Komplett und am besten

L.A. Noire (PC) Test

Vor sechs Monaten erschien mit L.A. Noire Team Bondis größtes und auch letztes Spiel, das nicht zuletzt mit seiner Animationstechnik schon im Vorfeld von sich Reden machte. Nun ist die PC-Umsetzung erschienen. Wir verraten euch, ob das Spiel innerhalb des halben Jahres gereift ist wie ein guter Wein oder es nichts Neues in LA gibt.
Benjamin Braun 15. November 2011 - 10:34 — vor 8 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots im Artikel stammen von uns.

PC-Spieler sind es mittlerweile gewohnt, etwas länger auf die Umsetzung der Spiele von Rockstar Games für ihre Lieblingsplattform zu warten. Spieler der PC-Version von Grand Theft Auto 4 können zudem ein Liedchen davon singen, dass die von Rockstar nachgeschobenen Ausgaben für den heimischen Rechenknecht nicht immer von Beginn an in einem Zustand waren, der der inhaltlichen Qualität gerecht wird. Bei L.A. Noire endete die Wartezeit sechs Monate nach dem Release der Fassungen für Xbox 360 und Playstation 3. Die Portierung übernahm Rockstar Leeds, die unter anderem schon für die Umsetzung des DS-Actionspiels Grand Theft Auto – Chinatown Wars verantwortlich zeichneten – also nicht etwa der mittlerweile insolvente australische Entwickler Team Bondi.

Im Spiel übernehmt ihr die Rolle des Straßencops und ehemaligen Armee-Offiziers Cole Phelps. Der steigt im Laufe des Abenteuers bei der Polizei von Los Angeles auf und ist in verschiedenen Polizeidezernaten tätig. Unter anderem ermittelt er gegen Drogenhändler, Brandstifter und Mörder und kommt schließlich einer großen Verschwörung auf die Spur. Wer mehr über die Story und die Spielmechanik im Detail erfahren möchte, dem empfehlen wir die Lektüre unseres ausführlichen Tests zur Xbox-360- und Playstation-3-Version. In diesem Artikel wollen wir uns vor allem damit beschäftigen, ob Rockstar mit der PC-Umsetzung die beste Version des Polizeithrillers abliefert oder es ähnliche Startschwierigkeiten wie beim letzten GTA-Teil gibt.

Hübscher bei 30 Frames
Die Gesichtstexturen fallen im Verhältnis zum Rest schwächer aus. Das ist besonders in den Verhören etwas störend.
Rockstar wurde seiner Zeit schwer gescholten für die PC-Umsetzung von GTA 4. Heute spricht kaum mehr jemand darüber, dass es nach einigen Patches schließlich die mit Abstand beste Version von Nico Bellics Tour durch Liberty City war. Zeitgleich verbreiteten manche Gerüchte über Zwangsregistrierungen im Rockstar Social Club, die damals wie heute nicht zutrafen. Denn auch bei L.A. Noire müssen wir zwar den Client für den Rockstar-Club installieren, uns aber nicht registrieren. Stattdessen aktiviert ihr das Spiel per Online-Key und könnt sogleich ins Spiel einsteigen -- eine Steam-Anbindung gibt es übrigens nicht. Das Ergebnis, das Rockstar Leeds auf den Bildschirm zaubert, sieht erwartungsgemäß besser aus als die Konsolenvorlage. Die Texturen sind insbesondere in größerer Entfernung deutlich schärfer und lassen gerade die Texte auf Werbetafeln oder die dichte Blätterkrone eines Baumes selbst auf höhere Distanz noch genau erkennen. Die Vsync lässt sich übrigens nicht deaktivieren. Ihr spielt grundsätzlich bei konstanten 30 Frames.

Besonders stark fallen die höher aufgelösten Texturen an eher unscheinbaren Stellen ins Gewicht: Während wir uns mit unserem Captain auf dem Flur besprechen, ist im Hintergrund eine Pinnwand zu sehen, auf der diverse Aushänge wie Steckbriefe und ähnliches zu sehen sind. Während solche Details auf Xbox und Playstation rasch im Texturmatsch versanken, können wenigstens Spieler mit Adlerblick selbst diese Texte aus einigen Metern Abstand zur Tafel noch lesen. Große Vorteile genießt die PC-Fassung auch dank der nur in ihr vorhandenen Kantenglättung. Sie kommt vor allem bei den feineren Details wie Coles Polizeimarke aber zum Beispiel auch bei den Schattenwürfen zur Geltung. Die waren bekanntlich gerade in der Playstation-Version doch oftmals sehr ausgefranst und eckig. Von der Kantenglättung profitiert nicht zuletzt auch der große, authentisch nachgebildete Fuhrpark. Die Blechkarossen wirken dadurch im wahrsten Sinne des Wortes runder. An manchen Objekten, wie zum Beispiel den Feuerleitern an einem Wohnhaus, tritt gelegentlich Texturflackern auf. Herbe Grafikfehler wie zum Verkaufsstart der PC-Ausgabe von GTA 4 müsst ihr aber nicht befürchten.

Erhöht hat sich auch die Sichtweite: Telefonmasten, Häuser und andere Objekte poppen nicht mehr so auffällig ins Bild, wenn wir mit dem Einsatzwagen durch die Straßen des Los Angeles der 40er- und 50er-Jahre fahren. Je nach Perspektive fällt das aber nicht einmal im direkten Vergleich zu den Konsolenversionen b
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esonders stark auf. Die kleineren Ruckler beim Streamen der Spielwelt sind übrigens passé, sofern ihr mit den gewählten Einstellungen nicht die Leistungsfähigkeit eurer Grafikkarte überlastet. Die Ladezeiten innerhalb des Spiels sind außerdem deutlich kürzer. Meist dauert es nur wenige Sekunden, bis ihr zum Beispiel euren Einsatzort erreicht, wenn ihr die Fahrt bis dorthin wie in der Konsolenvorlage überspringt.

Diese Vorzüge werden allerdings dezent relativiert, da die Texturqualität insgesamt doch recht stark schwankt. Dass die Bodentexturen hier und dort nicht viel besser aussehen als auf Konsole oder der eine oder andere Schrank im Hintergrund stark verwaschen wirkt, wäre nicht weiter schlimm. Problematisch ist allerdings, dass die Gesichtstexturen sich im Vergleich zur Konsolenvorlage kaum verbessert haben. Wenigstens nicht im selben Maße wie die übrigen Texturen. Ob das aufgrund der aufwändigen Gesichtsanimationen nicht möglich war, wissen wir nicht. Aber schon der starke Kontrast zwischen den groben Haut- sowie Haartexturen und den deutlich höher aufgelösten Tapeten etwa von Coles Anzug, kratzen deutlich am eigentlich hochwertigeren Gesamtbild.
before
after
Die PC-Version zeigt überall schärfere Texturen, wodurch etwa die Werbetafeln noch klar lesbar sind. Am Wagen fallen vor allem Vorteile bei der Beleuchtung und bei den Schattenwürfen auf. Die Stromleitungen dürften aufgrund des Tiefenunschärfeeffekts leicht verschwommen dargestellt sein.

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