Test-Update: Stufe 80 und mehr

Guild Wars 2 Test

Knapp anderthalb Monate ist Guild Wars 2 nun alt und es wird Zeit, die noch offenen Fragen zu klären. Wie spielt sich das Online-Rollenspiel bis Stufe 80? Machen die Verliese Spaß? Wie sieht es mit der Langzeitmotivation aus? Und überzeugt das PvP, wie erhofft, durch ein faires System? In unserem Nachtest geben wir euch die Antworten.
Karsten Scholz 14. Oktober 2012 - 12:12 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Pünktlich zum Release von Guild Wars 2 berichteten wir in unserem ausführlichen Test (GG-Test: 9.0) über die vielen Stärken und wenigen Schwächen von ArenaNets Fantasy-MMO. Für ein Online-Rollenspiel aber gilt wie üblich, dass die Entwicklung mit dem Release noch lange nicht am Ende ist. Schon damals legten wir deshalb intern fest, dass nach ein bis zwei Monaten ein Test-Update zu diesem wichtigen Titel erscheinen muss, analog etwa zu SWTOR. Also haben wir in den vergangenen Wochen weiterhin die Welt Tyria unsicher gemacht, unseren Charakter auf die Maximalstufe 80 gebracht, unzählige Verliese erforscht und uns todesmutig ins PvP gestürzt. Bleibt Guild Wars 2 auch mit zunehmender Spieldauer so spannend wie in den ersten 100 Stunden? Oder geht dem Titel bei längerer Spieldauer die Luft aus?

Der Weg bis Stufe 80In unserem Haupttest schwärmten wir bereits ausgiebig von der Grafik von Guild Wars 2 und dem Design der Spielwelt. Wir lobten die dynamischen Events und das unterhaltsame Kampfsystem. All das geht euch beim Hochleveln eures Charakters auf die maximale Stufe natürlich nicht verloren. Ganz im Gegenteil: Die späteren Zonen fügen sich nahtlos in die fantastische Welt von Tyria ein, wenngleich sie sich vom Look der ersten Zonen deutlich unterscheiden. Gleichzeitig lernt ihr mit jedem Level euren Helden noch besser kennen, probiert neue Waffen und Waffenkombinationen aus und verteilt eure Eigenschaftspunkte neu – wodurch selbst nach unzähligen Spielstunden immer wieder aufs Neue deutlich wird, wie unterschiedlich sich ein und dieselbe Klasse spielen kann.

Eine Frage des Aussehens


Während unser Wächter in Bild 1 auf Stufe 20 noch einen recht unscheinbaren Eindruck hinterlässt, macht er auf Stufe 35 (Bild 2) dank dem Kultur-Set seines Volkes bereits ordentlich was her. Nach vielen Spielstunden hat er sich mit Stufe 80 schließlich mit Teilen des Sets aus der Flammenzitadelle plus einige andere Rüstungsstücke eingedeckt (Bild 3).
So startete unser Dieb sein Abenteuer als Glaskanone, der nur auf seine Schadenswerte schielte und auf zwei scharfe Dolche setzte. Jeder Kampf wurde dadurch zum Wettrennen: Wer erledigt sein Gegenüber zuerst: unser Dieb oder der Widersacher? Gerade bei mehreren Feinden zogen wir mehr als einmal den Kürzeren, weil wir tatsächlich nur sehr wenige Schläge einstecken konnten. Das führte dazu, dass wir immer wieder in den Fernkampf mit zwei Pistolen wechselten, um überhaupt eine Chance zu haben. Im Verlauf unserer Reise probierten wir uns an einer Schwert-Pistolen-Kombination und setzten bei den Eigenschaften zunehmend auf Selbstheilung und defensive Attribute wie Zähigkeit. Das Ergebnis verblüffte uns: Plötzlich bekämpften wir problemlos mehrere Gegner gleichzeitig, hielten uns dabei mit Giften und Siegeln am Leben und teilten dennoch ordentlich Schaden aus.

Quests en masse bis zum SchlussBei MMOs ist es gerade in den hochstufigen Bereichen interessant, ob die Entwickler ausreichend Aufgaben ins Spiel eingebaut haben. Schließlich möchten die Spieler die maximale Stufe möglichst ohne stupides Grinden (also wiederholtes Töten) der immergleichen Gegner erreichen können. Für Guild Wars 2 können wir hier eine klare Entwarnung geben: Wir hatten gerade mal 40 Prozent der Welt von Tyria entdeckt und weniger als die Hälfte aller möglichen Herzchen-Quests gelöst, als wir Stufe 80 erreichten. Oder anders gesagt: Trotz Maximallevel warten noch fast zwei Drittel der Spielwelt darauf, von uns erschlossen zu werden! Von den vielen bis dahin noch nicht gespielten dynamischen Events und den unzähligen nicht entdeckten Sehenswürdigkeiten, Aussichtspunkten und Fertigkeitenherausforderungen wollen wir gar nicht erst reden.

Gefallen haben uns auf unserer Reise vor allem die späteren Aufgaben, die die persönliche Geschichte unseres Charakters näher beleuchten. Viele davon erreichen wahrhaft epische Tiefe, auch, da sie auf spannende Weise die Hintergründe von Guild Wars 2 aufdecken. Regelrechte Augenöffner sind zudem große Events, in denen ihr alle paar Stunden einem besonders fiesen Großgegner entgegentreten könnt, wenn auch erst, nachdem ihr die Vor-Events gemeistert habt. Lohn der Mühe sind neben
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jeder Menge Spaß natürlich auch Beutestücke sowie Erfahrungspunkte, Karma und Silber.

Während unserer Testrunden sind wir zudem mit niedrigstufigen Kollegen und Freunden unterwegs gewesen, was dank der Skalierung unseres Helden auf den Level-Bereich der jeweiligen Zone kein Problem ist. Aufgefallen ist uns aber mit zunehmender Spielzeit, dass die "kleinen" Aufgaben nicht mehr ganz so herausfordernd waren wie zu der Zeit, in der wir im Stufenbereich der jeweiligen Zone auf eigene Faust unterwegs waren. Geschuldet ist diese Tatsache natürlich auch der erhöhten Spielpraxis sowie den in der Zwischenzeit neu erlernten Eigenschaften und Fähigkeiten. Apropos Erfahrung: Die erhaltenen Erfahrungspunkte und Belohnungen niedrigstufiger Zonen skalieren nur bedingt mit dem Level eures Helden. Wenn ihr in einer Anfangszone Quests absolviert, erhaltet ihr weniger Erfahrung oder Karma als in Gebieten, die auf eurem Level-Bereich liegen. Gerade für Entdecker und Fans der riesigen Welt lohnt es sich aber, jedes Gebiet des Spiels von vorne bis hinten zu erkunden - und das nicht nur, wenn ein niedrigstufiger Freund auf euch wartet.
Mit Level 80 ist man noch lange nicht am Ende der Reise angekommen. Wie ihr oben links auf der Karte seht, haben wir  gerade einmal die Hälfte der Welt entdeckt. Es gibt also noch viel zu tun.
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