Teardown

Teardown Test+

Explosive Raubzüge

Hagen Gehritz / 19. April 2022 - 20:03 — vor 3 Wochen aktualisiert
Steckbrief
PC
Action
Puzzle-Action
Tuxedo Labs
Tuxedo Labs
29.10.2020
Link

Teaser

Mittels eigener Voxel-Engine lässt euch Entwickler Tuxedo Labs alles in seiner blockigen Welt zerstören. Neben Freunden explosiver Physikeffekte kommen dabei auch Tüftler und Planer auf ihre Kosten.
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Alle Screenshots und Spielszenen stammen von GamersGlobal

Teardown nahm seinen Anfang als Techdemo, mit der Entwickler Dennis Gustafsson Physik-, Zerstörung und Beleuchtungseffekte testete. Als Ein-Mann-Studio Tuxedo Labs (später ergänzt um mehr Mitstreiter) begann er, ein Spiel auf Basis der Voxel-Engine seiner Demo zu entwickeln. Alles in Teardown besteht folglich aus den dreidimensionalen Blöcken, die den an Minecraft erinnernden Look erzeugen, aber auch eine feingliedrige Zerlegung der Umgebung ermöglichen. Die seit dem Oktober 2020 andauernde Early-Access-Phase von Teardown nähert sich nun in wenigen Tagen ihrem Ende.

Teardown bietet neben Mod-Unterstützung, Herausforderungen und einem Sandbox-Modus für ungeminderten Zerstörungswahn eine umfangreiche Kampagne, in der ihr einen vom Glück verlassenen Abrissunternehmer spielt. Stellt euch die erste Mission noch vor die erwartbare Aufgabe, ein Haus abzureißen (wenn auch unter anderem mit Zuhilfenahme herumstehender Gasflaschen), zeigt sich bald das wahre Gesicht von Teardown: Im Auftrag der Polizei und der lokalen Elite, die Privatfehden austrägt, müsst ihr wieder und wieder in Gebäude einbrechen und Computer, Autos oder Safes stehlen. Der Schlüssel zum Erfolg sind dabei eure Sprengmeister-Methoden.
Im Sandbox-Modus könnt ihr die Lust an der Zerstörung leben und zum Beispiel eine Yacht anzünden, bevor ihr sie mit Ferienhäusern am Dock kollidieren lasst. Da keine NPCs auf der Karte sind, kommen nur Dinge zu Schaden.


Mit dem Kopf durch die Wand

Meist besteht die Schwierigkeit darin, dass eure Ziele alarmgesichert sind. Sobald einer der zu stehlenden Gegenstände aufgehoben wurde, habt ihr 60 Sekunden Zeit, um alles weiter einzusacken und zu verschwinden. Ohne gute Vorbereitung ist das nicht zu machen und an der Stelle glänzt Teardown mit seinem Sandbox-Gameplay. Das Interface ist minimalistisch, um Ziele zu finden, orientiert ihr euch an der Karte. Ihr spielt den Raub erst im Kopf durch, sprengt Routen frei, parkt Autos strategisch, um schnell über die Karte zu düsen. Wichtige Elemente markiert ihr per Spraydose. Dazu lohnt Erkundung, um Wertsachen einzustecken, um Geld auf euer Konto zu spülen. So könnt ihr eure Hilfsmittel upgraden.

Wenn alles bereit ist, legt ihr einen Quicksave an und dann geht es los. Zur treibenden Musik die Beute einzusacken ist immer wieder spannend. Wenn sich dann zeigt, dass ein gesprengtes Loch doch zu klein ist oder ihr Fahrfehler macht, klopft das Herz auf den finalen Metern zum Fluchtfahrzeug. 

Mit eurer wachsenden Zahl an Werkzeugen (von Schlaghammer gegen dünne Wände, über Lötkolben bis Raketenwerfer und montierbare Schubdüsen) und allerlei auf den Karten platzierten Fahrzeugen müsst ihr Mittel finden, um Wege abzukürzen oder die Position der Ziele zu verändern, ohne die Alarmanlagen zu beschädigen. Da ist es etwa praktisch, störende Wände loszuwerden oder ein zu stehlendes Auto auf einem Sattelschlepper in die Nähe eures Fluchtfahrzeugs zu transportieren – aber schön vorsichtig! Die Physik kann etwas empfindlich sein, daher solltet ihr lieber die Schnellspeicher-Funktion nutzen, bevor ihr um eine schmale Kurve fahrt oder auf einen Wegteil mit abschüssigem Gelände fahrt. Nicht, dass die Fracht vom Schlepper rutscht und das mit der Alarmanlage verbundene Kabel reißt.
Die Bergungsmission, während der im Sekundentakt kleine Tornados entstehen, gehört zu den atmosphärischen Highlights der Kampagne.


Schöne Ideen und einige Macken

Hin und wieder gibt es etwas Abwechslung zu den Raubzügen gegen die Zeit. Eine Mission zum Beispiel nutzt die Feuersimulation genial: Fast jedes Gelände verfügt über einen Feueralarm, der ebenfalls das 60-sekündige Fluchtfenster auslöst, sobald er anschlägt. Der Twist bei besagter Mission: Es gibt keine Diebstahlsicherungen, dafür ist die Beute in den Wänden von Häusern versteckt. Allerdings gewittert es und im Laufe der Mission schlagen immer wieder Blitze in Gebäude ein, sobald ihr in ihre Nähe kommt, und setzen sie in Brand. Das sieht nicht nur schick aus, es nutzt die vorhandenen Systeme sehr clever für das Missionsdesign. Zwischenzeitlich gibt es jedoch sehr viele recht ähnliche Coups auf einem begrenzten Set an Karten. Nach der eintönigen Phase nimmt das Missionsdesign zur Mitte hin wieder Fahrt auf  und schüttelt dann in der zweiten Hälfte wieder mehr neue Werkzeuge, Schauplätze und Elemente aus dem Ärmel. Da ist die Wachstumphase im Zuge des Early Access zu spüren: Die zweite Hälfte der Kampagne wurde deutlich später implementiert.

Die Zerstörung als Rückgrat des vielseitigen Sandbox-Gameplays ist die große Stärke von Teardown, leistet sich jedoch auch ein paar Schnitzer. So ist doch sehr augenfällig, dass trotz der Kleinteiligkeit der Zerstörung die Statik von Gebäuden kaum simuliert wird. Das merkt ihr direkt bei der ersten Abriss-Mission der Kampagne. Ein paar verbleibende Wandblöcke oder der Rest des Backstein-Kamins reichen, um das Obergeschoss des Hauses vorm Einsturz zu bewahren.

Mir ist auf dem Grundstück einer Villa so mancher Abschnitt eines gepflasterten Weges teils zerbrochen, wenn Autos vom Rasen über den Bordstein darauf gefahren sind. Wenn dann die Reifen sich doof verklemmten, musste ich teils aussteigen, sie mit der rechten Maustaste packen und aus der zerbröckelten Vertiefung schieben.
An anderer Stelle kann es passieren, dass der Schutt nach dem Umfahren einer Wand das Weiterfahren unmöglich macht. In dem Falle mag das angesichts des Physiksystems konsequent sein, allerdings ist es nur mäßig spannend, den Schauplatz der eigenen Zerstörungslust aufzuräumen, damit die Mission weitergehen kann. Beim Herumspringen auf Schutt kam es dazu hin und wieder vor, dass ich kurz feststeckte und dann durch Objekte glitchte.

Ebenso ärgerlich ist es, bei der eigentlichen Flucht eher daran zu scheitern, nicht mehr den richtigen Punkt zu finden, an dem die körperlose Spielfigur (auch in der Außenansicht beim Steuern von Fahrzeugen ist sie nicht zu sehen) beim Probedurchlauf anstandslos durch ein nicht zu großes Loch im Boden fiel – da lohnt es sich, früh in mehr Munition für Sprengmittel wie Rohrbomben zu investieren, damit gleich die Löcher großzügiger ausfallen können. Alternativ könnt ihr in den Optionen auch die verfügbare Munition erhöhen oder euch auf andere Art das Leben in der Kampagne leichter machen. Bis hin zur Option, Missionen zu überspringen.

Autor: Hagen Gehritz (GamersGlobal)

 
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Meinung: Hagen Gehritz

Teardown macht mich zum Rambo unter den Dieben. Der Fokus auf Vorbereitung durch gezielte Zerstörung sorgt für unverbrauchte Einbruchstouren, während ich immer mehr Werkzeuge freischalte, mit denen ich die detaillierte Abrissmechanik noch weiter ausnutzen kann. Es ist stets ein schönes Gefühl, wenn die Idee für eine Route am Ende aufgeht. Besonders, wenn obendrein alle optionalen Ziele erbeutet wurden (was später verteufelt knifflig wird), kommen mir die Worte "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert" ganz von allein über die Lippen.

Die verquere Logik von Teardown muss man schlucken: Selbst beim dritten Einbruch auf demselben Gelände in kurzer Zeit kann ich alle Zäune und Wände einreißen, es wurden mal wieder nur die Zielobjekte per Alarm gesichert. Auf Realismus zu pfeifen kommt aber einer simplen Eleganz des Grundgameplays zugute. Dasselbe gilt für die doofe KI der später auftauchenden Wachroboter. Würden alle Wachen aufgeschreckt und zusammen auf mich Jagd machen, würde ich dauernd nur schnellladen. Doch da die Wächter keine Verstärkung rufen, geht es so darum, meinen Fluchtweg zu sprengen, um sie abzuschütteln.

Die merklichsten Schwächen von Teardown liegen bei der teils fummeligen Steuerung. Insbesondere das Klettern auf selbstgebauten Plankenpfaden kann zur Geduldsprobe werden und versaute mir manche Flucht.
TEARDOWN PC
Einstieg/Bedienung
  • Übersichtliche Tastenbelegung
  • Werkzeuge werden Schrittweise eingeführt
  • Fahrzeuge mit je eigenem Fahrgefühl...
  • Quicksave-Funktion
  • Diverse Optionen, um Kampagne leichter zu machen (mehr Munition, mehr Zeit, Missionen überspringen)
  • Keine grundlegende Einführung
  • Steuerung in Teilen sehr fummelig
  • ... doch es ist teils ein mieses Fahrgefühl
  • Quicksave-Spielstand wird bei Unterbrechung einer Mission gelöscht
  • Controller-Steuerung halbgar umgesetzt (besonders in Menüs/ auf Karte)
Spieltiefe/Balance
  • Spaßiges Zerstörungssystem
  • Umfangreiche Kampagne mit dutzenden Missionen
  • Missions-Design macht Zerstörung zum zentralen Werkzeug, um Ziele zu erreichen
  • Aufträge erlauben viele Vorgehensweisen
  • Viele verfügbare Werk- und Fahrzeuge
  • Abseits von Kampagne Sandbox-Modus, Herausforderungen und Mod-Support
  • Zwischenzeitlich Missions-Monotonie in erster Hälfte der Kampagne
  • Zerstörungseffekte teils nicht nachvoll-ziehbar (Bordstein zerbricht unter Auto)
  • Statik wird kaum simuliert
  • Sehr dröge Inszenierung der Kampagne
Grafik/Technik
  • Komplett zerstörbare Umgebung mit Physik-Effekten wie sich ausbreitendem Feuer
  • Ansehnliche Lichteffekte
  • Viele kleinere Objekte sehr abstrakt dargestellt
  • Bildrate nicht immer konstant
  • Teils Glitches
Sound/Sprache
  • Stimmungsvoller Soundtrack
  • Keine deutsche Lokalisierung
  • Keine Sprachausgabe
Multiplayer
Nicht vorhanden
8.0
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
Hardware-Info
Minimum: Win 7, Quad Core CPU, GTX 1060 (3GB VRAM), 4 GB RAM, 4 GB Festplattenspeicher
Maximum: Win 10, Intel Core i7, GTX 1080 (8 GB VRAM), 4 GB RAM, 4 GB Festplattenspeicher
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
Hagen Gehritz 19. April 2022 - 20:03 — vor 3 Wochen aktualisiert
Hagen Gehritz Redakteur - P - 96801 - 19. April 2022 - 20:01 #

Viel Spaß mit dem Test!

Q-Bert 23 Langzeituser - - 38737 - 19. April 2022 - 20:46 #

Hm, naja, das sieht nach max. 30 Minuten Spaß aus... Ich bin zu alt für Zeitdruck mit Fummelsteuerung. ^^

Wer zerstörbare Umgebung mit Physik als anspruchsvolle Rundentaktik spielen mag, wo man genug Zeit zum Nachdenken hat, dem sei "Enemy" wärmstens empfohlen. Die Grafik ist zwar klötzelig, aber für Taktiker hat das was:
https://store.steampowered.com/app/339570/Enemy/

Max_Power 11 Forenversteher - P - 734 - 19. April 2022 - 22:46 #

Enemy sieht interessant aus - danke für den Tipp!

Q-Bert 23 Langzeituser - - 38737 - 19. April 2022 - 23:31 #

Das einzige Spiel, bei dem ich auf Steam jemals alle Achievments freigeschaltet habe... ^^

Christoph 18 Doppel-Voter - P - 9908 - 22. April 2022 - 6:47 #

Zeitdruck? Nein danke, ebenfalls nix für mich. Bin Ü49... ^^
Danke für den Enemy-Tip... sieht SEHR retro aus, aber mal sehen :-)

JensJuchzer 21 AAA-Gamer - P - 25570 - 19. April 2022 - 22:22 #

Grafik sieht cool und stimmig aus. Am besten wenn man etwas Abstand hält.

Crizzo 19 Megatalent - P - 16091 - 19. April 2022 - 22:48 #

Kantenglättung kann man getrost aus lassen.

rofen 15 Kenner - P - 2753 - 19. April 2022 - 22:52 #

Sehr lustiges Video!

AlexCartman 19 Megatalent - P - 19005 - 20. April 2022 - 7:48 #

„They Stole a Million“ meets „Blast Corps“? Schöner Test, aber die beiden Spielprinzipien scheinen für mich nicht recht zusammen zu passen.

Hagen Gehritz Redakteur - P - 96801 - 20. April 2022 - 9:25 #

Wie im Test angemerkt ist es seltsam, dass kein Alarm ausgelöst wird, wenn ich Teile der Karte entkerne. Aber abseits davon ging die Mischung für mich überraschend gut auf, gerade weil die Zerstörung nicht Gimmick, sondern Kernelement ist, wie die Blitzmission oder die Flucht vor Wachrobotern zeigt. Andersherum geht es um bedächtige Zerstörung. Teils will ich eine Wand in einem Treppenhaus loswerden, muss es aber so anstellen, dass die Treppe nicht einstürzt.

Bruno Lawrie 20 Gold-Gamer - - 24809 - 20. April 2022 - 9:29 #

An sich schon, ich hab das Spiel seit Early-Access-Zeiten und was es machen will, funktioniert schon ganz gut.

Problematisch finde ich nur, dass das Ausarbeiten des Plans die meiste Zeit in Anspruch nimmt und dass die Durchführung dann leicht ruiniert werden kann, weil bspw. ein Trümmerteil Wege blockiert. Wenn man dann Stellen mehrfach spielen muss, weil die Physikengine so flexibel ist, dass man nicht alles einplanen kann, kann das leicht frustrierend werden.

Ist auf jeden ein schönes Beispiel dafür, dass komplett neue und sehr kreative Spielideen nicht automatisch besser als ausgenudelte Standard-Genres sind und dass es einen Grund hat, warum Spiele selten eine komplett offene Physik haben.

Aber definitiv kein schlechtes Spiel und auch mal was anderes, was ich generell begrüße. Ist nur kein Spiel, was man am Stück durchspielen sollte, sondern eher immer wieder mal ein oder zwei Levels.

Hab es aber auch seit nem Jahr nicht mehr gespielt, mag sein, dass einiges jetzt runder ist. Zwischen den Preview-Versionen gab es teils enorme Unterschiede.

rammmses 21 AAA-Gamer - P - 28106 - 20. April 2022 - 10:59 #

Das sieht faszinierend aus, mal schauen, ob ein Konsolen-Port kommt.

Slaytanic 25 Platin-Gamer - - 60196 - 20. April 2022 - 11:58 #

Das hat mir überraschenderweise doch recht gut gefallen. They Stole a Million war auch das erste was mir in den Sinn kam.

TheRaffer 22 Motivator - - 33857 - 20. April 2022 - 18:44 #

Die Note überrascht mich nun doch. Wird definitiv nicht mein Spiel :)

MicBass 20 Gold-Gamer - P - 22049 - 20. April 2022 - 22:11 #

Sieht ganz witzig aus, an They stole a Million musste ich auch direkt denken. Und ich mag einfach Voxelgrafik.

Ganon 26 Spiele-Kenner - - 71357 - 22. April 2022 - 9:20 #

Die Engine wäre was für ein neues Red Faction. Aber bitte ohne Klötzchenlook. ;-)

Lars 20 Gold-Gamer - - 20853 - 25. April 2022 - 10:22 #

Danke Hagen! Schöner Test und kurzweiliges Video - habe mir das Spiel direkt danach gekauft und konnte am Wochenende auch schon ein bisschen spielen.

Hat auf jeden Fall Spaß gemacht, bisher wenig frustige Momente. An einigen Stellen zerstört die merkwürdige Statik ein wenig das Gesamtbild.

Henning Lindhoff 18 Doppel-Voter - P - 12935 - 17. Mai 2022 - 13:24 #

Das sieht richtig gut aus. Aber solche Spiele sind mir viel zu nervenaufreibend. Umso schöner also, Hagen beim Zerstören zuzuschauen. Danke.