Control Test+

Intensiver Action-Thriller

Benjamin Braun / 26. August 2019 - 15:00
Steckbrief
PCPS4XOne
3D-Actionadventure
16
505 Games
27.08.2019
Link
Amazon (€): 53,99 (PlayStation 4), 59,90 (Xbox One)
Nach Alan Wake und Quantum Break schickt euch Remedy in ein nicht minder packendes Action-Adventure mit Telekinese und Psi-Kräften. Doch kann es Max Payne und Co. das Wasser reichen?
Aktueller kostenloser Premium-Inhalt.
Control ab 53,99 € bei Amazon.de kaufen.
Alle Screenshots und Videoszenen stammen von GamersGlobal

Eine rätselhafte US-Bundesbehörde, ein Gebäude, das lebendig zu sein scheint sowie übernatürliche Kräfte, die uns schweben oder per Telekinese Objekte bewegen lassen, sind nur drei der wichtigsten Elemente aus Remedys neuem Action-Adventure Control. In beinahe gewohnter Sam Lake-Manier, und doch wieder vollkommen anders, erzählen die Finnen eine gleichsam spannende wie verstörende Geschichte und würzen sie mit rasanter, spektakulärer Action.

In Control schlüpft ihr in die Rolle von Protagonistin Jesse, bei der ihr euch selbst ausmalen dürft, ob ihr Nachname Fade womöglich eine „tiefere“ Bedeutung hat, wie es in Remedys vorherigen Spielen wie Max Payne oder Alan Wake der Fall ist. Ihr sucht im fiktiven Federal Bureau of Control (FBC) eigentlich nach Jesses verschollenem Bruder und Antworten auf ein sonderbares Ereignis in eurer Jugend. Eine unerklärliche Macht, im Spiel Zischen genannt, aber verwandelt die Angestellten in willenlos mordende Kreaturen – und ihr selbst werdet irgendwie vom ungebetenen Besucher in die Rolle der neuen FBC-Direktorin katapultiert. Wieso, weshalb, warum? Nach meinem Spielerlebnis ist die Antwort auf diese Frage klar: Wer's nicht spielt bleibt dumm!
Im Kampf schleudert ihr per Telekinese Objekte auf Gegner. In diesem Fall ziehe ich die Granate des Widersachers an un werfe sie zurück.
 

Mit Amtswaffe und Gedankenkontrolle

Neben der Hauptstory, die euch durch neun mehr oder weniger linear angeordnete Missionen führt, erwarten euch in Control auch etliche Nebenaufträge. Dazu zählen kleinere Erledigungen für Wissenschaftler im Ältesten Haus, so lautet der Name der FBC-Zentrale. Doch auch der mysteriöse Hausmeister Ahti versorgt euch gelegentlich mit Missionen und es gibt auch größere Bosskämpfe auf der Astralebene. Den größten Teil der grob 15 bis 25 Spielstunden (nach dem Ende dürft ihr noch offene Nebenmissionen angehen) werdet ihr aber in Kämpfen verbringen. Dabei setzt ihr einerseits die Amtswaffe ein, die nur dem Direktor des FBC zur Verfügung steht. Das gute Stück ist die einzige Wumme im Spiel, ihr dürft sie später mittels Ressourcen aber mit alternativen Aufsätzen versehen und sie auf diese Weise von einer Art Pistole auch zu so etwas wie einer Schrotflinte umbauen. Nach jeder der jeweils drei Waffenverbesserungen rüstet ihr zudem Mods aus, die etwa die Nachladegeschwindigkeit (automatisches Nachladen, unendlich Munition) erhöhen. Persönliche Mods erhöhen wiederum die Trefferpunktregeneration durch Heilobjekte, die Gegner im Kampf fallen lassen.

Mindestens genauso wichtig im Kampf sind die übernatürlichen Fähigkeiten von Jesse, von denen ihr nur die wichtigsten innerhalb der Hauptstory freischaltet, darunter die Telekinese, mit der ihr Objekte in der Umgebung anzieht und auf Feinde schleudert. Wollt ihr hingegen Gegner „ergreifen“, konkret kontrollieren und eine Zeit lang an eurer Seite kämpfen lassen, müsst ihr zunächst eine bestimmte Zusatzmission erfüllen. Die besonderen Kräfte, die auch einen Schattenschlag, das Schweben im Raum oder einen Ausweichdash ermöglichen, machen den wesentlichen Reiz der Kämpfe aus. Sie werden dadurch schnell, visuell besonders spektakulär und gleichzeitig auch taktisch anspruchsvoller, da ihr bei den meist wellenartig angreifenden Gegnern sehr darauf achten müsst, rechtzeitig verlorene Trefferpunkte wiederaufzuladen, und sie auch in einer geeigneten Reihenfolge auszuschalten. Denn wer nicht aufpasst, den ereilt der Bildschirmtod (erhaltene Erfahrungspunkte oder gesammelte Mods gehen dabei generell nie verloren) gerade in späteren Kämpfen recht schnell.
Auch innerhalb der Storymissionen gibt es Bossfights. Die größten und spektakulärsten aber lagert Remedy (wie manch andere Highlights) erstaunlicherweise in den optionalen Bereich aus. Das gilt auch für diesen Kampf gegen ein verrückt gewordenes "Objekt der Macht".


Nervige Wegfindung

Einer der vielleicht größten Schwächen von Control ist die Wegfindung innerhalb des Ältesten Hauses. Zwar wird euch auf der Karte der Ort, den ihr erreichen müsst, markiert, dennoch werdet ihr ab und zu ähnlich wie ich immer wieder mal blöd durch die Gegend laufen, bis ihr den richtigen Pfad zum nächsten Gebiet oder Schnellreisepunkt gefunden habt. Das ist kein riesiges Manko, aber hätte Remedy zumindest für die Hauptmissionen eine Art Brotkrumen-System wie in Horizon – Zero Dawn (im Test, Note: 8.5) integriert, hätte es der Spielbarkeit definitiv geholfen. Denn auch wenn der Orientierungsverlust teils gewollt ist, so hätte er unter einer stärkeren, von mir aus nur optionalen, Anleitung nur sehr bedingt gelitten.
Schriftstücke, Aufzeichnungen von Oberwissenschaftler Dr. Darling oder mehrere Episoden der TV-Serie Threshold Kids (hier zu sehen) geben meist spannende Hintergrundinfos und lockern die mysteriöse Atmosphäre angenehm auf.


Technisch durchwachsen

Control macht seine Sache nicht nur erzählerisch und atmosphärisch, sondern auch stilistisch im Großen und Ganzen goldrichtig. Einzelne Charakteranimationen hätten zwar weniger hektisch aussehen müssen, und die Lippensychronität zur deutschen Sprachfassung ist mitunter mangelhaft. Gerade aber aufgrund der etlichen guten Effekte und der in Teilen zerstörbaren Umgebung, geraten diese Schwächen letztlich zur Nebensache. Schwerer wiegt jedoch, dass die Performance alles andere als optimal ist. In der primär auf Xbox One X getesteten Fassung läuft Control im Wesentlich rund, obgleich auch dort immer wieder mal teils massive Texturnachlader zu sehen sind. Es kam bei mir zudem insbesondere nach der Schnellreise regelmäßig zu kurzen Einbrüchen der Bildrate oder sogar einem kurzen Bildstillstand. Überwiegend und gerade in den Kämpfen lief das Spiel jedoch bereits vor den zwei im Testzeitraum erschienen Updates ausreichend gut.

Das gilt allerdings nicht für die leistungsschwächeren Varianten der Microsoft-Konsole. Auf der Ur-Xbox-One konnte ich es nicht überprüfen, auf der Xbox One S allerdings geht die Bildrate in den Kämpfen immer wieder mal für längere Zeit in den einstelligen Bereich runter, was die Spielbarkeit stark reduzierte. Wie es performancetechnisch auf PC, PS4 und PS4 Pro aussieht, kann ich nicht beurteilen. Sollte es Remedy jedoch zum Launch nicht per Patch gelingen, die Performance auch auf den älteren Konsolenmodellen auf ein angemessenes Niveau zu bringen, würde ich für diese Fassungen ziemlich sicher ein entsprechend niedrigere, separate Wertung vergeben.

Autor: Benjamin Braun, Redaktion: Dennis Hilla (GamersGlobal)

 
Anzeige

Meinung: Benjamin Braun

Ich bin ein ziemlicher Remedy-Fan-Boy, das gebe ich offen zu. Auch wenn weder Max Payne, Alan Wake oder Quantum Break spielerisch letztlich auch nur ansatzweise Bahnbrechendes lieferten, habe ich alle genannten Titel geliebt. Weil sie eine spannende Geschichte erzählen, egal, ob nun am Ende alles einen Sinn ergeben mag. Weil sie allesamt eine intensive Atmosphäre haben, nicht erst, wenn man die unzähligen Schriftstücke studiert, sondern auch dann, wenn ich bloß der Kernstory folge. Weil sie außergewöhnlich sind, vielleicht nicht unbedingt spielerisch, aber eben alles andere als Stangenware. Sam Lake mag als Autor durchgeknallt sein, aber eben auf eine gute Weise.

All das kann ich auch für Control so unterschreiben, denn meine Reise durch das Älteste Haus ist spannend und faszinierend zugleich. Da stören mich die aktuell noch vorhandenen technischen Mängel kaum. Bloß bei der Wegfindung hätte ich mir ein wenig mehr und bessere Unterstützung gewünscht. Auch die Kämpfe, so gleichförmig sich spätestens nach dem Erwerb aller Grundfähigkeiten spielen, machen mir jedes Mal aufs Neue wieder Spaß. Das ist in gewisser Weise auch eine Parallele zu den bisherigen Remedy-Spielen, denn auch die Bullet Time oder die Manipulation von Zeit und Raum in Quantum Break ließen die Kämpfe schnell an die Grenzen der spielmechanischen Tiefe stoßen.

Zur allgemeinen Bezeichnung als Must-Have reicht es am Ende vielleicht nicht ganz. Für Freunde der Remedy-Spiele und Anhänger erzählerisch außergewöhnlicher Action-Titel führt an Control aber definitiv kein Weg vorbei.
 
Control XOne
Einstieg/Bedienung
  • Gut ausbalancierter Schwierigkeitsgrad
  • Interessanter Storyeinstieg
  • Etliche Schnellreisepunkte
  • Spiel kann nach dem Ende fortgesetzt werden
  • Keine wählbaren Schwierigkeitsstufen
  • Wegfindung im Gebäude teils unnötig kompliziert
Spieltiefe/Balance
  • Spannende, mysteriöse Story
  • Spektakuläres Kampfsystem
  • Sehr spaßige Fähigkeitennutzung
  • Ein paar sehr nette Rätsel
  • Vielfältiges Gegnerdesign
  • Einige fette Bosskämpfen (fast alle optional!)
  • Üppiges Angebot an Nebenmissionen
  • Abseits der Hauptstory viele spielerische Freiheiten
  • Etliche, meist lohnenswerte Schriftstücke und sonstige Zusatzinfos in Spielwelt
  • Schusswaffengebrauch eher Standard
  • Doofe (optionale!) Verteidigungsschlachten
  • Upgradesystem wirkt aufgesetzt
Grafik/Technik
  • Überwiegend sehr gute Effekte (Licht, Schatten usw.)
  • Gelungene Charakteranimationen
  • Allgemein toller Stil
  • Gelegentliche Ruckler und Texturnachlader
  • Performance auf Xbox One S zum Testzeitpunk teils unzumutbar
  • Lange Ladezeiten
Sound/Sprache
  • Exzellente englische Sprachausgabe
  • Gute deutsche Sprecher
  • Starke Soundeffekte
  • Passender Soundtrack
  • Deutsche Sprachversion mit mangelhafter Lippensynchronität
  • Lautstärkeabmischung fehlerhaft
Multiplayer

Nicht vorhanden
 
8.5
Userwertung8.3
Mikrotransaktionen
Nein
Hardware-Info
Keine Besonderheiten
 
Eingabegeräte
  • Maus/Tastatur
  • Gamepad
  • Lenkrad
  • Anderes
Virtual Reality
  • Oculus Rift
  • HTC Vive
  • Playstation VR
  • Anderes
Kopierschutz
  • Steam
  • uPlay
  • Origin
  • Epic Games Store
  • Hersteller-Kontoanbindung
  • Ständige Internetverbindung
  • Internetverbindung beim Start
Partner-Angebote
Amazon.de Aktuelle Preise (€): 53,99 (PlayStation 4), 59,90 (Xbox One)
Benjamin Braun 26. August 2019 - 15:00
Um über diesen Inhalt mitzudiskutieren (aktuell 183 Kommentare), benötigst du ein Fairness- oder Premium-Abo.