat-Code, der bei Benutzung kräftig auf den Realismus drückt.

Beispielmission

Als kleines Beispiel der erste Abschnitt einer Mission: Im vorletzten Auftrag soll Violett einen hochrangigen Offizier in einem Gasthaus töten. 1 Leider ist auf dem direkten Weg die Brücke zerstört. 2 Nach einer kurzen Suche findet Violett in der Nähe ein Bootshaus. 3 Das ist aber natürlich nicht unbewacht. 4 Kein Problem für Violett: Anschleichen und ausschalten ist die Devise. 5 Im Keller ist der Hebel zum Aktivieren des Bootskran versteckt. 6 Und schon kann Violett das Boot für ihre Zwecke missbrauchen und zum nächsten Abschnitt der Mission übergehen.

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