Kopfgeldjäger auf Rachefeldzug

Call of Juarez - Gunslinger Test

Nach langer Durststrecke erscheint mal wieder ein waschechter Western-Shooter. Noch dazu hat Entwickler Techland mit den beiden ersten Call-of-Juarez-Teilen bewiesen, dass sie in diesem Genre sehr gute Spiele abliefern können. Dann folgte der Absturz mit dem missratenen 3. Teil. Knüpft Gunslinger an die ersten beiden Teile an?
BiGLo0seR 23. Mai 2013 - 20:07 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Zu Beginn dieses Artikels sei erst einmal an das enttäuschende Call of Juarez - The Cartel (GG-Test: 6.0) erinnert. Dieser missglückte Versuch, das Szenario in die Gegenwart zu verlegen und die Handlung im den kalifornisch-mexikanischen Drogenpfuhl spielen zu lassen. Denn seit gestern ist Call of Juarez – Gunslinger als Download-Titel für den PC via Steam, Xbox Live und PSN erhältlich und kostet 14,99 Euro beziehungsweise 1.200 Microsoft Points. Der Western-Shooter will zu alten Tugenden der Call of Juarez-Serie zurückkehren und hatte in unserem Angespielt-Artikel bereits einen guten Eindruck hinterlassen. Ob die Vollversion diesen bestätigen kann und sich die befürchtete Langeweile im Missionsdesign doch nicht einstellt, haben wir nun im Test geklärt. Deshalb schnell das Pferd gesattelt und den Cowboy-Hut aufgesetzt, schon kann die Reise mit dem Download-only-Titel beginnen.
 
Die glorreiche HandlungDie Geschichte von Gunslinger erzählt der greise Kopfgeldjäger Silas Greaves. Der kommt im Jahr 1910 in einen Saloon in Kansas und will eigentlich nur gemütlich was trinken, als er vom Barkeeper erkannt und von den anderen Gästen umringt wird – er ist eine Berühmtheit. Gerne schildert er den Anwesenden seine Erlebnisse auf der Jagd nach Roscow Bob Bryant, mit dem er eine Rechnung zu begleichen hatte. Dabei begegnete er unter anderem Billy the Kid, Jesse James oder John Wesley Hardin, um nur einige der vorkommenden Legenden des Wilden Westens zu nennen. Zudem kommen immer wieder reale Geschehnisse wie ein Banküberfall der Dalton-Brüder vor, die Silas behauptet, miterlebt zu haben.
 
Die Entwickler setzen diese Erzählweise geschickt ein: Zum einen kommentiert Silas selbst jeden seiner Schritte. Da er aber nicht mehr der Jüngste ist, spielt ihm sein Gedächtnis von Zeit zu Zeit einen Streich. Zum Beispiel fällt ihm plötzlich ein, dass die Sicht sehr schlecht und zudem Herbst war. Daraufhin verlangsamt sich das Spiel und das Laubwerk wechselt von sattem Grün zu herbstlichem Rot und Gelb. Gleichzeitig zieht in Sekundenschnelle Nebel auf. Außerdem neigt Silas zum Aufschneiden und vermischt so Realität mit Fantasie. Die Zuhörer wiederum weisen ihn auf diese Ungereimtheiten hin oder geben die ihnen bekannte Version zum Besten. Gerade dieses Zusammenspiel zwischen eigenen Handlungen und Off-Kommentaren lockert das Spiel auf und sorgt für einige geniale Szenen.
 
So findet sich Silas in einigen ausweglosen Situationen wieder, in denen die Zuhörer nachfragen, wie er daraus bloß entkommen konnte. Dann fällt ihm wieder ein, dass er genau in diesem Moment einen Fluchtweg entdeckt habe. Im Spiel öffnet sich in solchen Fällen dann auf einmal ein Felsspalt oder eine Holzbrücke fällt sozusagen aus heiterem Himmel herab. Manchmal werden aus Banditen auf einmal Indianer oder ihr erlebt den erwähnten Banküberfall der Daltons in drei unterschiedlichen Versionen – zwei basieren auf den Kenntnissen der Zuhörer und eine stammt von Silas. Diese Verrücktheiten sind ungewöhnlich und zudem witzig und sehr gut inszeniert. Am Ende wartet die Geschichte mit einer unerwarteten Wendung auf und ihr könnt eine Entscheidung – leider nur per tristem Textfenster – für den Ausgang treffen.
 
Viel Feind, wenige Typen
Im Laufe des Spiels stehen sogar Duelle gegen zwei Berühmtheiten gleichzeitig an.
Gunslinger ist in sieben Episoden unterteilt und hat 14 Levels. Die Missionen und der Shooter-Part halten sich im Gegensatz zur Geschichte an die gängigen Konventionen inklusive automatischer Heilung. Ihr könnt zwei Waffen, eine klein- und eine großkalibrige, sowie Granaten alias Dynamit tragen. Die Auswahl ist authentisch und umfasst Schrotflinten, Gewehre und Revolver, die sich etwa beim Nachladen unterscheiden. Die KI der sehr zahlreichen Gegner lässt sich als zweckmäßig beschreiben: Die Feinde suchen Deckung, wechseln sie geschickt und zwingen euch mit Dynamit, eure Position zu wechseln – sofern ihr die Stangen nicht in der Luft abschießt und zur Explosion bringt. Aber allzu oft laufen sie auch schnurstracks auf euch zu oder stehen angewurzelt frei in der Landschaft. Das ist an bestimmten Stellen von den Entwicklern gewollt, doch verkommen diese dadurch auf Dauer zum eintönigen Tontaubenschießen. Ebenso ist kein taktisches Vorgehen der Widersacher zu erkennen. Sie werden für euch durch die schiere Masse und der Zusammensetzung zur Gefahr. Wenn mehrere Feinde mit Gewehren und Revolvern auf euch schießen, dann noch ein gepanzerter Schrotflinten-Cowboy auf euch zukommt und das Dynamit um euch herum e
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xplodiert, beißt ihr schneller ins Gras als ihr "Howdy!" rufen könnt.
 
Die Zahl der Feindtypen ist allerdings eng begrenzt. Manche tragen Schilde aus Holz oder Metall vor sich her, die ihr nicht durchdringen könnt. Dann heißt es entweder abwarten, bis sie hervorlugen, oder eine Dynamitstange werfen. Dazu kommen noch stärkere Varianten mit eigenem Lebensbalken wie gepanzerte Schrotflinten-Cowboys. Am Ende jedes Levels wartet dann ein Boss auf euch, bei denen es sich um die angesprochenen Legenden des Wilden Westens handelt. Die sitzen manchmal hinter einer Gatling-Gun, werfen mit unbegrenzt Dynamit nach euch oder sind einfach nur besonders stark. Die meisten besiegt ihr jedoch in einem Duell. Dafür gilt es, den Kontrahenten im Fokus eures sich bewegenden, kleiner werden Kreises zu halten, um die Genauigkeit zu beeinflussen. Im selben Moment müsst ihr auf die Position eurer Hand zum Revolver achten, was die Schnelligkeit beeinflusst. Sobald ihr nun euer Herz pochen hört, könnt ihr den Colt ziehen und abdrücken – oder ihr wartet, bis euer Gegenüber dasselbe macht. Letzteres gilt als ehrenhaft und bringt euch mehr Punkte ein, ist aber riskanter.
Die meiste Zeit über habt ihr es mit Standardgegnern wie diesen hier zu tun. Die machen euch das Leben durch ihre schiere Masse und Zielgenauigkeit schwer, nicht aber durch taktische Finesse.
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