Vom Wilden Westen in die Neuzeit

Call of Juarez - The Cartel Preview

Mit The Cartel verordnet Entwickler Techland seiner Western-Serie Call of Juarez eine Frischzellenkur, die den dritten Teil in die Moderne verschlägt und mit Drei-Spieler-Koop versieht. Viel anzügliches Ab-18-Potential, aber auch die Pferdestärken der Serie – Dialoge und Storytelling – inklusive. Wir haben uns das Spiel angesehen.
Philipp Spilker 3. März 2011 - 19:00 — vor 8 Jahren aktualisiert
PC 360 PS3
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Man könnte meinen, Red Dead Redemption sei schuld. Mit ihrem Westernkracher hat Rockstar San Diego nicht nur bei den gestrigen GDC-Awards abgeräumt wie kein zweiter, sondern 2010 auch das Wild-West-Setting so überzeugend umgesetzt, dass Mitbewerber lieber gleich im Saloon sitzen bleiben. Da leuchtet es nur ein, dass der polnische Entwickler Techland die Pferde für seinen dritten Call of Juarez-Ableger im Stall lässt und sich auf der Suche nach einem neuen Szenario begeben hat. Die resultierende Neukonzeptionierung für Call of Juarez – The Cartel liest sich zunächst nur wie ein fixer Wechsel des Settings. Tausche rostigen Sechs-Schuss-Colt gegen stahlpolierte Halbautomatik und das Halbblut-Ross gegen eine Sportkarrosse. Aus dem Wilden Westen wird also die Moderne, doch wie wir feststellen konnten, betreiben Entwickler und Publisher auch eine gehörige Frischzellenkur im Inneren des Spiels.

Wir sichern hier unsere Umgebung mit Sniper-Gewehren, während im Tal Ben McCall einen Deal abwickelt.

Von Los Angeles nach Juárez

Kleiner Sprung auf der Deutschlandkarte: Düsseldorf an einem sonnigen Vormittag, wir sitzen in Ubisofts Büro-Fort. Zwei französische Entwickler zücken ihre Xbox-360-Gamepads, die aber sind an Windows-Computer angeschlossen. Wieso eigentlich zwei Gamepads? Es dämmert uns: Sich als einsamer Wolf durchzuschlagen, scheint im dritten Call of Juarez Blei von gestern zu sein. Die dunkel-düstere Storykampagne von The Cartel ist komplett auf Koop-Teamplay ausgerichtet, am besten online und im Dreierteam. Dabei führen euch die 16 Missionen (die Entwickler sprechen von einer 10- bis 12-stündigen Spielzeit für die Kampagne) durch die verschiedensten Lokalitäten des neuzeitlichen Amerikas. Vom modernen Los Angeles nach Juárez in Mexiko – ihr kommt beim dritten Serienteil um einiges mehr herum als in den Vorgängern, wo sich eine staubige Wüste an die nächste reihte. Zum Thema kooperatives Spielen kommen wir gleich noch im Detail.

Call of Juarez - The Cartel wartet mit Ordnungshütern als Charakteren auf, die nicht gestriegelt nach Vorschrift vorgehen.Die auch nicht auf ihre Vorgesetzten hören -- zumindest das erfüllt die Serientradition, man denke nur an den ungehorsamen Soldaten, den man im zweiten Teil spielte. Unsere neuzeitlichen Sheriffs interpretieren Recht und Gesetz auf ihre ganz eigene Weise. Und gerne auch mal mit viel Geballere, wenn der Kollateralschaden nicht zu groß wird. Dass das Spiel nicht gerade kindergeburtstagsgerecht über den Bildschirm flimmern kann, ist auch dem Entwickler bewusst. Techland will in Sachen Gewaltdarstellung und nackten Tatsachen daher keine Einschnitte machen, der Titel peilt laut Ubisoft eine ab-18-Kennzeichnung an.

Polizeiarbeit im Hurenhaus

Kim, Ben und Eddie haben zwar unterschiedliche Motive, aber ein gemeinsames Ziel -- das Kartell stürzen.
Unsere drei Gesetzeshüter Ben McCall, Kim Evans und Eddie Guerra rumpeln mit ihrer schwarzen Karre durch das Dirnenviertel von Los Angeles. In einer begleitenden Cutscene wird uns schnell das Ziel ihrer Mission deutlich gemacht: ein kleiner Drogenhändler, der angeblich Verbindungen zum mexikanischen Kartell unterhält, soll in die Mangel genommen werden. Er hält sich gerade in einem Bordell auf. Wir nutzen die Fahrtzeit, euch die Helden schnell vorzustellen.

Ben McCall ist ein Nachfahre des pistolenschwingenden Pastors Ray McCall (bekannt aus Call of Juarez und Bound in Blood). Der Vietnam-Veteran ist durch seine Kriegserlebnisse zu einem toughen, zynischen LAPD-Cop geworden. Die kesse, kurzhaarige Kim ist im Laufe ihrer noch vergleichsweise jungen Karriere – trotz schmerzhafter Kindheit und angedeuteten Gangsterverbindungen – zum Star ihrer FBI-Abteilung avanciert. Und Eddie? Der ist der gewiefte Redner und Lebemann der Truppe, der nicht von den Casino-Chips lassen kann. Zwischen diesen drei Helden werdet ihr wählen können, wenn ihr solo spielt, der Computer übernimmt dann die anderen.

Wir sind im Hurenhaus angekommen. Vor der Zimmertür des Kartell-Ganoven diskutieren Ben und die anderen nicht erst über Paragraphen. Stattdessen heißt der Plan: Tür eintreten, Flüche ausstoßen – und dem Typen, der übrigens gerade lautstark eine Dirne "kennen lernt", die Fresse polieren. Dann erst werden die Fragen gestellt. Ein solch gewaltbereites Bullentrio vor sich stehen zu haben, ist allem Anschein nach wenig libidoförderlich. Kim flötet, nachdem sie das Callgirl aus dem Zimmer gejagt hat, dem Kleingangster zu: „Sorry for the cock block.“ Diese spritzig-witzigen Dialogpassagen sind eine Stärke der Call-of-Juarez-Reihe und finden sich auch in The Cartel wieder. Der kleine Missionsauftakt im Hurenhaus ist nur eines von vielen Beispielen dafür, die uns vor Ort bei Ubisoft präsentiert wurden.

Im Mafia-Nachtclub wischen Ben und seine beiden Begleit-Cops den Boden mit Kleinkriminellen auf. Doch nur mit den Fäusten, nicht mit Waffen: Kommen Zivilisten zu Schaden, ist die Mission gescheitert.

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