Taktik-Geheimtipp für PSP

Valkyria Chronicles 2 Test

Eigentlich dürfte es Valkyria Chonicles 2 gar nicht geben. Zu schwach waren die Verkäufe des ersten Teils, zu passiv Segas Marketing. Doch nun wird der ambitionierte Genremix auf PSP fortgesetzt. Hat die komplexe Taktikkost nebst Kulleraugen-Animestil die Reise in das Land der portablen Unterhaltung unbeschadet überstanden?
Jörg Langer 3. September 2010 - 13:06 — vor 9 Jahren aktualisiert
PSP
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An und für sich passt der Rundenstrategie/Shooter-Mix ganz gut in das Portfolio von Sonys Handheld, schließlich ist dieser bereits die Heimat anderer kurioser und doch großartiger Strategiehybriden wie etwa dem Rythmus-RTS Patapon. Und doch sind Kenner von Teil 1 erst einmal skeptisch und befürchten, dass bei der Anpassung auf das kleine System taktische Tiefe oder Übersicht verloren gegangen sein könnten. Wir verraten euch auf den folgenden Seiten, ob sich auch der zweite Feldzug mit der gallianischen Armee lohnt.
 
Studenten des Krieges
 
Ihr übernehmt die Rolle von Squadführer Avan, der den mysteriösen Tod seines Bruders aufklären will.
Zwei Jahre, nachdem die wackeren Gallianer die Streitkräfte des bösen, im Osten liegenden Imperiums aus dem fiktiven Europa von Valkyria Chronicles vertrieben wurden, herscht noch immer kein Frieden. Fiese Rebellen stiften in Gallia Unruhe, angetrieben von ihrem Hass auf die Darcsen. Das sind die Erben einer einst kriegerischen Rasse, die inzwischen jedoch keine Bedrohung mehr darstellen, sich wegen ihrer Herkunft aber noch immer nicht als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft etablieren konnten. Und das, obwohl auch die Darcsen gegen das Imperium gekämpft haben. Der Streit zwischen den Mächten rückt im Verlauf der Story oftmals in den Hintergrund, denn der Strategietitel erzählt vorwiegend die Geschichte des jungen Kadetten Avan, seines Zeichens Bruder eines Ausnahmeschülers an der Militärakademie und Hauptcharakter von Valkyria Chronicles 2.
 
Avan erfährt gleich zu Beginn des Spiels, noch als Zivilist, dass sein Bruder Leon gefallen ist – unter welchen Umständen, wird ihm jedoch nicht verraten. Das lässt Avan keine Ruhe, und er meldet sich selbst als Kadett bei eben der Militärakademie, in der auch sein Bruder ausgebildet wurde. Valkyria Chronicles 2 startet mit eurer Ausbildung und diversen Feldprüfungen, die als Tutorial dienen. Bevor ihr euch jedoch in eure erste Mission stürzt, lernt ihr zahlreiche, vielseitige, aber auch sehr klischeehafte Charaktere kennen. Allen voran eure zwei ständigen Begleiter, die stets fröhliche, aber auch etwas dümmliche Cosette und der coole Darcsen Zeri. Letzterer fanden wir einen der sympathischsten Charaktere gehört, weil er am wenigsten redet...
 
Die Lanseal Militärakademie ist Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, hier verbessert ihr immer wieder eure Soldaten.

Soldaten mit Persönlichkeit
 
Serien-Veteranen wissen, dass es bei so wenigen Persönlichkeiten nicht bleiben kann und tatsächlich: Jedes einzelne Mitglied eurer Squad ist ein individueller Charakter mit eigenen Macken und Fähigkeiten (im Spiel Potentials genannt). Vom schüchternen Bücherwurm, der besonders effizient bei Nacht kämpft, bis hin zum Macho, der extrastark ist, wenn weibliche Kameraden in der Nähe sind – es liegt ganz bei euch, wie verrückt euer Trupp am Ende sein soll. Und auch wenn Valkyria Chronicles 2 fast nur Stereotype auspackt, so geben die skurilen Figuren eurer Squad einen Charme, den es bei den gesichtslosen Klonarmeen vieler anderer Strategiespiele so einfach nicht gibt.
  
Im Verlauf der Story spielt nicht nur euer Bruder, sondern auch die mysteriöse Valkyre eine große Rolle. Wer aber dachte, dass schon Teil 1 die Grenzen der Glaubwürdigkeit sprengt, der wird bei Valkyira Chronicles 2 wohl nicht nur einmal die Hände vorm Kopf zusammenschlagen. Denn wo die Herkunft und Motive der meisten Charaktere (ob gut oder böse) in Segas erstem Streich noch einigermaßen nachvollziehbar waren, sind sie hier teilweise einfach nur absurd. Diverse Twists lassen die Story zwar nicht langweilig werden, mit der insgesamt stringenten Handlung des ersten Teils kann sie aber nicht mithalten. Die Kampagne fühlt sich zudem nicht so bedeutsam an wie der Feldzug gegen das Imperium in Teil 1.
 
Rundentaktik mit Zeitdruck
 
Die Spielmechanik von Valkyira Chronicles 2 ist der des Vorgängers nahezu identisch. Abwechselnd zieht ihr und euer Gegner mit einzelnen Soldaten oder auch mal einem Panzer in den Kampf. Zu Beginn einer Schlacht betrachtet ihr die Karte des Gebiets und wählt die Einheit aus, die ihr bewegen möchtet – das kostet einen Command Point ( CP). Der ausgewählte Soldat verbraucht wiederum Aktionszeit, Laufen, Zielen oder einfach nichts tun lässt den Zeitbalken schrumpfen. Sind alle CPs verbraucht, endet euer Zug. In der Regel müsst ihr in den Missionen mehrere Fahnenpunkte erobern und eure eigene Flagge hissen, teilweise aber auch einen Panzer ausschalten oder ähnliches.
 
Auf der Karte (links) seht ihr die Einzelmaps des Szenarios und wählt, solange die Command Points reichen, einen Soldaten aus, den ihr dann (rechts zu sehen) quasi "live" steuert.
 
Das klingt bisher nach klassischer Rundenstrategiekost, ist aber doch ganz anders. Ihr bewegt eure Squadmitglieder nämlich aktiv und in Echtzeit aus der Third-Person-Perspektive. Während ihr euch bewegt, eröffnet der Feind das Feuer, sobald ihr in der Schusslinie steht (gleiches machen eure Einheiten, wenn der Gegner am Zug ist). Nur beim Zielen stoppt die Zeit, so dass ihr in aller Ruhe euer Opfer anvisieren könnt. Diese Mixtur zweier Genres macht auch im zweiten Anlauf wieder süchtig, nicht zuletzt wegen der zusätzlichen Rollenspielelemente, mit denen ihr eure Klassen und deren Ausrüstung aufwerten könnt.
 
Statt das Spielsystem für den Nachfolger umzukrempeln, hat es Sega sinnvoll erweitert. Ein Zugeständnis an den Handheldmarkt sind mit Sicherheit die wesentlich kleineren, oftmals in mehrere Abschnitte aufgeteilten Gebiete und die verhältmismäßig geringe Zahl maximal auf dem Schlachtfeld befindlicher Einheiten. Ihr dürft 15 Soldaten mit in die Schlacht nehmen, aber nur sechs davon können gleichzeitig aktiv sein und auch nur maximal fünf pro Abschnitt. Das macht die Scharmützel wesentlich kürzer und übersichtlicher, fügt aber auch eine weitere taktische Ebene hinzu, schließlich liegt nun mehr Gewicht auf einzelnen Einheiten. Nur speichern kann man während eines Gefechts immer noch nicht.
 
Nur sechs Squadmitglieder dürfen gleichzeitig auf's Feld. Die Verteilung der Klassen sollte demnach gut überlegt sein.
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