Alternative zu Final Fantasy?

User-Test: Lost Odyssey

Vin 26. September 2009 - 12:57 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert
Wer auf japanische Rollenspiele steht, für den ist die Playstation die einzig mögliche Wahl? Das war einmal, inzwischen kommen immer mehr solche Titel auch für die 360. Dazu gehört auch Lost Odyssey, das es eindeutig mit Final Fantasy aufnehmen will.
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Unsterblichkeit - Seit Beginn der menschlichen Dokumentation versucht man den Tod zu überwinden, jedoch meist ohne Erfolg, das lehren uns zumindest Autoren und Regisseure. Kaim, der Protagonist aus Lost Odyssey würde wohl auch gerne in Frieden ruhen, doch stattdessen zieht er für die Ewigkeit verdammt über das Schlachtfeld. Dass er dort jedoch nicht als Friedensbote fungiert, erfährt man bereits in den ersten Spielminuten: Kaim behauptet sich alleine gegen tausende von Feinden, sogar einen Meteoriteneinschlag überlebt er ohne Probleme.
Ähnlichkeiten zur Final Fantasy Serie sind nicht zu übersehen und auch so gedacht.

Mistwalker, die bereits im August 2007 mit dem herausragenden Blue Dragon das bis dato wohl beste "Japano-RPG" auf die X-Box 360 gebracht haben, wollen nun mit Lost Odyssey vor allem Final Fantasy-Fans zur Microsoft-Konsole bekehren.
Wie das große Vorbild (Lost Odyssey stammt vom Final Fantasy-Erfinder) ist auch die Welt von Kaim eine Mischung aus mittelalterlicher Fantasy und dem Industrialzeitalter. So gibt es auch hier eine mystische Energieversorgung, zu deren Bau Kaim geschickt wird. Mehr zur Story soll hier nicht verraten werden, da sie auch so schon fast ohne Wendungen auskommt, da braucht es keine Spoiler mehr. Die fehlende Story ist auch der größte Kritikpunkt des Spiels, vor allem bei einem Rollenspiel hätte hier mehr drin sein müssen!
Zum Glück haben die Entwickler sich bei den verschiedenen Gefährten mehr Mühe gemacht.
Denn Kaim ist nicht der einzige Unsterbliche. So trifft man im Spielverlauf sogar auf eine Königin, die einen fortan begleitet. Da aber nur Unbesiegbare auf Dauer langweilig wären, gesellen sich auch einige Normale, sprich Sterbliche zu unserer Party, wie zum Beispiel der Herzensbrecher Janses, der einen durch seine schnippischen Kommentare immer wieder zum Lachen bringt. Fünf dieser Helden begleiten uns permanent, die restlichen vier können jedoch zu jeglichem Zeitpunkt eingewechselt werden.

Kampf auf Kampf auf Kampf auf Bosskampf
Dies ist auch notwendig, da jeder Charakter einzigartige Fähigkeiten und Talente hat, die vor allem in den imposanten Bosskämpfen perfekt abgestimmt werden müssen. Bevor man sich jedoch an die großen Fische machen darf müssen erstmal, Japano-RPG-typisch, unendliche Wellen von Zufallskämpfen abgehandelt werden. Da diese jedoch immer von einem kleinen, nicht überspringbaren Intro begleitet sind, beginnen sie schon nach einigen Stunden vor allem westliche Rollenspieler zu nerven.

Dabei sind die Kämpfe an sich sehr komplex und auch schön gestaltet. Grundsätzlich hat jeder Held Fähigkeiten der Kategorie "Angriff", "Zauber", "Verteidigen", "Fähigkeit", oder "Gegenstand" zur Verfügung. Des weiteren kann man im Kampf die Ausrüstung ändern, die Beine in die Hand nehmen oder die Aufstellung der Recken bestimmen. Das hat nicht nur kosmetische Gründe, denn die vorderen Kämpfer bestimmen maßgeblich den Schutz der hinteren mit. Die Kämpfe werden rundenweise abgehandelt, wodurch ein normaler Zufallskampf mindestens zwei Minuten dauert, Bosskämpfe durchbrechen teilweise sogar die 30-Minuten-Grenze!
Um jedoch etwas Action in die Kämpfe zu bringen hat jeder Held ein paar selbstgebastelte Ringe, die Boni wie extra Feuerschaden oder eine erhöhte Chance auf einen kritischen Treffer geben. Durch den rechten Trigger wird das Schmuckstück dann im Kampf eingesetzt. Die Anzahl dieser Ringe grenzt ans Unendliche, da jeder Ring mit jedem kombiniert werden kann. Ganz seltene Ringe gibt es jedoch nur bei bestimmten Events. Das Ganze ist zwar ein nettes Feature, jedoch kann man das ganze Spiel ohne Ringe durchspielen.

Es grenzt an ein ungeschriebenes Gesetz, mindestens jedes zweite Rollenspiel beginnt mit einem Amnesiefall, so auch Lost Odyssey. Kaim kann sich an fast gar nichts aus seiner Vergangenheit erinnern, was vermutlich auch gut ist bei den Grausamkeiten die er miterlebt haben muss. Leider gilt das Vergessen auch für seine Kampffähigkeiten, man beginnt natürlich wieder mal bei Null. Aber Kaim ist nicht nur unsterblich, er hat auch ein Talent, was sich wohl jeder Schüler wünscht: er lernt im Schlaf! Immer wieder findet man in der offenen Spielwelt bestimmte Orte oder Figuren, bei denen Kaim in eine Art Trance verfällt und sich wieder an seine Vergangenheit erinnert. Die Geschichten über den Verlust seiner Familie, seiner Geliebten und Freunde kann man in sehr guten, wenn auch sehr langen Textpassagen nachlesen. Teilweise kommt man sich vor wie in einem interaktiven Buch.
Neben imposanten Bosskämpfen (links) stehen natürlich auch Handel und Dialoge mit Stadtbewohnern (rechts) zur Verfügung.
Zenturio_Kratos 12 Trollwächter - 1162 - 26. September 2009 - 19:01 #

toller Test, wirklich gut geschrieben

Shigawire 11 Forenversteher - 613 - 26. September 2009 - 20:50 #

An der Geschichte von LO mäkeln, aber im Fazit dann mit Oblivion oder Drakensang aufwarten. Einen Verweis auf Planescape Torment hätt ich ja eingesehen aber die anderen beiden nicht. Ebenso kann Last Remnant nicht im entfernsten mit LO mithalten, das geht schon mit der Technik und dem endlosen Grind los. Aber das führt zu weit vom Thema weg. LO ist bis dato in dieser Konsolengeneration das beste - wenn auch manchmal etwas old-school - J-RPG. Nicht zu schwer, nicht zu leicht, Grind auf einem akzeptablen Minimum, stimmige Technik samt schöner Story und Charaktere. Wobei für mich die Kurzgeschichten das heimliche Highlight sind - aber ich lese halt auch gern.

Vin 18 Doppel-Voter - 11829 - 26. September 2009 - 21:12 #

ich vergleiche LO ja nicht in Sachen Story mit Oblivion und Drakensang. Ich habe beide als Beispiele für die beiden westlichen Rollenspielarten (Actionlastig und Pen & Paper) genommen, da sie ja durchaus bekannt und auch gut sind. Schließlich gibt es einige, vor allem PC orientierte Spieler die recht wenig bis gar keine japanische Rollenspiele gespielt haben.
Das Last Remnant deutlich unter LO liegt ist wahr, aber trotzdem ist das Spiel eines der besseren, z.B. Infinite Undiscovery. Die Traumgeschichten sind aber echt schön geschrieben, wäre halt klasse wenn sie vollständig vertont wären. Aber dann bräuchte man wohl 4 Blu Rays :D

Atomsk 16 Übertalent - 4878 - 27. September 2009 - 13:51 #

"...eines der wenigen guten Japan-RPG auf Microsoft's Konsole." - Eternal Sonata, Star Ocean, Blue Dragon, Tales of Vesperia... es gibt schon noch ein paar ^^

Was mir an LO richtig gut gefallen hat, war die erwachsene und melancholische Stimmung, untermalt von einem grandiosen Soundtrack. Imho der beste, den Uematsu seit FF 6 gemacht hat, gespickt mit vielen Reminiszenzen an die glorreichen 16-Bit-Jahre. Das waren noch Zeiten, schnüff...

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 138311 - 28. September 2009 - 12:27 #

Sehr schöner Text, der mir - als Laie auf diesem Gebiet - einen guten Überblick gibt.

Matti 16 Übertalent - P - 4233 - 30. September 2009 - 12:39 #

Kann man das Spiel denn nicht auf die Festplatte installieren? Da sollte es doch mit den Nachladerucklern keine Probleme geben oder?

Orxus 13 Koop-Gamer - 1436 - 30. September 2009 - 13:17 #

@ Matti
klar kann man eine CD installieren _ABER_ da es 4 sind schluckt es dein Volumen. Die paar sekunden die nachgeladen werden kann man sehr gut mit trinken oder andern aktivitäten auffüllen ;)
z.b. nach lösung im web schaun

Zum Beitrag
sehr schön geschrieben :)

DigiDragon 06 Bewerter - 92 - 9. Dezember 2009 - 21:29 #

guter Artikel

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