Gute Anime-Rundentaktik

Valkyria Chronicles Test

Ganze sechs Jahre nach dem Release der PS3-Version dürfen nun auch PC-Spieler in Valkyria Chronicles um die Unabhängigkeit von Gallia kämpfen. Auf dem Heimcomputer kann das Spiel zudem nicht nur mit dem Gameplay glänzen, sondern profitiert auch von besserer Grafik und einer höheren Framerate.
Keksus 26. November 2014 - 12:50 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGloal

Wir schreiben das Jahr 1935 EC. Europa wird von zwei Supermächten dominiert. Auf der einen Seite steht die autokratische Osteuropäische Allianz, auf der anderen die Atlantische Förderation. Beide dieser Großmächte sind von der vielseitigen Ressource Ragnit abhängig. Aufgrund des großen Bedarfs ist diese sehr rar. Jedoch besitzt der unabhängige Kleinstaat Gallia große Vorkommen des seltenen Minerals. Grund genug für die Osteuropäische Allianz, in das beschauliche Ländchen, das ihr euch als idyllische Anime-Version von Belgien vorstellen könnt, einzufallen. Dieser Konflikt, der nur vordergründig harmlos aussieht aufgrund des verwendeten Stils, wurde erstmals Ende 2008 auf der Playstation 3 ausgetragen, gefolgt von Teil 2 auf PSP (2010). Nun ist, mit atemberaubender Verspätung, die PC-Fassung des ersten Teils erschienen.

Der zweite Europäische Krieg
Normale Waffen helfen gegen feindliche Fahrzeuge wenig. Nur Lancer oder eigene Panzer sind stark genug.
Die Rahmenhandlung von Valkyria Chronicles ist relativ simpel gehalten und lehnt sich grob an den Zweiten Weltkrieg an. Die Osteuropäische Allianz erinnert deutlich an das Dritte Reich und Gallia hat stark französische beziehungsweise belgische Züge. Dann gibt es da noch die unterdrückten Darcsen, die für alles Schlechte verantwortlich gemacht werden und bei niemandem wirklich beliebt sind. Ein unbekümmerter Verweis japanischer Entwickler auf die europäischen Juden zur damaligen Zeit?

Im Spiel folgt ihr der Geschichte von Welkin Gunther, dem Sohn eines verstorbenen Kriegsveteranen aus dem vorherigen Krieg. Dieser besucht seine Adoptivschwester Isara in Bruhl, als dort die imperiale Armee der Osteuropa-Allianz einfällt. Einige Scharmützel später schließt er sich der Miliz von Gallia an und erhält die Kontrolle über seine eigene Squad. Die Interaktion zwischen den Mitgliedern dieses Trupps stehen ab diesem Zeitpunkt stärker im Vordergrund als der eigentliche Krieg, wobei der natürlich weiterhin für Bösewichte und Missionsziele sorgt. Die Erlebnisse der aufrechten Haudegen und Haudeginnen werden in animierten Zwischensequenzen erzählt und lassen uns die Charaktere schnell ans Herz wachsen. Im Prinzip fühlt es sich an wie ein Band of Brothers zum Selberspielen.

Die emtionale Geschichte um Squad 7 wird in Cutscenes wie dieser erzählt. Dabei spielt auch Rassismus eine Rolle.

Rundenschlachten mit PanzernIm Fokus des Gameplays steht das von den Entwicklern „Blitz“ getaufte, rundenbasierte Kampfsystem. In jeder Runde habt ihr eine bestimmte Anzahl an Kommandopunkten, die es euch erlauben, eure Kämpfer zu bewegen oder "Befehle" – kurzfristige Buffs für eure Einheiten – zu nutzen. Wenn ihr eine Einheit auswählt, wechselt das Spiel von der Übersichtskarte in die 3D-Ansicht. Hier habt ihr die direkte Kontrolle über eure Einheit wie in einem 3rd-Person-Shooter, und könnt trotz des rundenbasierten Kampfsystems auch jederzeit von euren – in dieser Zeit stationären – Feinden beschossen werden. Dabei handelt es sich um nichts anderes als das seit grauer Brettspiel- (z.B. Space Hulk) oder Computerspiel-Vorzeit (z.B. Perfect General) bekannte Overwatch- respektive Gelegenheitsfeuer; die Gegner agieren also nicht wirklich, während ihr dran seid, sondern ihr lauft eben in ihr Überwachungsfeuer hinein. Auch das Bewegen selbst ist nur eine pfiffige Variation des bekannten "ein Bewegungspunkt pro Feld" normaler Rundentaktikspiele: Mit jedem Schritt schrumpft ein Balken am unteren Bildschirmrand. Sobald dieser leer ist, könnt ihr keine Bewegungen mehr ausführen, sondern nur noch euren Charakter drehen oder in den Zielmodus wechseln.

Im Zielmodus visiert ihr solange Gegner an, bis ihr einen gefunden habt, den ihr gut treffen könnt. Oder natürlich den, der euch in seinem Zug am gefährlichsten werden kann. Am oberen Bildschirmrand wird angezeigt, wie viele Schüsse ihr mit einem Angriff abgeben werdet und wie viele Treffer der Gegner aushält. Dabei unterscheidet das Spiel zwischen unterschiedlichen Trefferzonen. Schießt ihr Fußsoldaten beispielsweise in den Kopf, nehmen sie mehr Schaden. Feindliche Fahrzeuge lassen sich meist mit nur einem einzigen Schuss einer Anti-Fahrzeug-Waffe in den Antrieb zerstören, wozu ihr sie aber von hinten anvisieren solltet. Habt ihr eure Einheit gezogen, dann beendet ihr mit einem weiteren Druck euren Zug und werdet zurück auf die Übersichtskarte geworfen, wo ihr weitere eurer Kommandopunkte einsetzen könnt. Wenn ihr es für sinnvoll erachtet, dürft ihr auch denselben Soldaten mehrmals in einer Runde ziehen. Mit jeder neuen Aktivierung wird jedoch der anfängliche Bewegungsbalken kleiner. Ein schönes System, weil ihr so besondere Einzelaktionen forcieren könnt, allerdings auf Kosten eurer anderen Soldaten.

So bewegt ihr euch Runde für Runde voran und versucht euer Mission
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sziel zu erreichen. Das ist in den meisten Fällen die Einnahme des gegnerischen Lagers, jedoch existieren in manchen Missionen spezielle Ziele. Während sich das zu Beginn noch recht einfach gestaltet, ist gerade in späteren Einsätzen gute Planung und der richtige Einsatz eurer Teammitglieder notwendig. Diese unterteilen sich nämlich nicht nur in verschiedene Klassen, sondern haben auch alle individuelle Vor- und Nachteile. Scharfschütze Marina ist zum Beispiel besonders effektiv, wenn sie alleine unterwegs ist, wohingegen ihre Ausweich-Chance sinkt, wenn sie sich in der Nähe von Teammitgliedern aufhält.

Die PC-Version wird mit sämtlichen DLCs ausgeliefert, die für die Konsolenfassung erschienen sind. Dazu gehören nicht nur ein höherer Schwierigkeitsgrad für die Gefechte, der nach Abschluss der Geschichte freigeschaltet wird, sondern auch die Zusatzkampagnen „The Edy Attachement“ und „Behind her Blue Flame“. Letzterer Zusatzinhalt ist besonders empfehlenswert, weil er euch einen Teil der Geschichte aus Sicht der Osteuropäischen Allianz spielen lässt. Strategen werden sich zudem an dem recht hohen Schwierigkeitsgrad dieser Kampagne erfreuen.
before
after
... die PS3-Fassung rechts. Von der niedrigeren Bildrate und geringeren Schärfe abgesehen, gibt es allerdings kaum Unterschiede im Vergleich zum PC, was gewiss auch dem Anime-Look geschuldet ist.
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