Solo-Test: Ein Cop räumt auf

Battlefield - Hardline Test

Korrupte Bullen, rivalisierende Drogengangs und Festnahmen am laufenden Band: Als Detective des Drogendezernats von Miami sagt ihr der organisierten Bandenkriminalität den Kampf an. In unserem Test zur Kampagne klären wir, ob sich der Trip durch Florida und Kalifornien auch für Solisten lohnt.
Christoph Vent 19. März 2015 - 18:50 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Anderes Szenario – andere Sitten: Anstatt wie in den vorherigen Spielen der Battlefield-Reihe (und den allermeisten anderen Shootern dieser Welt) nicht lange zu diskutieren und sofort das Feuer zu eröffnen, könnt ihr die bösen Buben von Battlefield - Hardline alternativ auch einfach verhaften. Angesichts der Tatsache, dass ihr hier in die Rolle eines Polizisten schlüpft, ergibt das auch durchaus Sinn. Warum uns diese für Actionspiele ungewöhnliche Spielmechanik einerseits gefällt, andererseits aber auch im Testverlauf immer wieder mal dazu verleitet hat, uns mit der Hand auf die Stirn zu schlagen, verraten wir euch im Folgenden. Aber auch, wieso Hardline ein besseres Solospiel ist, als sein Ruf vermuten ließe.

Keine Macht den DrogenMiami ist ein heißes Pflaster. Es herrscht Drogenkrieg, gleich mehrere Banden mischen mit. Als Polizist Nicholas Mendoza bemerkt ihr jedoch sehr schnell, dass mehr hinter der Sache steckt. Immer wieder deutet sich an, dass gleich mehrere Cops mit den Gangstern unter einer Decke stecken. Selbst eure Partnerin Khai fällt immer wieder durch ihr wenig nachvollziehbares Verhalten auf. Doch wer ist wirklich der Drahtzieher hinter den kriminellen Machenschaften? Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Die Antwort erfahrt ihr bereits früh im Spiel, das aber auch auf schmerzhafte Weise.

An einigen Stellen ziehen sich Zwischensequenzen oder Fahrten zum Einsatzort unnötig in die Länge.
Die Idee von Visceral Games: Battlefield - Hardline soll mit seinen elf Kapiteln – hier Episoden genannt – an eine klassische Polizeiserie erinnern. Dementsprechend viel Zeit nimmt sich das Spiel auch für Story und Zwischensequenzen. Nach einem relativ kurzen Prolog, in dem ihr nach einer ersten Schießerei auch gleich eine Verfolgungsjagd erlebt, lernt ihr erstmal eure wichtigsten Kollegen kennen. Darüber hinaus werden euch noch einige weitere Namen gesuchter Verbrecher und Verdächtiger ans Ohr geworfen. Lasst euch dadurch aber keinesfalls verwirren – je weiter euer Fortschritt in der Kampagne, desto mehr lösen sich die Namensprobleme von alleine.

Aufmachung à la TV-SerieDas Konzept einer spielbaren TV-Show inklusive vorhandener Anspielungen auf andere Serien wie Miami Vice klappt ganz gut. Das geht sogar so weit, dass ihr beim Verlassen des Spiels Richtung Hauptmenü eine Vorschau für die nächste Episode seht. Ebenso gibt es einen kurzen Rückblick auf die bisherigen Erlebnisse, wenn ihr Hardline startet. Spielt ihr aber an einem Stück, bekommt ihr davon allerdings nichts mit. Keine Frage: Eine Erinnerung, was gerade erst passiert ist, benötigt ihr in diesem Fall nicht. Dennoch hätte ein kurzer Einspieler das Episodenformat gut unterstreichen können.

Solange ihr geduckt bleibt, kann euch der Gegner nicht sehen. Stattdessen schaut er sich lieber den Lastwagen an.
An anderen Stellen übertreiben es die Entwickler aber auch mit der Rahmenidee "TV-Serie". Gleich nach dem Prolog fahrt ihr etwa für mehrere Minuten durch die Straßen von Miami zu eurem Einsatzort. Solche Passagen, in denen ihr euch mit eurer Kollegin und auch einigen Passanten unterhaltet, vermitteln zwar eine gute Atmosphäre, allerdings besitzen die Charaktere nicht viel Tiefe, und die Dialoge sind nur selten richtig interessant. Bei einer Gesamtspielzeit von rund 7 Stunden kommt da schnell der Eindruck auf, dass hier künstlich gestreckt wurde.

Hände hoch!
Um einen interaktiven Film handelt es sich aber gewiss nicht – Hardline ist im Kern ein klassischer Egoshooter. Allerdings mit einem Kniff: Als Cop müsst ihr die Gangster nicht zwingend erschießen, sondern könnt sie auch verhaften. Hierfür müsst ihr euch ihnen nur nähern und eine Taste drücken. Nick zückt daraufhin seine Polizeimarke, und die Gangster halten inne. Seid ihr jetzt schnell genug bei ihnen, könnt ihr sie festnehmen. Dass das mit bis zu drei Gangstern auch dann klappt, wenn ihr allein seid, erscheint uns höchst unrealistisch: Mag ja sein, dass ihr beim Näherkommen (bei dem ihr abwechselnd auf die drei Gegner zielen solltet) alle in Schach halten könnt. Doch einen Fluchtversuch oder Angriff unternehmen sie nie, obwohl ihr jeweils mehrere Sekunden mit der Fesselung eines jeden von ihnen beschäftigt seid (währenddessen könnt ihr nichts anderes tun, aber von weiteren, nicht in Schach gehaltenen Gangstern beschossen werden).

Durch das Verhaften von Gegn
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ern erinnert Battlefield - Hardline in Ansätzen an ein Stealthspiel. Besonders anspruchsvoll fallen diese Abschnitte aber nicht aus: Anstatt nämlich die tatsächliche Spielumgebung im Auge zu behalten, reicht es schon aus, mit einem Auge auf die Minikarte zu schielen. Beobachtet ihr dort die Verbrecher, könnt ihr euch ohne weiteres von hinten anschleichen. Obwohl das nicht mal zwingend nötig ist, denn viel weiter als 20 Meter sehen sie sowieso nicht, zudem ist ihr Blickfeld auch in die Breite stark begrenzt. Ein Besuch beim Ohrenarzt wäre ebenfalls zu empfehlen: Zwingen wir einen Feind mit einem lauten "Hände hoch" zur Aufgabe, reagieren nahestehende Gegner nur sehr selten.

Das klingt jetzt aber kritischer, als wir es meinen: Grundsätzlich finden wir es gut, auch den nicht-tödlichen Problemlösungsansatz wählen zu können. Dafür erhalten wir übrigens, im Gegensatz zu Abschüssen, auch Punkte. Durch diese steigt ihr dann im Rang auf, der euch an Waffenkisten und zwischen zwei Episoden Zugriff auf neue Pistolen und Gewehre erlaubt. Auf diese Weise motiviert Hardline auch dann zum Schleichen, wenn es mit reiner Waffengewalt womöglich schneller ginge.
Auch wenn ihr viele Situationen schleichend lösen könnt, kommt ihr um einige Schießereien nicht herum.
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