Effektreiches Prügel-Crossover

Marvel vs. Capcom - Infinite Test

Benjamin Braun 18. September 2017 - 16:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
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Die Arenen sind nicht schlecht, allerdings hätten ihnen interaktive Elemente oder mehr animierte Objekte im Hintergrund gut getan.
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Lahme Arenen

Die größte Stärke der Kämpfe in Marvel vs. Capcom – Infinite bilden, abseits der Spielmechanik und der meist nachvollziehbaren Kollisionsabfrage, eindeutig die Grafikeffekte. Die Warnung vor den "flackernden Bildern“ bei Spielstart ist jedenfalls angemessen. Denn wenn eure Augen Probleme mit so etwas haben, solltet ihr euch dem Spiel vorsichtig annähern. Was da an Farben und Formen auf dem Bildschirm pulsiert, dass dürfte für Comicfreunde mit stärkeren Mägen jedoch die helle Freude sein.

Für die 16 in der Vollversion enthaltenen Arenen gilt das allerdings nur sehr begrenzt. Klar macht es Spaß, in der Schaltzentrale von Iron Mans Gegenspieler M.O.D.O.K. (oder M.O.D.O.R.K., wie Spider-Man ihn nennt) zu kämpfen, in Thors Thronsaal oder auch in der Prärie von Valkanda. Da allerdings keiner der Schauplätze interaktive Elemente bietet und aufgrund der Effektgewalt eh selten viel davon zu sehen ist, wäre vielleicht doch etwas mehr drin gewesen. Zumindest bei den Hintergrundanimationen. Denn da ist selbst in einem Street Fighter 5 (im Test: Note 8.0) gefühlt mehr los.
 

Es kommt zusammen, was nicht zusammengehört

In Marvel vs. Capcom könnt ihr neben Einzelmatches gegen den Computer oder echte Spieler (online oder lokal) antreten – darüber hinaus gibt es Lobbys, um Turniere zu veranstalten. Zum Soloangebot zählen ferner noch ein Trainings- und ein Missionsmodus, wobei ihr in Letzterem einfach "nur" die Standard-, Fortgeschrittenen- und Special-Moves in Challengeform ausführen müsst. Darüber hinaus dürft ihr auch Arcade-Modus wählen. Darin tretet ihr in fünf aufeinanderfolgenden Matches an, bis ihr schließlich im sechsten gegen Ultron Sigma und schließlich gegen Ultron Omega antretet, also denselben Bossen, auf die ihr auch in der Solokampagne trefft.
 
Der Endboss in Arcade- und Storymodus. In letzterem ist der Kampf mehrphasig.
Ihr fragt euch, wer Ultron Sigma ist? Eigentlich ist die Antwort ganz simpel: In der Solokampagne verschmelzen bei der sogenannten Konvergenz die Universen von Marvel und Capcom, was auch zu einer Verbindung von Marvel-Bösewicht Ultron und Sigma, dem Gegenspieler aus Mega Man X, führt. Der bedroht natürlich gleich beide Universen, was die Allianz aus Marvel- und Capcom-Helden abwenden muss. Um stark genug zu sein, sich Ultron Sigma entgegenzustellen, müssen Nathan Spencer (Bionic Commando), Strider Hiryu (Strider), Mega Man, Dante, Captain America, der Ghost Rider, Doctor Strange, Hawkeye und Co. erst mal die Infinity-Steine auftreiben.

Im Rahmen der Story schlüpft ihr abwechselnd in die Rollen so ziemlich aller enthaltenen Charaktere (oder tretet zumindest gegen die übrigen wenigstens einmal an). Die Geschichte ist hanebüchen, die oft platten Sprüche und der allgemein hohe Trashfaktor aber dürfte Comicfans kaum stören – im Gegenteil. Gerade Capcom-Freunde dürfen in den Zwischensequenzen auch mal Dah'ren Mohran, eines der Monster aus Monster Hunter 4, sehen und natürlich auch sonst viele Schauplätze betreten, die aus einem der beiden verschmolzenen Universen bekannt sind. Schade ist, dass Capcom es nicht wie zuletzt fast immer geschafft hat, eine vollständig lokalisierte deutsche Version abzuliefern. Gesprochen wird in Marvel vs. Capcom - Infinite nur Englisch – und die deutsche Textübersetzung ist, gelinde ausgedrückt, insgesamt holprig.
Im Storymodus müsst ihr auch mal eine bestimmte Anzahl namenloser Standard-Gegner ausschalten. Der rot gefärbte Teil der Lebensenergiebalken füllt sich übrigens bei einem inaktiven Charakter langsam wieder auf, was ihr ebenfalls taktisch nutzen könnt.
 

Rund vier Stunden zum Finale

Alternat. Marvel vs. Capcom

Wenn ihr den aktuell besten Superhelden-Prügler erleben wollt, findet ihr keinen besseren als Injustice 2 (im Test: Note 8.5), der sowohl bei Umfang, Spielmechanik und Präsentation Marvel vs. Capcom - Infinite hinter sich lässt. Ihr mögt eure Prügelspiele besonders brutal? Dann müsst ihr Mortal Kombat X (im Test: Note 8.5) spielen. Ebenfalls nicht zu verachten ist Street Fighter 5 (im Test: Note 8.0).
In den Kämpfen selbst besteht der Unterschied zum Versus-Modus nicht zuletzt darin, dass ihr es mit teils ganz anderen Zielen respektive Kampfvoraussetzungen zu tun habt. Jedah etwa regeneriert im Kampf grundsätzlich seine Lebensenergie, was den Kampf gegen ihn zur Geduldsprobe machen kann. In anderen Fällen bekommt ihr es mit einer Reihe von Standard-Gegnern wie BOWs bei Umbrella oder den Schergen von Sigma zu tun, von denen ihr bis zum Ablauf des Timers eine bestimmte Anzahl besiegen müsst.

Ihr habt auch nicht von Beginn an Zugriff auf die Infinite-Steine. Sobald ihr allerdings mehrere habt, dürft ihr sie teils sogar während des Kampfes frei durchwechseln. Das klingt alles nicht schlecht, aber so richtig gut ist das auch nicht. Gerade im Vergleich mit den Storymodi von Mortal Kombat X (im Test: Note 8.5) oder auch jüngst in Netherrealms Superheldenprügler Injustice 2 (im Test: Note 8.5) wird durchweg eine höhere Qualität geboten.

Autor: Benjamin Braun (GamersGlobal)

 

Meinung: Benjamin Braun

Im echten Leben würde ich zwar auch gerne dem einen oder anderen unliebsamen Menschen was auf die Zwölf geben, tatsächlich tun würde ich es allerdings nicht. Aber dafür gibt es ja schließlich Prügelspiele! Marvel vs. Capcom - Infinite hat dabei allerdings nur zum Teil meine Erwartungen erfüllt. Nein, es macht mir großen Spaß, mit Mega Man, Chris Redfield oder Nathan Spencer im Team gegen Thanos, Spider-Man oder Rocket Raccoon anzutreten und mich an der effektreichen Darbietung zu ergötzen. Allerdings fehlen dem Spiel letztlich ein paar Dinge, um sich mit Konsorten wie Injustice 2 messen zu können.

Vor allem sind es zwei Dinge, die Marvel vs. Capcom - Infinite im Vergleich mit Netherrealms Spiel abgehen. Zum einen vermisse ich die interaktiven Elemente in den Arenen. Es gibt keine Traversals, keine Hintergrundobjekte, die ich in den Kampf einbeziehen kann, eigentlich nichts, wodurch es einen Unterschied machen würde, ob ich nun in dieser oder jenen Arena kämpfe. Zum anderen, und das ist der bedeutendere Punkt, fehlt es dem Capcom-Prügelspiel im Vergleich an Spielmodi. Es gibt kein richtiges Fortschrittssystem, das mich auch langfristig motiviert. Denn neue Farben für meine Kämpfer freizuschalten (besonders, da ich nicht klar weiß, wie ich das mache), halten mich nicht so konstant bei der Stange wie es in Injustice 2 der Fall ist.

Im Zuge dessen ist es aber auch der neue Storymodus, der mit dem der Netherrealm Studios nicht mithalten kann. Schön trashig ist zwar auch der in Marvel vs. Capcom - Infinite, aber in puncto Inszenierung und Abwechslung kann er sich bei weitem nicht mit der Konkurrenz messen. Das klingt vernichtend, ist aber gar nicht so gemeint. Es ist einfach nur so, dass Capcoms Spiel hier teils unnötig versäumt, ein ähnlich gutes Ergebnis zu erzielen.

Die deutlich erhöhte Einsteigerfreundlichkeit stört mich hingegen nicht. Weshalb sollen nicht auch Button-Masher bessere Chancen haben, die teils genialen Special Moves der Charaktere auszulösen? Denn im Zuge dessen ändert sich nichts daran, dass Könner mit Einsteigern den Boden wischen. Kurzum: Marvel vs. Capcom - Infinite muss insgesamt hinter der Konkurrenz zurückstecken, aber es reicht dennoch mühelos zu einem guten Superhelden-Prügler, den sich Fans des Genres nicht entgehen lassen sollten.
 
Marvel vs. Capcom - Infinite XOnePS4
Einstieg/Bedienung
  • Gute, präzise Gamepad-Steuerung
  • Umfangreicher Trainingsmodus
  • Einsteigerfreundlicher, ohne Profis zu verprellen
 
Spieltiefe/Balance
  • Unterhaltsamer Storymodus...
  • Großes, gut ausbalanciertes Kämpferfeld
  • Unglaubliche Kombos möglich
  • Infinity-Steine von großem taktischen Wert
  • ... der sich mit dem von Injustice 2 aber nicht messen kann
Grafik/Technik
  • Tolle Animationen
  • Starke Effekte
  • Konstante 60 Frames
  • Recht lange Ladezeiten
  • Statische Arenen
Sound/Sprache
  • Gute englische Sprecher
  • Sehr gute Soundeffekte
  • Passende Musik
  • Keine deutsche Sprachausgabe
  • Deutsche Textübersetzung teils holprig
Multiplayer

Nicht getestet
 
8.0
Userwertung0.0
Hardware-Info
Keine Besonderheiten
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
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Benjamin Braun 18. September 2017 - 16:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
Benjamin Braun Freier Redakteur - 439027 - 18. September 2017 - 15:47 #

Viel Spaß beim Lesen!

Aladan 25 Platin-Gamer - P - 57121 - 18. September 2017 - 16:11 #

Danke für den Test, Benjamin. Irgendwann werde ich sicher mal ins Spiel reinschauen, aber nun kommt erst einmal mehr als genug anderes. :-)

TSH-Lightning 26 Spiele-Kenner - - 65100 - 18. September 2017 - 17:44 #

Der Endbos-Spoiler ist gut gemacht. Ansonsten nicht mein Genre.

TheRaffer 23 Langzeituser - P - 40004 - 18. September 2017 - 18:10 #

Dem schließe ich mich gänzlich an. :)

BobaHotFett 14 Komm-Experte - 1845 - 19. September 2017 - 7:24 #

Waaaaaas? Kein Wolverine? Schande!

Sp00kyFox (unregistriert) 19. September 2017 - 22:39 #

hab als genre-fans jetzt so einige tests gelesen und da haben doch viele tester die spielmechanik falsch oder nicht vollständig wiedergegeben. auch wurde mit verweis auf den vorgänger oftmals behauptet, dass das spiel runtergedummt worden wäre. obwohl durch das neue tag-system und den infinity system es eigentlich kreativer geworden ist, wie man offensive situationen schafft. daher ein großes lob an Benjamin für diesen kompetenten test! das sind nicht unbedingt die einfachsten spiele zum testen, wenn man nicht von sich aus schon ein verständnis über fundamentale konzepte dieser spiele hat.

die wertung ist wohl angemessen, aber im vergleich zu SF5 passt das irgendwie nicht. das bot im release-zustand deutlich weniger und hatte etwaige probleme mit der multiplayer-implementierung. das ist Marvel Infinite das deutlich rundere paket. rückblickend betrachtet, ist da aber SF5 mit einer 8.0 wohl zu gut weggekommen.

btw diese angesprochenen auto-combos lassen sich übrigens in den steuerungsoptionen auch abschalten und es sind wirklich nur fest vordefinierte anfänger-combos. das combo-system ist dennoch komplex und ziemlich kreativ.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 82433 - 24. September 2017 - 21:04 #

Puh, nur noch 15 Charaktere pro Seite und davon auch noch, wenn ich das auf dem Screenshot richtig sehe, nur zwei neue gegenüber dem Vorgänger - da bleibe ich doch bei Ultimate MvC3.
Auch wenn der keinen so schönen Story Mode hat...

Sp00kyFox (unregistriert) 26. September 2017 - 6:16 #

30 chars sind sehr viel für einen neuen teil (SF5 hatte zu release 16). immerhin mussten auch die wiederkehrenden chars aus dem vorgänger neu designed werden. und mit Captain Marvel, Gamora, Jedah, Mega Man X, Thanos und Ultron hast du 6 und nicht 2 neue chars.

Ganon 27 Spiele-Experte - - 82433 - 26. September 2017 - 12:32 #

Na ja, ich bin wie gesagt Ultimate MvC3 gewohnt, da sind es 50... Andere Genrevertreter haben weniger, aber gehen die Charaktere mit ihren Movesets auch mehr in die Tiefe. Hier werden sicher auch noch welche dazukommen, aber vorerst sehe ich keinen großen Mehrwert.

Und ich meinte 2 pro Seite, also 4 neue. Ok, habe je einen übersehen. Aber wurde da viel neu designed? In den Videos, die ich gesehen hate, hatten die alten Chars so ziemlich exakt die gleichen Moves wie im Vorgänger.

Sp00kyFox (unregistriert) 27. September 2017 - 0:14 #

das input system ist diesmal anders. entsprechend wurden auch moves geändert, da du jetzt bei der eingabe zwischen punch und kick unterscheiden musst. alle chars haben etwas neues bekommen und moves verhalten sich hier und da anders. aber ja, im großen und ganzen ist das moveset dennoch identisch.

bis auf tekken sehe ich jetzt nicht welche genre-vertreter da bzgl des movesets mehr tiefe haben sollen. die anzahl der special moves ist in der größenordnung wie man das etwa von Street Fighter oder Injustice auch kennt. die komplexität des spiels kommt dann durch das freeflow-tag- und das combo-system zustande, welches im gegensatz zu sonstigen fighting games extrem offen ist und praktisch jede theoretische möglichkeit eine combo fortzusetzen auch erlaubt.

hab das spiel jetzt über 20 stunden gespielt und muss sagen, dass ich wirklich lange nicht ein so tolles gameplay in einem fighting game erlebt habe. wirklich schade, dass es in sachen präsentation nicht mithalten kann und davon anscheinend viele abgeschreckt sind.

verkaufszahlen sind ziemlich niedrig ersten meldungen nach. wobei ich allerdings auch nicht verstehen kann, wieso hier die reviews noch negativer als bei SF5 ausfallen. denn letzteres ist wirklich in einem erbärmlichen zustand released worden. Marvel Infinite hingegen ist ein komplettes spiel und hat viele der probleme nicht, die SF5 heute noch plagen (inkonsistenter netcode, ständige ladescreens und server-synchonisierungen).