GG-Kurztest: Papo & Yo

PS3
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Benjamin Braun 341100 EXP - Redakteur,R10,S10,C10,A10,J10
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5. September 2012 - 12:00 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Seit Jahren türmen sich auf Xbox Live Arcade die Download-Spiele an – und nicht allzu selten sind Titel darunter, die so manches Vollpreisspiel mühelos in Qualität und manchmal gar im Umfang ausstechen. Von der Masse auf XBLA ist das Playstation Network noch eine ganze Ecke entfernt, doch dafür gibt es dort immer wieder auch Spiele, die alles andere als herkömmlich sind. Nicht, dass es das auf XBLA gar nicht gäbe, aber Abenteuer wie Journey, Flower oder das Vita-Spiel Escape Plan sind Exklusivspiele der besonderen Art. Zu diesen Spielen zählt auch das vor kurzem für PS3 veröffentlichte Papo & Yo. Darin geht es um einen kleinen Jungen, der sich vor lauter Angst seine eigene Traumwelt erschafft, um so der grausamen Wirklichkeit zu entfliehen. Doch auch in der südamerikanisch anmutenden Kulisse seiner Gedankenwelt manifestieren sich seine Ängste in Form eines rosafarbenes Monsters. Zunächst zeigt der Riese, der Ähnlichkeit mit einem Rhinozeros hat, dem Kleinen nur seine beinahe sanftmütige Seite. Doch je weiter der Junge in seine Traumwelt vordringt, umso mehr zeigt auch das Monster sein wahres Gesicht.

Magische Luftschlösser

In Papo & Yo übernehmen wir die Rolle des kleinen Quico, mit dem ihr zu Beginn in eine fanatische Welt entlassen werdet. Friedlich wirkt die Welt, in der allerlei sonderbare Dinge möglich sind. Mit Schaltern und anderen Objekten ist der Junge in der Lage, die Welt zu verändern, Durchgänge zu schaffen, Barrieren einzureißen. Doch der schöne Schein dieser Fantasiewelt trügt. Nicht nur, weil das alles so realitätsfremd scheint, sondern auch, weil Teile der Welt nicht fertig sind. Überall begegnen uns „unbemalte“ Flächen und überall sind Risse zu erkennen, in denen wir immer wieder daran erinnert werden, dass das alles nicht echt ist. Dass wir uns auf der Flucht befinden. Nur vor was? Ein kleines Mädchen führt uns auf den rechten Weg und will uns einen Weg zeigen, das Monster ein für allemal loszuwerden. Sie gibt uns einen Kuss auf die Wange, demonstriert Zuneigung. Unsere erste große Liebe?

Das Monster, eine Manifestation einer Autoritätsperson – des Vaters. Mal rettet er uns aus einer bedrohlichen Situation, zeigt sich liebenswert, wenn er schläfrig in seine Ecke geht, um ein Nickerchen zu machen. Und andererseits wird er fuchsteufelswild. Er tötet uns nicht, aber er greift uns scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste an. In diesen Momenten ist nichts mehr da vom sanftmütigen Riesen, doch die Trennung von ihm scheint unmöglich, so lange er nicht komplett aus unserer Gedankenwelt verbannt wurde. Und wie bringt man das übers Herz, wenn es doch auch so viel Gutes in diesem jemand gibt? Es sind keine einfachen Themen, die Papo & Yo anschneidet, auch wenn die äußere Fassade des Spiel beinahe durchweg seinen kindlichen Charakter aufrecht hält. Doch die Verbildlichungen der Grundthemen des Spiels sprechen eine deutliche Sprache. Hier geht es um ein Kind, das so Schreckliches von einem nahestehenden Menschen erfahren hat, dass es sich selbst in seinen Träumen davor retten zu müssen glaubt.


Der Junge und das Monster ergänzen sich an vielen Stellen im Spiel. Noch ist der Riese sehr sanft.


Das Spiel nicht vergessen

Auch wenn sich in Papo & Yo vieles auf einer übergeordneten Ebene abspielt, vergisst das Spiel nicht das, was es ist: Ein Spiel. Um das Ziel eurer Reise zu erreichen, müsst ihr zwangsläufig diverse Schalter und Zahnradapparaturen bedienen, die in gezeichneter Form auf den Gebäuden der Spielwelt zu finden sind. Anfangs sind die Aufgaben noch besonders simpel, wenn wir ein paar Kisten auf deutlich sichtbare Quadrate am Boden stellen müssen oder einen gezeichneten Griff an einer Wand ergreifen, um ein paar Treppenstufen hervorzuholen, über die wir etwa ein Dach erreichen können. Später wird es ein wenig anspruchs- vor allem aber noch fantasievoller. Nicht allzu lang müsst ihr warten, bis das Monster an eurer Seite ist. Ihr könnt es nicht direkt steuern, aber beeinflussen, was es tut. Zum Beispiel verfüttert ihr Kokosnüsse an ihn und seid damit auch in der Lage, ihn auf Druckschalter zu locken oder auch mal auf eine Plattform, die ihr dann per Schalter nach oben hievt. Meist müsst ihr nämlich eurem Begleiter den Weg frei machen oder ihn einfach in einen anderen Bereich bringen, damit ihr dort weitere Schalter betätigen könnt.

Hat der Riese gefressen, legt er sich irgendwo zum Schlafen hin. Dann können wir auf ihn drauf klettern und seinen dicken Bauch als Trampolin benutzen. Aber nicht alles Essbare macht ihn so ruhig. Später gibt es auch Frösche, die das Monster ziemlich in Rage versetzen. Dann geht er im wahrsten Sinne des Wortes in Flammen auf und verwandelt sich in einen finsteren Dämon, der uns unaufhörlich hinterherjagt, uns packt und wegschleudert, wenn wir nicht schnell genug aus dem Weg gehen. Sterben könnt ihr im Spiel aber nicht, selbst wenn ihr in die Tiefe stürzt, werdet ihr rasch an einem bestimmten Punkt des Levels wiederbelebt. Später müsst ihr diese Eigenschaft des rosafarbenen Ungetüms ebenfalls ganz gezielt beim Lösen der Rätsel einsetzen und ihn dann mit einer gefrorenen Kokosnuss wieder zur Vernunft bringen. Das gilt auch für einen Spielabschnitt, in dem ihr ein paar schwebende Plattformen korrekt anordnen müsst, um ein Tor zu öffnen. Sehr gut gefallen hat uns auch eine Aufgabe, bei der wir nach und nach ein paar Gebäudeteile „aktivieren“ mussten, damit diese sich zu einem großen Turm zusammenfügen. Den müsst ihr dann zur Brücke zweckentfremden, indem ihr in manuell dreht und senkt.

Manchmal wird das Monster fuchsteufelswild und greift uns an. Wie fast alles andere auch hat das nicht nur spielerisch, sondern vor allem für die Botschaft des Spiels eine sehr wichtige Bedeutung.

Simples Prinzip, viel Abwechslung


Die Rätsel sind grundsätzlich eng mit der Fantasiewelt verknüpft und bieten wie beim bereits erwähnten aufgeschichteten Häuserturm so einige fast schon märchenhafte Elemente. Und auch hier versteckt sich so manches Bild, das gedeutet werden kann. Häufiger kombiniert das Spiel die Aufgaben mit kleineren Jump-and-Run-Einlagen, in denen uns auch Charakter Lula behilflich ist. Lula ist ein kleiner Spielzeug-Roboter, der Quico gehört und mit dem er in seiner Welt kommunizieren kann. Fast scheint es so, als sei er sein einziger Freund in der realen Welt, der das einzig wirklich Gute in seinem Leben ist. Wohl auch deshalb ist er beim Vorankommen hilfreich, nein, unerlässlich. Mit ihm könnt ihr nicht nur bestimmte Schalter aus der Distanz aktivieren, indem ihr ihn darauf werft, er hat auch eine kleine Düse, mit der ihr eine Art Doppelsprung ausführt, um größere Sprungdistanzen zu überwinden. Das stellt keine Ansprüche an eure Fingerfertigkeit wie ein Rayman. Viel mehr steht auch dabei der Rätselaspekt im Vordergrund, bei dem ihr herausfinden müsst, von welchem Punkt aus ihr per Sprung eine andere Ebene erreichen könnt. Für erfahrene Rätselfreunde sollten die gestellten Aufgaben auch trotz immer wiederkehrender Grundelemente zu keiner Zeit ein Problem darstellen. Falls ihr aber doch mal nicht weiter wisst, steht in so ziemlich jedem Bereich eine Pappkiste bereit, die euch Tipps zur Lösung gibt. Wie auch sonst so sehr im kindlichen Stil gehalten, stülpt Quico sich die Dinge zu diesem Zweck über den Kopf.

Sehr hübsch mit Abstrichen


Papo & Yo mag nur ein kleines PSN-Spiel sein, aber das merken wir dem Abenteuer nur selten an. Die Umgebung ist auch qualitativ sehr ansprechend gestaltet. Die Animationen sind größteils ziemlich gut, wenngleich es auch ein paar etwas hakeligere Bewegungsabläufe sowie gelegentliche Probleme mit der Kollisionsabfrage gibt. Hin und wieder ruckelt die Grafik zudem ein bisschen und in den vergleichsweise seltenen Dialogen, die wir nur aufgrund der eingeblendeten Texte verstehen können, gibt es überwiegend keinerlei Mimik. Besonders erfreulich dennoch, dass uns die berühmt berüchtigten Texturnachlader vieler anderer Spiele mit Unreal-3-Engine erspart bleiben. Gefallen hat uns die Welt im Spiel des Entwicklers Minority aber vor allem aufgrund des fantasievollen Designs und der zahlreichen gelungen Kamerafahrten, die die Veränderung der Umgebung zeigen. Dass es sich bei Papo & Yo mehr um Kunst als um Spiel handelt, ist auch der Soundkulisse anzumerken, die häufiger diesen abenteuerlichen und gleichsam mysteriösen Klang hat, wie er uns in etwa durch den Kopf gehen würde, wenn wir an ein tibetisches Kloster denken. Und sobald das Monster wie wahnsinnig umhertrollt, wird der Sound mitunter auch sehr dramatisch. Optik und Akustik sorgen vielleicht nicht für so große Stimmungsanreize wie That Games Companys Journey, aber es erzielt phasenweise eine ähnliche Wirkung, regt zum Interpretieren des Erlebten und allgemein zum Nachdenken an.


Fast alle Aktionen im Spiel haben Rätselcharakter. Meist müsst ihr für die Lösung aber auch kleinere Jump-and-Run-Passagen absolvieren, die von der Handhabung her allerdings relativ simpel sind.

Fazit: Märchenhaft und ernst zugleich

Papo & Yo ist in erster Linie ein Trip durch eine fantastische Welt, die zum Träumen einlädt – und dann doch wieder eine, die sehr ernste Themen anschneidet und diese in Form von Metaphern in stimmungsvolle Bilder verpackt. Es ist eine Allegorie, die im Gegensatz zum äußerst verträumten und mitunter sehr düsteren Journey zu keiner Zeit vergisst, dass es ein Spiel ist. Denn auch wenn die grundlegende Spielmechanik nicht sonderlich viele verschiedene Aktionen zulässt, bleiben die Rätsel doch vom Start weg bis hin zum gut vier bis fünf Stunden entfernten Ende genügend anspruchsvoll und abwechslungsreich. Und auch wenn grafisch nicht alles perfekt ist, wie zum Beispiel die gelegentlichen Ruckler oder kleinere Mängel im Detail, verströmt das Spiel auch visuell eine Stimmung, wie sie viele andere Spiele mit High-End-Grafik nicht erreichen. Solltet ihr Besitzer einer Playstation 3 sein, können wir euch dieses Abenteuer nur wärmstens ans Herz legen. Denn genau dort dürfte es landen, wenn ihr es spielt.
McGressive 19 Megatalent - 14000 - 5. September 2012 - 12:05 #

Yay, da ist ja doch noch der Test!
Hatte ja erwartet, dass Philipp den Test macht (nachdem er so 'vorfreudig' war), aber so passt's schon ;)

Benjamins Test hört sich wirklich sehr gut an. Andere Online-Reviews sind sich da ja sehr uneinig, ob der Qualität dieses Spiels...
Zugegebenermaßen habe ich auch noch gezögert (obwohl mir die Demo gut gefallen hat), aber in diesem Fall gibt GG den Ausschlag.

Doof nur, dass ich lediglich 11 Euro Restguthaben habe :ugly:

Thomas Barth 21 Motivator - 27689 - 5. September 2012 - 12:18 #

Danke für den Test.
Nachdem ich euren Journey-Test gelesen habe, habe ich mir die Collectors Edition in Kanada vorbestellt und vor ein paar Tagen meine erste Journey gemacht und muss sagen, dass euer Test das Spiel einfach hervorragend beschrieben hat. Von daher ist Papo & Yo nun auch ein Pflichtkauf, auch wenn ich diesmal nicht warten möchte, bis eine Disc-Version rauskommt. :)

DJHolzbank 09 Triple-Talent - 339 - 5. September 2012 - 12:19 #

Es wäre schön, wenn Ihr den realen Preis des Spiels in den Übersichtskasten oben rechts schreiben würdet - die Info, dass eine Gamecard 52,95 € kostet, nützt mir nichts.

Tr1nity 28 Endgamer - 101074 - 5. September 2012 - 12:24 #

Das geht wohl leider von dem implementierten System her nicht. Abgesehen davon wäre es sinnvoller sowas im Verbesserungsvorschläge-Thread im Feedbackforum zu posten.

steever 17 Shapeshifter - P - 6513 - 5. September 2012 - 12:48 #

mal davon abgesehen, aber wer bezahlt denn über 50€ für etwas das 50€ wert ist? ^^

blobblond 19 Megatalent - 18447 - 7. September 2012 - 12:50 #

Jup man kann sich nur wundern über diesen Shop,warum muss man mehr zahlen als auf der Karte drauf ist?

FLOGGER 17 Shapeshifter - 8926 - 5. September 2012 - 12:46 #

Ui! Ich dachte das Spiel gibt es für PC. Auf PS3 passt es doch in mein Beuteschema.

KingPott 17 Shapeshifter - 7272 - 5. September 2012 - 12:53 #

Ob das Spiel halten kann was man davon erwartet?
erwachsene interaktive Unterhaltung mittels Darstellung einer kindlichen Phantasie?
Es ist zu hoffen.

Flitzefisch 17 Shapeshifter - P - 6006 - 5. September 2012 - 12:57 #

Im Abschnitt "Magische Luftschlösser", erster Absatz fehlt ein "n": Mit Schaltern und anderen Objekte"n".

Darth Spengler 18 Doppel-Voter - 9292 - 5. September 2012 - 14:58 #

Das geht ja mal garnicht xD Hungriger Hugo + Mutant ...

Da bin ich zu konservativ ^^

Giskard 13 Koop-Gamer - 1279 - 5. September 2012 - 15:35 #

Im PSN gibt es die passende Demo.
Nach der war ich mehr als begseitert von dem Titel und werde es mir zulegen, sobald es unter 10€ rutscht...

Cartman 08 Versteher - 153 - 28. Oktober 2012 - 13:52 #

Hab die demo auch gespielt. Nice :D

Anym 16 Übertalent - 4962 - 4. Januar 2013 - 0:30 #

das so
größteils

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