Test: Rache des Blitzableiters

Infamous 2 Test

Der "lebende Akku" Cole MacGrath ist zurück. Auf der Flucht vor einer offenbar übermächtigen Bestie macht ihr die an New Orleans erinnernde Stadt New Marais unsicher. Beziehungsweise sicher: Denn wie schon im Vorgänger müsst ihr euch im PS3-exklusiven Open-World-Actionspiel immer wieder neu zwischen Gut und Böse unterscheiden.
Bernd Wener 5. Juni 2011 - 20:04 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Vor seiner Zeit als Superheld war Protagonist Cole als Fahrradkurier tätig. Doch dann verlieh ihm, im Prolog von Infamous (GG-Test: 8.0) mitzuerleben, eine Strahlenexplosion Superkräfte. Fortan konnte er allerlei elektrische Zaubertricks einsetzen, sich an Straßenlaternen wieder aufladen, und auch mal eben kurz von Hochhäusern springen oder wieder auf sie hinaufkraxeln. Derart befähigt. bekämpfte er in der fiktiven, New York ähnlichen Stadt Empire City eine üble Seuche, den Fiesling Alden und den mysteriösen Kessler. In Infamous 2 flieht Cole nun gemeinsam mit seinem Kumpeln Zeke und Kuo vor einem noch gewaltigeren Widersacher, der nur „die Bestie“ genannt wird.
 
Der neue Schauplatz heißt New Marais, eine an New Orleans erinnernde Stadt. Dort erhofft sich unser kleiner Trupp Hilfe vom Wissenschaftler Sebastian Wolfe und dessen Strahlenkugel. Und da sich die Seuche auch in New Marais ausbreitet, kümmern sich Cole und Crew auch gleich noch um dieses Problem. Doch die örtliche Miliz unter Leitung des Mutantenhassers Joseph Bertrand III, macht uns das Leben schwer. Viel mehr möchten wir zur Hintergrundgeschichte gar nicht verraten, damit auch Leser, die den ersten Teil noch nicht gespielt haben, spoilerfrei durch diesen Test kommen. Ebenfalls verkneifen wir uns Details zum Spielbeginn. Nur soviel: Der Einstieg von Infamous 2 ist bombastisch inszeniert.
Infamous 2 spielt in der an New Orleans erinnernden Stadt New Marais. Ein gutes Beispiel für dessen Architektur ist dieses Herrenhaus, das wir in der aktuellen Mission stürmen sollen.
 
Gang of Four
 
Die Geschichte rund um die Hatz nach der Strahlenkugel schickt euch auf die Suche nach sieben sogenannten Explosionskernen. Nur wenn Cole alle davon aufnimmt, wird er mächtig genug, die Strahlenkugel gegen die Bestie einzusetzen. Auf dem Weg zum finalen Kampf hält die Handlung dabei die eine oder andere Überraschung parat. Beispielsweise bekommt ihr im Verlauf der Story zusätzlich zu euren Blitzkräften noch Feuer- oder Eiskräfte, je nachdem, wie ihr euch in einer bestimmten Schlüsselszene entscheidet. Mehr möchten wir dazu jedoch nicht verraten.
Hier seht ihr euer Team vereint. Agentin Kuo, Cole, Zeke und die leicht durchgedrehte Nix (von links nach rechts).
 
Schon früh trefft ihr auf die ausgeflippte kreolische Nix, die ebenfalls über Superkräfte verfügt. Sie komplettiert euer Vierer-Team und bildet den Gegenpol zur rechtschaffenen Kuo. Der Zickenkrieg ist somit vorprogrammiert und lockert das Geschehen immer wieder angenehm auf. Eine richtige Romanze sieht das Spiel aber nicht vor. In einigen Missionen seid ihr mit einer der beiden Damen unterwegs, gegen Ende kurzzeitig sogar mit dem gesamten Team. Die KI-Kollegen agieren dabei vollständig eigenständig und weitgehend intelligent. Befehle dürft ihr ihnen keine geben, dafür müsst ihr euch aber auch nicht um das Wohlergehen eurer Mitstreiter sorgen: Sterben können sie nicht.
 
Infamous 2 schafft es sehr schön, euch einerseits ein Teamgefühl und den Eindruck der Zusammenarbeit mit euren Mitstreitern zu geben, aber andererseits auch die Bedrohung durch die nahende Bestie zu vermitteln. Das geschieht durch einen simplen Trick: Im Pausemenü seht ihr als Hintergrundbild eine Karte der USA, auf der ihr den Aufenthaltsort der Bestie und die von ihr hinterlassene Schneise der Verwüstung deutlich erkennen könnt. An gewissen Schlüsselszenen wird zudem im Spiel eingeblendet, wie viele Meilen das Ungeheuer nur noch entfernt ist.
 
Von Empire City nach New Marais
 
New Marais bietet viel Sehenswertes. Sorgen die am Eingang eines Kinos angekündigten Filme oder der Nachtclub „Yes, We CanCan“ noch für Schmunzeln, herrscht im später bereisten Überschwemmungsgebiet eine triste, beklemmende Atmosphäre. Alte Herrenhäuser nahe am Wasser findet ihr ebenso vor wie einen dunstverhangenen Sumpf und heruntergekommene Slums. Gegen Ende von Infamous 2 geht es noch in ein Industriegebiet samt Hafen und Gasfabrik, wo große Kräne und wilde Rohrkonstruktionen darauf warten, von euch erklommen zu werden. Überall in der Stadt verteilt sind Krankenhäuser, die euch nach dem Laden eines Spielstands als Einstiegspunkt dienen. Speichern dürft ihr zwar jederzeit, der Fortschritt einer noch nicht abgeschlossenen Mission geht beim vorzeitigen Beenden allerdings verloren.
 
Wie schon im Vorgänger ist euer Alter Ego ein begnadeter Kletterer. Es gibt selten eine Hausfassade, die Cole nicht mit Leichtigkeit hochsteigen kann. Das ist nicht nur flüssig animiert, sondern geht
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auch ähnlich leicht von der Hand wie in den Assassin‘s Creed-Spielen. Neu ist eine Art stromführende Außenleitung, an der ihr euch blitzschnell in die Höhe katapultiert, um noch schneller das Dach des Gebäudes zu erreichen. Cole kann außerdem wieder auf Stahlseilen und Straßenbahn-Leitungen entlang gleiten, um so schnell von A nach B zu gelangen. Ansonsten hat sich an den ohnehin schon sehr guten Kletter-, Spring- und Gleitkünsten Coles nichts verändert.
 
Ausgebaut wurde dagegen der Kampf. Kommt es zu einer Prügelei, schlägt Cole mit dem sogenannten Amp zu, einer elektrischen Keule mit dem Aussehen einer übergroßen Fahrradgabel. Mit wiederholtem Button-Drücken reiht ihr kleinere Kombos aneinander und ladet so eure Nahkampfleiste auf. Dann könnt ihr, falls bereits freigeschaltet, zwei unterschiedlich starke Finisher auslösen. In einer schicken Animation verpasst ihr so eurem Widersacher den Rest. Auf übermäßig brutale Blut- oder sonstige Gewalteffekte wurde verzichtet. Dennoch wundert uns, dass Infamous 2 im Gegensatz zum Vorgänger, der noch eine 18er-USK-Einstufung hatte, bereits ab 16 Jahren freigegeben ist.
Gesprengte Kundgebung

Die Missionen von Infamous 2 sind abwechslungsreich, was wir euch anhand eines Beispiels beweisen wollen: 1 Bei einer Kundgebung des Bösewichts Bertrand mischen sich Cole und Zeke unter die geifernde Meute.  2 Bevor die beiden eine Chance bekommen, Bertrand zu stellen, greifen mysteriöse, nahkampfstarke Mutanten sowohl die Miliz als auch euch an.  3 Nachdem wir die Mutanten besiegt haben, nehmen wir die Verfolgung von Bertrands Limousine auf.  4 Nach einer spannenden Hetzjagd gelingt es uns endlich, Bertrand zu stellen.   5 Denkste! Ein Hubschrauber der Miliztruppen vereitelt abermals unseren Angriff auf den Fiesling.  6 Rache ist süß. Kurz bevor uns der Hubschrauber zu Brei schießt, erledigen wir das Fluggerät, das daraufhin in einer gleißenden Explosion zu Boden fällt. Mission überlebt. Nur Bertrand konnten wir nicht schnappen...

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