Headstart geglückt!

Guild Wars 2 Test

Seit dem 25. August dürfen Vorab-Käufer von Guild Wars 2 die Live-Server der MMO-Hoffnung betreten und mit ihren Helden durch Tyria ziehen, ohne einen erneuten Charakter-Wipe fürchten zu müssen. Wir haben in den letzten Tagen kaum geschlafen, damit ihr pünktlich zum Release erfahrt, wie gut der Guild-Wars-Nachfolger wirklich ist.
Karsten Scholz 27. August 2012 - 23:51 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal. Dieser Test beruht auf ausführlichen Beta-Erfahrungen und (nahezu) Dauerspielen seit dem Headstart mit der Release-Version. Am 14.10. haben wir einen Nachtest veröffentlicht, in dessen Zuge wir die Wertung leicht reduziert haben.

Neue Online-Rollenspiele haben es heutzutage nicht leicht. Wenn sie als Abo-Spiel in die Läden kommen, ist die Erwartungshaltung bei vielen Fans riesig. Klar, die Monatsgebühren soll sich das Spiel gefälligst von Anfang an verdienen. Mit laufenden Servern, einem möglichst fehlerfreien Spielerlebnis und mit ausreichend hochstufigen Inhalten. Die Free2Play-Variante scheitert dagegen oftmals an den Inhalten des Shops oder hält nur in seltensten Fällen dem direkten Qualitätsvergleich mit der kostenpflichtigen Konkurrenz stand. Alternativen zu diesen beiden Modellen gab es in der jüngeren Vergangenheit vor allem bei Vollpreis-MMOs, die nach einiger Zeit (teilweise) aufs F2P-Modell umgeschwenkt sind. Bis jetzt! Guild Wars 2 orientiert sich am Vorgänger und verzichtet nach der Zahlung des Kaufpreises auf ein Abo-Modell. Ihr könnt im Shop echtes Geld lassen – müsst es aber definitiv nicht. Und auch in spielerischer Hinsicht schlägt das spätestens seit 2007 in Entwicklung befindliche, mehrfach verschobene und schließlich erst kurz vor Release offiziell angekündigte MMO von ArenaNet einige neue Wege ein.

Fantastisches Art-Design
Auf der stufenlos zoombaren Karte von Guild Wars 2 bewegt ihr euch direkt oder nutzt die Schnellreise-Funktion.
Wieso um den heißen Brei herumreden? Die Optik von Guild Wars 2 ist eine Wucht! Sowohl die Charaktere als auch die Landschaften und Städte strotzen nur so vor Details: Im wunderschönen Wasser spiegeln sich Bäume und Berge, und auch die Effekte bei Waffen-Angriffen und Zaubern sind eine Wucht. Nicht selten hielten wir auf unseren Reisen kurz inne, um die Panoramen mit all ihrer Pracht in Ruhe auf uns wirken zu lassen. Speziell Götterfels hat es uns angetan: Selten hatten wir in einem Online-Rollenspiel ein derart intensives Gefühl, uns tatsächlich in einer lebendigen und von vielen tausend Menschen bewohnten Stadt zu wähnen. In solchen Momenten trägt auch die Geräuschkulisse ihren Teil zur Atmosphäre bei. Überall werden Waren angepriesen, hier lacht eine Frau, dort spielt ein Kind. Das alles wird begleitet von der wunderschönen und nie aufdringlich werdenden Hintergrundmusik.

Besonders erwähnenswert ist das Art-Design von Guild Wars 2. Tyria wirkt auf uns, als wäre die riesige Welt direkt einem Gemälde entsprungen. Sogar die Interface-Elemente fügen sich bruchlos in diesen Stil ein. Auch die Weltkarte ist mit ihrer stufenlosen Zoomfunktion, dem integrierten Schnellreisesystem und dem einzigartigen Stil ein visuelles Highlight. Allerdings: Guild Wars 2 skaliert abhängig vom verwendeten Rechner stark; mit den Minimum-Einstellungen ist von der tollen Grafik nichts mehr zu sehen.

Die Wahl des Volkes
Im Tutorial wartet der erste große Gegner; im Startgebiet der Menschen kämpfen wir gegen ein riesiges Steinelementar.
Fünf Völker stehen zur Auswahl, darunter recht exotische wie die pflanzenartigen Sylvari, die kriegerischen Großkatzen Charr und die gnomähnlichen Asura. Wer es größer mag, greift zu den riesigen Gestaltwandlern vom Volke der Norn, während alle Unentschlossenen klassisch einen Menschen zum Alter Ego bestimmen. Die Wahl des Volkes und eure Antworten auf die in der Charaktererstellung gestellten Fragen haben unter anderem Einfluss auf die Handlung eurer Partie. Unser menschlicher Dieb wurde zum Beispiel nach seinem bisher größten Fehler gefragt – diese Antwort bestimmt an bestimmten Punkten unseren Weg bis zur Maximalstufe 80.

Zum anderen bringen alle Völker einzigartige Fertigkeiten mit, sodass eure Wahl direkt Einfluss auf euer Spielerlebnis hat. Die Norn verlassen sich zum Beispiel darauf, Eulen oder Würmer an ihre Seite zu rufen oder sich gleich selbst in eine von mehreren Tiergestalten zu verwandeln. Die Menschen nutzen wiederum ihre Gebete, um sich im Kampf einen Vorteil zu verschaffen. Mit dem Volk wählt ihr drittens auch die Startzone und somit die ersten Quests aus, in beziehungsweise mit denen ihr das Spiel beginnt. Doch keine Angst: Bereits nach dem Tutorial könnt ihr über eines der Asura-Portale die anderen Gebiete erreichen – und so, wenn ihr wollt, bereits nach wenigen Minuten mit euren Freunden zusammen auf Abenteuerjagd gehen. Wobei auch die Startgebiete genug Stoff für einige Stunden bieten.

Alleskönner, aber kein EinheitsbreiDie Volksfertigkeiten sind nur eine Ergänzung zur eigentlichen Spielweise eures Alter Egos. Viel wichtiger ist die Wahl der richtigen Klasse. Jedes der fünf Völker hat Zugriff auf die acht Klassen-Ausrichtungen. Und diese lassen sich nicht auf die MMO-übliche Einteilung in Tank (Schadensabsorbierer), Heiler und Schadensausteiler herunterbrechen. Sogar die RPG-typische Unterteilung in Nah- und Fernkämpfer entfällt, da auch Krieger vorzüglich aus der Distanz agieren können, während sich Elementarmagier mit den richtigen Waffen auch mal in den Nahkampf stürze
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Dieses "Jeder kann alles"-Prinzip riecht nur im ersten Moment nach Einheitsbrei, denn die Entwickler haben es dennoch geschafft, dass sich jede Klasse anders anfühlt. Und das liegt an der unterschiedlichen Spielmechanik der Klassen. Unser Dieb beispielsweise baut mit der Zeit Initiative-Punkte auf, die er im Kampf in mächtige Angriffe umwandelt. Sind die Punkte verbraucht, muss er auf schwächere Schlagabfolgen zurückgreifen. Außerdem kann er Feinde im Gefecht bestehlen und das erbeutete Utensil postwendend gegen den früheren Besitzer einsetzen.

Der Nekromant setzt dagegen auf seine einzigartige Ressource Lebensenergie, die sich im Kampf nach und nach aufbaut, und für die Aktivierung des Todesschleiers genutzt werden kann. In dieser Form greift er auf spezielle Fähigkeiten zurück, gleichzeitig verbrauchen feindliche Angriffe statt der Gesundheitspunkte zunächst die Lebensenergie, bis diese vollkommen aufgebraucht ist. Durch diesen zusätzlichen Schutzmechanismus ist der Nekromant ein unglaublich schwer zu besiegender Feind. Und auch die anderen Klassen bringen solche Eigenheiten mit.
before
after
Rechts: gleiche Auflösung, maximale Grafikoptionen. Guild Wars 2 verwandelt sich in ein schönes Spiel mit einzigartigem Stil. Die Figur wirkt sehr plastisch, die Umgebung detailliert – und Schatten gibt es natürlich auch.

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