Schwer? Extrem schwer!

Dark Souls Test

Schwer, schwerer, Dark Souls. Das ist eine Binsenweisheit, die ihr auch ohne unseren Test schon kennt. Uns interessiert: Ist Dark Souls ein gutes Spiel? Ist der Anspruch zwar sehr hoch, aber gleichzeitig fair umgesetzt? Oder waren hier verkappte Masochisten am Werk, die handwerkliche Fehler unter dem Nimbus "Superschwer" verstecken?
Sven 6. Oktober 2011 - 1:16 — vor 1 Jahr aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal und der PS3.

Update 5.2.2012: Text wurde auf Grundlage von Feedback mehrerer Dark Souls-Fans (Details: siehe Dark-Souls-Expertenkommission im Forum) in mehreren Punkten korrigiert oder präzisiert.

Verlorene Seelen, Untote, Großmonster, reichlich verbrannte Erde – und ihr mittendrin! So könnte man die Welt des Action-Rollenspiels Dark Souls grob beschreiben. Wie schon im Vorgänger Demon's Souls ist die Story eh nur pflichtschuldiges Beiwerk. Der Atmosphäre tut dies allerdings keinen Abbruch, denn die entsteht aus der hübsch-morbiden Grafik und den ständigen Adrenalin-Schüben beim Spieler. Dark Souls soll größer, schöner und noch gruseliger sein, als es Demon's Souls schon war. Und noch schwerer! Lasst uns ohne lange Vorrede ins Abenteuer stürzen und herausfinden, ob From Software, die Entwickler der beiden Spiele, tatsächlich Wort gehalten haben.

Klassenspezifische Ausstattung
Zu Beginn legt ihr zunächst euer Aussehen und eure Klasse fest. Letztere beeinflusst die ersten Attributspunkte und ihr erhaltet zudem eine klassenspezifische Anfangsausstattung. Auch eine Zauberin kann im Laufe des Abenteuers so stark wie ein Krieger werden, vorausgesetzt, ihr steigert die Attribute Stärke und Ausdauer mit den gewonnenen Erfahrungspunkten. Der Kehrschluss gilt natürlich auch: Wenn ihr möchtet, erlernt euer Krieger im Spielverlauf mächtige Zauber. Diese kommen euch zwar teuer zu stehen, da ihr sie bei den handelnden Magiern gegen viele Seelen kaufen müsst, aber immerhin geht es – andere Spiele ziehen die Grenzen zwischen den einzelnen Klassen wesentlich enger.
Das Tutorial besteht hauptsächlich aus solchen Markierungen. Laufen wir darüber, erscheinen Texttafeln. (PS3)

Das anfängliche Tutorial ist seinen Namen nicht wert: Anhand von dutzenden Markierungen auf dem Boden, die Texttafeln öffnen, sobald wir darüber laufen, werden uns die zahlreichen Bewegungsmöglichkeiten förmlich an den Kopf geschmissen statt uns einzelne Manöver durch entsprechende Gegner oder Räume gezielt einstudieren zu lassen, bevor das nächste Manöver erklärt wird. Die Lernkurve ist dadurch frustrierend steil. Mit dem linken Analogstick setzt ihr euch in Bewegung, der rechte bewegt die Kamera und schaltet durch Drücken auf den nächststehenden Gegner auf. In der Regel fackelt dieser nicht lange und fordert euch umgehend zum Duell heraus – zeigt ihm also, aus welchem Holz ihr geschnitzt seid!

Mit den rechten Schultertasten schwingt ihr euer Schwert oder eben euren Zauberstab, die beiden linken Schultertasten dienen zur Verteidigung. Auf Knopfdruck hält sich eure Spielfigur den Schild vor die Brust oder stößt damit zu. Solltet ihr den Gegner mit dem Schildstoß treffen, steht er ohne Deckung da und muss euren schnell ausgeführten Angriff hinnehmen. Verfehlt ihr hingegen euer Ziel, solltet ihr besser schon einmal einen Heiltrank bereithalten: Die computergesteuerten Widersacher nutzen eure Fehler in der Regel gnadenlos aus. Und sterben ist bei Dark Souls schmerzhafter für den Spieler als in fast allen anderen Titeln. Doch dazu kommen wir noch.
 
Seit dem Patch geben Skelette erstens ebenfalls Seelen und stehen zweitens ohne Nekromant nicht wieder auf. (PS3)
Zielen und Verfehlen mit SystemIm Duell mit Standardgegnern reichen euch die Schultertasten gewöhnlich aus, um als Sieger weiterzuziehen. Nicht beim ersten Mal, denn schon die normalen Gegner (etwa ein Skelett) sind längst nicht so harmlos wie in den meisten anderen Rollenspielen. Aber wenn ihr ein paar Mal gestorben seid, habt ihr meist den Bogen raus und könnt dann weitere Gegner desselben Typs in der Mehrzahl der Fälle besiegen.

Gegen größere Zwischengegner ist das übrige Repertoire an Bewegungen unabdingbar: So rollt ihr euch auf Knopfdruck zur Seite weg oder nehmt die Waffe in beide Hände, um zusätzlichen Schaden zu hinterlassen – selbstverständlich auf Kosten der eigenen Verteidigung. Kombiniert ihr einzelne Knöpfe miteinander, löst ihr mächtige Sprungattacken aus, die, sofern ihr euer Ziel tatsächlich trefft, großen Schaden anrichten. Achtet dabei allerdings penibel darauf, die Tasten gleichzeitig zu drücken, andernfalls führt die Spielfigur nicht die gewünschte Bewegung aus – die Fehlertoleranz ist sehr gering! Uns gelang es beispielsweise immer nur sporadisch, einen Soldaten mit einem gezielten Tritt eine Klippe hinunter zu befördern. Meistens schlugen wir ihm ungewollt unser Schwert gegen seinen Schild. So verlor er zwar auch das Gleichgewicht und somit den Boden unter den Füßen, aber wir sprangen ihm hinterher – so ein heftiger Schlag verlangt eben nach einem großen Ausfallschritt!

Wir bedurften einiger Stunden Spielzeit, bis wir die Steuerung verinnerlicht hatten. Dann geht sie gut von der Hand und wirkt durchdacht, mit einer großen Ausnahme: der ungenauen Zielfunktion: Wie oben erwähnt, nehmt ihr mit dem rechten Analogstick einen Gegner ins Visier. Er wird dementsprechend markiert und von der Kamera fortan ins Zentrum gerückt. Nun sollte man meinen, dass alle Attacken aus der Ferne eben diesem Feind gelten – aber weit gefehlt! Unsere Zauberin feuert immer wieder fröhlich in den Himmel, statt auf den Gegner.
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Offenbar ist dieses fehlerhafte Aufschalten seit unserem Test per Patch verbessert worden. Fans beschreiben es als nachvollziehbar und erlernbar.

Unsere Testerfahrung im Oktober aber war: Je größer der Abstand zum anvisierten Ziel, umso fehlerhafter reagiert das Zielsystem. So kann es auch passieren, dass ihr einen Feind mit einem Fernschuss schwer verwundet, er aber gleichzeitig aus eurem Angriffsradius gestoßen wird. In diesem Fall nimmt das Zielsystem einfach den nächsten Unhold ins Visier. Ihr könnt dagegen nichts tun, außer abermals den rechten Analogstick zu drücken, also das Zielsystem wieder zu verlassen, ein paar Schritte auf das eigentliche Ziel zuzugehen und es mit einem weiteren Druck erneut auszuwählen. In der Zwischenzeit hat sich der Gegner aber längst einen Heiltrank genehmigt – die Auseinandersetzung beginnt also praktisch wieder von vorn! Wenn man bedenkt, dass euch gerade anfangs Zauberkraft respektive Munition für Fernwaffen nur in begrenztem Umfang zur Verfügung steht (nach Patching ist Fernwaffenmunition allerdings günstig bei jedem Händler zu haben), sind derartige unverschuldet wirkungsarme Schüsse richtig ärgerlich. 
Der steinige Weg zur ersten Glocke
Zu Beginn von Dark Souls nehmen wir einen vermeintlich einfachen Auftrag entgegen: Wir sollen zwei Glocken finden und sie läuten. Gesagt, getan? 1 Unsere Mission beginnt an einem Leuchtfeuer, an dem wir uns erholen und unsere Fähigkeiten verbessern können. Außerdem dient dieser Ort als Speicherpunkt: Wann immer wir sterben, und das passiert sehr häufig, werden wir hierher zurückgesetzt. 2 Wir blicken andächtig auf die Burg, die wir auf der Suche nach dem Glockenturm erklimmen sollen. 3 Dieser recht harmlose Gegnern bekommt unseren Zauber zu spüren. Anderen Klassen steht dieser zunächst nicht zur Verfügung. So setzt sich beispielsweise ein Ritter notgedrungen mit Bomben zur Wehr. 4 Regelmäßig stellen sich uns übermächtige Gegner in den Weg. Dieser Drache ist besonders tödlich, doch kann man ihm auch erst mal aus dem Weg gehen.  5 Gelegentlich begegnen wir auch anderen Charakteren, die uns kurze Gespräche, aber vor allem nützliche Gegenstände zum Kauf anbieten. Manche dürfen wir sogar an vorgegebenen Stellen gegen mächtige Bosse zur Unterstützung rufen.  6 Nach einem langen und mühseligen Aufstieg läuten wir, wie gewünscht, die Glocke und genießen für einen kurzen Moment den Sonnenaufgang in luftiger Höhe. Zumindest hier oben sind wir vor allen Monstern sicher – ein schönes Gefühl!
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