Test: Action satt, KI matt

Call of Juarez - The Cartel Test

Mit Call of Juarez etablierte Techland eine Reihe von Western-Shootern, die sich angenehm von der Masse an Militär- und Weltkriegsshootern abhob. The Cartel verlegt die Handlung in den kalifornisch-mexikanischen Drogenpfuhl der Gegenwart. Gelungene Portierung eines bewährten Spielprinzips oder lauer Aufguss einer erfolgreichen Serie?
Benjamin Braun 27. Juli 2011 - 15:41 — vor 8 Jahren aktualisiert
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von Benjamin Braun


Vor knapp fünf Jahren veröffentlichte der polnische Entwickler Techland (Chrome, Dead Island) den ersten Teil seines Western-Shooters Call of Juarez für PC. Im sehr guten Serienauftakt begaben sich Billy Candle und Reverend McCall auf die Suche nach dem Schatz von Juarez, ballerten sich mit Gewehren und Revolvern durch Massen von Mexikanern, sprengten Eisenbahnbrücken und lieferten sich Verfolgungsjagden mit Pferden und Kutschen. 2009 erschien mit Bound in Blood eine gute, wenngleich nicht superbe Fortsetzung (GamersGlobal-Test: 8.5), in der der Spieler erneut in die Rolle eines McCalls schlüpfte, um erneut durch schnelle Reaktionen sowie im Konzentrationsmodus (eine Art Bullettime) Gangster, Soldaten und Indianer auszuschalten. Auch im dritten Teil Call of Juarez – The Cartel lenkt ihr die Geschicke eines McCalls. Diesmal allerdings nicht im Wilden Westen, sondern im Los Angeles der Gegenwart. Autos ersetzen Pferde, Maschinenpistolen Repetiergewehre und Drogengangster Rothäute und Banditos.

Gemischtes Cop-TrioLos Angeles im Juli 2011: In der Stadt der Engel grassiert der Drogenhandel, die Prostitution nimmt überhand und immer häufiger deckt die Polizei Fälle von Menschenhandel auf. Die treibende Kraft hinter der Welle der organisierten Kriminalität ist das mexikanische Drogenkartell von Carlos Mendoza, dem es sogar gelingt, einen Bombenanschlag auf ein Gefängnis durchzuführen. Die Behörden bitten schließlich die Regierung in Washington um Hilfe. Sie stellt eine Spezialeinheit zusammen, die das Kartell zerschlagen soll. Der alternde Detective und Vietnamveteran Benjamin McCall ist einer von drei Experten, die Washington auserkoren hat. Er ist nicht nur ein harter Hund, er hat auch noch eine Rechnung mit einem ehemaligen Kameraden offen, der jetzt für Mendoza arbeitet. Die adrette FBI-Agentin Kim Evans ist das jüngste Mitglied der Einheit und hat sich ihrer Zeit aus der Unterschicht bis zum Federal Bureau of Investigation hochgearbeitet. Ebenfalls aus einfachen Verhältnissen stammt Eddie Guerra, ein vorlauter Ermittler der Drug Enforcement Administration (DEA), für den Kartenspielen keine Leidenschaft, sondern Sucht ist.

Dieses Trio soll das Unmögliche schaffen und das scheinbar übermächtige Imperium des Drogenbarons zu Fall bringen. Das ungleiche Experten-Trio schreckt dabei nicht vor unorthodoxen Methoden zurück. Sie legen beispielsweise falsche Spuren auf einem zerstörten Drogenfeld, um einen Bandenkrieg anzuzetteln. Auch sonst zeigen sich die drei wenig zimperlich während ihrer Ermittlungen: Zeugen entlocken die drei Gesetzeshüter Informationen, indem sie handgreiflich werden. Bei einer Prostituierte in einem Bordell setzen sie einen Würgegriff an und schubsen sie quer durch den Raum, um an eine banale Information zu gelangen. Einem harmlos wirkenden Kartell-Schergen versetzen sie Schläge und Tritte ins Gesicht, obwohl er längst seine Kooperationsbereitschaft signalisiert hat. Doch der Erfolg gibt ihnen Recht, sie kommen Mendoza immer näher, gleichzeitig aber auch ihrer eigenen Vergangenheit…

Eine Kampagne, drei Perspektiven
The Cartel könnt ihr als drei unterschiedliche Helden erleben, was aber an der Handlung und dem Spielverlauf wenig ändert.
Anders als in Bound in Blood wählen wir zu Beginn des Storymodus' einen der drei Charaktere aus und steuern ihn bis zum Ende des Spiels. In jedem der drei Zweige gibt es eine ganze Reihe von Zwischensequenzen, die sich ausschließlich mit der Geschichte und den Motiven des jeweiligen Charakters beschäftigen. Welcher Zwischenfall in Vietnam Ben Mc
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Call nachhaltig geprägt hat, erfahren wir nur, wenn wir ihn steuern. Das Ausmaß der Zwickmühle, in der Eddie aufgrund seiner Spielsucht steckt, wird hingegen nur offenbar, wenn wir seinen Part übernehmen. Darüber hinaus erhält jede Figur dubiose Sonderaufträge, die spielerisch relevante Boni geben und gleichzeitig mehr über ihren Hintergrund verraten.

Hin und wieder trennen sich die Wege der drei Spielfiguren. In einem späteren Kapitel begibt sich Ben beispielsweise zu einem entlegenen Ort in der Wüste, an dem ein Gefangenenaustausch stattfinden soll, der in einem Hinterhalt endet. Während Ben in einem alten Wohnwagen Schutz sucht, beobachten Kim und Eddie das Geschehen aus einiger Entfernung durch ein Scharfschützengewehr. Sie müssen sich zunächst einen Berg hinabkämpfen, bevor sie McCall Schützenhilfe geben können. In den meisten Missionen sind die drei aber stets nah beieinander, am grundsätzlichen Verlauf ändert sich zudem durch eure Charakterwahl nichts. Am Ende der Kampagne wartet das Spiel allerdings noch mit einer folgenschweren Entscheidung auf und mündet in unserer Schätzung nach vier unterschiedliche Endsequenzen.
Nur anfangs spannend: In The Cartel nehmen wir die Kartell-Schergen immer wieder aus einem fahrenden Wagen ins Visier.
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