Skater XL Test+

Skateboard-Sim ohne Steez

Dennis Hilla / 11. August 2020 - 16:20 — vor 1 Jahr aktualisiert
Steckbrief
PCPS4SwitchXOne
Sport
Fun-Sportspiel
3
Easy Day Studios
Easy Day Studios
19.12.2018
Link
Amazon (€): 19,99 (PEGI-AT), 18,49 ()

Teaser

Skateboard-Spiele erleben aktuell eine kleine Renaissance. Die Easy Day Studios setzen auf realistische Steuerung, echte Pro-Skater und Spots. Wir haben die Konsolen-Release-Fassung getestet.
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Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGlobal

Früher war alles besser. Ich rede hier natürlich nicht von irgendwelchen politischen Zuständen oder von rebellischen Jugendlichen, die ohne Erlaubnis meinen Rasen betreten. Mir geht es um das Genre der Skateboard-Spiele, das sich spätestens seit dem ersten Tony Hawk’s Skateboarding aus dem Jahr 1999 einen festen Platz im Mainstream sichern konnte. Nach diversen Titeln mit dem Birdman in der Hauptrolle sowie Thrasher - Skate and Destroy, das ein Klon und irgendwie doch nicht war, zeigte EA im Jahr 2007 mit Skate und dessen realistischem Ansatz wer der Genre-Hecht ist. Doch nach drei Teilen war auch bei der Simulations-Reihe Feierabend und abgesehen von so Machwerken wie Tony Hawk’s Pro Skater 5 (im Test, Note: 4.5) wurden Fans von Skateboard-Spielen lange Jahre auf dem Trockenen sitzen gelassen. Mit Skater XL befand sich jedoch seit Dezember 2018 ein Hoffnungsträger im Early-Access-Programm von Steam, der sich auf dem PC dank Mod-Support eine treue Fanbase erarbeiten konnte.

Nun ist die Skateboard-Simulation von den Easy Day Studios in ihrer finalen Fassung erschienen und auch für Konsolen erhältlich. Ich habe mir die Version für Xbox One X geschnappt und gehe in meinem 4K-Test darauf ein, ob der Titel eine Chance auf den Nine Club hat oder doch eher ein heftiger Bail ist. Als langjähriger Fan ähnlich gelagerter Spiele wie Session (im Early-Access-Test, Note: 8.0) kann ich direkte Vergleiche zu Genre-Kollegen ziehen und als Fan und Ausüber des realen Sports bringe ich auch anderweitige Expertise mit.
Das Gerichtsgebäude von West Los Angeles ist aus vielen Skatevideos bekannt.
 

Bekannte Steuerung mit Macken

Auf den ersten Flip erinnert die Bedienung von Skater XL nicht nur entfernt an Session. Je ein Analogstick ist einem Fuß eures virtuellen Rollbrettfahrers zugeordnet. Für einen Ollie drückt ihr den hinteren Fuß nach unten, bewegt ihr den Stick für den vorderen Treter nach schräg oben führt ihr einen Kick- oder Heelflip aus. Innovativ ist die Steuerung nur, wenn ihr Session nicht gespielt habt, eine steile Lernkurve bringt sie aber auf jeden Fall mit. Außerdem solltet ihr ein grundlegendes Verständnis von echtem Skateboarden haben, sonst dürftet ihr beim Ausführen mancher Manöver schnell Probleme bekommen. Ein Trick-Handbuch gibt es nämlich nicht.

Trotz aller Ähnlichkeit ist die Steuerung von Skater XL insgesamt schlechter geraten als die von Session. So lösen Ollies, also normale Sprünge, oftmals viel zu früh aus, was euch schnell eine ganze Line verhageln kann. Außerdem belegen sich die Füße nicht dynamisch um, wenn ihr Switch fahrt. Seid ihr als „Falschherum“ unterwegs, dann führt es zu regelrechten Knoten im Hirn. Ebenfalls richtiggehend nervig ist zudem das Toleranzspiel bei Manuals. Um nur auf einer Achse zu fahren müsst ihr beide Sticks halb nach unten drücken, wenn ihr den vom Spiel erwarteten Winkel aber nur um ein kleines Stück verpasst wird euer Versuch schon nicht akzeptiert.
Lässige Idee, so eine Bank zwischen zwei Dächern. Nur leider könnt ihr selbst keine Objekte in der Welt platzieren.
 

Ja und jetzt?

Obige Frage werdet ihr euch nach dem kurzen, aber ausreichenden, Tutorial wohl schnell stellen. Denn Skater XL bietet keine richtige Kampagne. Stattdessen könnt ihr lediglich die Herausforderungen angehen, hier ist aber wichtig zu wissen: Ihr müsst sie manuell aus dem entsprechenden Menü heraus aktivieren! In diesen werden euch bestimmte Tricks oder Combos an einem Spot vorgegeben und ihr müsst sie nachstellen. Etwas nervig ist übrigens, dass die Herausforderungen immer in der Regular-Fußstellung zu absolvieren sind, ihr als Goofy-Fahrer also umdenken müsst. Eine Belohnung oder ähnliches winkt nicht, sie dienen wohl nur dazu, dem Spieler eine Art Ziel vorzusetzen. Jetzt nicht, dass ich mich hier missverständlich ausdrücke: Ich finde es super, wenn Skate-Spiele mich die Umgebung auf eigene Faust erkunden lassen. Session bietet ja auch keine richtige Kampagne oder ähnliches (ist aber auch noch Early Access). Aber neue Spieler gewinnt man eben durch die berühmte Karotte vor der Nase, sonst werden sie schnell die Lust verlieren.

Immerhin kann Skater XL mit abwechslungsreichen Gebieten aufwarten. Die Easy Day High School ist ein Schulhof, wie man ihn aus jedem 90er-Jahre-Video kennt. In Downtown Los Angeles erwarten euch viele Handrails und interessante Architektur, der California Skatepark hingegen ist genau das, was sein Name vermuten lässt. Ebenfalls interessant für Schauer von realen Skatevideos dürfte das West LA Courthouse sein, das mit seiner riesigen Ledge in unzähligen Clips vorkommt. Die Mega Ramp finde ich hingegen ziemlich überflüssig, da sie aus meiner Sicht nicht zum Street-Skate-Ansatz des Spiels passt. Ganz allgemein wird der angepeilte Realismus oft torpediert, beispielsweise wenn ich einen so hohen Absatz nach unten springe, dass wohl selbst Aaron „Jaws“ Homoki den Schwanz einziehen würde.
Bei den Herausforderungen werden euch Tricks oder Lines vorgegeben, die ihr nachmachen müsst.
 

Schön geht anders

Skater XL wirkt aber auch an anderer Stelle ferner entfernt vom echten Rollsport als beispielsweise ein Session. Beim Kollegen von den creā-ture Studios seht ihr beispielsweise, wie der Fuß eures Skaters das Board nach einem Flip „catcht“, also es in seiner Rotation stoppt. In Skater XL bleibt es einfach in der Luft stehen, lasst ihr den entsprechenden Stick los. Die Ragdoll-Effekte, wenn ihr stürzt, sind zudem mehr als albern und oftmals glitcht euer Alter Ego auch nur durch die Wand oder Rail, gegen die er geflogen ist.
 

Fettes Werbepaket

Nicht Lumpen lassen haben sich die Easy Day Studios aber in Sachen reale Skater und zugehörige Marken. Mit Evan Smith, Tom Asta, Brandon Westgate und Tiago Lemos sind immerhin vier Profis an Board, die ihr steuern dürft. Ersterer ziert sogar das Cover der physischen Version des Spiels. An dieser Stelle alle Kleidungs- und Skate-Hardware-Marken aufzuzählen würde den Rahmen sprengen, daher nenne ich euch nur ein paar der wichtigsten: New Balance, Vans, Lakai, Emerica, Element, Grimple Stix, Independent, Spitfire, Mob Grip. Solltet ihr also Wert auf den Steez eures virtuellen Athleten legen, dann seid ihr bei Skater XL genau an der richtigen Stelle.

Autor: Dennis Hilla (GamersGlobal)

 
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Meinung: Dennis Hilla

Skater XL wirkt auf mich mehr wie ein Early-Access-Titel als ein fertiges Spiel. Die Technik ist dank den seltsamen Animationen, lahmen Soundeffekten und oft auftretenden Rucklern selbst auf der Xbox One X noch stark verbesserungswürdig. Auch der Umfang wirkt nicht so, als hätte man ein fertiges Spiel vor sich. Die fünf Maps sind nett und vor allem das West LA Courthouse lädt dazu ein, Lines aus klassischen Skatevideos nachzubauen. Aber es gibt keine anderen Skater, keine Passanten, keine fahrenden Autos, keine richtige Kampagne, nichts. Zumindest bis auf die Herausforderungen.

Allerdings fühlen sich diese mehr an wie Tutorials. Ihr bekommt einen bestimmten Trick oder eine Line an einem Spot vorgegeben und müsst diesen nachahmen. Nett, fühlt sich aber mehr nach erweitertem Tutorial an. Und so kann ich euch Skater XL nur ans Herz legen, wenn ihr als Skateboard-Fan aktuell nach neuem Futter egal in welcher Form lechzt. Ansonsten seid ihr als Konsolenspieler mit Session oder Skate 3 via Abwärtskompatibilität deutlich besser beraten. Wenn ihr Skater XL auf dem PC spielt, dann könnt ihr allerdings auf eine Tonne an Mods zurückgreifen, die das Spiel teilweise extrem aufwerten. Solltet ihr ohnehin mehr auf unkomplizierte Rollbrettaction aus sein, dann rate ich euch: Wartet auf die Tony Hawk's Pro Skater-Remakes im September.
Skater XL XOne
Einstieg/Bedienung
  • Realitätsnahe Steuerung
  • Übersichtliches Tutorial, das aber reicht
  • Bedienung nicht so ausgefeilt wie bei Session
  • Kein Trick-Handbuch oder ähnliches
Spieltiefe/Balance
  • Vier gelungene Levels
  • Viele Freiheiten beim Skaten
  • Enorm belohnend, wenn ein Trick endlich sitzt
  • Nette Herausforderungen, die teils richtig knifflig werden
  • Umfangreiche Auswahl an realen Klamotten, Decks, etc.
  • Ab- und anschaltbare Hilfsanzeigen
  • Hilfreiche Rücksetzpunkt-Funktion
  • Mega-Rampe passt nicht ins Spiel
  • Wenig Inhalt abseits vom eigentlichen Skaten
  • Keine Kampagne
  • Kein Object Dropper zum Bau eigener Spots
  • Leere Spielwelten
  • Charakteranpassung fehlt es an Tiefe (Bärte, etc.)
  • Skater "catcht" Tricks nicht wirklich
Grafik/Technik
  • Kalifornischer Skatepark mit schicker Lichtstimmung
  • Immer wieder auftretende Grafikbugs
  • Animationen oft hölzern
  • Brett-Drehung selten realistisch
Sound/Sprache
  • Netter Soundtrack
  • Passend Skate-Geräusche...
  • Nur wenige Musikstücke
  • ...denen es an Klangvolumen fehlt
Multiplayer

Nicht vorhanden
 
5.0
Userwertung0.0
Mikrotransaktionen
Hardware-Info
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • Kopierschutzlose GoG-Version
  • Epic Games Store
  • uPlay
  • Origin
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
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Dennis Hilla 11. August 2020 - 16:20 — vor 1 Jahr aktualisiert
Dennis Hilla Redakteur - P - 142010 - 11. August 2020 - 16:20 #

Viel Spaß beim Lesen/Hören/Schauen!

euph 28 Endgamer - P - 106674 - 11. August 2020 - 16:44 #

Danke für den Test. Ich mag ja eh lieber Spiele, wo ich mal das machen kann, was ich im realen Leben sowieso nie hinbekommen werde. Aber wenn man einen realistischen Ansatz wählt und dann aus großen Höhen keine Stürze produziert, passt das irgendwie nicht nicht zusammen. Und auch sonst macht das Spiel keinen besonders guten Eindruck. Ich warte auf Tony.

SupArai 24 Trolljäger - P - 46503 - 11. August 2020 - 20:13 #

Es lebe Just Cause!

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 203154 - 11. August 2020 - 16:53 #

n0+ 50 6n4r|y...

Dennis Hilla Redakteur - P - 142010 - 11. August 2020 - 17:02 #

Mist, ein Skateboard-Begriff den ich nicht verwendet habe!

Altior 16 Übertalent - - 4029 - 11. August 2020 - 17:26 #

Was bedeutet denn dieser Code für Uneingeweihte?

Danywilde 24 Trolljäger - - 116881 - 11. August 2020 - 20:00 #

Nicht so knorrig.

Das war Leetspeak.

Labrador Nelson 30 Pro-Gamer - - 203154 - 13. August 2020 - 14:42 #

Jo, gnarly steht bei Skatern für amazing und awesome und so... :)

Jonas S. 20 Gold-Gamer - P - 22756 - 11. August 2020 - 17:12 #

Ein harter Schlag für den Skateboard-Fan Dennis H. aus D. :(

Admiral Anger 26 Spiele-Kenner - P - 75500 - 11. August 2020 - 17:24 #

Schade, dann bleibt wohl nur die Hoffnung auf das neue Skate. Hauptsache, das THPS-Remake wird gut.

maddccat 19 Megatalent - P - 13493 - 11. August 2020 - 18:07 #

Was würde Birdman dazu sagen?

euph 28 Endgamer - P - 106674 - 11. August 2020 - 18:17 #

Kauft THPS wahrscheinlich

Ganon 24 Trolljäger - P - 65828 - 12. August 2020 - 18:47 #

Oder Skatebird! https://www.gamersglobal.de/spiel/160121/skatebird

euph 28 Endgamer - P - 106674 - 13. August 2020 - 6:41 #

Vielleicht :-)

AufeinemBaum 11 Forenversteher - P - 648 - 11. August 2020 - 21:08 #

Kennen vielleicht schon einige, aber schon krass, was einige freestyle Artisten mit dem Brett alles anfangen können: https://youtu.be/x3ici7djACc

TheRaffer 21 Motivator - - 30276 - 12. August 2020 - 16:54 #

Ich konnte mit der Hälfte der Begriffe nichts anfangen. Zum Glück steht da eine Zahl drunter :)

Ganon 24 Trolljäger - P - 65828 - 12. August 2020 - 18:48 #

Was ist denn bitte Steetz?

Scheint ja ein echter Griff ins Klo zu sein, wenn Session im Early Access schon besser ist als das hier. Aber für mich sind wohl beide nichts, bin da eher der Typ für die arcadigen Tony-Hawk-Spiele.

Vampiro 25 Platin-Gamer - P - 64263 - 12. August 2020 - 19:15 #

Schade, hätte mich für Dennis gefreut.

marshel87 17 Shapeshifter - 6425 - 13. August 2020 - 8:05 #

Beim Video dachte ich schon "okay... wo kommt jetzt das gameplay?".
Da bleibe ich doch lieber beim schön übertriebenen THPS und warte gespannt auf 1+2 :D